Lehrplan PLUS

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Bildungs- und Erziehungsauftrag des Förderzentrums

Art. 131 Verfassung des Freistaates Bayern

  1. Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.
  2. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungs­bewusst­sein für Natur und Umwelt.
  3. Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.

1.1 Werteorientierung in einer demokratischen Gesellschaft
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Das pädagogische Handeln im Unterricht und im Schulleben des Förderzentrums orientiert sich an den in Artikel 131 der Verfassung des Freistaates Bayern genannten Bildungszielen sowie an den Grundsätzen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern. Eine weitere Grundlage bildet das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen.

Auf der Grundlage dieser Bildungsziele, Grundsätze und Werte beobachten und überdenken die Schülerinnen und Schüler ihr Handeln und ihre Begegnungen mit Mitschülerinnen und Mitschülern in alters- und entwicklungsangemessener Weise. Sie erfahren in ihrem schulischen Alltag die Bedeutung und Notwendigkeit eines demokratischen, achtsamen, toleranten und respektvollen Umgangs. Im gemeinsamen Schulleben und durch die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Lebensweisen erweitern sie ihren Erfahrungshorizont, ihre Bewertungsmaßstäbe sowie ihre Handlungsmöglichkeiten. Das Förderzentrum unterstützt die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg, Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen zu übernehmen, um als mündige Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und dieses mitzugestalten. Kinder und Jugendliche haben das Recht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten an Entscheidungen mitzuwirken, die sie selbst sowie die Klassen- und Schulgemeinschaft betreffen.


1.2 Bildung, Erziehung und Förderung am Förderzentrum
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Das Förderzentrum ist ein erster oder alternativer schulischer Lernort, kann temporärer Förderort sein und führt je nach Bildungsgang zum erfolgreichen oder qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, zum Mittleren Schulabschluss, zum Abschluss des Bildungsgangs Lernen oder zum individuellen Abschluss. Es ist ein Bildungsort für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Stärken, Interessen, Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen, kulturellen und sozioökonomischen Hintergründen sowie unterschiedlich verlaufenden Biografien und mit individuellen Förderbedürfnissen im Bereich körperliche und motorische Entwicklung, Hören, Sehen, Lernen, geistige Entwicklung, Sprache bzw. emotional-soziale Entwicklung.

Anschließend an den Besuch des Kindergartens oder der Kindertageseinrichtung, der schulvorbereitenden oder heilpädagogischen Einrichtung verwirklicht das Förderzentrum den ihm eigenen Bildungs-, Erziehungs- und Förderauftrag, indem es eine den individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gemäße Bildung und Erziehung vermittelt, zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt und die soziale, kulturelle und berufliche Entwicklung unterstützt. Das Förderzentrum erfüllt den Anspruch des bayerischen Bildungssystems nach einer hohen Durchlässigkeit zum einen innerhalb der verschiedenen Bildungsgänge des Förderzentrums und zum anderen durch die Begleitung der Übergänge in Grund-, Mittel- oder Realschule und Gymnasium, mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen entwicklungsgemäß Wege zum gemeinsamen Leben und Lernen in allen Schularten zu eröffnen.

Gemeinsames Lernen und Leben in der Schule rückt die individuellen Entwicklungsvoraussetzungen und biografischen Erfahrungen des Kindes und Jugendlichen achtsam in den Mittelpunkt. Die Lern- und Lebensumgebung des Förderzentrums ist so gestaltet, dass sie ganzheitlich und individuell die fachlichen, methodischen, personalen und sozialen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler fordert und fördert und dabei an deren biografischen, kulturellen, weltanschaulichen und religiösen Erfahrungen anknüpft. Ein gelingender Bildungsprozess führt zu einem selbstbestimmten und selbständigen Leben. Eine wertschätzende und annehmende pädagogische Beziehung begleitet die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu einer positiven Lebenssicht und zur personalen Identität. Die Balance zwischen notwendiger Unterstützung und weitestgehender Selbständigkeit zu finden, ist dabei eine der zentralen Herausforderungen für die Gestaltung der Pädagogik am Förderzentrum.

Eine erfüllende Freizeit- und Lebensgestaltung, die Entwicklung persönlicher Lebensperspektiven und die berufliche Orientierung sind zentrale Aspekte von Bildung und Erziehung am Förderzentrum, insbesondere vor dem Hintergrund der besonderen Bedürfnisse und eigenen Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler. Bei der Planung und Gestaltung von Lern- und Entwicklungsprozessen legen die Lehrkräfte Wert darauf, dass alle Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben, die ihnen die unmittelbare Bewältigung von Anforderungen des modernen Alltags ermöglicht. Vielfältige und lebensnahe Lernsituationen in der Schule und im Unterricht sowie reale Gegebenheiten bieten Gelegenheiten zum Aufbau und zur Anwendung von Fach- und Methodenkompetenzen und zur Erweiterung der persönlichen und sozialen Erfahrungen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln und vertiefen am Förderzentrum Kompetenzen und erleben die Schule als Lern- und Lebensraum. Die an Unterricht, Förderung und Erziehung beteiligten Personen des Förderzentrums wirken partnerschaftlich mit Eltern, Familien, Erziehungs- und Sorgeberechtigten sowie mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern andere Bildungseinrichtungen und außerschulischen Akteuren zusammen, um jede Schülerin bzw. jeden Schüler auf ihrem bzw. seinem Bildungsweg zu begleiten und in der Entwicklung zu einer selbständigen und verantwortungs- und wertebewusst handelnden Persönlichkeit zu stärken und zu unterstützen.


1.3 Profilbildende Elemente des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung
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Das Förderzentrum bietet eine große Vielfalt förderschwerpunktspezifischer Angebote sowie diagnostische, didaktisch-methodische und pädagogische Fachlichkeit. Somit stellt es ein Kompetenzzentrum für den jeweiligen Förderschwerpunkt dar.


Sonderpädagogische Kompetenz und Interdisziplinarität
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Durch die vorhandenen fachlichen Professionen, die räumlichen, materiellen und personellen Gegebenheiten und Ausstattungen wird den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schülern in besonderem Maße Rechnung getragen. Der Einbezug weiterer pädagogischer, therapeutischer, pflegerischer, psychologischer sowie heilpädagogischer Fachdienste trägt zur Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags bei. An vielen Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung (kmE) besteht eine enge Kooperation mit Heilpädagogischen Tagesstätten, Therapieabteilungen, Fachdiensten, Einrichtungen der Jugendhilfe und anderen an der Erziehung und Förderung beteiligten Unterstützungssystemen. Ihre Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und die Vernetzung mit anderen Schulen sind Voraussetzung für die Qualität der Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags.

