Lehrplan PLUS

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Bildungs- und Erziehungsauftrag für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung

1 Kinder und Jugendliche mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung
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Sozial-emotionale Fähigkeiten ermöglichen es Schülerinnen und Schülern, in positiver Weise Kontakte zu gestalten, Konfliktsituationen konstruktiv zu lösen, soziale Normen und Regeln zu beachten sowie Interessen und Bedürfnisse auszudrücken und diese angemessen in der Gemeinschaft zu vertreten. Interaktionsprozesse auf persönlicher, familiärer, gesellschaftlicher und schulischer Ebene beeinflussen die innere Erlebens- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler. Treten hier Störungen auf, so führen diese zu Beeinträchtigungen im individuellen Erleben und sozialen Handeln.

Selbstwertgefühl, Ich-Stärke, Selbstverantwortung, Impulskontrolle und Verlässlichkeit  sind persönliche Merkmale und Kompetenzen, deren Entwicklung durch familiäre und soziale Lebensbedingungen und das schulische Umfeld von Kindern und Jugendlichen beeinflusst werden.

Aggressives, regressives oder introvertiertes Verhalten von Schülerinnen und Schülern ist häufig zurückzuführen auf das Erleben von Angst und Hilflosigkeit, von sozialem Ausschluss, Armut und emotionaler Überforderung. Beispielsweise entwickeln sie Tics, lassen depressives und ängstliches Verhalten erkennen, ziehen sich auf sich selbst zurück, zeigen kaum Initiative und sind wiederholt krank oder entdecken das Kranksein als Ereignis, auf das andere mit Zuwendung reagieren.

Gesellschaftliche und familiäre Faktoren sowie individuelle Dispositionen wirken auf Entwicklungsprozesse und Verhaltensmuster von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung. Familiäre Belastungsfaktoren für die kindliche Entwicklung können emotionale Verwahrlosung, mangelnde Zuwendung oder wenig Zeit für Gespräche im Elternhaus sein, verbunden mit übersteigerten Gehorsams- und Leistungserwartungen, Drohungen und Gewalt. Weitere Risikofaktoren sind inkonsequentes und unberechenbares Verhalten, Partnerschaftsprobleme, Sucht und Straffälligkeiten der Eltern. Auch Überbehütung, Verwöhnung oder eine unsichere Bindung beeinflussen das emotionale Erleben und soziale Handeln der Schülerinnen und Schüler.

Übergeordnete gesellschaftliche Faktoren haben ebenfalls Einfluss auf Interaktionsprozesse im persönlichen, familiären und schulischen Bereich. Finanzielle Notlagen können Familien und insbesondere deren Kinder in die soziale Isolation führen. Fehlende Konsummöglichkeiten werden häufig als Makel empfunden und haben den Rückzug aus Gruppen und Vereinen zur Folge. Die Möglichkeit, soziale Erfahrungen zu sammeln und Halt gebende Bindungen einzugehen, bleibt diesen Kindern und Jugendlichen somit verwehrt. Fehlen hinreichende Spiel- und Bewegungsräume in der Wohnung oder Umgebung, können sie kaum ausreichende Bewegungserfahrungen sammeln.

Im schulischen Kontext zeigen Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung häufig wenig Motivation und Interesse am unterrichtlichen Geschehen. Kurze Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspannen gepaart mit einer hohen Ablenkbarkeit hindern sie an der Entfaltung ihrer Leistungspotenziale. Ausdauer, Lerntempo und Belastbarkeit unterliegen Schwankungen. Spontane Arbeitsbereitschaft und Übereifer werden häufig abgelöst durch Resignation, Mutlosigkeit und Enttäuschung. Schülerinnen und Schüler fordern oft ein hohes Maß an Zuwendung der Lehrkraft ein. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, Leistungen realistisch einzuschätzen. Sie weichen Anforderungen aus, haben ein übersteigertes Selbstbewusstsein und Statusdenken oder ziehen sich in Traumwelten zurück. Förder- und Hilfeangebote lehnen sie ab oder nehmen sie gleichgültig wahr.

Auf unklare Regeln, persönliche Entwertungen, Über- oder Unterforderungen, Konsequenzen oder auf unbegründete Beschuldigungen reagieren Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung häufig stark impulsiv. Zur Lösung dieser belastenden Situationen sind sie auf pädagogische Hilfe von außen angewiesen.

Andauernde motorische Aktivitäten und permanente innere Unruhe sind auf innere Spannungszustände zurückzuführen, die psychosomatische und psychomotorische Auswirkungen haben können.

Einige Schülerinnen und Schüler ziehen sich ängstlich zurück, verharren in Passivität oder sind gehemmt im Verhalten. Hilflosigkeit und fehlendes Selbstvertrauen lassen sie an Angeboten für selbständiges Lernen scheitern, Partner- und Gruppenarbeiten lehnen sie ab. Diese Kinder und Jugendlichen fallen häufig nicht auf, da ihr Verhalten von der Lehrkraft nicht als störend empfunden wird. Es zeigen sich jedoch Auswirkungen wie selbstverletzendes Verhalten, Resignation und Rückzug auf frühe Entwicklungsphasen und Verhaltensmuster.

Herausforderndes Verhalten in der Schule entsteht auch durch die fehlende Anpassung von Erziehungs-, Förder- und Lernangeboten an die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. So kommt es mitunter zu Wechselwirkungen, die in einen Kreislauf von geringem Selbstwertgefühl, Versagenserfahrungen und Misserfolgserwartungen führen können. Dieser ist häufig mit ungünstigen Prognosen für die weitere individuelle emotionale und soziale Entwicklung verbunden.

Kinder und Jugendliche mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung brauchen Unterstützung und Verständnis, um emotionales Erleben, soziales Handeln sowie Lern- und Leistungsanforderungen der Schule in eine Balance zu bringen. Aufgabe von Schule ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Schülerinnen und Schüler sich in ihrem Verhalten angenommen fühlen und auffälliges Verhalten nicht vorschnell als Verhaltensstörung bewertet wird.


2 Werteorientierung in einer demokratischen Gesellschaft
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Das pädagogische Handeln im Bildungs- und Erziehungsprozess von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung beruht auf den Grundsätzen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern sowie auf den in Artikel 131 der Verfassung des Freistaates Bayern genannten Bildungszielen. Eine weitere Grundlage bildet das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen.

Auf der Grundlage dieser Werte, Grundsätze und Bildungsziele erfahren und pflegen die Schülerinnen und Schüler im schulischen Alltag einen demokratischen, achtsamen, toleranten und respektvollen Umgang. Im gemeinsamen Schulleben und durch die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Lebensweisen erweitern sie ihren Erfahrungshorizont, ihre Bewertungsmaßstäbe sowie ihre Handlungsmöglichkeiten. Die Lehrkräfte unterstützen die Schülerinnen und Schüler auf den Weg, Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen zu übernehmen, um als Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und dieses mitzugestalten. Kinder und Jugendliche haben das Recht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten an Entscheidungen mitzuwirken, die sie selbst sowie die Klassen- und Schulgemeinschaft betreffen.


