Lehrplan PLUS

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Bildungs- und Erziehungsauftrag des Förderzentrums

Art. 131 Verfassung des Freistaates Bayern

  1. Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.
  2. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungs­bewusst­sein für Natur und Umwelt.
  3. Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.

1.1 Werteorientierung in einer demokratischen Gesellschaft
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Das pädagogische Handeln im Unterricht und im Schulleben des Förderzentrums orientiert sich an den in Artikel 131 der Verfassung des Freistaates Bayern genannten Bildungszielen sowie an den Grundsätzen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern. Eine weitere Grundlage bildet das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen.

Auf der Grundlage dieser Bildungsziele, Grundsätze und Werte beobachten und überdenken die Schülerinnen und Schüler ihr Handeln und ihre Begegnungen mit Mitschülerinnen und Mitschülern in alters- und entwicklungsangemessener Weise. Sie erfahren in ihrem schulischen Alltag die Bedeutung und Notwendigkeit eines demokratischen, achtsamen, toleranten und respektvollen Umgangs. Im gemeinsamen Schulleben und durch die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Lebensweisen erweitern sie ihren Erfahrungshorizont, ihre Bewertungsmaßstäbe sowie ihre Handlungsmöglichkeiten. Das Förderzentrum unterstützt die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg, Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen zu übernehmen, um als mündige Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und dieses mitzugestalten. Kinder und Jugendliche haben das Recht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten an Entscheidungen mitzuwirken, die sie selbst sowie die Klassen- und Schulgemeinschaft betreffen.


1.2 Bildung, Erziehung und Förderung am Förderzentrum
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Das Förderzentrum ist ein erster oder alternativer schulischer Lernort, kann temporärer Förderort sein und führt je nach Bildungsgang zum erfolgreichen oder qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, zum Mittleren Schulabschluss, zum Abschluss des Bildungsgangs Lernen, ggf. zur Hochschulreife oder zum individuellen Abschluss. Es ist ein Bildungsort für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Stärken, Interessen, Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen, kulturellen und sozioökonomischen Hintergründen sowie unterschiedlich verlaufenden Biografien und mit individuellen Förderbedürfnissen im Bereich körperliche und motorische Entwicklung, Hören, Sehen, Lernen, geistige Entwicklung, Sprache bzw. emotional-soziale Entwicklung.

Anschließend an den Besuch des Kindergartens oder der Kindertagesstätte, der schulvorbereitenden oder heilpädagogischen Einrichtung verwirklicht das Förderzentrum den ihm eigenen Bildungs-, Erziehungs- und Förderauftrag, indem es eine den individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen gemäße Bildung und Erziehung vermittelt, zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt und die soziale, kulturelle und berufliche Entwicklung unterstützt. Das Förderzentrum erfüllt den Anspruch des bayerischen Bildungssystems nach einer hohen Durchlässigkeit zum einen innerhalb der verschiedenen Bildungsgänge des Förderzentrums und zum anderen durch die Begleitung der Übergänge in Grund-, Mittel- oder Realschule und Gymnasium, mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen entwicklungsgemäß Wege zum gemeinsamen Leben und Lernen in allen Schularten zu eröffnen.

Gemeinsames Lernen und Leben in der Schule rückt die individuellen Entwicklungsvoraussetzungen und biografischen Erfahrungen des Kindes und Jugendlichen in den Mittelpunkt. Die Lern- und Lebensumgebung des Förderzentrums ist so gestaltet, dass sie ganzheitlich und individuell die fachlichen, methodischen, personalen und sozialen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler fordert und fördert und dabei an den biografischen, kulturellen, weltanschaulichen und religiösen Erfahrungen anknüpft. Ein gelingender Bildungsprozess führt zu einem selbstbestimmten und selbständigen Leben. Eine wertschätzende und annehmende pädagogische Beziehung begleitet die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu einer positiven Lebenssicht und zur personalen Identität. Die Balance zu finden zwischen notwendiger Unterstützung und weitest gehender Selbstständigkeit ist dabei eine der zentralen Herausforderungen für die Gestaltung der Pädagogik am Förderzentrum.

Eine positive Freizeit- und Lebensgestaltung und die Entwicklung persönlicher Lebensperspektiven und beruflicher Orientierung sind zentrale Aspekte von Bildung und Erziehung am Förderzentrum, insbesondere vor dem Hintergrund der besonderen Bedürfnisse und eigenen Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler. Bei der Planung und Gestaltung von Lern- und Entwicklungsprozessen legen die Lehrkräfte Wert darauf, dass alle Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerben, die sie zur unmittelbaren Bewältigung von Anforderungen des modernen Alltags befähigen. Vielfältige und lebensnahe Lernsituationen in der Schule und im Unterricht sowie reale Gegebenheiten bieten Gelegenheiten zum Aufbau und zur Anwendung von Fach- und Methodenkompetenzen und zur Erweiterung der persönlichen und sozialen Erfahrungen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln und vertiefen am Förderzentrum Kompetenzen und erleben die Schule als Lern- und Lebensraum. Die an Unterricht, Förderung und Erziehung beteiligten Personen des Förderzentrums wirken partnerschaftlich mit Eltern, Familien, Erziehungs- und Sorgeberechtigten sowie mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anderer Bildungseinrichtungen und außerschulischen Akteuren zusammen, um jede Schülerin bzw. jeden Schüler auf ihrem bzw. seinem Bildungsweg zu begleiten und in der Entwicklung zu einer selbständigen sowie verantwortungs- und wertebewusst handelnden Persönlichkeit zu stärken und zu unterstützen.


1.3 Profilbildende Elemente des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Sehen
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Das Förderzentrum bietet eine große Vielfalt förderschwerpunktspezifischer Angebote sowie diagnostische, didaktisch-methodische und pädagogische Fachlichkeit. Somit stellt es ein Kompetenzzentrum für den jeweiligen Förderschwerpunkt dar.


Sonderpädagogische Kompetenz
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Durch die vorhandenen fachlichen Professionen am Förderzentrum, wird den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schülern in besonderem Maße Rechnung getragen. Am Förderzentrum Sehen ermöglicht die Einbeziehung von Fachdiensten aus den Bereichen Orthoptik, Orientierung und Mobilität, Lebenspraktische Fertigkeiten, Low Vision, Psychologie sowie die Zusammenarbeit mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medienzentren eine Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags. Zudem besteht eine enge Kooperation mit der heilpädagogischen Tagesstätte, dem heilpädagogischen Internat, mit Einrichtungen der Jugendhilfe, Therapie, weiteren Fachdiensten, und anderen an der Erziehung und Förderung beteiligten Unterstützungssystemen.


Diagnostik
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Erziehung, Unterricht und Förderung am Förderzentrum Sehen orientieren sich stets an den individuellen visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler sowie am psychomotorischen, kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklungsstand. Ausgehend von augenärztlichen und orthoptischen Befunden, von der Diagnostik des funktionalen Sehens sowie Beobachtungen der visuellen und taktilen Strategien, Kompetenzen und Unterstützungsbedürfnissen erfolgen die Planung und Umsetzung von individuellen Fördermaßnahmen im Bereich der visuellen und taktilen Wahrnehmung. Fortschritte und unterstützende Maßnahmen, wie z. B. die Verwendung individueller Hilfsmittel werden im Förderplan dokumentiert. Bei der Überprüfung der Lernausgangslage der Schülerinnen und Schüler, z. B. zum Beginn eines neuen Schuljahrs, werden auch bei der Auswahl der Testverfahren die individuellen visuellen und taktilen Wahrnehmungsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt.


Profilbildende Fächer am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sehen
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Am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sehen erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die die Alltagsbewältigung unter dem Aspekt des Lebens mit einer individuellen visuellen Seheinschränkung erfolgreich gelingen lassen. Dafür erhalten sie Unterricht und Förderung in Fächern, die in Kompetenzerwartungen und Inhalten an die visuellen und taktilen Wahrnehmungsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler angepasst sind, sowie Fächern, die eigens für die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler konzipiert sind. Profilbildende Fächer am Förderzentrum Sehen sind die Fächer Blindheit und Lebenspraxis, Blindenkurzschrift, Ästhetische Bildung, Informations- und Kommunikationstechnische Bildung sowie der Fächerverbund Werken und Gestalten/Kunst.