Eine ganzheitliche Sichtweise der Schülerin bzw. des Schülers erfordert die Zusammenarbeit aller an der Erziehung und Bildung beteiligter Fachkräfte innerhalb eines interdisziplinären Teams (Lehrkräfte, Pflegepersonal, Erzieherinnen und Erzieher, Therapeutinnen und Therapeuten, Fachdienste). Therapie kann dabei sowohl außerhalb des Unterrichts als auch therapieimmanent während des Unterrichts stattfinden. Ein konstant eingesetzter Bezugstherapeut bzw. eine Bezugstherapeutin für die jeweilige Klasse ermöglicht die Einbindung in das Klassenteam. Therapeutische Maßnahmen entfalten umso besser ihre Wirkung, je eher es gelingt, das Erlernte in den Alltag zu übertragen. Bewegungsmuster können gezielt und therapeutisch sinnvoll im Unterricht eingebaut und umgesetzt werden. Bewegungsförderung wird als Kernpunkt körperbehindertenspezifischer Förderung verfolgt. Auch die Erfahrungen aus sonder- und heilpädagogischen Konzepten (z. B. der konduktiven Förderung, der basalen Stimulation) können im  Unterricht gewinnbringend genutzt werden.

Das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung besuchen auch Schülerinnen und Schüler mit schwerer körperlicher Behinderung. Im Sinne des erweiterten Lernbegriffes stellt auch der Bereich der Förderpflege für diese Schülerschaft einen gewichtigen Teil des Unterrichts dar, in dem sie einen würdevollen Umgang mit sich und ihren basalen Bedürfnissen, verschiedene Lagerungen und kommunikative Angebote erleben. Pflegesituationen werden durch eine gezielte Planung und Dokumentation des Ablaufs von Pflegemaßnahmen pädagogisch und didaktisch genutzt und aufgewertet.

Im Austausch und in der Zusammenarbeit des multiprofessionellen Teams sieht Unterricht am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung Wissen, Können, Verstehen sowie Erfahrungen und Motivation der einzelnen Schülerinnen und Schüler als Einheit und fördert diese im Sinne eines erweiterten Lernbegriffes auf verschiedenen Ebenen. Hierzu bedarf ein hohes Maß an Fachkenntnis, Situationsverständnis, Empathie und intensiver Beziehungsarbeit.


Bedürfnisgerechte Ausstattung
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Aufgrund der großen Heterogenität der Schülerschaft bedarf es auch spezifischer räumlicher Gegebenheiten. So sind beispielsweise barrierefreie Klassenzimmer sowie Fach- und Differenzierungsräume notwendig. Pflege-, Therapie- und Spezialräume sind unabdingbar, da sie für die Erfüllung der Grundbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler notwendig sind und häufig alternative Lernorte darstellen. Durch die Ausstattung mit Pflegeräumen und Pflegehilfsmitteln sowie ausreichendem, professionellem Personal können notwendige pflegerische Maßnahmen gewährleistet werden und im Sinne einer Förderpflege genutzt werden.

Mithilfe von Aufzügen, Rampen oder selbst öffnenden Türen wird es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, sich selbständig durch das Schulhaus zu bewegen. Die Gestaltung der Unterrichtsräume sowie ausgewählte Materialien bieten eine handlungsorientierte, lebensweltbezogene Auseinandersetzung mit den Themen und Fragestellungen. Vielen Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in der körperlich- motorischen Entwicklung werden zudem in Absprache mit dem multiprofessionellen Team Hilfsmittel und Adaptionen zur Verfügung gestellt. Diese sollen sie in ihrem Lernen und Alltag unterstützen, wobei der möglichst selbständige Umgang damit angebahnt und ausgebaut wird. Diese Hilfen können sowohl technischer, orthopädischer, personeller als auch struktureller Art sein. Letztere unterstützen die Aufmerksamkeitsfokussierung und das Zurechtfinden im Unterrichtsalltag. Der Einbezug von Angeboten aus dem Bereich der Unterstützten Kommunikation für Schülerinnen und Schüler, die über keine oder schwer verständliche Verbalsprache verfügen oder einen Förderbedarf im Bereich des Sprachverständnisses haben, ermöglicht diesen Kindern und Jugendlichen Bedürfnisse, Kompetenzen und Interessen zu zeigen und sich mit ihrer Umwelt sowie Unterrichtsinhalten auseinander zu setzen. Unterstützte Kommunikation führt dazu, dass diese Kinder und Jugendlichen sich als Teil einer Gemeinschaft erleben und aktiv daran teilhaben.


Diagnostik
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Die individuelle Lernausgangslage wird regelmäßig, z. B. zu Beginn des Schuljahres oder vor einer Lernsequenz mit Hilfe standardisierter und informeller Verfahren erfasst. Dadurch können differenzierte Lernangebote auf dem jeweiligen Entwicklungsniveau geplant und angeboten werden. Während des Lernprozesses beobachtet die Lehrkraft z. B. anhand eines Beobachtungsbogens das Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten sowie gezeigte Fach- und Methodenkompetenzen der Schülerin bzw. des Schülers. Der individuelle Lernfortschritt wird in einem Lern- oder Förderplan dokumentiert.


Schulvorbereitung und Mobile Sonderpädagogische Hilfe
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An das Förderzentrum kann eine schulvorbereitende Einrichtung (SVE) angegliedert sein. Pädagogische, heil- und sonderpädagogische Fachkräfte fördern entwicklungsgemäß motorische, kognitive, sprachliche, emotionale und soziale Voraussetzungen für erfolgreiches schulisches Lernen der Kinder bis zur Einschulung. Im Anschluss an die SVE besucht das Kind eine Grundschule oder ein Förderzentrum. Die Mobile Sonderpädagogische Hilfe (MSH) bietet noch nicht schulpflichtigen Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und deren Familien Angebote früher Förderung und berät Kindertageseinrichtungen bei deren Umsetzung.


Schulstufen
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Die Grundschulstufe des Förderzentrums umfasst die Jahrgangsstufen 1 bis 4. Es besteht die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler in Eingangsklassen die Kompetenzen der Jahrgangsstufe 1 und 2 in drei Jahren (1, 1A, 2) erarbeiten, z. B. in Diagnose- und Förderklassen (DFK). Sowohl in der Grund- als auch in der Mittelschulstufe kann jahrgangsgemischt unterrichtet werden. Ebenso ist eine Unterrichtung nach verschiedenen Lehrplänen innerhalb eines Klassenverbandes möglich. Die Mittelschulstufe baut auf die Grundschulstufe auf und führt in den Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 9 zu einem individuellen Abschluss, zum erfolgreichen Abschluss im Bildungsgang des Förderschwerpunkts Lernen, zum erfolgreichen oder qualifizierenden Abschluss der Mittelschule.

An einigen Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt körperlich- motorische Entwicklung gibt es berufsvorbereitende und berufliche Bildungsangebote wie z. B. das Berufsvorbereitende Jahr, das Arbeitsqualifizierungsjahr und die Berufschulstufe.


Mobiler Sonderpädagogischer Dienst
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Der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD) bietet individuelle Unterstützung bei der Erziehung und Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen an Förderzentren mit anderen Förderschwerpunkten, an der wohnortnahen Grund- und Mittelschule, sowie an weiterführenden Schulen. Ziel von Beratung und Förderung ist es, gemeinsam mit allen Erziehungsverantwortlichen, den Kindern und Jugendlichen das Lernen und Leben in ihrem schulischen Umfeld ihren persönlichen Möglichkeiten entsprechend zu gewährleisten.