3 Bildung und Erziehung von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung
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Die individuellen Förderbedürfnisse von Schülerinnen und Schülern erstrecken sich vor allem auf die Entwicklungsbereiche Emotionen und soziales Handeln sowie Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien und Kommunikation und Sprache.

Alle Schulen, in denen Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung unterrichtet werden, haben den Auftrag, ein Lernumfeld zu gestalten, in dem Kinder und Jugendliche soziale Fähigkeiten erwerben und festigen können sowie sie zu einer sozial angemessenen Lebensführung zu befähigen. Die Lern- und Lebensumgebung wird so gestaltet, dass sie ganzheitlich und individuell die fachlichen, methodischen, personalen und sozialen Kompetenzen fordert und fördert und dabei an den biografischen, kulturellen, weltanschaulichen und religiösen Erfahrungen anknüpft. Eine wertschätzende und annehmende pädagogische Beziehung begleitet die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu einer positiven Lebenssicht und zu personaler Identität. Die zentrale Herausforderung eines gelingenden Bildungsprozesses stellt das Finden der Balance zwischen notwendiger Unterstützung und weitestgehender Selbständigkeit dar.

Das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung ist neben der allgemeinen Schule ein alternativer schulischer Lernort oder kann temporärer Förderort sein. Im Anschluss an den Besuch des Kindergartens, der Kindertageseinrichtung oder der Schulvorbereitenden Einrichtung wird der Bildungs-, Erziehungs- und Förderauftrag am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung oder in der allgemeinen Schule verwirklicht. Die Entscheidung für den Besuch eines Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung obliegt den Eltern bzw. Erziehungs- oder Sorgeberechtigten. Förderzentren erfüllen den Anspruch des bayerischen Bildungssystems auf eine hohe Durchlässigkeit zum einen innerhalb des Systems der verschiedenen Förderzentren und zum anderen durch die Begleitung der Übergänge in allgemeine Schulen sowie in die Berufsschule oder die Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung.

Die an Unterricht, Förderung und Erziehung beteiligten Personen wirken partnerschaftlich mit Eltern, Erziehungs- und Sorgeberechtigten, Familien sowie mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer Bildungseinrichtungen zusammen, um die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Bildungsweg zu begleiten.


3.1 Profilbildende Elemente des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung
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Förderzentren orientieren sich mit ihrer sonderpädagogischen Professionalität in besonderer Weise an den Lern-, Erziehungs- und Entwicklungsbedürfnissen von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung. Mit Diagnosekompetenz, qualifizierten methodisch-didaktischen, pädagogischen und individuellen Förderangeboten im Unterricht und Schulleben sowie durch die Gestaltung der Übergänge in die allgemeine Schule, in die berufliche Vorbereitung oder Ausbildung unterstützt es ihre individuelle Entwicklung.

Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung bauen regional unterschiedliche Modelle der Kooperation mit Grund- und Mittelschulen auf. Darüber hinaus bilden sie Netzwerke mit inner- und außerschulischen Partnern, um individuelle Bildungs- und Lebenswege der Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Förderzentren mit dem Schulprofil Inklusion zeichnen sich in besonderer Weise durch weit gefächerte inklusive Netzwerke aus.


Interdisziplinarität und Kooperation
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Eine ganzheitliche Sichtweise auf Schülerinnen und Schüler am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung erfordert die Zusammenarbeit aller an der Erziehung und Bildung Beteiligte. Dies sind neben den Eltern und Erziehungs- und Sorgeberechtigten Fachkräfte innerhalb eines interdisziplinären Teams aus Lehrkräften für Sonderpädagogik, Heilpädagoginnen und -pädagogen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Erziehern sowie Schulbegleitungen.

Neben der Zusammenarbeit verschiedener Professionen innerhalb des Förderzentrums besteht eine enge Kooperation mit außerschulischen Partnern wie Heilpädagogischen Tagesstätten, Einrichtungen der Jugendhilfe, Fachdiensten, Therapieeinrichtungen, Arbeitsagenturen, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und anderen an der Erziehung und Förderung beteiligten Unterstützungssystemen. Ihre kooperative Vernetzung ist Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags.

Maßnahmen, die Schülerinnen und Schüler in ihrem Erleben, Verhalten und im Lernen unterstützen, entfalten umso intensiver Wirkung, je regelmäßiger sie eingesetzt werden. Eine enge Zusammenarbeit mit Therapeutinnen und Therapeuten, Pädagoginnen und Pädagogen der Heilpädagogischen Tagestätte und den Erziehungs- und Sorgeberechtigten ermöglicht die Konstanz pädagogischer Konzepte über die gesamte Tages- und Wochenstruktur der Kinder und Jugendlichen hinweg. Enge Absprachen zwischen allen beteiligten Personen bieten den Kindern und Jugendlichen eine Sicherheit gebende Orientierung an festen Regeln, Werten und Haltungen, um erwünschte Verhaltensmuster aufzubauen.

Ab der Jahrgangsstufe 7 des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung kommen den Eltern und Erziehungs- und Sorgeberechtigen sowie außerschulischen Partnern im Zuge der Berufsorientierung wichtige Beratungs- und Entscheidungsfunktionen zu. Bei Fragen der Berufsvorbereitung unterstützen Beraterinnen und Berater der Agentur für Arbeit die Jugendlichen. Eine verantwortungsbewusste und auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehende Planung der Ausbildung wird durch einen umfassenden Austausch aller Beteiligten sichergestellt. In regelmäßigen Gesprächen werden Informationen über die individuelle Entwicklung des Lern- und Sozialverhaltens und entsprechende Fördermaßnahmen, Hilfsmittel und Therapien ausgetauscht.

Die Schule zeigt eine wertschätzende Haltung gegenüber den Eltern sowie Erziehungs- und Sorgeberechtigten und erkennt die Vielfalt von Lebensentwürfen an. Eltern werden aktiv in schulische Entwicklungsprozesse eingebunden und beteiligen sich an der Gestaltung des Schullebens.


Offene und gebundene Ganztagsschule
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Offene und gebundene Ganztagsangebote am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung erfüllen neben der Betreuung von Schülerinnen und Schülern am Nachmittag auch erzieherische und schulische Aufgaben. Im Klassenverband oder in einer jahrgangsübergreifenden Gruppe begleiten Lehrkräfte oder pädagogisches Fachpersonal konzeptorientiert die Schülerinnen und Schüler während der Mittags- und Hausaufgabenzeit, beim verpflichtenden Unterricht der Regelklasse oder bei Wahlfach- und Freizeitangeboten mit sportlichen, musischen und gestalterischen Aktivitäten.