Schulgelände- und Schulhausgestaltung und räumliche Ausstattung
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Das Schulgelände und die Schulhausgestaltung am Förderzentrum Sehen sind durch eine Vielzahl von Maßnahmen an die visuellen und taktilen Wahrnehmungsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler angepasst. Unterschiedliche Bodenstrukturen, akustisch/taktil markante Punkte, Leitlinien, Handläufe, taktile oder visuell eindeutige Markierungen sowie eine helle und blendfreie Ausleuchtung unterstützen und erleichtern die Orientierung. Spezifische Angebote wie eine akustische Laufbahn, eine Kletterwand, ein Barfußpfad, besonders ausgestattete Spielplätze und Erlebnisgärten ermöglichen den Schülerinnen und Schülern am Förderzentrum Sehen vielfältige Bewegungs- und Sinneserfahrungen.

Speziell ausgestatte Fachräume, wie Rhythmik-Raum, Musikräume, Konditionsraum, Schwimmhalle und Schulküche, bieten blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen optimale Voraussetzungen für eigenständiges Lernen.

Die Gestaltung der Unterrichtsräume mit Platz für individuell ausgestattete Arbeitsplätze, technische und elektronische Hilfsmittel sowie Raum- und Ordnungssystemen für die Aufbewahrung der Lehr- und Lernmittel, der taktilen Medien und Anschauungsmittel und dem Angebot ausgewählter Materialien unterstützen eine bedürfnis- und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit den Themen und Fragestellungen.


Unterrichtsmedien und Hilfsmittel
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Um kompetenzorientiertes Lernen optimal zu gestalten, finden im Unterricht mit blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen Arbeits- und Unterrichtsmedien Verwendung, die nach sehbehinderten- und blindenspezifischen Kriterien an die individuellen visuellen und taktilen Wahrnehmungsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler angepasst sind.

Die Schülerinnen und Schüler wählen individuell Schreib- und Zeichengeräte sowie Lineaturen in verschiedenen Größen und Linienstärken und adaptierte Zeichen- und Messgeräte für ihren Lernprozess aus. Optische und elektronische Hilfsmittel, wie Lupen, Fernrohre, Brillen, und Bildschirmlesegeräte mit und ohne Tafelbildkamera, Vergrößerungssoftware erleichtern den Schülerinnen und Schülern visuelle Wahrnehmungsprozesse. Blinde Schülerinnen und Schüler nutzen Lern- und Arbeitsmittel, die den Tastsinn, das Gehör und den Geruchssinn ansprechen. Gemeinsam mit der Lehrkraft beurteilen sie Medien nach ihrem Funktionscharakter und achten darauf, dass diese sich auf wesentliche Merkmale beschränken. Als Alternative für Abbildungen oder Karten nutzen blinde Schülerinnen und Schüler Äquivalente wie verbale Beschreibungen oder vereinfachte tastbare Abbildungen. Computer und Tablet sowie Diktiergeräte und akustische Medien finden in vielfältiger Form Anwendung als Lern-, Arbeits- und Hilfsmittel.


Schulvorbereitung und Mobile Sonderpädagogische Hilfe
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An das Förderzentrum kann eine schulvorbereitende Einrichtung (SVE) angegliedert sein. Pädagogische, heil- und sonderpädagogische Fachkräfte fördern entwicklungsgemäß motorische, kognitive, sprachliche, emotionale und soziale Voraussetzungen sowie die ganzheitliche Wahrnehmung und im Besonderen visuelle und taktile Wahrnehmungsfähigkeiten für erfolgreiches schulisches Lernen der Kinder bis zur Einschulung. Im Anschluss an die SVE besucht das Kind eine Grundschule oder ein Förderzentrum. Die Mobile Sonderpädagogische Hilfe (MSH) bietet noch nicht schulpflichtigen Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und deren Familien Angebote früher Förderung und berät Kindertageseinrichtungen bei deren Umsetzung.


Schulstufen
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Die Grundschulstufe des Förderzentrums Sehen umfasst die Jahrgangsstufen 1 bis 4. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten in Eingangsklassen die Kompetenzen der Jahrgangsstufe 1 und 2 in drei Jahren (1, 1A, 2). Sowohl in der Grund- als auch in der Mittelschulstufe kann jahrgangsgemischt unterrichtet werden. Ebenso ist eine Unterrichtung nach verschiedenen Lehrplänen innerhalb eines Klassenverbandes möglich. Die Mittelschulstufe baut auf die Grundschulstufe auf und führt in den Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 9 bzw. 5 bis 10 zum erfolgreichen oder qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, zum Mittleren Schulabschluss, zum Abschluss des Bildungsgangs Lernen oder zum individuellen Abschluss.


Mobiler sonderpädagogischer Dienst
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Der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD) bietet individuelle Unterstützung bei der Erziehung und Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen an Förderzentren mit anderen Förderschwerpunkten, an der wohnortnahen Grund- und Mittelschule, sowie an weiterführenden Schulen. Ziel von Beratung und Förderung ist es, gemeinsam mit allen Erziehungsverantwortlichen den Kindern und Jugendlichen das Lernen und Leben in ihrem schulischen Umfeld ihren persönlichen Möglichkeiten entsprechend zu gewährleisten.

Die Aufgaben des MSD werden im BayEUG (Art. 21 Abs.  1 Satz 2) beschrieben: „Mobile Sonderpädagogische Dienste diagnostizieren und fördern die Schülerinnen und Schüler, sie beraten Lehrkräfte, Erziehungsberechtigte und Schülerinnen und Schüler, koordinieren sonderpädagogische Förderung und führen Fortbildungen für Lehrkräfte durch.“


1.4 Inklusion
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„Inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller Schulen.“ (Art.  2 Abs.  2 BayEUG)

Förderzentren mit spezifischen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten sind in Bayern zum einen Lernorte mit bedarfsgerechten Bildungsangeboten und zum anderen Beratungs- bzw. Kompetenzzentren mit sonderpädagogischen Angeboten für allgemeine Schulen. Als Teil des inklusiven Schulsystems in Bayern unterstützen Lehrkräfte für Sonderpädagogik als Mobiler Sonderpädagogischer Dienst oder als Mobile Sonderpädagogische Hilfe allgemeine Schulen, Förderzentren mit anderen Förderschwerpunkten und Kindertagesstätten. Sie diagnostizieren, unterrichten, erziehen und fördern in Klassen mit festem Lehrertandem, an Schulen mit dem Profil Inklusion sowie in Kooperationsklassen und in Klassen an allgemeinen Schulen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften einer allgemeinen Schule und einer Lehrkraft oder mehreren Lehrkräften des Förderzentrums findet in Partnerklassen statt. Einige Förderzentren mit den Förderschwerpunkten Sehen, Hören und körperliche- motorische Entwicklung bilden offene Klassen im Förderzentrum, die Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf aufnehmen. Alle kooperativen Lernformen eröffnen Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf Möglichkeiten der Beteiligung an gemeinsamer Bildung und Erziehung und des Ausschöpfens der eigenen Entwicklungspotenziale. Förderzentren mit dem Profil Inklusion zeichnen sich durch eine vielfältige Unterstützung der Inklusion in der Region aus. Die Profilschulen entwickeln regional angepasste, innovative Ideen und gestalten deren Umsetzung in Unterricht und Schulleben.


2 Kinder und Jugendliche am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sehen
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Erziehung, Unterricht und Förderung orientieren sich an den individuellen Unterstützungs- und Förderbedürfnissen der einzelnen Schülerin, des einzelnen Schülers und haben neben dem Erwerb der Kompetenzen der allgemeinen Schule die Ausbildung entwicklungsbezogener Kompetenzen in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache und Emotionen und Soziales Handeln zum Ziel. Das Förderzentrum besuchen Kinder und Jugendliche, die aufgrund von persönlichen, familiären und bzw. oder sozialen Bedingungen im Lernen oder in der Entwicklung so beeinträchtigt sind, dass der individuelle Bildungsweg gefährdet ist.