Die Aufgaben des MSD werden im BayEUG (Art. 21 Abs. 1 Satz 2) beschrieben: „Mobile Sonderpädagogische Dienste diagnostizieren und fördern die Schülerinnen und Schüler, sie beraten Lehrkräfte, Erziehungsberechtigte und Schülerinnen und Schüler, koordinieren sonderpädagogische Förderung und führen Fortbildungen für Lehrkräfte durch.“

Die ELECOK-Beratungsstellen, die zu einem flächendeckenden, schulartübergreifenden Beratungssystem verknüpft sind, definieren sich als Bestandteil der überregionalen Mobilen Sonderpädagogischen Dienste sowie der Mobilen Sonderpädagogischen Hilfe. Verortet sind sie an Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Vorrangiges Ziel der ELECOK-Beratungsstellen für Unterstützte Kommunikation, Hilfsmittel zur PC- und Tabletansteuerung und Umfeldkontrolle ist die Ermöglichung und Erweiterung schulischen und außerschulischen Lernens.


Unterricht zuhause und durch die Schule für Kranke
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Eine Beeinträchtigung im körperlichen und motorischen Bereich kann unter Umständen operative bzw. rehabilitative Maßnahmen zur Folge haben. Können Schülerinnen und Schüler mit einer Körperbehinderung den Unterricht an der Stammschule infolgedessen vorübergehend oder auf Dauer nicht besuchen, kann der Hausunterricht eine notwendige Alternative sein. Ebenso werden Schüler und Schülerinnen, die sich einer Operation oder Rehabilitation unterziehen müssen, durch die Lehrkräfte der Schule für Kranke in Absprache mit den jeweiligen Klassenleitungen unterrichtet.


1.4 Inklusion als Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe
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„Inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller Schulen.“ (Art. 2 Abs. 2 BayEUG)

Förderzentren mit spezifischen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten sind in Bayern zum einen Lernorte mit bedarfsgerechten Bildungsangeboten und zum anderen Beratungs- bzw. Kompetenzzentren mit sonderpädagogischen Angeboten für allgemeine Schulen. Als Teil des inklusiven Schulsystems in Bayern unterstützen Lehrkräfte für Sonderpädagogik als Mobiler Sonderpädagogischer Dienst oder als Mobile Sonderpädagogische Hilfe allgemeine Schulen und unterrichten, erziehen und fördern in Klassen mit festem Lehrertandem, an Schulen mit dem Profil Inklusion sowie in Kooperationsklassen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften einer allgemeinen Schule und einer oder mehreren Lehrkräften des Förderzentrums findet in Partnerklassen statt. Einige Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung bilden offene Klassen im Förderzentrum, die Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf aufnehmen. Alle kooperativen Lernformen eröffnen Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf Möglichkeiten der Beteiligung an gemeinsamer Bildung und Erziehung und des Ausschöpfens der eigenen Entwicklungspotenziale. Förderzentren mit dem Profil Inklusion zeichnen sich durch eine vielfältige Unterstützung der Inklusion in der Region aus. Die Profilschulen entwickeln regional angepasste, innovative Ideen und gestalten deren Umsetzung in Unterricht und Schulleben.


2.1 Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung
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Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich der körperlichen und motorischen Entwicklung (kmE) bilden eine sehr heterogene Gruppe. Dazu gehören Schülerinnen und Schüler mit minimalem körperlichem und motorischem Förderbedarf genauso wie Schülerinnen und Schüler mit schwerer und mehrfacher Behinderung. Die Schülerinnen und Schüler weisen geringe bis umfängliche, häufig dauerhafte körperliche Beeinträchtigungen auf, die bis zu vollständiger Pflegebedürftigkeit führen können.

Inwieweit ein Mensch Erschwernisse durch eine körperliche Beeinträchtigung oder chronische Erkrankung erfährt, ist u. a. davon abhängig, ob seine Umgebung ihm die sächlichen und personellen Ressourcen zur Verfügung stellt, damit er seine individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln kann. Die folgende Einteilung der Körperbehinderungen in medizinische Schädigungs- und Krankheitsbilder fordert im pädagogischen Kontext dazu auf, die Person in ihrer Individualität jenseits einer Kategorisierung in den Mittelpunkt pädagogischen Handelns zu stellen.

Sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich der körperlichen und motorischen Entwicklung hat komplexe Ursachen und überaus unterschiedliche Erscheinungsformen. Während die Leistungsfähigkeit der Körpermotorik in der Regel beeinträchtigt ist, entsprechen die individuellen Ausprägungen der Kognition und der Emotion der Vielfalt menschlicher Leistungs- und Verhaltensweisen. Erziehung, Unterricht und Förderung orientieren sich an den individuellen Unterstützungs- und Förderbedürfnissen der einzelnen Schülerin, des einzelnen Schülers und haben neben dem Erwerb der Kompetenzen der allgemeinen Schule die Ausbildung entwicklungsbezogener Kompetenzen in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln zum Ziel.


2.2 Erscheinungsformen einer Körperbehinderung
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Aus medizinischer Sicht werden folgende Schädigungen und Erkrankungen unterschieden:

Schädigung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark)

  • Frühkindliche Hirnschädigung (Infantile Cerebralparese) mit Spastik, Athetose, Dyskinesie, Ataxie, Hypotonie
  • Cerebrale Bewegungsstörungen infolge von Verletzungen oder Erkrankungen
  • Querschnittslähmung infolge angeborener Schädigung (Spina bifida), Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma) oder Erkrankungen
  • Epilepsie
  • Spinale Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Schädigung der Muskulatur und des Skelettsystems

  • neuromuskuläre Erkrankungen wie progressive Muskeldystrophien (z. B. Typ Duchenne) oder Muskelatrophien
  • Wachstumsstörungen
  • Glasknochenkrankheit
  • Fehlstellungen der Wirbelsäule
  • Gliedmaßenfehlbildungen (Dysmelien)
  • Amelien oder Gliedmaßenverlust (Amputation)
  • Tumore am oder im Haltungs- und Bewegungsapparat

Chronische Krankheiten und Fehlfunktionen von Organen

  • Rheuma
  • Asthma
  • Diabetes
  • Erkrankungen von Herz, Kreislauf und Gefäßsystem
  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Mukoviszidose
  • Bluterkrankheit (Hämophilie)
  • Z. n. Transplantationen

2.3 Entwicklungsbedingungen
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Im Sinne von sekundären Beeinträchtigungen oder Folgen einer körperlich-motorischen Beeinträchtigung können Schwierigkeiten im Lern- und Wahrnehmungsbereich, im Bereich Sehen und/oder Hören, im Bereich Sprache und Sprechen sowie  im sozial-emotionalen Bereich auftreten.

Die Schülerinnen und Schüler erleben häufig bereits von klein auf zahlreiche Situationen der Abhängigkeit. So benötigen einige z. B. zur Fortbewegung oder zur Arbeitsplatzgestaltung Hilfsmittel oder personelle Begleitung. Die Schülerinnen und Schüler erfahren in vielen Bereichen ihres Lebens, dass sie in unterschiedlichem Ausmaß auf Hilfestellungen und Unterstützung angewiesen sind.  Notwendige Therapien, Operationen und Medikamenteneinnahmen tragen dazu bei, dass sie Fremdbestimmung erleben. Das Spannungsfeld zwischen Schonraum, Unterstützung, übertriebener Hilfsbereitschaft und dem Anspruch auf Freiräume sowie weitgehender Selbständigkeit muss in der alltäglichen Arbeit reflektiert und berücksichtigt werden.