In der gebundenen Ganztagsschule ermöglicht eine rhythmisierte Verteilung von Pflichtunterricht, Lernzeiten und Entspannungsphasen über den gesamten Unterrichtstag die Orientierung an den speziellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung. Schulische Konzepte zu Erziehung und Bildung werden durch den ganztägigen Einsatz der Lehrkräfte am Nachmittag fortgeführt und erfahren dadurch nachhaltige Wirkung. Daneben ermöglicht der Besuch einer gebundenen Ganztagsschule Schülerinnen und Schülern mit besonderen Begabungen, Interessen oder Lerndefiziten zusätzliche Lern- und Übungszeiten und bietet gleichzeitig den Raum und die Zeit für die Durchführung von Projekten, z. B. zur Gewaltprävention, Freizeitgestaltung, Berufsorientierung.


Schulsozialarbeit und Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS)
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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulsozialarbeit und Jugendsozialarbeit an Schulen, die teilweise räumlich am jeweiligen Förderzentrum verankert sind, unterstützen Schülerinnen und Schüler in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung. Insbesondere bei sozialen oder individuellen Belastungen erhalten diese Schülerinnen und Schüler somit frühzeitig und niederschwellig geeignete Angebote zum Ausgleich ihrer Problemlagen. Unterstützt werden sie dabei durch eine enge Zusammenarbeit mit der Schulleitung und den Lehrkräften des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.


Diagnostik, Förderdiagnostik und Förderplanung
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Die individuelle Lernausgangslage und der emotionale und soziale Entwicklungsstand werden regelmäßig bei Schuleintritt als Eingangsdiagnostik und zu Beginn des Schuljahrs oder vor einer Lernsequenz als Verlaufsdiagnostik erfasst. Im Rahmen der Eingangsdiagnostik bzw. der Schulaufnahme werden umfassende diagnostische Maßnahmen eingesetzt, deren Ergebnisse in einem sonderpädagogischen Gutachten beschrieben sind. Dieses ist die Grundlage des Förderplans. Förderdiagnostik versteht sich als Verlaufsdiagnostik und wird lernprozessbegleitend durchgeführt.

Zur Erfassung der individuellen Lernausgangslage und des emotionalen und sozialen Entwicklungsstands von Schülerinnen und Schülern dienen regelmäßig durchgeführte informelle und standardisierte Verfahren. Screenings ermöglichen einen ersten Einblick in den Entwicklungsstand einer Schülerin und eines Schülers. Offene Verfahren sind ein zentraler Bestandteil diagnostischen Vorgehens im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Dazu gehören offene Verhaltensbeobachtungen in unterschiedlichen Situationen. Beobachtungsbögen zeigen, in welchen Situationen und wie oft ein bestimmtes Verhalten auftritt: Was geht dem Verhalten voraus? Welche Folgen hat das Verhalten? Diese Fragestellungen schärfen das Verständnis für das Entstehen von Verhaltensproblemen sowie deren Dauer und Verlauf. Persönliche Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern, aber auch mit allen am Erziehungsprozess Beteiligten, geben weitere Hinweise auf den emotionalen und sozialen Entwicklungsstand. Dadurch können differenzierte Angebote auf dem individuellen Entwicklungsniveau geplant und durchgeführt werden. Schulleistungstests geben neben schulischen Leistungen in verschiedenen Fächern auch Hinweise auf das Lern- und Arbeitsverhalten der Schülerin und des Schülers. Insbesondere die Verschränkung von Schulleistungsproblemen und Verhaltensschwierigkeiten können durch diese Verfahren analysiert und für die Förderplanung genutzt werden. Soziografische Verfahren ermöglichen der Lehrkraft, Beziehungen innerhalb der Klasse aufzuzeigen, die sich stützend oder hemmend auf das Arbeits- und Lernverhalten auswirken.

In die Förderplanung einbezogen werden medizinische, psychiatrische und neurologische Befunde ebenso wie explorative Gespräche mit Erziehungsberechtigten und mit dem Kind bzw. Jugendlichen selbst, aber auch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Beratungsstellen und Jugendhilfe. Dieser umfassende Blick auf die Schülerin oder den Schüler ermöglicht die Erstellung eines individuellen Fähigkeitsprofils. Stütz- und Risikofaktoren geben wertvolle Anhaltspunkte für Fördermöglichkeiten. Ihre Erfassung ist daher der Ausgangspunkt für die Förderplanung.

Während des Lernprozesses beobachtet die Lehrkraft das emotionale und soziale Verhalten, das Lern-, Arbeits- und Sprachverhalten sowie den Erwerb von Fach- und Methodenkompetenzen. Individuelle Lernfortschritte sowie spezifische Förderbedürfnisse werden fortlaufend im Förderplan dokumentiert. Diagnosegeleitete Förderung nützt dabei die Stärken und Ressourcen von Schülerinnen und Schülern. Die Wertschätzung des individuellen Lernfortschritts ist ein wesentlicher Baustein zum Aufbau eines positiven Selbstkonzepts bei Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung.


Schulvorbereitung
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An Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung kann eine Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) angegliedert sein. Pädagogische, psychologische, heil- und sonderpädagogische Fachkräfte fördern entwicklungsgemäß die emotionalen und sozialen, motorischen, kognitiven und sprachlichen Voraussetzungen für erfolgreiches schulisches Lernen. Im Anschluss an die SVE besuchen die Kinder eine Grundschule oder ein Förderzentrum.


Schulstufen
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Die Grundschulstufe des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung umfasst die Jahrgangsstufen 1 bis 4. Es besteht die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler die Kompetenzen der Jahrgangsstufen 1 und 2 in zwei Jahren oder auch in Diagnose- und Förderklassen in drei Jahren erwerben. Sowohl in der Grund- als auch in der Mittelschulstufe kann jahrgangsgemischt unterrichtet werden. Die Mittelschulstufe führt in den Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 9 zu einem individuellen Abschluss, zum erfolgreichen oder qualifizierenden Abschluss der Mittelschule oder bei Besuch des Mittlere-Reife-Zugs nach der Jahrgangsstufe 10 zum mittleren Bildungsabschluss.


Sonderpädagogische Stütz- und Förderklassen (SFK)
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In Kooperation mit Maßnahmen der Jugendhilfe werden für Schülerinnen und Schüler mit sehr hohem sonderpädagogischen Förderbedarf im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung sowie weiterem Förderbedarf jahrgangsübergreifende Sonderpädagogische Stütz- und Förderklassen eingerichtet. Unterricht, Förderung und Unterstützung der Kinder und Jugendlichen findet in der SFK als gemeinsame Aufgabe von Schule und Jugendhilfe statt.