Kinder und Jugendliche, deren Sehvermögen herabgesetzt oder nicht vorhanden ist, stehen vor besonderen Herausforderungen hinsichtlich des Lebens und Lernens mit diesen individuellen Wahrnehmungsvoraussetzungen. Visuelle Beeinträchtigungen sind im Auge als Organ für die sensorische Aufnahme von Reizen, und/oder in den Nerven- und Sehbahnen, die aufgenommene Reize weiterleiten und/oder in den für die zerebrale Verarbeitung der zugeleiteten Sehreize zuständigen Bereichen des Gehirns lokalisiert. Eine Sehbehinderung liegt dann vor, wenn das Sehvermögen (= Visus) mit bestmöglicher Korrektur auf mindestens 0,3 auf dem besseren Auge herabgesetzt ist. Es wird unterteilt in Sehbehinderung (Visus ≤ 0,3), hochgradige Sehbehinderung (Visus <= 0,05) und gesetzliche Blindheit (Visus ≤ 0,02 oder Einengung des Gesichtsfeldes auf <= 5 Grad). Eine visuelle Wahrnehmungsstörung (cerebral visual impairment bzw. cerebral bedingte Sehbeeinträchtigung) ohne und mit okulärer Schädigung kann gleichfalls starke Auswirkungen auf das Sehvermögen haben, z. B. Gesichtsfeldeinschränkungen, Visusminderung, Trennschwierigkeiten, Raumlage- und Orientierungsstörungen, Farbsinnstörung und Herabsetzung des Kontrastsehvermögens.

Die Einschränkungen, die sich evtl. aus einer Sehschädigung ergeben, sind im Einzelfall durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt. Der Zeitpunkt des Eintritts der Sehschädigung, die Dauer ihres Bestehens, die verbliebene Sehfähigkeit, das Selbstkonzept des Kindes/des Jugendlichen sowie seine individuellen Lern- und Leistungsvoraussetzungen sind wichtige Faktoren. Auch bereits durchgeführte Fördermaßnahmen sowie die Versorgung mit technischen und elektronischen Hilfsmitteln und die Einstellung und das Verhalten von Bezugspersonen, familiäre Lebensbedingungen sowie soziale und kulturelle Einflüsse haben Auswirkungen auf den Umgang mit der Sehschädigung. Ausschlaggebend ist, wie die Schüler und Schülerinnen ihr vorhandenes Sehvermögen einsetzen und in ihrem Alltag nutzen. So sind der Einsatz und das Wissen um das vorhandene funktionale Sehen von großer Bedeutung.


Auswirkungen von Sehschädigungen im Bereich der Wahrnehmung
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Art und Grad der individuellen visuellen Seheinschränkung haben verschiedene Auswirkungen auf die visuelle Wahrnehmung, so dass Schülerinnen und Schüler bisweilen in einem begrenzten Sehraurm mit für sie selbst unter Umständen schwer deutbaren Seheindrücken leben. Schülerinnen und Schüler erwerben Strategien und Kompetenzen, um ihr funktionales Sehen individuell zu erweitern, mit der Wirklichkeit abzugleichen und die eigenen visuellen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.

Ein Ausfall visueller Funktionen bedingt die Nutzung der taktilen Wahrnehmung. Taktile Wahrnehmung erfordert ein sukzessives Erfassen und damit ein hohes Maß an Zeit, Konzentration sowie bewusste Willensanstrengung zur aktiven Zuwendung und handelnden Auseinandersetzung, mit dem Bewusstsein, dass empfindliche, zu große oder zu kleine, zerbrechliche, zu schnell verformbare, taktil unangenehme oder gefährliche Gegenstände, aber auch sich rasch bewegende Objekte nicht oder nur eingeschränkt wahrgenommen werden können. Schülerinnen und Schüler erwerben bei Bedarf kompensatorische Strategien, die ihnen auch als Ersatz für das intuitive Lernen durch optische Nachahmung dienen.


Auswirkungen von Sehschädigungen im motorischen Bereich
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Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Sehen sind in ihrer motorischen Entwicklung mit Herausforderungen konfrontiert, die in verringerten Bewegungserfahrungen und damit einhergehend Bewegungsunsicherheit und -gehemmtheit sowie Ängstlichkeit in Bezug auf die Orientierung bestehen können. Ein Mangel an visuell-räumlichen Erfahrungen hat Einfluss auf das Bewegungsverhalten, die Grob- und Feinmotorik, die Körperwahrnehmung, die Körperhaltung und die Bewegungskoordination. Schülerinnen und Schüler erwerben mit Anleitung und Unterstützung durch die Lehrkraft und mithilfe zahlreicher Erfahrungen Sicherheit in vielfältigen motorischen Handlungsfeldern.


Auswirkungen von Sehschädigungen im sozial-emotionalen Bereich
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Einschränkungen des Sehens haben oft Einfluss auf die soziale Interaktion. Missverständnisse bei der Anbahnung und Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten ergeben sich durch Schwierigkeiten bei der Interpretation von Mimik und Gestik, bei der Aufnahme und Aufrechterhaltung des Blickkontakts zum Gesprächspartner sowie beim Einsatz von Körpersprache, Mimik und Gestik. Schülerinnen und Schüler zeigen sich sensibel für diese Herausforderungen und erwerben im schulischen Kontext Kompetenzen, sich körperlich bewusst auszudrücken sowie die Körpersprache anderer Personen soweit wie möglich zu deuten und so Kommunikation und Interaktion erfolgreich zu gestalten. Schwierige Erfahrungen und Missverständnisse im sozialen Bereich führen bei Schülerinnen und Schülern oft zu Unsicherheit und haben Einfluss auf das Selbstwertgefühl und den Umgang mit individuellen Einschränkungen. Darüber hinaus äußern sich Fehleinschätzungen des eigenen Sehvermögens und der Leistungsfähigkeit in Gefühlen von Unter- oder Überforderung. Im wertschätzenden positiven Umgang miteinander, mit der individuellen Sehschädigung und durch die Erfahrung der Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit werden die Schülerinnen und Schüler in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt. Sie bauen Kompetenzen und Fähigkeiten auf, um ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen realistisch zu beurteilen, Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Entwicklungsbereich zu begegnen und diese erfolgreich abzubauen.

Das Förderzentrum Förderschwerpunkt Sehen versteht sich als Lernort, der folgende Bildungs- und Erziehungsziele anstrebt.


Wahrnehmungsförderung
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Wahrnehmungsförderung setzt bei der Kenntnis des individuellen funktionalen Sehvermögens der einzelnen Schülerin/des einzelne Schülers an. Die Förderung der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit zielt auf eine Verbesserung der visuellen Aufmerksamkeit und Konzentration, des visuellen Gedächtnisses, der raschen und präzisen Erfassung und Erkennung von Objekten, Formen, Gesichtern, Farben und Situationen, der Raumwahrnehmung, der Auge-Hand-Koordination, der Einschätzung von Entfernungen, Linien, Bewegungen und Größen sowie der Wahrnehmung der sprachbegleitenden Kommunikation, wie Körpersprache, Mimik und Gestik. Dabei beziehen Schülerinnen und Schüler auch die Wahrnehmungsfähigkeiten anderer Sinnesbereiche mit ein. Sie erkennen und nutzen die Vorteile strukturierter Sehumwelten, die durch Beleuchtung, Kontrast, Angebot von Sehhilfen, sowie individuell unterstützende Hilfen zur eigenaktiven Nutzung des individuellen Sehvermögens, geschaffen werden.

Blinde Schülerinnen und Schüler nehmen gezielt taktilen Kontakt zu Objekten ihrer Umwelt auf, um haptische Eindrücke zu gewinnen oder diese zu vertiefen. Sie nutzen unterschiedliche haptische Merkmale zur Unterscheidung und Erkennung von Gegenständen.

Erkundungshandlungen von blinden Kindern und Jugendlichen werden in Anpassung an Alter und Entwicklungsstand initiiert und so angeleitet, dass positive Erfahrungen im Vordergrund stehen, um z. B. Tastscheue zu vermeiden.

Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkts Sehen sind sich bewusst, dass die auditive Wahrnehmung einen kompensierenden Zugang zur Umwelt, zum Beispiel zur Identifikation von Schallereignissen oder zur räumlichen Orientierung, bietet und setzen dies gezielt ein.