Viele Schülerinnen und Schüler sind im Bereich der Kommunikation auf Hilfe und Unterstützung durch Personen oder elektronische sowie nichtelektronische Mittel angewiesen. Das Grundbedürfnis von Menschen, sich anderen mitzuteilen und sich auszutauschen, ist bei Kindern und Jugendlichen mit eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten genauso vorhanden und stellt einen entscheidenden Teil der Selbstbestimmung dar.  Das Erleben, kaum oder nicht verstanden zu werden, beeinflusst die Beziehungsgestaltung in Erziehungs- und Bildungszusammenhängen.

Grundsätzlich lassen sich keine signifikanten Verhaltensauffälligkeiten bei Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung konstatieren. Dennoch treten vereinzelt depressive Verstimmungen, Passivität sowie eine unausgeglichene Impulskontrolle in Erscheinung, die es im Unterricht allgemein und im Schulleben zu berücksichtigen gilt. Die am Bildungs- und Erziehungsprozess Beteiligten unterstützen die Schülerinnen und Schüler in allen Entwicklungsphasen darin, auch die körperliche Beeinträchtigung als ein Merkmal ihrer Individualität zu begreifen und sich in ihrer Gesamtpersönlichkeit anzunehmen.

Der Unterricht an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung geht über den Bildungsauftrag der allgemeinen Schulen hinaus. Er wird erweitert um die Perspektive der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler aufgrund verschiedenster divergierender, zum Teil existentieller Vorerfahrungen und Entwicklungsverläufe. Zudem stellen progrediente Erkrankungen Krankheitsverläufe mit abwechselnd möglichen Fort- oder Rückschritten eine sonderpädagogische und darüber hinaus auch menschliche Herausforderung für die Lehrkraft in der Begleitung dar. Behinderung kann auch bedeuten, dass Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern sich bereits sehr früh mit dem Tod auseinandersetzen müssen. Bildung beinhaltet dann ebenso die Unterstützung bei der Gestaltung der verbleibenden Lebenszeit. Die Schule ist in der Verantwortung, gemeinsam mit den Eltern und anderen Bezugspersonen diese Schülerinnen und Schüler in der Besonderheit ihrer Lebensperspektiven zu begleiten.


3.1 Lernen als aktiver und individueller Prozess
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Lernen ist ein aktiver und individueller Prozess, bei dem sich die Schülerinnen und Schüler handelnd mit der Welt auseinandersetzen. Sie bilden unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, persönliche Einstellungen und Begabungen zu verschiedenen Zeiten aus. Der Erwerb von Kulturtechniken, Fach- und Methodenkompetenzen, die Entwicklung von Selbstvertrauen, eines realistischen Selbstbildes sowie von Kritik- und Kooperationsfähigkeit mündet in eine Handlungskompetenz, die es ermöglicht, zukünftige Anforderungssituationen und Problemstellungen selbständig und eigenverantwortlich zu bewältigen und zu lösen. Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte gestalten Lernen gemeinsam und tauschen sich über Ergebnisse und Vorgehen aus. Die Beziehung der Pädagoginnen und Pädagogen zum Kind oder zum Jugendlichen ist von entscheidender Bedeutung, wenn sie Beobachter, Gestalter, Dialogpartner und Verhaltensmodell von und für Lernen sind.


3.2 Kompetenzorientierung im Unterricht
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Ausgehend von der individuellen Lernausgangslage, die den Stand der Entwicklung in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache, Emotionen und soziales Handeln einbezieht, setzen sich die Schülerinnen und Schüler handelnd mit lebenswelt- und zukunftsbedeutsamen Themen und Fragestellungen auseinander. Sie erweitern ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auf der Basis ihrer bisherigen Lebens- und Lernerfahrungen, unter Einbezug ihrer Interessen und ihrer Motivation, an denen sich die Unterrichtsthemen orientieren und übertragen Erkenntnisse und Ergebnisse auf neue Aufgabenstellungen.

Der Unterricht des Förderzentrums rückt den individuellen Lernprozess der Schülerin oder des Schülers in den Mittelpunkt. Unterstützung, Arbeits- und Hilfsmittel, Materialien sowie räumliche, organisatorische und personelle Rahmenbedingungen ermöglichen erfolgreiche Lernprozesse. Die Lehrkraft plant ggf. in Kooperation mit weiteren an Unterricht und Erziehung beteiligten Personen orientiert am Niveau des Lehrplans der Grundschule bzw. des Lehrplans der Mittelschule Lernvorhaben unter Einbeziehung der im individuellen Förderplan beschriebenen Fördermaßnahmen und auf der Grundlage der sonderpädagogischen bzw. medizinischen Diagnostik. Ausgangspunkt für die Planung der nächsten Lernschritte sind die erreichten individuellen Kompetenzen, die die Lehrkraft beobachtet und beschreibt. Auf die Förderung der Lernmotivation richten Lehrkräfte eine besondere Aufmerksamkeit und stärken diese vor allem durch Aufgabenstellungen, die erfolgreiche Lernergebnisse und passende Lernwege zulassen, sowie durch die Berücksichtigung persönlicher Interessen und Stärken. Durch die Reflexion von Lernwegen und Lernergebnissen nehmen die Kinder und Jugendlichen eigene Leistungen wahr und beschreiben den eigenen Lernfortschritt. Die Lehrkraft gestaltet diese Phasen des gemeinsamen Sprechens über Lernen als Dialogpartner und Lernbegleiter.

LehrplanPLUS versteht Kompetenzen als fachspezifische und überfachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Wissen und Können miteinander verknüpfen. Dies befähigt die Schülerinnen und Schüler, zu verstehen, zu reflektieren, schlüssig zu argumentieren, fundiert zu urteilen und neue Anforderungen zu bewältigen. Der Lehrplan definiert Inhalte und beschreibt Kompetenzerwartungen auf einem mittleren Anforderungsniveau. Die entwicklungsbezogenen Kompetenzen zeigen eine entwicklungslogische Progression auf.


3.3 Haltung und Rolle der Lehrkraft
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Der stärkste Antrieb zu lernen ist wahrgenommen zu werden. Pädagoginnen und Pädagogen am Förderzentrum sehen jedes Kind und jede Jugendliche bzw. jeden Jugendlichen als Person mit allen Schwierigkeiten und Möglichkeiten, akzeptieren sie ohne zu werten und begegnen ihnen offen. Neben den jeweils eigenen Potenzialen und Ressourcen der Schülerin oder des Schülers nehmen die Lehrkräfte die Gestaltung der gegenwärtigen Situation und zukünftiger Perspektiven als Bezugspunkt für pädagogisches Handeln in den Blick. Dabei unterstützen und helfen sie Kindern, Jugendlichen und Erziehungs- und Sorgeberechtigten soweit wie nötig und fördern jede Schülerin bzw. jeden Schüler entwicklungsgemäß soweit wie möglich.

Sie gestalten die Beziehung zur Schülerin bzw. zum Schüler auf der Grundlage von Echtheit und Achtung. Dazu gehört es, als Pädagogin oder Pädagoge dem Kind oder Jugendlichen sowie den Erziehungs- und Sorgeberechtigten vertrauensvoll und wertschätzend entgegenzutreten und Erfahrungen und Gefühle im Umgang mit Einschränkungen und Erschwernissen zu erkennen und zu verstehen. Im Umgang mit Stigmata zeigen sie ihre professionelle Haltung. Die Lehrkräfte sind Begleiter und Gestalter von Lebenszeit bei progredienten Krankheiten.