Gestaltung der Schule und räumliche Ausstattung
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Maßnahmen zur Schulhaus- und Raumgestaltung tragen zur Realisierung eines ganzheitlichen schulischen Konzepts im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung bei. Schulgebäude sind Lern- und Lebensraum. Der dort stattfindende Unterricht und das Schulleben decken zentrale Grundbedürfnisse ab, vermitteln gleichzeitig Struktur und Ordnung und machen Grenzen und Regeln erfahrbar.


Qualitätsentwicklung
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Förderzentren überprüfen regelmäßig die Qualität ihrer Arbeit. Sie entwickeln sich unter Berücksichtigung der sich stets verändernden gesellschaftlichen Bedingungen auf der Basis von Rückmeldungen und gemeinsamen Zielsetzungen weiter. Die Qualitätsentwicklung ist eine zentrale Aufgabe, für die verschiedene Instrumente der internen und externen Evaluation zur Verfügung stehen. Aus den Rückmeldungen zur eigenen Arbeit und Zusammenarbeit können gemeinsam mit Schulaufsichten, Schulleitungen, Lehrerkollegien, Schulgremien und mit den kommunalen oder privaten Trägern anzustrebende Ziele formuliert werden. Schulhausinterne Fortbildungen, Teambesprechungen und Hospitationen sowie institutionenübergreifende und interdisziplinäre Kooperationen helfen den Kollegien dabei, die Qualität schulischer Prozesse beständig weiterzuentwickeln und nachhaltig zu sichern. Zur Förderung der Lehrergesundheit sind Supervision, Coaching, kollegiale Fallberatung und Fortbildungen für Lehrkräfte geeignet. Damit kann gesundheitlichen Belastungen präventiv und interventiv begegnet werden und Lehrkräfte finden Anregungen für einen konstruktiven Umgang mit spezifischen beruflichen Belastungen.


3.2 Profilbildende Elemente für die Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung
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„Inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller Schulen.“ (Art. 2 Abs. 2 BayEUG)

Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung sind in Bayern zum einen Lernort mit bedarfsgerechten Bildungsangeboten und zum anderen Beratungs- bzw. Kompetenzzentren mit sonderpädagogischen Angeboten für allgemeine Schulen. Lehrkräfte für Sonderpädagogik beraten als Mobiler Sonderpädagogischer Dienst (MSD) oder als mobile sonderpädagogische Hilfe (msH) Lehrkräfte der allgemeinen Schule oder anderer Förderzentren, Eltern, Erziehungs- und Sorgeberechtigte. Sie unterrichten, erziehen und fördern Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Bereichen emotionale und soziale Entwicklung in Klassen der allgemeinen Schule, in Kooperationsklassen, im Rahmen alternativer schulischer Angebote sowie an Schulen mit dem Schulprofil Inklusion. Alle kooperativen Lernformen eröffnen Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf Möglichkeiten der Beteiligung an gemeinsamer Bildung und Erziehung.

Der LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung unterstützt die Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung in einem inklusiven Schulsystem. Er gibt Hinweise zur Diagnostik und Förderung für die Lehrkräfte, die mit einer heterogenen Schülerschaft arbeiten, ohne dass dabei sonderpädagogischer Förderbedarf explizit festgestellt sein muss. Durch die synchrone Verwendung des LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung mit dem LehrplanPLUS Grundschule und dem LehrplanPLUS Mittelschule sind die Übergänge zwischen den Förderorten und Schularten anschlussfähig.

Die Vielfalt schulischer Lernorte für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung realisiert sich in folgenden Unterstützungs- und Organisationsformen:


Mobile sonderpädagogische Hilfe (msH)
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Die mobile sonderpädagogische Hilfe (msH) bietet noch nicht schulpflichtigen Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung und deren Familien Angebote vorschulischer Förderung und berät Kindertageseinrichtungen.


Mobiler Sonderpädagogischer Dienst (MSD)
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Der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD) für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung bietet individuelle Unterstützung bei der Erziehung und Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen an Förderzentren mit anderen Förderschwerpunkten, an der wohnortnahen Grund- und Mittelschule sowie an weiterführenden Schulen (Art. 21 Abs. 1 Satz 1 BayEUG).

Zu den Aufgaben des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes gehören Diagnose und Förderung von Schülerinnen und Schülern, Beratung von Lehrkräften, Erziehungsberechtigten sowie der betroffenen Schülerinnen und Schüler, Koordinierung sonderpädagogischer Förderung und Durchführung von Fortbildungen für Lehrkräfte.

Beratungs- und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte der allgemeinen Schule gehören in ihrer Wirksamkeit zu den längerfristig effektivsten Optionen systemischer Unterstützung. Beratung ist insbesondere möglich im Rahmen schulinterner Fortbildungen zu Themen wie Autismus oder ADHS. Als hilfreich haben sich darüber hinaus Angebote erwiesen, die das Kollegium einer allgemeinen Schule bei der Planung und Gestaltung von pädagogischen Tagen zu Themen wie „Förderplanerstellung“ oder „Krisenintervention“ unterstützen.


Kooperationsklassen
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In Kooperationsklassen werden Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet. Kooperationsklassen werden an der Grundschule bzw. der Mittelschule gebildet.

Lehrkräfte für Sonderpädagogik beschreiben den individuellen Unterstützungsbedarf des Kindes oder Jugendlichen und beraten die Lehrkräfte der allgemeinen Schule hinsichtlich der Frage, welche Methoden, Arbeits- und Hilfsmittel, individuelle Aufgabenstellungen sowie Möglichkeiten des sozialen und emotionalen Lernens den Entwicklungsprozess der Schülerin oder des Schülers voranbringen können.


Alternatives schulisches Angebot (AsA)
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Das Alternative schulische Angebot ist ein präventives Angebot an Grund- und Mittelschulen, mit dem Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler darin unterstützt werden sollen, positive Beziehungen innerhalb der Klasse aufzubauen. Dadurch kann ein möglichst störungsfreier Unterricht gewährleistet werden.

Lehrkräfte für Sonderpädagogik mit Erfahrung im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung arbeiten kooperativ mit einer Grund- oder Mittelschullehrkraft als Tandempartnerin bzw. Tandempartner zusammen. Beide tauschen regelmäßig Erfahrungen aus, besprechen Probleme und planen Maßnahmen, die die gesamte Schule betreffen. Dazu binden sie weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb und außerhalb der Schule sowie Eltern mit ein. AsA versteht sich als offenes Angebot, das von allen Lehrkräften und allen Schülerinnen und Schülern einer Schule genutzt werden kann, um schwierigen erziehlichen Situationen lösungsorientiert und konstruktiv zu begegnen.