Förderung motorischer Fähigkeiten und des ästhetischen Empfindens
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Bewegung ist die Grundlage dafür, sich in der Welt zu erfahren und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Bewegungserfahrungen vermitteln dem Menschen vielfältige Informationen über Räume und Dimensionen, über Gegenstände und deren Qualitäten, sowie über sich selbst. Vielfältige Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Handlungserfahrungen unterstützen die Ausbildung des Selbst- und Umweltverständnisses sowie die Begriffsbildung blinder und sehbehinderter Schülerinnen und Schüler. Rhythmik, Bewegungserziehung, Rollenspiel, Musik, Tanz und Theater bieten Schülerinnen und Schülern im Förderschwerpunkt Sehen Freiräume für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Schülerinnen und Schüler erwerben Kompetenzen im Bereich der Bewegungssteuerung, Körperwahrnehmung und Körperhaltung sowie in Bezug auf selbstbewusstes Auftreten. Sie erleben emotionales Wohlbefinden durch bildnerisches Gestalten oder durch Musik und erfahren dies auch als Entlastung bei lang andauernder Seh- oder Tastanforderungen.


Schrift- und Mediennutzung
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Schülerinnen und Schüler des Förderzentrums Sehen erwerben je nach individueller Seheinschränkung die Punkt- oder die Schwarzschrift als Gebrauchsschrift. Sie wenden dafür in der Regel ein hohes Maß an Zeit auf und nutzen besondere, individuell ausgewählte Verfahrensweisen, Hilfsmittel und Materialien. Je nach individuellem Sehvermögen erwerben einzelne Schülerinnen und Schüler auch beide Schriftsysteme. Schriftsprache wird in allen Bereichen als Kommunikations- und Informationsträger erfahren und bleibt nicht auf schriftliche Druckerzeugnisse begrenzt. Im Umgang mit neuen digitalen Medien werden grundlegende Kompetenzen sowie Kriterien für die Auswahl der Hard- und Software nach blindenspezifischen und sehbehindertengerechten Kriterien vermittelt. Durch den Erwerb von Kompetenzen im Bereich der sehgeschädigtenspezifischen Mediennutzung erschließen sich Schülerinnen und Schüler zunehmend eigenständig die Welt. Eine Medienbildung, die die visuellen Einschränkungen der Schülerinnen und Schüler bei der entwicklungsgemäßen Nutzung digitaler und interaktiver Medien sowie deren Chancen als Hilfsmittel berücksichtigt, ist Grundlage für aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und besonders der Berufswelt. Der Umgang mit unterschiedlichen digitalen Medien wird durch eine informationstechnische Grundbildung und Medienerziehung grundgelegt.


Soziale Handlungsfähigkeit
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Das Verständnis von der Welt ist bei Kindern und Jugendlichen mit dem Förderschwerpunkt Sehen meist von individuellen Seh- und Tasterfahrungen geprägt. In der Kommunikation mit der Umwelt erfahren sie häufig, dass ihre Art wahrzunehmen und ihr Verständnis von Zusammenhängen, der Ergänzung bedürfen. Schülerinnen und Schüler werden darin unterstützt, Vertrauen in Wahrnehmungs- und Handlungsstrategien abzubauen und Unsicherheiten und Ängste zu überwinden. Neben dem Aufbau eines realistischen Selbstkonzepts und der Stärkung des Selbstwertgefühls schulen die Schülerinnen und Schüler gezielt und mit wertschätzender Unterstützung ihre sozialen Handlungs- und Interaktionsfähigkeiten. Sie nehmen Normen und Klischees in der Gesellschaft auch in Bezug auf ihre eigene Lebens- und Berufssituation bewusst wahr, reflektieren sie und handeln verantwortlich für sich und andere.


Orientierungs- und Mobilitätstraining
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Mobilitätsschulung ist am Förderzentrum Sehen ein Baustein ganzheitlicher Förderung. Schülerinnen und Schüler lernen, sich in Abhängigkeit von ihren individuellen visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten selbständig zu bewegen, sowie sich in bekannten und unbekannten Räumen zu orientieren. Die vorhandenen Fähigkeiten und Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Bereich der Orientierungsfähigkeit werden gestärkt sowie kompensatorische Strategien vermittelt. Zielorientierte Vermittlung von Fertigkeiten und Verhaltensweisen erfolgen im individuellen Lernprozess. Schülerinnen und Schüler wenden erworbene Fähigkeiten im Alltag an und bauen sie so kontinuierlich mit dem Ziel der möglichst großen Selbstbestimmung weiter aus. Die Trainer aus dem Rehabilitationsbereich Orientierung und Mobilität stimmen weitgehend alle Bildungsinhalte mit Bezugspersonen aus Schule, Elternhaus, Heilpädagogischem Internat und Heilpädagogischer Tagesstätte ab.


Training Lebenspraktische Fertigkeiten
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Schülerinnen und Schüler erwerben Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen, den Alltag weitgehend sicher und selbständig zu bewältigen und soziale Abhängigkeit zu verringern oder zu vermeiden. Die aktuelle Lern- und Lebenssituation, sowie die Einschätzung der Fähigkeiten und Stärken aber auch der Grenzen, die sich aus der individuellen Seheinschränkung jeder einzelnen Schülerin/jedes einzelnen Schülers ergeben, bilden die Grundlagen für die Auswahl von Inhalten und Techniken zur Bewältigung von Alltagsaufgaben. Schülerinnen und Schüler erweitern und verfeinern ihre grob- und feinmotorische Fähigkeiten, sowie ihr Vorstellungsvermögen und ihre Begriffsbildung. Sie schulen ihre Orientierungsfähigkeit, nutzen die Wahrnehmungseindrücke anderer Sinne und wenden spezifische oder adaptierte Hilfsmittel sicher an. Einfache, altersentsprechende Grundfertigkeiten aus verschiedenen Bereichen bilden die Grundlage für den Erwerb von Alltagskompetenzen.


3.1 Lernen als aktiver und individueller Prozess
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Lernen ist ein aktiver und individueller Prozess, bei dem sich die Schülerinnen und Schüler handelnd mit der Welt auseinandersetzen. Sie bilden unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, persönliche Einstellungen und Begabungen zu verschiedenen Zeiten aus. Der Erwerb von Kulturtechniken, von Fach- und Methodenkompetenzen, die Entwicklung von Selbstvertrauen, eines realistischen Selbstbildes sowie von Kritik- und Kooperationsfähigkeit mündet in eine Handlungskompetenz, die es ermöglicht, zukünftige Anforderungssituationen und Problemstellungen selbständig und eigenverantwortlich zu bewältigen und zu lösen. Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte gestalten Lernen gemeinsam und tauschen sich über Ergebnisse und Vorgehen aus. Die Beziehung der Pädagoginnen und Pädagogen zum Kind oder zum Jugendlichen ist von entscheidender Bedeutung, wenn sie Beobachter, Gestalter, Dialogpartner und Verhaltensmodell von und für Lernen sind.

Um dem Einfluss von Sehschädigungen auf das Lernen wie z. B. auf die Begriffsbildung zu begegnen, erwerben Schülerinnen und Schüler kompensatorische Strategien wie Zuhörtechniken und Wahrnehmungsstrategien, die eine Nutzung taktiler, akustischer, kinästhetischer, gustatorischer und olfaktorischer Informationen einbeziehen.


3.2 Kompetenzorientierung in Unterricht
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Ausgehend von der individuellen Lernausgangslage, die sowohl die spezifischen visuellen und auditiven Wahrnehmungsvoraussetzungen als auch den Stand der Entwicklung in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache, Emotionen und soziales Handeln einbezieht, setzen sich die Schülerinnen und Schüler handelnd mit lebenswelt- und zukunftsbedeutsamen Themen und Fragestellungen auseinander. Sie erweitern ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auf der Basis ihrer bisherigen Lebens- und Lernerfahrungen, unter Einbezug ihrer Interessen und ihrer Motivation, an denen sich die Unterrichtsthemen orientieren und übertragen Erkenntnisse und Ergebnisse auf neue Aufgabenstellungen.