Sie hinterfragen das eigene Handeln und die eigenen Möglichkeiten, auch im Hinblick darauf, inwieweit die Selbstbestimmtheit der Schülerin bzw. des Schülers durch normative Ansprüche eingeschränkt wird. Die Lehrkräfte gehen konstruktiv mit Erziehungssituationen um, indem sie lern- und entwicklungsfördernde, verlässliche Rahmenbedingungen und Strukturen in Schule und Unterricht einbinden, Grenzen setzen und Raum für Mitbestimmung und Gestaltung des Schullebens geben. Sie sind sich dessen bewusst, dass sie als Verhaltensvorbild und Vertrauensperson wahrgenommen werden.

Lehrkräfte verstehen sich als Lernbegleiter. Sie unterstützen und beraten die Schülerinnen und Schüler dabei, das Lernen aktiv und verantwortlich umzusetzen sowie zu reflektieren. Lehrkräfte handeln als Partnerinnen und Partner der Eltern und Erziehungsberechtigten für Erziehung und Bildung. Lehrerinnen und Lehrer koordinieren Fördermaßnahmen innerhalb der Schule, sie sind Ansprechpartnerinnen bzw. Ansprechpartner für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interner und externer Angebote, z. B. Heilpädagogische Tagesstätte, Ergotherapie, Psychotherapie und weitere Fachdienste.


3.4 Lernprozessbegleitende Förderdiagnostik
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Die individuellen Lern-, Entwicklungs- und Wahrnehmungsvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler des Förderzentrums sind Ausgangspunkt des Unterrichts und eine Chance für das Voneinander- und Miteinanderlernen. Diagnosegeleitete Förderung stellt die Schülerin und den Schüler mit ihren bzw. seinen Förderbedürfnissen und vor allem mit ihren bzw. seinen Stärken und Ressourcen in den Vordergrund und versucht in lebensbedeutsamen Handlungsfeldern geeignete Angebote zu machen. Technische, prothetische, materielle und personelle Hilfen werden dabei angebahnt, miteinbezogen oder immer mehr ausgeblendet.

Grundlage für eine individuelle stärkenorientierte und prozessbegleitende Förderung sowie Rückmeldung an die Lernenden ist eine gezielte Erhebung des Lernstandes sowie die Dokumentation der Lern- und Entwicklungsprozesse. Diese orientieren sich an den Kompetenzerwartungen und Inhalten der Fachlehrpläne und somit an den Bildungsstandards sowie an den entwicklungsbezogenen Kompetenzen. Die Wertschätzung des individuellen Lernfortschritts ist ein wesentlicher Aspekt im Prozess der Lernstandserhebung.

Reflexion und Bewertung der eigenen Lernwege treten im kompetenzorientierten Unterricht gleichwertig neben die Erarbeitung, Übung und Anwendung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Im Förderzentrum werden Schülerinnen und Schüler damit vertraut gemacht auszudrücken, was und auf welchem Weg sie erfolgreich gelernt haben, was ihnen beim Üben noch schwerfällt und welche erreichbaren Ziele sie sich setzen. Dazu gehört auch ein konstruktiver Umgang mit Umwegen und Fehlern.

Je nach Entwicklungsstand und Förderschwerpunkt erfolgen zunächst verbale oder nonverbale Rückmeldungen durch die Lehrkraft oder auch durch Mitschülerinnen und Mitschüler. Zunehmend differenzierte, individuelle und entwicklungsgemäße Formen der Rückmeldung sowie der Lerndokumentation und ‑reflexion binden die Schülerinnen und Schüler als Dialogpartner auf Augenhöhe ein. Dadurch übernehmen sie schrittweise Verantwortung für ihr Lernen.

Die Schülerinnen und Schüler am Förderzentrum erwerben unter erschwerten Bedingungen Fähigkeiten und Fertigkeiten und wenden Wissen und Können an. Soweit wie möglich diejenigen Kompetenzen zu erreichen, die in den Lehrplänen der allgemeinen Schule verankert sind, ist Ziel des Unterrichts am Förderzentrum. Leistung zu zeigen bedeutet für die Schülerinnen und Schüler am Förderzentrum eine zusätzliche Anstrengung, da sie Erschwernisse und Benachteiligungen durch alternative Strategien kompensieren und zusätzliche Kompetenzen erwerben. Die Lehrkräfte nehmen dies wahr und berücksichtigen Leistungen in den Entwicklungsbereichen als individuellen Lernfortschritt.

Aufgrund individueller Belastbarkeits- und Lernprofile der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf kmE stellt die Berücksichtigung der persönlichen und aktuellen Bedürfnislage eine zentrale Aufgabe dar.  Das Lern- und Leistungsvermögen kann von der jeweiligen individuellen Tageskonstitution abhängig sowie erheblichen Schwankungen unterworfen sein und muss in Zusammenhang mit der motorischen Beeinträchtigung beurteilt werden. Die Leistungsbewertung von Schülerinnen und Schülern mit einer fortschreitenden und lebensbedrohlichen Erkrankung muss mit hoher Sensibilität und aktueller Situationsorientierung vorgenommen werden.

Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung werden Maßnahmen des Nachteilsausgleichs und Notenschutz gewährt (vgl. BayScho §33 und 34).


Individualisierung
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Kinder und Jugendliche erwerben Kompetenzen anhand gemeinsamer Aufgabenstellungen, die unterschiedliche Lernwege, Lernergebnisse und Lerntempi zulassen und damit verschiedene Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen sowie spezifische Wahrnehmungsvoraussetzungen beachten. Förderdiagnostik ist eine wesentliche Aufgabe der Lehrkraft am Förderzentrum: Für die Planung individualisierter Lernprozesse ist Voraussetzung, dass der individuelle Kompetenzstand vor Beginn des Lernprozesses festgestellt wird. Die Beschreibung der erreichten individuellen Kompetenzen nach dem Lernprozess und der Vergleich mit dem vorherigen Lernstand zeigen der Lehrkraft den individuellen Lernfortschritt. Lernwege und Lernergebnisse werden für die Schülerin oder den Schüler verständlich dokumentiert und in Lerngesprächen thematisiert.


Entwicklungsorientierung
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Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen verläuft individuell. Erfolgreiche Lernprozesse vollziehen sich auf der Basis des Zusammenwirkens der Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln. Angebote der Förderung orientieren sich am aktuellen Entwicklungsstand, unabhängig von Alter oder Jahrgangsstufe.


Lernumgebungen
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Die Lehrkraft initiiert Lernen, indem sie Lernanlässe schafft und Lernumgebungen gestaltet, die die individuelle Situation der Klasse und der einzelnen Schülerin bzw. des einzelnen Schülers berücksichtigen. Schülerinnen und Schüler erwerben Kompetenzen im Dialog und in Kooperation und organisieren ihre Lernprozesse möglichst eigenständig. Dadurch erfahren die Kinder und Jugendlichen Erfolgserlebnisse und Selbstwirksamkeit. Offene Lernarrangements und Formen des kooperativen und individuellen Lernens werden unter Berücksichtigung der jeweiligen Unterstützungsbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler gestaltet. Sie eröffnen Entwicklungsmöglichkeiten und beziehen individuelle Förderangebote ein. Kompetenzorientierte Aufgaben ermöglichen den Schülerinnen und Schülern individuelle Zugänge und lassen vielfältige Lösungswege und Unterstützungsmöglichkeiten zu. Sie berücksichtigen auch unterschiedliches Lerntempo.