Allgemeine Schulen mit dem Schulprofil Inklusion
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An allgemeinen Schulen mit dem Schulprofil Inklusion werden Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf wohnortnah beschult. Eine Lehrkraft für Sonderpädagogik berät und unterstützt die Lehrkräfte der allgemeinen Schule bei der Unterrichtung und Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.


Förderzentren mit dem Schulprofil Inklusion
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Förderzentren mit dem Profil Inklusion zeichnen sich durch eine vielfältige Unterstützung der Inklusion in der Region aus. Diese Schulen entwickeln regional angepasste, innovative Ideen und gestalten deren Umsetzung in Unterricht und Schulleben.


3.3 Organisation des Unterrichts
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Der LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung beschreibt Unterrichtsinhalte für die Grundschulstufe und die Mittelschulstufe des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.

Der Unterricht am Förderzentrum schafft die Voraussetzungen für eine möglichst optimale individuelle Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Organisatorisch sind dabei folgende Aspekte zu beachten:

Die Klassen und Gruppen am Förderzentrum setzen sich nach Kriterien und Schwerpunkten zusammen, die jede Schule nach pädagogischen Überlegungen selbst festlegt (z. B. Alter, Jahrgangsstufe, Schulbesuchsjahr, Entwicklungsstand, Förderschwerpunkt, Leistungsstand, soziale Kompetenzen, Schulprofil, berufliche Orientierung, Rückführung, Zusammenarbeit mit Grundschulen und Mittelschulen). Individuelle Förderung wird auch in jahrgangsübergreifenden Gruppen realisiert.

Die Umsetzung des Klassenlehrerprinzips ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die Lehrkraft als Bezugsperson zu erleben und Vertrauen aufzubauen. Dies unterstützt ihre sozial-emotionale Entwicklung. Klassenübergreifende Arbeitsgemeinschaften haben das Ziel, durch Begegnungen und Kennenlernen außerhalb der Klasse Vertrauen zu anderen Mitschülerinnen und Mitschülern und Lehrkräften der Schule zu schaffen. Vorurteile und die daraus entstehenden Konflikte können so verringert werden.

Die Rhythmisierung des Unterrichtstags orientiert sich an den Möglichkeiten und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler und bezieht Phasen der Konzentration bzw. der Bewegung und des Ausruhens gezielt ein.


3.4 Übergänge: Aufnahme und Schulwechsel
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Die Lernbiografie der Schülerinnen und Schüler ist von Übergängen geprägt: der Übergang von der Familie in Kindertageseinrichtungen, von dort in die Schule und der Wechsel zwischen Schulen. Die Erfahrung mit schulischen Übergängen beeinflusst den Umgang mit allen weiteren Übergängen im Entwicklungsverlauf.

Bisherige Erfahrungen und individuelle Unterstützung tragen dazu bei, dass das Kind und die bzw. der Jugendliche die Übergangsphase entsprechend seiner Ressourcen bewältigen kann. Erfolgreiche Übergänge sind Prozesse, die Kinder bzw. Jugendliche und ihre Eltern gemeinsam und aktiv gestalten, unterstützt von vorschulischen und schulischen Einrichtungen. Kinder und Jugendliche, die schulische und familiäre Veränderungen zeitgleich erleben, benötigen ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit und entsprechende Unterstützung.

Alle Personen, die in diesen Phasen für die Kinder und Jugendlichen verantwortlich sind, haben die Aufgabe, den Übergang positiv zu gestalten. In Gesprächen wird geklärt, was der Übergang für die Kinder bzw. Jugendlichen, die Eltern und die Lehrkräfte bedeutet, und welchen Beitrag jeder Einzelne zum Gelingen leisten kann. Der Familie kommt bei allen Übergängen im Bildungsverlauf eine besondere Rolle zu.

Die Einschulung stellt einen wichtigen Übergang in der Bildungsbiografie eines Kindes dar. Der Unterricht im Förderzentrum knüpft an die Kenntnisse und Fähigkeiten an, die die Kinder beim Schuleintritt mitbringen, baut Stärken aus und ermöglicht den Ausgleich von Schwächen. Die Lehrkräfte arbeiten mit Einwilligung und unter Beteiligung der Eltern, mit externen Experten und Pädagogen aus früher besuchten Einrichtungen zusammen. Wenn Kinder die Schulvorbereitende Einrichtung eines Förderzentrums, oder eine Heilpädagogische Kindertagesstätte besucht haben oder von der mobilen sonderpädagogischen Hilfe betreut wurden, liegen bereits Entwicklungsbeobachtungen vor, die Lehrkräfte des Förderzentrums für die individuelle Förderung nützen.

Der Übergang vom Förderzentrum in die wohnortnahe allgemeine Schule hat für die Schülerinnen und Schüler eine hohe Bedeutung. Eine enge Kooperation der aufnehmenden Schule mit der abgebenden Förderschule bereitet intensiv den Übergang vor, der verbunden ist mit der Eingewöhnung in eine neue Klassengemeinschaft, einem räumlichen Wechsel und neuartigen Leistungsanforderungen.

Beim Übergang in die berufliche Bildung findet die Vorbereitung auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt statt. Zur Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 auf die Berufs- und Arbeitswelt werden am Förderzentrum praxisbezogene Maßnahmen zur Berufsorientierung und Berufsfindung (Betriebserkundungen, Praktika an Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung, an Berufsbildungswerken, in Förderstätten, in überbetrieblichen Werkstätten und Betrieben) angeboten. Die Förderzentren arbeiten mit der Berufs- bzw. Rehabilitations-Beratung zusammen.


4 Haltung, Rolle und Aufgaben der Lehrkraft
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Erziehung und Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung zielen neben dem Erwerb von Kompetenzen und Wissen insbesondere auf den Aufbau und die Festigung sozialer Fähigkeiten, die Stärkung der Wahrnehmung für eigenes und fremdes Empfinden und der Entwicklung von Ich-Identität und Ich-Stärke.

Eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiches pädagogisches Handeln ist eine tragfähige Schüler-Lehrer-Beziehung, sie ist unter anderem Grundlage für einen gelingenden Lern- und Entwicklungsprozess. Lehrerinnen und Lehrer gestalten diese auf der Grundlage von Wertschätzung und Achtung. Dies bedeutet insbesondere, als Pädagogin oder Pädagoge die Eigenständigkeit aller Schülerinnen und Schüler zu akzeptieren und gleichzeitig ihre Einbindung in inner- und außerschulische soziale Beziehungen zu erkennen. Eine positive Beziehung zeichnet sich aus durch ein hohes Maß an Verständnis, durch zuverlässige persönliche Zuwendung und durch pädagogisch-psychologische Unterstützung.