Der Unterricht des Förderzentrums rückt den individuellen Lernprozess der Schülerin oder des Schülers in den Mittelpunkt. Unterstützung, Arbeits- und Hilfsmittel, Materialien sowie räumliche, organisatorische und personelle Rahmenbedingungen ermöglichen erfolgreiche Lernprozesse. Die Lehrkraft plant, ggf. in Kooperation mit weiteren an Unterricht und Erziehung beteiligten Personen und orientiert am Niveau des Lehrplans der Grundschule bzw. des Lehrplans der Mittelschule, Lernvorhaben unter Einbeziehung der im individuellen Förderplan beschriebenen Fördermaßnahmen und auf der Grundlage der sonderpädagogischen bzw. medizinischen Diagnostik. Ausgangspunkt für die Planung der nächsten Lernschritte sind die erreichten individuellen Kompetenzen, die die Lehrkraft beobachtet und beschreibt. Auf die Förderung der Lernmotivation richten Lehrkräfte eine besondere Aufmerksamkeit und stärken diese vor allem durch Aufgabenstellungen, die erfolgreiche Lernergebnisse und passende Lernwege zulassen, sowie durch die Berücksichtigung persönlicher Interessen und Stärken. Durch die Reflexion von Lernwegen und Lernergebnissen nehmen die Kinder und Jugendlichen eigene Leistungen wahr und beschreiben den eigenen Lernfortschritt. Die Lehrkraft gestaltet diese Phasen des gemeinsamen Sprechens über Lernen als Dialogpartner und Lernbegleiter.

LehrplanPLUS versteht Kompetenzen als fachspezifische und überfachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Wissen und Können miteinander verknüpfen. Dies befähigt die Schülerinnen und Schüler, zu verstehen, zu reflektieren, schlüssig zu argumentieren, fundiert zu urteilen und neue Anforderungen zu bewältigen. Der Lehrplan definiert Inhalte und beschreibt Kompetenzerwartungen auf einem mittleren Anforderungsniveau. Die entwicklungsbezogenen Kompetenzen zeigen eine entwicklungslogische Progression auf.


3.3 Haltung und Rolle der Lehrkraft
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Der stärkste Antrieb zu lernen ist wahrgenommen zu werden. Pädagoginnen und Pädagogen am Förderzentrum sehen jedes Kind und jede Jugendliche bzw. jeden Jugendlichen als Person mit allen Schwierigkeiten und Möglichkeiten, akzeptieren sie ohne zu werten und begegnen ihnen offen. Neben den jeweils eigenen Potenzialen und Ressourcen der Schülerin oder des Schülers nehmen die Lehrkräfte die Gestaltung der gegenwärtigen Situation und zukünftiger Perspektiven als Bezugspunkt für pädagogisches Handeln in den Blick. Dabei unterstützen und helfen sie Kindern, Jugendlichen und Erziehungs- und Sorgeberechtigten soweit wie nötig und fordern jede Schülerin bzw. jeden Schüler entwicklungsgemäß soweit wie möglich.

Sie gestalten die Beziehung zur Schülerin bzw. zum Schüler auf der Grundlage von Echtheit und Achtung, um Erziehung und Förderung möglichst wirksam zu gestalten. Dazu gehört es, als Pädagogin oder Pädagoge dem Kind oder Jugendlichen sowie den Erziehungs- und Sorgeberechtigten vertrauensvoll und wertschätzend entgegenzutreten und Erfahrungen und Gefühle im Umgang mit Einschränkungen und Erschwernissen zu erkennen und zu verstehen.

Pädagoginnen und Pädagogen am Förderzentrum zeigen Gelassenheit im Umgang mit den eigenen Grenzen und denen der anderen. Sie hinterfragen das eigene Handeln und die eigenen Möglichkeiten, auch im Hinblick darauf, inwieweit die Selbstbestimmtheit der Schülerin bzw. des Schülers durch normative Ansprüche eingeschränkt wird. Die Lehrkräfte gehen konstruktiv mit Erziehungssituationen um, indem sie lern- und entwicklungsfördernde, verlässliche Rahmenbedingungen und Strukturen in Schule und Unterricht einbinden, Grenzen setzen und Raum für Mitbestimmung und Gestaltung des Schullebens geben. Sie sind sich dessen bewusst, dass sie als Verhaltensvorbild und Vertrauensperson wahrgenommen werden.

Lehrkräfte verstehen sich als Lernbegleiter. Sie unterstützen und beraten die Schülerinnen und Schüler dabei, das Lernen aktiv und verantwortlich umzusetzen sowie zu reflektieren. Lehrkräfte handeln als Partnerinnen und Partner der Eltern und Erziehungsberechtigten für Erziehung und Bildung. Lehrerinnen und Lehrer koordinieren Fördermaßnahmen innerhalb der Schule, sie sind Ansprechpartnerinnen bzw. Ansprechpartner für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interner und externer Angebote, z. B. Heilpädagogische Tagesstätte, Ergotherapie, Psychotherapie und weitere Fachdienste.


3.4 Lernprozessbegleitende Förderdiagnostik
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Die individuellen Lern-, Entwicklungs- und Wahrnehmungsvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler des Förderzentrums sind Ausgangspunkt des Unterrichts und eine Chance für das Voneinander- und Miteinanderlernen.

Grundlage für eine individuelle stärkenorientierte und prozessbegleitende Förderung sowie Rückmeldung an die Lernenden ist eine gezielte Erhebung des Lernstandes sowie die Dokumentation der Lern- und Entwicklungsprozesse. Diese orientieren sich an den Kompetenzerwartungen und Inhalten der Fachlehrpläne und somit an den Bildungsstandards sowie an den entwicklungsbezogenen Kompetenzen. Die Wertschätzung des individuellen Lernfortschritts ist ein wesentlicher Aspekt im Prozess der Lernstandserhebung.

Reflexion und Bewertung der eigenen Lernwege treten im kompetenzorientierten Unterricht gleichwertig neben die Erarbeitung, Übung und Anwendung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Im Förderzentrum werden Schülerinnen und Schüler damit vertraut gemacht auszudrücken, was und auf welchem Weg sie erfolgreich gelernt haben, was ihnen beim Üben noch schwer fällt und welche erreichbaren Ziele sie sich setzen. Dazu gehört auch ein konstruktiver Umgang mit Umwegen und Fehlern.

Je nach Entwicklungsstand und Förderschwerpunkt erfolgen zunächst verbale oder nonverbale Rückmeldungen durch die Lehrkraft oder auch durch Mitschülerinnen und Mitschüler. Zunehmend differenzierte, individuelle und entwicklungsgemäße Formen der Rückmeldung sowie der Lerndokumentation und -reflexion binden die Schülerinnen und Schüler als Dialogpartner auf Augenhöhe ein. Dadurch übernehmen sie schrittweise Verantwortung für ihr Lernen. Die Schülerinnen und Schüler am Förderzentrum erwerben unter erschwerten Bedingungen Fähigkeiten und Fertigkeiten und wenden Wissen und Können an. Soweit wie möglich diejenigen Kompetenzen zu erreichen, die in den Lehrplänen der allgemeinen Schule verankert sind, ist Ziel des Unterrichts am Förderzentrum. Leistung zu zeigen bedeutet für die Schülerinnen und Schüler am Förderzentrum eine zusätzliche Anstrengung, da sie Erschwernisse und Benachteiligungen durch alternative Strategien kompensieren und zusätzliche Kompetenzen erwerben. Die Lehrkräfte nehmen dies wahr und berücksichtigen Leistungen in den Entwicklungsbereichen als individuellen Lernfortschritt.


Nachteilsausgleich/Notenschutz
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Zur Bewältigung von Prüfungssituationen stehen für Schülerinnen und Schüler bewährte Maßnahmen zum Nachteilsausgleich zur Verfügung (z. B. Zeitverlängerung, Handlungsaufgaben etc.). Notenschutz findet dann Anwendung, wenn auf Prüfungsteile, die ein Sehen erfordern, verzichtet wird (vgl. BayScho).