Lebensweltbezug
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Die Auswahl der Unterrichtsinhalte orientiert sich an der aktuellen Lebensbedeutsamkeit für Kinder und Jugendliche und bezieht die bisherigen Alltagserfahrungen mit ein. Bei Schülerinnen und Schülern mit Förderschwerpunkt körperlich- motorische Entwicklung wird die Ermöglichung von Primär- und Alltagserfahrungen verstärkt in die Unterrichtsplanung mit einbezogen. Auf der Grundlage der Bezugslehrpläne entwickelt die Schule Lernangebote, die die Einlösung des Bildungsanspruchs der Schülerinnen und Schüler sicher stellen und die derzeitige Lebenswirklichkeit sowie das künftige Leben der Kinder und Jugendlichen berücksichtigen.


Stärkenorientierung
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Die Erschließung individueller und sozialer Stärken richtet den Blick in die Zukunft, um Selbstbestimmung zu erreichen. Die Lehrkraft versteht sich als Bezugsperson, die bei der Gestaltung einer guten Beziehung zum Kind oder zum Jugendlichen dessen Ressourcen, Interessen und Kompetenzen in den Blick nimmt. Die Schülerinnen und Schüler erleben Erfolge beim Lernen, dies stärkt ihre Lern- und Leistungsmotivation und steigert ihr Selbstwertgefühl.


Selbsttätigkeit
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Die Fähigkeit zu selbständigem Lernen ist ein notwendiger Aspekt der Selbstbestimmung und ein Beitrag zur Entwicklung der Urteils-, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Kompetenzorientierter Unterricht macht Lernangebote in Form von Aufgaben und Lernumgebungen, die den Schülerinnen und Schülern eine selbständige und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit Themen und Lerngegenständen ermöglicht, die dem Entwicklungs- und Lernstand entspricht. Mit Blick auf die Zukunftsgestaltung erweitert eine weitgehende Selbsttätigkeit die Möglichkeiten der persönlichen und beruflichen Orientierung, indem Methoden, Strategien, Arbeitsweisen und Arbeitstechniken für Problemlösungen eingesetzt werden und z. B. als Spiralcurriculum kontinuierlich aufgebaut und erweitert werden. Für Schülerinnen und Schüler am Förderzentrum bedeutet Selbsttätigkeit auch eine Hilfe zur Fokussierung der Aufmerksamkeit, Förderung der Lernmotivation, Steigerung der Merkfähigkeit und der Anwendung von Wissen und Können.


Präventives Handeln
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Damit Kinder und Jugendliche unterschiedliche, auch belastende Situationen bewältigen, müssen sie sich als erfolgreich in ihren Handlungen sehen, eigene Ressourcen effektiv einsetzen und erleben, dass sie Einfluss auf die Problemlösung haben. Die Lehrkraft fördert diese Strategien, indem sie sich ihrer Rolle als positives Modell bewusst ist, dem Kind und dem Jugendlichen Wertschätzung und Akzeptanz entgegenbringt und eine stabile, emotional-positive Beziehung zur Schülerin oder zum Schüler gestaltet. Sie schafft ein positives emotionales Klima in der Klasse, geht offen mit dem eigenen Ausdruck von Gefühlen um und drückt in unterschiedlichen Situationen Gefühle auch sprachlich aus. Lob, Anerkennung und Ermutigung fließen in die Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schülerin bzw. Schüler ein. Das Zusammenleben in der Schule und die Gemeinschaft der Klasse fördert den respektvollen Kontakt zwischen den Schülerinnen und Schülern und basiert auf klaren, konsistenten Regeln.


Akzeptanz und Wahrnehmen
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Akzeptanz stellt in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erziehungs- und Sorgeberechtigten eine bedeutsame Grundhaltung dar, von der ausgehend ein Lern- und Entwicklungsprozess initiiert werden kann. Auch in der Begegnung mit Mitschülerinnen und Mitschülern, mit anderen Lehrkräften und mit der Schulleitung werden die Kinder und Jugendlichen angehalten, sich respektvoll und wertschätzend zu verhalten, um einen Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens zu gestalten. Die Lehrkräfte zeigen, dass sie jede Schülerin und jeden Schüler mit ihren und seinen Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten wahrnehmen und es als ihre zentrale Aufgabe verstehen, diese in den Mittelpunkt der Gestaltung von Lernen, Zusammenleben und Erziehung zu stellen.


Soziales Lernen
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In der Schule begegnen sich Kinder, die unterschiedliche Werte und soziale Kompetenzen aus ihrem Erfahrungsbereich mitbringen. Als Lern- und Lebensraum bietet die Schule natürliche und unstrukturierte Situationen für soziales Lernen. Die Kinder und Jugendlichen erleben sich als Individuum, das in der Auseinandersetzung mit anderen erfährt, dass es das eigene Interesse durchsetzen kann, dass Verhalten Konsequenzen nach sich zieht, dass Arbeitsergebnisse durch die Beteiligung mehrerer entstehen können oder dass eine Mitschülerin oder ein Mitschüler Hilfe und Unterstützung sein kann. Die Lehrkräfte nehmen Unterricht und Schule als Möglichkeit wahr, Phasen sozialen Lernens bewusst einzusetzen und Situationen gemeinsamen Lernens zu gestalten, zu reflektieren und damit die Entwicklung sozialer Kompetenzen für die Stärkung der Persönlichkeit, Beteiligung in der Gesellschaft und berufliche und arbeitsweltliche Integration zu fördern.


Üben und trainieren
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Erlerntes bleibt nicht automatisch abrufbar und erhalten. Üben bedeutet, erworbene Fähigkeiten und Fähigkeiten auf neue und unterschiedliche Situationen zu übertragen, um damit Kompetenzen, auch Strategien und Abläufe, zu erweitern, zu automatisieren oder zu festigen. Neben fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten wie der Leseflüssigkeit können die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen der Bereiche Motorik und Wahrnehmung (z. B. Blick fokussieren), Denken und Lernstrategien (z. B. Selbstregulation, Handlungsplanung) Kommunikation und Sprache (z. B. Präsentieren) und Emotionen und soziales Handeln (z. B. um Hilfe bitten) in Rollenspielen, mit Hilfe von Algorithmen, handlungsbegleitendem Sprechen oder durch das Erstellen einer Mindmap usw. trainieren. Sinnvoll ist die Verknüpfung der Aspekte mit dem individuellen Förderplan und der Aus bau der Kompetenzen im Sinne einer Erweiterung in den folgenden Jahrgangsstufen.