Auch und gerade in konfrontativen Situationen akzeptieren Lehrkräfte alle Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeit und bringen ihnen Wertschätzung entgegen, indem sie Verständnis für Motive und Absichten von Verhaltensäußerungen zeigen und die individuellen Entwicklungsbedingungen einbeziehen. Mitfühlend und empathisch erkennen sie emotionale Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen und wissen um die Bedeutung von Authentizität. Sie äußern eigene Gefühle angemessen und sind sich bewusst, dass sie als Verhaltensvorbild und Vertrauensperson wahrgenommen werden. Berechenbares und verlässliches Verhalten der Lehrkraft wirkt zentral für den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses und gibt Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung die Sicherheit und den Halt, die erforderlich sind, um sich auf Lern- und Entwicklungsprozesse einzulassen.

Der Belastung durch die Konfrontation mit schwer beeinflussbarem Schülerverhalten sind sich Lehrerinnen und Lehrer bewusst. Insbesondere das Spannungsfeld Nähe – Distanz erfordert von Lehrkräften eine hohe Reflexionsleistung und Frustrationstoleranz. Darüber hinaus gilt es, die eigenen Grenzen zu akzeptieren und anzunehmen, dass die bestehenden Verhältnisse nicht oder nur begrenzt veränderbar sind. Lehrkräfte zeigen die Bereitschaft, den Mut und den Willen, eigene Sicht- und Handlungsweisen zu überdenken, sie reflektieren und evaluieren ihr unterrichtliches Handeln und ihre eigene Rolle, um unbewusste Handlungsmuster aufzudecken, eigene Anteile in herausfordernden Situationen zu erkennen und Veränderungen einzuleiten.

Präventive Maßnahmen, wie individuelle Hilfestellungen von Lehrkräften im Unterricht, sind entscheidend für eine positive Lernatmosphäre. Sie ermöglichen Schülerinnen und Schülern individuelle Erfolgserlebnisse, die entscheidend für den Aufbau eines stabilen Selbstkonzepts sind. Klarheit und Konsequenz bei Interventionen bei gleichzeitiger Flexibilität in der Unterrichtsplanung und -durchführung unterstützen die Schülerinnen und Schüler, sich auf Lernprozesse und die Beziehung zu den Lehrkräften einzulassen. Lehrkräfte verstehen sich als Lernbegleiter. Sie bereiten Lernumgebungen vor, die den individuellen Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen und unterstützen sie dabei, das Lernen aktiv und verantwortlich umzusetzen sowie zu reflektieren. In der Begegnung mit Mitschülerinnen und Mitschülern, mit anderen Lehrkräften und mit der Schulleitung werden die Kinder und Jugendlichen angehalten, sich respektvoll und wertschätzend zu verhalten, um den Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens positiv zu gestalten. Die Lehrkräfte zeigen, dass sie jede Schülerin und jeden Schüler mit dessen Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten wahrnehmen.

Diagnostik und Beratung sind bedeutende Aufgabenfelder im Bereich sonderpädagogischer Förderung. Sie werden im Wesentlichen von Lehrerinnen und Lehrern für Sonderpädagogik erbracht. Diagnostische Kompetenz umfasst nicht nur die Kenntnis diagnostischer Verfahren, sondern vor allem auch die Fähigkeit zu genauer Beobachtung. Die Lehrkräfte beschreiben das gesamte System, in dem eine Schülerin oder ein Schüler steht, und berücksichtigen die Tatsache, dass jede diagnostische Erkenntnis auch durch subjektive Sichtweisen der Beobachterinnen und Beobachter geprägt wird. Erfolgreiche Beratungstätigkeit setzt Beratungskompetenz voraus. Dazu gehören das Wissen über den Ablauf von Beratungsprozessen, die Bereitschaft zu regelmäßiger Reflexion der Beraterrolle und die Beherrschung von Techniken der Gesprächsführung.

Lehrerinnen und Lehrer verstehen sich als Partnerinnen und Partner der Eltern, Erziehungs- und Sorgeberechtigten und treten ihnen vertrauensvoll entgegen. Sie erkennen die, auf tägliche Erfahrung beruhende, Expertise der an der Erziehung beteiligten Personen an und verbinden diese mit dem schulischen Erziehungshandeln. Über die individuelle Entwicklung des Lern- und Sozialverhaltens und entsprechende Fördermaßnahmen tauschen sie sich in regelmäßig stattfindenden Gesprächen aus.

An der schulischen Erziehung von Kindern und Jugendlichen mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung ist ein multiprofessionelles Team beteiligt. Um der Forderung nach ganzheitlicher Erziehung gerecht zu werden, müssen verschiedene Maßnahmen innerhalb des Teams abgestimmt werden. Ebenso ist ein kontinuierlicher Informationsaustausch über Beobachtungen zu einzelnen Schülerinnen und Schülern erforderlich. Einzelne Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung werden sowohl am Förderzentrum als auch an allgemeinen Schulen durch Schulbegleiterinnen bzw. Schulbegleiter während des Schulalltags unterstützt. Die Lehrkräfte besprechen gemeinsam mit den Schulbegleitungen notwendige Hilfen und leiten sie im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen an. Dabei behalten sie das langfristige Ziel im Auge, die Schülerinnen und Schüler soweit wie möglich von der Unterstützung der Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter unabhängig zu machen.

Um ihre vielfältigen Aufgaben kompetent wahrzunehmen und aktuelle Entwicklungen der Schulpädagogik nachzuvollziehen, nehmen Lehrerinnen und Lehrer regelmäßig an fachspezifischen Fortbildungen teil. Sie sind bereit, bei Bedarf und nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Angebote Supervision, Coaching oder kollegiale Fallberatung wahrzunehmen, um beruflichen Belastungen präventiv und interventiv zu begegnen.


5.1 Schülerorientierung im Unterricht
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Lernen ist ein aktiver und individueller Prozess, bei dem sich die Schülerinnen und Schüler handelnd mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Der Erwerb von Kulturtechniken, Fach- und Methodenkompetenzen, die Entwicklung von Selbstvertrauen, eines realistischen Selbstbilds sowie von Kritik- und Kooperationsfähigkeit münden in eine Handlungskompetenz, die es ermöglicht, zukünftige Anforderungssituationen und Problemstellungen selbständig und eigenverantwortlich zu bewältigen. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte gestalten Lernen gemeinsam und tauschen sich über Ergebnisse und Lernprozesse aus. Die Beziehung der Pädagoginnen und Pädagogen zum Kind oder zum Jugendlichen ist von entscheidender Bedeutung, damit sie ihrer Rolle als Beobachter, Gestalter, Dialogpartner und Verhaltensmodell gerecht werden können.