Individualisierung
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Kinder und Jugendliche erwerben Kompetenzen anhand gemeinsamer Aufgabenstellungen, die unterschiedliche Lernwege, Lernergebnisse und Lerntempi zulassen und damit verschiedene Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen sowie spezifische Wahrnehmungsvoraussetzungen beachten. Förderdiagnostik ist wesentliche Aufgabe der Lehrkraft am Förderzentrum: Für die Planung individualisierter Lernprozesse ist Voraussetzung, dass der individuelle Kompetenzstand vor Beginn des Lernprozesses festgestellt wird. Die Beschreibung der erreichten individuellen Kompetenzen nach dem Lernprozess und der Vergleich mit dem vorherigen Lernstand zeigen der Lehrkraft den individuellen Lernfortschritt. Lernwege und Lernergebnisse werden für die Schülerin oder den Schüler verständlich dokumentiert und in Lerngesprächen thematisiert.


Entwicklungsorientierung
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Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen verläuft individuell. Erfolgreiche Lernprozesse vollziehen sich auf der Basis des Zusammenwirkens der Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln. Angebote der Förderung orientieren sich am aktuellen Entwicklungsstand, unabhängig von Alter oder Jahrgangsstufe.


Lernumgebungen
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Die Lehrkraft initiiert Lernen, indem sie Lernanlässe schafft und Lernumgebungen gestaltet, die die individuelle Situation der Klasse und der einzelnen Schülerin bzw. des einzelnen Schülers berücksichtigen. Schülerinnen und Schüler erwerben Kompetenzen im Dialog und in Kooperation und organisieren ihre Lernprozesse möglichst eigenständig. Dadurch erfahren die Kinder und Jugendlichen Erfolgserlebnisse und Selbstwirksamkeit. Offene Lernarrangements und Formen des kooperativen und individuellen Lernens werden unter Berücksichtigung der jeweiligen Unterstützungsbedürfnisse der Schülerinnen und Schüler gestaltet. Sie eröffnen Entwicklungsmöglichkeiten und beziehen individuelle Förderangebote ein. Kompetenzorientierte Aufgaben ermöglichen den Schülerinnen und Schülern individuelle Zugänge und lassen vielfältige Lösungswege und Unterstützungsmöglichkeiten zu. Sie berücksichtigen auch unterschiedliches Lerntempo.


Lebensweltbezug
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Die Auswahl der Unterrichtsinhalte orientiert sich an der aktuellen Lebensbedeutsamkeit für Kinder und Jugendliche und bezieht die bisherigen Alltagserfahrungen mit ein. Lebensnähe und Handlungsorientierung werden am Förderzentrum Sehen durch den gezielten Einsatz von Arbeitsmaterialien und Anschauungsmitteln, die mit möglichst allen Sinnen erfahrbar sind, umgesetzt.


Stärkenorientierung
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Die Erschließung individueller und sozialer Stärken richtet den Blick in die Zukunft, um Selbstbestimmung zu erreichen. Die Lehrkraft versteht sich als Bezugsperson, die bei der Gestaltung einer guten Beziehung zum Kind oder zum Jugendlichen dessen Ressourcen, Interessen und Kompetenzen in den Blick nimmt. Die Schülerinnen und Schüler erleben Erfolge beim Lernen. Dies stärkt ihre Lern- und Leistungsmotivation und steigert ihr Selbstwertgefühl.


Persönlichkeitsentwicklung
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Für die Lebensbewältigung unter den Bedingungen einer Sehschädigung entwickeln die Schülerinnen und Schüler Sicherheit und Vertrauen gegenüber anderen und sich selbst. In einer Atmosphäre des Vertrauens, der Anerkennung und der Lebensfreude bauen die Kinder und Jugendlichen Selbstwertgefühl, Eigenverantwortung und eine bejahende Lebenseinstellung auf und aus und lernen, sich selbst mit ihren Fähigkeiten und Einschränkungen insbesondere im visuellen Bereich wahrzunehmen, zu akzeptieren und einzuschätzen. Ich-Stärke hilft ihnen dabei, offen, tolerant und positiv auf andere zuzugehen, sich ihnen gegenüber gegebenenfalls zu behaupten und wenn nötig Gruppendruck zu widerstehen. Als Beitrag zur Bildung der individuellen Persönlichkeit fördert Unterricht die Wahrnehmung, das soziale Lernen, die Orientierung und Mobilität sowie die musischen Kräfte sowie die Kreativität und schafft die Grundlagen für ästhetisches Empfinden.


Selbsttätigkeit
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Die Fähigkeit zu selbständigem Lernen ist ein notwendiger Aspekt der Selbstbestimmung und ein Beitrag zur Entwicklung der Urteils-, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Kompetenzorientierter Unterricht macht Lernangebote in Form von Aufgaben und Lernumgebungen, die den Schülerinnen und Schülern eine selbständige und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit Themen und Lerngegenständen ermöglicht, die dem Entwicklungs- und Lernstand entspricht. Mit Blick auf die Zukunftsgestaltung erweitert eine weitgehende Selbsttätigkeit die Möglichkeiten der persönlichen und beruflichen Orientierung, indem Methoden, Strategien, Arbeitsweisen und Arbeitstechniken für Problemlösungen eingesetzt werden und z. B. als Spiralcurriculum kontinuierlich aufgebaut und erweitert werden. Für Schülerinnen und Schüler am Förderzentrum bedeutet Selbsttätigkeit auch eine Hilfe zur Fokussierung der Aufmerksamkeit, Förderung der Lernmotivation, Steigerung der Merkfähigkeit und der Anwendung von Wissen und Können.

Um die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler für ihren Lernprozess zu stärken, nutzen sie Gelegenheiten, selbstständig zu arbeiten und verschiedene Lernstrategien sowie den Umgang mit blinden- und sehbehindertenspezifischen Hilfsmitteln zu erproben und zu bewerten. Sie handeln so vermehrt eigenverantwortlich und finden und reflektieren Lösungswege unter Einsatz gezielter Hilfen und geeigneter Materialien.


Präventives Handeln
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Damit Kinder und Jugendliche unterschiedliche, auch belastende Situationen bewältigen, müssen sie sich als erfolgreich in ihren Handlungen sehen, eigene Ressourcen effektiv einsetzen und erleben, dass sie Einfluss auf die Problemlösung haben. Die Lehrkraft fördert diese Strategien, indem sie sich ihrer Rolle als positives Modell bewusst ist, dem Kind und dem Jugendlichen Wertschätzung und Akzeptanz entgegenbringt und eine stabile, emotional positive Beziehung zur Schülerin oder zum Schüler gestaltet. Sie schafft ein positives emotionales Klima in der Klasse, geht offen mit dem eigenen Ausdruck von Gefühlen um und drückt in unterschiedlichen Situationen Gefühle auch sprachlich aus. Lob, Anerkennung und Ermutigung fließen in die Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schülerin bzw. Schüler ein. Das Zusammenleben in der Schule und die Gemeinschaft der Klasse fördern den respektvollen Kontakt zwischen den Schülerinnen und Schülern und basieren auf klaren, konsistenten Regeln.

Angesichts der Risiken und Belastungen der modernen Lebensführung sind am Förderzentrum Sehen Gesundheits-, Verkehrs- und Sicherheitserziehung von besonderer Bedeutung. Schülerinnen und Schüler lernen Ursachen und Folgen von Sehschädigungen kennen und beachten individuelle Maßnahmen zur Erhaltung ihres Sehvermögens. Sie lernen in verschiedenen Bereichen des Alltags, Unfall- und Gefahrenquellen einzuschätzen und erwerben Strategien, um in Hinblick auf ihre individuelle visuelle und taktile Wahrnehmung sicher mit ihnen umzugehen.


Akzeptanz und Wahrnehmen
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Akzeptanz stellt in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erziehungs- und Sorgeberechtigten eine bedeutsame Grundhaltung dar, von der ausgehend ein Lern- und Entwicklungsprozess initiiert werden kann. Auch in der Begegnung mit Mitschülerinnen und Mitschülern, mit anderen Lehrkräften und mit der Schulleitung werden die Kinder und Jugendlichen angehalten, sich respektvoll und wertschätzend zu verhalten, um einen Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens zu gestalten. Die Lehrkräfte zeigen, dass sie jede Schülerin und jeden Schüler mit ihren und seinen Interessen, Fähigkeiten und Möglichkeiten wahrnehmen und es als ihre zentrale Aufgabe verstehen, diese in den Mittelpunkt der Gestaltung von Lernen, Zusammenleben und Erziehung zu stellen.