3.6 Organisation des Unterrichts
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Der Unterricht am Förderzentrum schafft die Voraussetzungen für eine möglichst optimale individuelle Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Die Umsetzung des Klassenlehrerprinzips ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die Lehrkraft als Bezugsperson zu erleben und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Dies unterstützt ihre Entwicklung auch im sozial-emotionalen Bereich positiv. Die zeitliche Einteilung des Unterrichtstages orientiert sich an den Möglichkeiten und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler. Sie berücksichtigt Phasen der Konzentration, das Bedürfnis nach Bewegung und Pausen, ebenso wie die zeitlichen Ressourcen zur Pflege, Nahrungsaufnahme und medizinischen Versorgung.

Rituale strukturieren den schulischen Alltag und schaffen eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens. Sowohl fächerübergreifender als auch fächerverbindender Unterricht, das Lernen in Kleingruppen und zunehmend projektorientiertes Arbeiten tragen zur Ganzheitlichkeit des Unterrichts am Förderzentrum bei. Das Förderzentrum fördert maßgeblich die Stärkung der Persönlichkeit und vermittelt Kompetenzen und Inhalte, die die Schülerinnen und Schüler zu einem selbstbestimmten Leben befähigen.

Am Förderzentrum wirken Pädagoginnen und Pädagogen mit unterschiedlichen Ausbildungen zusammen. Die Lehrkräfte für Sonderpädagogik werden unterstützt durch heilpädagogische Fachkräfte, Fachlehrkräfte, Lehrkräfte der allgemeinen Schule, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen bzw. Sozialpädagogen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugend- oder Erziehungshilfe. In den Förderschwerpunkten körperlich-motorische Entwicklung und geistige Entwicklung gewährleistet die Verschränkung von Unterricht, Therapie und Pflege einen würdevollen Umgang mit elementaren Grundbedürfnissen durch intensive, persönliche Zuwendung.

Der Unterricht am Förderzentrum ermöglicht jeder Schülerin und jedem Schüler, entsprechend seiner Bedürfnisse und Möglichkeiten zu Lernen. Die Grundlage hierfür kann der Lehrplan für den jeweiligen Förderschwerpunkt sein, der Lehrplan für den Förderschwerpunkt Lernen, der Lehrplan für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung oder der Lehrplan der Grundschule bzw. der Lehrplan der Mittelschule. Liegen dem Unterricht einer Lerngruppe oder einer Klasse verschiedene Lehrpläne zugrunde, erfordert dies eine hohe didaktisch-methodische Kompetenz der Lehrkräfte. Möglichkeiten der Heterogenität zu begegnen sind z. B. adaptive Aufgaben, kooperatives Lernen, Differenzierung oder Lernen am gemeinsamen Gegenstand. Die Kompetenzerwartungen und Inhalte der Fachlehrpläne berücksichtigen im Umfang die Möglichkeit zur Gestaltung des Schulprofils und Schullebens sowie pädagogischen Freiraum.

Die Klassen am Förderzentrum können jahrgangsstufenbezogen oder als jahrgangsstufenübergreifende Klassen organisiert werden und orientieren sich in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 als Grundschulstufe an der Grundschule und in den Jahrgangsstufen 5 bis 9 als Mittelschulstufe an der Mittelschule. Dementsprechend erwerben die Schülerinnen und Schüler in der Grundschulstufe Basiskompetenzen, indem sie zunächst über grundlegende Schreib- und Lesefertigkeiten sowie mathematische Fähigkeiten verfügen. Die Mittelschulstufe hat den Erwerb eines erfolgreichen Abschlusses oder des individuellen Abschlusses zum Ziel und bereitet auf den Übergang in die berufliche Vorbereitung oder Ausbildung vor.

Die Organisation des Unterrichtsangebots am Förderzentrum erfordert von allen Beteiligten eine hohe Bereitschaft und Fähigkeit zur Zusammenarbeit, denn für jede Schülerin und jeden Schüler müssen Ziele, Materialien, Inhalte, Methoden und Maßnahmen abgestimmt und kontinuierlich gestaltet werden.


4.1 Sonderpädagogische Kompetenz für inklusive Lernorte
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Das Förderzentrum bündelt sonderpädagogische Fachlichkeit jeweils in einem oder mehreren der Förderschwerpunkte Hören, Sehen, körperlich-motorische Entwicklung, Sprache, emotional-soziale Entwicklung, Lernen und geistige Entwicklung und stellt diese allgemeinen Schulen, die Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichten, unterstützend zur Verfügung. Die Lehrkräfte für Sonderpädagogik bringen sich in Form von Beratung in den Prozess der inklusiven Schul- und Unterrichtsentwicklung ein, indem sie bei der Gestaltung und Umsetzung von Formen des gemeinsamen Lernens und Lebens mitwirken und dabei die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Blick haben. Als Teil der inklusiven Bildung beschreiben Lehrkräfte für Sonderpädagogik den individuellen Unterstützungsbedarf des Kindes oder der bzw. des Jugendlichen und beraten die Lehrkräfte der allgemeinen Schule, welche Methoden, Arbeits- und Hilfsmittel, individuelle Aufgabenstellungen und Lernschritte sowie Möglichkeiten des sozialen und emotionalen Lernens den Lern- und Entwicklungsprozess der Schülerin oder des Schülers voranbringen können.

Als Mitwirkende im Team gemeinsam mit der Lehrkraft der allgemeinen Schule oder als Lehrkraft für Sonderpädagogik an einer Schule mit dem Profil Inklusion bringt die Sonderpädagogin oder der Sonderpädagoge bzw. heilpädagogische Fachkraft ggf. zusammen mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter der Jugend- oder Eingliederungshilfe förderschwerpunktspezifisches Wissen in den Unterricht und in die Beratung der Erziehungs- und Sorgeberechtigten bei Problemen mit ein und vermittelt bei Bedarf Hilfe aus einem Netzwerk an Angeboten. Die sonderpädagogische, förderschwerpunktspezifische Kompetenz ist somit ein wesentliches Element der Entwicklung und Stärkung einer Vielfalt inklusiver Lernorte.


4.2 Temporärer Lernort mit eigenen Bildungangeboten
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Das Förderzentrum ist das Zentrum sonderpädagogischer Professionalität und Fachlichkeit, das in besonderer Weise den Lern-, Erziehungs- und Entwicklungsbedürfnissen eines Kindes oder einer bzw. eines Jugendlichen mit hoher Diagnosekompetenz, qualifizierten methodisch-didaktischen, pädagogischen und individuellen Förderangeboten, durch die Gestaltung der Übergänge in die allgemeine Schule oder in die berufliche Vorbereitung oder Ausbildung begegnet. Als spezialisierte Schule in einer vielfältigen Bildungslandschaft leistet es einen grundlegenden Beitrag zur Integration und Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf von der Vorschule bis zum Übergang in die berufliche Vorbereitung oder Ausbildung. Das Förderzentrum stellt ein alternatives schulisches Angebot dar, das durch eine freiwillige Entscheidung der Erziehungsberechtigten in Anspruch genommen werden kann und sich durch die Entwicklung regionaler Modelle der Kooperation mit der Grundschule und der Mittelschule sowie durch ein Netzwerk an inner- und außerschulischen Hilfen für individuelle Bildungs- und Lebenswege positioniert. Förderzentren können sich zu inklusiven Schulen weiterentwickeln.