Lernen knüpft an individuellen Vorerfahrungen und an der persönlichen Bedeutsamkeit von Inhalten an. Unterrichtserfolge sind gerade für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung stark beeinflusst von der jeweiligen Lebensumwelt und den positiven und negativen Vorerfahrungen. Der LehrplanPLUS bietet Freiräume, um aktuelle Themen aus der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler aufzugreifen.


Die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung
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Basis für erfolgreiches Lernen ist eine verlässliche Lehrer-Schüler-Beziehung. Das Klassenleiterprinzip ermöglicht in besonderem Maße einen zugewandten und stabilen Beziehungsaufbau zu Kindern und Jugendlichen mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung. Gerade unsicher gebundene Kinder und Jugendliche suchen Sicherheit und Kontinuität bei Erwachsenen.

Der Erwerb emotionaler und sozialer Kompetenzen ist ein Lernprozess, der gezielt geplant und vorbereitet wird. Die Lehrkraft ist Vorbild und gleichzeitig wichtiger Interaktionspartner und bietet so für die Schülerinnen und Schüler Orientierung und Modell. Durch die Lehrkräfte erhalten die Kinder und Jugendlichen wertungsfreie Rückmeldungen und beschreibendes Lob, das sie langfristig in ihr Selbstkonzept integrieren. So können sie angemessenes soziales Verhalten erkennen und erproben. Der Erwerb sozial geeigneter Handlungsmuster ist ein zentraler Aspekt im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung und ist permanenter Bestandteil des Unterrichts.


Soziales Lernen
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In der Schule begegnen sich Kinder und Jugendliche, die unterschiedliche Werte und soziale Kompetenzen mitbringen. Als Lern- und Lebensraum bietet die Schule natürliche und strukturierte Situationen für emotionales und soziales Lernen. Die Kinder und Jugendlichen erleben in der Auseinandersetzung mit anderen, wie sie eigene Interessen verfolgen und gleichzeitig als Team produktiv Arbeitsergebnisse erzielen. Die Lehrkräfte nehmen Unterricht als Möglichkeit wahr, Phasen sozialen Lernens bewusst einzusetzen und Situationen gemeinsamen Lernens zu gestalten, zu reflektieren und damit die Entwicklung emotionaler und sozialer Kompetenzen für die Stärkung der Persönlichkeit zu fördern.


Prävention als Element der Unterrichtsorganisation
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Bereits bei der Planung des Unterrichts gilt es, präventiv potenzielle Schwierigkeiten in den Blick zu nehmen. Dabei helfen neben regelmäßigen Beobachtungen der Schülerinnen und Schüler und einem motivierenden und aktivierenden Unterrichtsaufbau auch Strukturierungselemente in Raum und Zeit. Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung benötigen ein Umfeld, in dem sie sich sicher fühlen und ihr Verhalten steuern können. Das Ziel einer hohen Mitarbeit und geringem Fehlverhalten wird durch Maßnahmen zur Gestaltung eines geordneten Unterrichtsverlaufs gewährleistet. Diese werden unter dem Begriff Classroom-Management zusammengefasst.

Die Vorbereitung des Klassenraums ist eine Maßnahme, um Schülerinnen und Schülern Orientierung und Sicherheit zu vermitteln und um Unterrichtsstörungen präventiv zu begegnen. Der Raum ist sinnvoll strukturiert, Materialien und Aktivitäten haben ihren Platz und sind eindeutig gekennzeichnet. Die Lehrkraft reduziert ablenkende Elemente, damit die Schülerinnen und Schüler ihre Aufmerksamkeit auf den Lerngegenstand richten.

Rhythmisierung ermöglicht Schülerinnen und Schülern, sich zeitlich und räumlich zu orientieren und soll dem insbesondere bei Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung vorhandenen Bedürfnis nach regelmäßigem Wechsel von Konzentrations- und Entspannungsphasen Rechnung tragen. Im Unterricht geschieht Rhythmisierung durch die Schaffung von Situationen, die innerhalb einer Unterrichtseinheit bzw. im Tages- sowie Wochenablauf regelmäßig wiederkehren und Tätigkeiten enthalten, die gegensätzliche Handlungs- und Erlebnisqualitäten ermöglichen, wie anspannen und entspannen, anpassen und gestalten, aufnehmen und abgeben, nachahmen und erfinden.

Die Lehrkraft initiiert Lernen, indem sie Lernanlässe schafft und Lernumgebungen gestaltet, die die individuelle Situation der Klasse und der einzelnen Schülerin bzw. des einzelnen Schülers berücksichtigen. Schülerinnen und Schüler erwerben Kompetenzen im Dialog und in Kooperation und organisieren ihre Lernprozesse möglichst eigenständig. Dadurch erfahren die Kinder und Jugendlichen Erfolgserlebnisse und Selbstwirksamkeit.

Damit Kinder und Jugendliche auch belastende Situationen emotional bewältigen, müssen sie sich als erfolgreich in ihren sozialen und kommunikativen Handlungen erfahren. Sie lernen eigene Ressourcen effektiv einzusetzen und erleben dabei, dass sie mit angemessenen sozialen Verhaltensweisen positiven Einfluss auf Konfliktlösungen haben. Die Lehrkraft unterstützt dies mit Lob und Anerkennung. Das Zusammenleben in der Schule und in der Klassengemeinschaft basiert auf klaren Regeln, die den respektvollen Umgang miteinander fördern. Eine positive Peerkultur wird durch demokratische Strukturen innerhalb der Klasse aufgebaut.


Individualisierung und Differenzierung
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Unterricht findet in Klassen, in Lerngruppen und in Einzelförderung statt. Die entsprechenden Sozialformen wie Klassenunterricht, Gruppenarbeit oder Einzelarbeit werden bedarfsgerecht organisiert. Kinder und Jugendliche erwerben Kompetenzen anhand gemeinsamer Aufgabenstellungen, die unterschiedliche Lernwege, Lernergebnisse und Lerntempi zulassen und damit verschiedene Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen sowie spezifische Wahrnehmungsvoraussetzungen beachten. Dieses Vorgehen erfordert Maßnahmen innerer Differenzierung. Individuelles Lernen gelingt vor allem dann, wenn Hilfen in unterschiedlichem Ausmaß angeboten werden, Umfang und Schwierigkeitsgrad der Aufgabe variieren und verschiedene Unterrichtsmedien eingesetzt werden.


Stärkenorientierung
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Die Lehrkraft nimmt bei der Gestaltung einer Beziehung und eines gelingenden Lernprozesses die Ressourcen, Interessen und Stärken einer jeden Schülerin und eines jeden Schülers in den Blick. Vorhandene Defizite werden nicht übersehen, aber ressourcenorientiert und beziehungssensibel von der Lehrkraft analysiert.