Soziales Lernen
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In der Schule begegnen sich Kinder, die unterschiedliche Werte und soziale Kompetenzen aus ihrem Erfahrungsbereich mitbringen. Als Lern- und Lebensraum bietet die Schule auch natürliche und unstrukturierte Situationen für soziales Lernen. Die Kinder und Jugendlichen erleben sich als Individuum, das in der Auseinandersetzung mit anderen erfährt, dass es das eigene Interesse durchsetzen kann, dass Verhalten Konsequenzen nach sich zieht, dass Arbeitsergebnisse durch die Beteiligung mehrerer entstehen können oder dass eine Mitschülerin oder ein Mitschüler Hilfe und Unterstützung sein kann. Die Lehrkräfte nehmen Unterricht und Schule als Möglichkeit wahr, Phasen sozialen Lernens bewusst einzusetzen und Situationen gemeinsamen Lernens zu gestalten, zu reflektieren und damit die Entwicklung sozialer Kompetenzen für die Stärkung der Persönlichkeit, Beteiligung in der Gesellschaft und berufliche und arbeitsweltliche Integration zu fördern.


Üben und trainieren
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Erlerntes bleibt nicht automatisch abrufbar und erhalten. Üben bedeutet, erworbene Fertigkeiten und Fähigkeiten auf neue und unterschiedliche Situationen zu übertragen, um damit Kompetenzen, auch Strategien und Abläufe, zu erweitern, zu automatisieren oder zu festigen. Neben fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten wie der Leseflüssigkeit können die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen der Bereiche Motorik und Wahrnehmung (z. B. Blick fokussieren), Denken und Lernstrategien (z. B. Selbstregulation, Handlungsplanung) Kommunikation und Sprache (z. B. Präsentieren) und Emotionen und soziales Handeln (z. B. um Hilfe bitten) in Rollenspielen, mit Hilfe von Algorithmen, handlungsbegleitendem Sprechen oder durch das Erstellen einer Mindmap usw. trainieren. Sinnvoll ist die Verknüpfung der Aspekte mit dem individuellen Förderplan und der Ausbau der Kompetenzen im Sinne einer Erweiterung in den folgenden Jahrgangsstufen.


3.6 Organisation des Unterrichts
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Der Unterricht am Förderzentrum schafft die Voraussetzungen für eine möglichst optimale individuelle Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Die Umsetzung des Klassenlehrerprinzips ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die Lehrkraft als Bezugsperson zu erleben und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Dies unterstützt ihre Entwicklung auch im sozial-emotionalen Bereich positiv. Die zeitliche Einteilung des Unterrichtstages orientiert sich an den Möglichkeiten und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler und berücksichtigt Phasen der Konzentration und das Bedürfnis nach Bewegung und Pausen. Rituale strukturieren den schulischen Alltag und schaffen eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens. Sowohl fächerübergreifender als auch fächerverbindender Unterricht und zunehmend projektorientiertes Arbeiten tragen zur Ganzheitlichkeit des Unterrichts am Förderzentrum bei. Profilbildende Fächer des Förderzentrums fördern maßgeblich die Stärkung der Persönlichkeit und vermitteln Kompetenzen und Inhalte, die die Schülerinnen und Schüler zu einem selbstbestimmten Leben befähigen.

Am Förderzentrum wirken Pädagoginnen und Pädagogen mit unterschiedlichen Ausbildungen zusammen. Die Lehrkräfte für Sonderpädagogik werden unterstützt durch heilpädagogische Fachkräfte, Fachlehrkräfte, Lehrkräfte der allgemeinen Schule, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen bzw. Sozialpädagogen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugend- oder Erziehungshilfe.

Der Unterricht am Förderzentrum ermöglicht jeder Schülerin und jedem Schüler, entsprechend seiner Bedürfnisse und Möglichkeiten, zu lernen. Die Grundlage hierfür kann der Lehrplan für den jeweiligen Förderschwerpunkt sein, der Lehrplan für den Förderschwerpunkt Lernen, der Lehrplan für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung oder der Lehrplan der Grundschule bzw. der Lehrplan der Mittelschule einschließlich der Fachlehrpläne für den Mittleren-Reife-Zweig. Liegen dem Unterricht einer Lerngruppe oder einer Klasse verschiedene Lehrpläne zugrunde, erfordert dies eine hohe didaktisch-methodische Kompetenz der Lehrkräfte. Möglichkeiten der Heterogenität zu begegnen sind z. B. adaptive Aufgaben, kooperatives Lernen, Differenzierung oder Lernen am gemeinsamen Gegenstand.

Die Klassen am Förderzentrum können jahrgangsstufenbezogen oder jahrgangsstufenübergreifend organisiert werden und orientieren sich in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 bzw. 5 als Grundschulstufe an der Grundschule und in den Jahrgangsstufen 5 bzw. 6 bis 9 bzw. 10 als Mittelschulstufe an der Mittelschule. Dementsprechend erwerben die Schülerinnen und Schüler in der Grundschulstufe Basiskompetenzen, indem sie zunächst über Schreib- und Lesefertigkeiten sowie mathematische Fähigkeiten verfügen. Die Mittelschulstufe hat den Erwerb eines erfolgreichen Abschlusses oder des individuellen Abschlusses zum Ziel und bereitet auf den Übergang in die berufliche Vorbereitung oder Ausbildung vor.

Die Organisation des Unterrichtsangebots am Förderzentrum erfordert von allen Beteiligten eine hohe Bereitschaft und Fähigkeit zur Zusammenarbeit, denn für jede Schülerin und jeden Schüler müssen Ziele, Materialien, Inhalte, Methoden und Maßnahmen abgestimmt und kontinuierlich gestaltet werden. Dies bezieht auch die Kooperation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der heilpädagogischen Tagesstätte mit ein, denn Absprachen und der Austausch von Informationen sind notwendig, um Erziehungs- und Lernprozesse abzustimmen.


4.1 Sonderpädagogische Kompetenz für inklusive Lernorte
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Das Förderzentrum bündelt sonderpädagogische Fachlichkeit jeweils in einem oder mehreren der Förderschwerpunkte Hören, Sehen, körperlich-motorische Entwicklung, Sprache, emotional-soziale Entwicklung, Lernen und geistige Entwicklung und stellt diese allgemeinen Schulen, die Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichten, unterstützend zur Verfügung. Die Lehrkräfte für Sonderpädagogik bringen sich in Form von Beratung in den Prozess der inklusiven Schul- und Unterrichtsentwicklung ein, indem sie bei der Gestaltung und Umsetzung von Formen des gemeinsamen Lernens und Lebens mitwirken und dabei die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf einbringen. Als Teil der inklusiven Bildung beschreiben Lehrkräfte für Sonderpädagogik den individuellen Unterstützungsbedarf des Kindes oder der bzw. des Jugendlichen und beraten die Lehrkräfte der allgemeinen Schule, welche Methoden, Arbeits- und Hilfsmittel, individuelle Aufgabenstellungen und Lernschritte sowie Möglichkeiten des sozialen und emotionalen Lernens den Lern- und Entwicklungsprozess der Schülerin oder des Schülers voranbringen können. Als Mitwirkende im Team gemeinsam mit der Lehrkraft der allgemeinen Schule oder als Lehrkraft für Sonderpädagogik an einer Schule mit dem Profil Inklusion bringt die Sonderpädagogin oder der Sonderpädagoge bzw. heilpädagogische Fachkraft ggf. zusammen mit einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter der Jugend- oder Eingliederungshilfe förderschwerpunktspezifisches Wissen in den Unterricht und in die Beratung der Erziehungs- und Sorgeberechtigten bei Problemen mit ein und vermittelt bei Bedarf Hilfe aus einem Netzwerk an Angeboten. Die sonderpädagogische, förderschwerpunktspezifische Kompetenz ist somit ein wesentliches Element der Entwicklung und Stärkung einer Vielfalt inklusiver Lernorte.