4.3 Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Elternhaus
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Schule und Eltern sowie Personen, die Bildungs- und Erziehungsaufgaben übernehmen, tragen eine gemeinsame Verantwortung für erfolgreiche Bildungsprozesse und die berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler. Das Förderzentrum gestaltet diese Beziehung im Sinne einer engen Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Die Familie ist der prägende Bildungsort für Kinder und Jugendliche, deshalb sind die Eltern der wichtigste Gesprächspartner für das Förderzentrum. Eine vertrauensvolle Kooperation von Elternhaus und Schule unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler und bereichert Unterricht und Schulleben. Die Schule zeigt eine wertschätzende Haltung gegenüber allen Eltern und erkennt die Vielfalt von Familien und ihrer Lebensentwürfe an. In regelmäßigen Gesprächen werden Informationen über die individuelle Entwicklung des Lern- und Sozialverhaltens und entsprechende Fördermaßnahmen, Hilfsmittel und Therapien ausgetauscht.

Eltern werden aktiv in Schulprozesse eingebunden. Dies unterstützt auch die Vernetzung des Förderzentrums innerhalb des regionalen Umfelds, im Stadtteil, in der Gemeinde und in der Kooperation mit kulturellen Einrichtungen.


4.4 Vernetzung und Kooperation mit weiteren Bildungspartnern
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Zur erfolgreichen Umsetzung individueller Förderpläne ist die Zusammenarbeit mit heilpädagogischen und psychologischen Fachdiensten, innerschulischen Beratungsstellen, dem Mobilen Sonderpädagogischen Dienst anderer Förderschwerpunkte, Therapiefachkräften unterschiedlicher Fachrichtungen, externen Pflegediensten, Schulbegleitungen, Assistenten, Trägern von FSJ innerhalb der Schule erforderlich.

Das Förderzentrum arbeitet in die Kommune eingebunden mit außerschulischen Partnern wie Beratungsstellen, Fachärzten, Bezirk, Jugendamt, Jugendhilfe, Agentur für Arbeit und Unternehmen,  Innungen, Kammern, Vereinen, Kirchen und Stiftungen zusammen. Dies erweitert das schulische Erziehungs- und Bildungsangebot und unterstützt die berufliche Orientierung der Jugendlichen. Durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern bezieht das Förderzentrum externe Experten auch in den Unterricht ein, dabei werden außerschulische Lernorte und Lernangebote genutzt. Besonders im Bereich der beruflichen Orientierung ist eine regionale und überregionale Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, der Agentur für Arbeit und dem Integrationsfachdienst notwendig ebenso wie die Kooperation mit Berufsschulen und beruflichen Förderschulen.


5 Übergänge: Aufnahme und Schulwechsel
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Die Lernbiographie der Schülerinnen und Schüler ist von einer Reihe von Übergängen zwischen Bildungsorten geprägt: der Übergang von der Familie in Kindertageseinrichtungen, in die Schule und der Wechsel zwischen Schulen. Die Erfahrung mit Übergängen beeinflusst den Umgang mit allen weiteren Übergängen im Entwicklungsverlauf.

Bisherige Erfahrungen und individuelle Unterstützung tragen dazu bei, dass das Kind und die bzw. der Jugendliche die Übergangsphase entsprechend seiner Ressourcen bewältigen können. Erfolgreiche Übergänge sind Prozesse, die Kinder bzw. Jugendliche und ihre Eltern gemeinsam und aktiv gestalten, unterstützt von vorschulischen und schulischen Einrichtungen. Kinder und Jugendliche, die schulische und familiäre Veränderungen zeitgleich erleben, benötigen mehr Aufmerksamkeit und entsprechende Unterstützung.

Alle Personen, die in diesen Phasen für die Kinder und Jugendlichen verantwortlich sind, haben die Aufgabe, den Übergang positiv zu gestalten. In Gesprächen wird geklärt, was der Übergang für die Kinder bzw. Jugendlichen, die Eltern und die Lehrkräfte bedeutet, und welchen Beitrag jeder Einzelne zum Gelingen leisten kann. Der Familie kommt bei allen Übergängen im Bildungsverlauf eine besondere Rolle zu.

Die Einschulung stellt einen wichtigen Übergang in der Bildungsbiografie eines Kindes dar. Der Unterricht im Förderzentrum knüpft an die Kenntnisse und Fähigkeiten an, die die Kinder beim Schuleintritt mitbringen, baut Stärken aus und ermöglicht den Ausgleich von Schwächen. Die Lehrkräfte arbeiten, unter Einwilligung und Beteiligung der Eltern, mit externen Experten und Pädagogen aus früher besuchten Einrichtungen zusammen, um die Bedürfnisse einzelner Kinder frühzeitig zu erkennen und zu beachten. Wenn Kinder die Schulvorbereitende Einrichtung eines Förderzentrums, oder eine Heilpädagogische Kindertagesstätte besucht haben oder von der Mobilen Sonderpädagogischen Hilfe betreut wurden, liegen bereits Entwicklungsbeobachtungen vor, die Lehrkräfte des Förderzentrums für die individuelle Förderung nützen.

Der Übergang vom Förderzentrum in die wohnortnahe allgemeine Schule hat für die Schülerinnen und Schüler eine hohe Bedeutung. Eine enge Kooperation der aufnehmenden Schule mit der abgebenden Förderschule bereitet intensiv den Übergang vor, der verbunden ist mit der Eingewöhnung in eine neue Klassengemeinschaft, einem räumlichen Wechsel und neuartigen Leistungsanforderungen.

Beim Übergang in die berufliche Bildung findet die Vorbereitung auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt statt. Zur Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 auf die Berufs- und Arbeitswelt werden am Förderzentrum praxisbezogene Maßnahmen zur Berufsorientierung und Berufsfindung (Betriebserkundungen, Praktika an Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung, an Berufsbildungswerken, in Förderstätten, in überbetrieblichen Werkstätten und Betrieben) angeboten. Die Förderzentren arbeiten mit der Berufs- bzw. Rehabilitations-Beratung zusammen.


6 Qualitätsentwicklung
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Förderzentren überprüfen regelmäßig die Qualität ihrer Arbeit. Sie entwickeln sich unter Berücksichtigung der sich stets verändernden gesellschaftlichen Bedingungen auf der Basis von Rückmeldungen und gemeinsamen Zielsetzungen weiter. Die Qualitätsentwicklung ist eine zentrale Aufgabe, für die verschiedene Instrumente der internen und externen Evaluation zur Verfügung stehen. Aus den Rückmeldungen zur eigenen Arbeit und Zusammenarbeit können gemeinsam mit Schulaufsichten, Schulleitungen, Lehrerkollegien, Schulgremien und mit den kommunalen oder privaten Trägern anzustrebende Ziele formuliert werden. Schulhausinterne Fortbildungen, Teambesprechungen und Hospitationen sowie institutionenübergreifende und interdisziplinäre Kooperationen helfen den Kollegien dabei, die Qualität schulischer Prozesse beständig weiterzuentwickeln und nachhaltig zu sichern. Zur Förderung der Lehrergesundheit werden Supervision, Coaching, kollegiale Fallberatung und Fortbildungen für Lehrkräfte bereitgestellt, um gesundheitlichen Belastungen präventiv und interventiv zu begegnen und um einen konstruktiven Umgang mit spezifischen beruflichen Belastungen zu schaffen.