Schülerinnen und Schüler lernen im Unterricht auszudrücken, was und auf welchem Weg sie erfolgreich gelernt haben, was ihnen beim Üben noch schwerfällt und welche erreichbaren Ziele sie sich setzen. Dazu gehört auch ein konstruktiver Umgang mit Fehlern. Die Lehrkraft steht dabei unterstützend und beratend zur Seite und ist sich ihrer Vorbildfunktion, insbesondere im Umgang mit eigenen Fehlern, bewusst. Je nach Entwicklungsstand geben Lehrkräfte oder Mitschülerinnen und Mitschüler verbale oder nonverbale Rückmeldungen. Zunehmend differenzierte und individuelle Formen der Rückmeldung sowie der Lerndokumentation und -reflexion binden die Schülerinnen und Schüler als Dialogpartner auf Augenhöhe ein. Durch die Reflexion von Lernwegen und Lernergebnissen nehmen die Kinder und Jugendlichen eigene Leistungen wahr und beschreiben den eigenen Lernfortschritt. Dadurch übernehmen sie schrittweise Verantwortung für ihr Lernen. Reflexion und Bewertung der eigenen Lernwege treten im kompetenzorientierten Unterricht gleichwertig neben die Erarbeitung und Anwendung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten.


Selbsttätigkeit
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Die Fähigkeit zu selbständigem Lernen ist ein notwendiger Aspekt der Selbstbestimmung und ein Beitrag zur Entwicklung der Urteils-, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Kompetenzorientierter Unterricht bietet Lernangebote in Form von Aufgaben und Lernumgebungen an, die eine selbständige und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit Themen und Lerngegenständen ermöglicht, die dem Entwicklungs- und Lernstand der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung entspricht. Mit Blick auf die Zukunftsgestaltung erweitert Selbsttätigkeit die Möglichkeiten der persönlichen und beruflichen Orientierung, indem Methoden, Strategien, Arbeitsweisen und Arbeitstechniken für Problemlösungen eingesetzt werden.


5.2 Kompetenzorientierung im Unterricht
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Der LehrplanPLUS versteht Kompetenzen als fachspezifische und überfachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Wissen und Können miteinander verknüpfen und ebenfalls motivationale und handlungsbezogene Aspekte umfassen. Kompetenzen sind funktional bestimmt, beschreiben also situations- und anforderungsbezogen, über welches Wissen und Können die Schülerinnen und Schüler verfügen.

Kompetenzorientierter Unterricht ermöglicht Schülerinnen und Schülern eine aktive geistige Auseinandersetzung mit lebens- und zukunftsbedeutsamen Themen und Fragestellungen und befähigt sie im Umgang und in der Lösung neuer Aufgaben und Problemstellungen. Dabei bilden Wissen, Verstehen, Können, Erfahrung und Motivation eine Einheit. Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Kenntnisse und Handlungsmöglichkeiten auf der Basis ihrer bisherigen Lebens- und Lernerfahrungen und ihres individuellen Entwicklungsstandes in den Bereichen Emotionen und soziales Handeln, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache und Motorik und Wahrnehmung. Unterrichtsthemen knüpfen an Kompetenzen, Vorkenntnisse und Interessen der Kinder und Jugendlichen an, erweitern und vernetzen diese. Dies führt zum Kompetenzausbau und trägt zum langfristigen Kompetenzerwerb bei.

Kompetenzorientierte Aufgaben ermöglichen den Schülerinnen und Schülern individuelle Zugänge, lassen vielfältige Lösungswege zu, weisen lebensweltorientierte Anwendungsbezüge auf und schaffen die Möglichkeit für Kommunikation und Reflexion der angewandten Lernstrategien. Kompetenzorientierte Themen und Aufgabenstellungen sind so gestaltet, dass alle Schülerinnen und Schüler passende und motivierende Lern- und Übungsmöglichkeiten vorfinden und Aufgabenstellungen entsprechend ihrem jeweiligen Leistungs- und Entwicklungsniveau bearbeiten können.


6 Arbeit mit dem Lehrplan
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Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung werden unabhängig von ihrem Förderort nach dem LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung oder dem LehrplanPLUS der Grund- und Mittelschule unterrichtet und zusätzlich durch Bildungs- und Förderangebote unterstützt. Besteht weiterer Förderbedarf in anderen Förderschwerpunkten, so wird jener Lehrplan herangezogen, der dem besonderen sonderpädagogischen Förderbedarf am besten entspricht.

Der LehrplanPLUS umfasst die Kapitel Leitlinien (Bayerische Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit), Bildungs- und Erziehungsauftrag, Übergreifende Bildungs- und Erziehungsziele, Grundlegende Kompetenzen (Jahrgangsstufenprofile), Fachprofile und Fachlehrpläne.

Die Fächer des Lehrplans sind im digitalen Lehrplaninformationssystem (LIS) des LehrplanPLUS in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Jedes Fach besitzt für bestimmte Jahrgangsstufen Gültigkeit.

Jedes Fach wird durch ein Fachprofil und einen Fachlehrplan beschrieben. Das Fachprofil erläutert die Bedeutsamkeit des Fachs für die Schülerinnen und Schüler sowie Grundlagen der Fachdidaktik.

In den Fachprofilen sind die Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Sprache und Kommunikation, Emotionen und soziales Handeln im Kontext der jeweiligen Fachkompetenzen beschrieben.

Die Fachlehrpläne im LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung umfassen die Kompetenzerwartungen und Inhalte der Referenzlehrpläne aus Grund- und Mittelschule. Vorangestellt sind entwicklungsbezogene Kompetenzerwartungen, die Hinweise in Bezug auf den Förderbedarf in einzelnen Entwicklungsbereichen geben.

Die Berücksichtigung dieser zusätzlichen Kompetenzerwartungen im Unterricht ermöglicht Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf, erfolgreich an Lernprozessen der allgemeinen Schule teilzuhaben. Um den individuellen Entwicklungsvoraussetzungen gerecht zu werden, ist auch eine Unterrichtung nach verschiedenen Lehrplänen innerhalb eines Klassenverbands möglich.

Das Lehrplaninformationssystem (LIS) stellt den Nutzerinnen und Nutzern in den Fachlehrplänen verschiedene Servicematerialien zur Verfügung. Sie sind an speziellen Symbolen am rechten Bildrand zu erkennen und umfassen illustrierende Aufgaben, Materialien und Erläuterungen. Die illustrierenden Aufgaben greifen eine oder mehrere ausgewählte Kompetenzen auf und zeigen exemplarisch, wie sich diese im Unterricht anbahnen lassen. In den Materialien finden sich zusätzliche Informationen zur Theorie und Praxis der Förderung. Die Erläuterungen bilden ein Glossar für wichtige, im Fachlehrplan verwendete Begriffe.