4.2 Temporärer Lernort mit eigenen Bildungsangeboten
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Das Förderzentrum ist das Zentrum sonderpädagogischer Professionalität und Fachlichkeit, das in besonderer Weise die Lern-, Erziehungs- und Entwicklungsbedürfnisse eines Kindes oder einer bzw. eines Jugendlichen, mit hoher Diagnosekompetenz, qualifizierten methodisch-didaktischen, pädagogischen und individuellen Förderangeboten, durch die Gestaltung der Übergänge in die allgemeine Schule oder in die berufliche Vorbereitung oder Ausbildung erfüllt. Als spezialisierte Schule in einer vielfältigen Bildungslandschaft leistet es einen grundlegenden Beitrag zur Integration, Reintegration und Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf von der Vorschule bis zum Übergang in die berufliche Vorbereitung oder Ausbildung. Das Förderzentrum stellt ein alternatives schulisches Angebot dar, das durch eine freiwillige Entscheidung der Erziehungsberechtigten in Anspruch genommen werden kann und sich durch die Entwicklung regionaler Modelle der Kooperation mit der Grundschule und der Mittelschule sowie durch ein Netzwerk an inner- und außerschulischen Hilfen für individuelle Bildungs- und Lebenswege positioniert. Förderzentren können sich zu inklusiven Schulen weiterentwickeln.


4.3 Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Elternhaus
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Schule und Eltern sowie Personen, die Bildungs- und Erziehungsaufgaben übernehmen, tragen eine gemeinsame Verantwortung für erfolgreiche Bildungsprozesse und die berufliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler. Das Förderzentrum gestaltet diese Beziehung im Sinne einer engen Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Die Familie ist der prägende Bildungsort für Kinder und Jugendliche, deshalb sind die Eltern der wichtigste Gesprächspartner für das Förderzentrum. Eine vertrauensvolle Kooperation von Elternhaus und Schule unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler und bereichert Unterricht und Schulleben. Die Schule zeigt eine wertschätzende Haltung gegenüber allen Eltern und erkennt die Vielfalt von Familien und ihrer Lebensentwürfe an. In regelmäßigen Gesprächen werden Informationen über die individuelle Entwicklung des Lern- und Sozialverhaltens und entsprechende Fördermaßnahmen ausgetauscht.

Eltern werden aktiv in Schulprozesse eingebunden. Dies unterstützt auch die Vernetzung des Förderzentrums innerhalb des regionalen Umfelds, im Stadtteil, in der Gemeinde und in der Kooperation mit kulturellen Einrichtungen.


4.4 Vernetzung und Kooperation mit weiteren Bildungspartnern
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Zur erfolgreichen Umsetzung individueller Förderpläne ist die Zusammenarbeit mit Fachdiensten, Beratungsstellen, Fachärzten und Therapeuten unterschiedlicher Fachrichtung erforderlich.

Das Förderzentrum arbeitet in die Kommune eingebunden mit außerschulischen Partnern wie Jugendhilfe, Agentur für Arbeit, Unternehmen, Innungen, Kammern, Vereinen, Kirchen und Stiftungen zusammen. Dies erweitert das schulische Erziehungs- und Bildungsangebot und unterstützt die berufliche Orientierung der Jugendlichen. Durch die Kooperation mit außerschulischen Partnern bezieht das Förderzentrum externe Experten auch in den Unterricht ein. Dabei werden außerschulische Lernorte und Lernangebote genutzt. Besonders im Bereich der beruflichen Orientierung ist eine regionale und überregionale Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, der Agentur für Arbeit und dem Integrationsfachdienst notwendig ebenso wie die Kooperation mit Berufsschulen und beruflichen Förderschulen.


5 Übergänge: Aufnahme und Schulwechsel
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Die Lernbiographie der Schülerinnen und Schüler ist von einer Reihe von Übergängen zwischen Bildungsorten geprägt: der Übergang von der Familie in Kindertageseinrichtungen, in die Schule und der Wechsel zwischen Schulen. Die Erfahrung mit Übergängen beeinflusst den Umgang mit allen weiteren Übergängen im Entwicklungsverlauf.

Dazu gehört gegebenenfalls auch ein Wechsel der Schriftsysteme (Schwarzschrift zu Punktschrift oder umgekehrt).

Bisherige Erfahrungen und individuelle Unterstützung tragen dazu bei, dass das Kind und die bzw. der Jugendliche die Übergangsphase entsprechend seiner Ressourcen bewältigen können. Erfolgreiche Übergänge sind Prozesse, die Kinder bzw. Jugendliche und ihre Eltern gemeinsam und aktiv gestalten, unterstützt von vorschulischen und schulischen Einrichtungen. Kinder und Jugendliche, die schulische und familiäre Veränderungen zeitgleich erleben, benötigen mehr Aufmerksamkeit und entsprechende Unterstützung.

Alle Personen, die in diesen Phasen für die Kinder und Jugendlichen verantwortlich sind, haben die Aufgabe, den Übergang positiv zu gestalten. In Gesprächen wird geklärt, was der Übergang für die Kinder bzw. Jugendlichen, die Eltern und die Lehrkräfte bedeutet, und welchen Beitrag jeder Einzelne zum Gelingen leisten kann. Der Familie kommt bei allen Übergängen im Bildungsverlauf eine besondere Rolle zu.

Die Einschulung stellt einen wichtigen Übergang in der Bildungsbiografie eines Kindes dar. Der Unterricht im Förderzentrum knüpft an die Kenntnisse und Fähigkeiten an, die die Kinder beim Schuleintritt mitbringen, baut Stärken aus und ermöglicht den Ausgleich von Schwächen. Die Lehrkräfte arbeiten, unter Einwilligung und Beteiligung der Eltern, mit externen Experten und Pädagogen aus früher besuchten Einrichtungen zusammen, um die Bedürfnisse einzelner Kinder frühzeitig zu erkennen und zu beachten. Wenn Kinder die Schulvorbereitende Einrichtung eines Förderzentrums oder eine Heilpädagogische Kindertagesstätte besucht haben oder von der Mobilen Sonderpädagogischen Hilfe betreut wurden, liegen bereits Entwicklungsbeobachtungen vor, die Lehrkräfte des Förderzentrums für die individuelle Förderung nützen.

Der Übergang vom Förderzentrum in die wohnortnahe allgemeine Schule hat für die Schülerinnen und Schüler eine hohe Bedeutung. Eine enge Kooperation der aufnehmenden Schule mit der abgebenden Förderschule bereitet intensiv den Übergang vor, der verbunden ist mit der Eingewöhnung in eine neue Klassengemeinschaft, einem räumlichen Wechsel und neuartigen Leistungsanforderungen.

Beim Übergang in die berufliche Bildung findet die Vorbereitung auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt statt. Zur Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 auf die Berufs- und Arbeitswelt werden am Förderzentrum praxisbezogene Maßnahmen zur Berufsorientierung und Berufsfindung (Betriebserkundungen, Praktika an Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung, an Berufsbildungswerken, in überbetrieblichen Werkstätten und Betrieben) angeboten. Die Förderzentren arbeiten mit der Berufs- bzw. Rehabilitations-Beratung zusammen.


6 Qualitätsentwicklung
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Förderzentren überprüfen regelmäßig die Qualität ihrer Arbeit. Sie entwickeln sich unter Berücksichtigung der sich stets verändernden gesellschaftlichen Bedingungen auf der Basis von Rückmeldungen und gemeinsamen Zielsetzungen weiter. Die Qualitätsentwicklung ist eine zentrale Aufgabe, für die verschiedene Instrumente der internen und externen Evaluation zur Verfügung stehen. Aus den Rückmeldungen zur eigenen Arbeit und zur Zusammenarbeit können gemeinsam mit Schulaufsichten, Schulleitungen, Lehrerkollegien, Schulgremien und mit den kommunalen oder privaten Trägern anzustrebende Ziele formuliert werden. Schulhausinterne Fortbildungen, Teambesprechungen und Hospitationen sowie institutionenübergreifende und interdisziplinäre Kooperationen helfen den Kollegien dabei, die Qualität schulischer Prozesse beständig weiterzuentwickeln und nachhaltig zu sichern. Zur Förderung der Lehrergesundheit werden Supervision, Coaching, kollegiale Fallberatung und Fortbildungen für Lehrkräfte bereitgestellt, um gesundheitlichen Belastungen präventiv und interventiv zu begegnen und so einen konstruktiven Umgang mit spezifischen beruflichen Belastungen zu schaffen.