Lehrplan PLUS

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Bildungs- und Erziehungsauftrag der Grundschule

Art. 131 Verfassung des Freistaates Bayern

  1. Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.
  2. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungs­bewusst­sein für Natur und Umwelt.
  3. Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.

1 Grundlegung der Bildung als Auftrag der Grundschule
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Die Grundschule ist der erste gemeinsame schulische Bildungsort für Kinder mit sehr unterschiedlichen Biografien und Bildungshintergründen. In passgenauem Anschluss an den Bildungsort Kindertageseinrichtung verwirklicht sie den ihr eigenen Bildungs- und Erziehungsauftrag, indem sie eine verlässliche Grundlage für die weitere schulische Bildung sowie für kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe schafft. Die Grundschule wirkt partnerschaftlich zusammen mit Eltern und Familien sowie mit anderen Bildungseinrichtungen, um die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Bildungsweg zu begleiten und in ihrer Entwicklung zu einer eigenständig denkenden sowie verantwortungs- und wertebewusst handelnden Persönlichkeit zu stärken und zu unterstützen.

Ausgangspunkt des gemeinsamen Lernens und Lebens in der Grundschule bildet die vorhandene Vielfalt an Erfahrungen, Kompetenzen und Interessen, die Kinder mit- und einbringen. Die Grundschule stärkt und fordert alle ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler ganzheitlich und knüpft an ihre sozialen Kompetenzen sowie ihre biografischen, sprachlichen, kulturellen, weltanschaulichen und religiösen Erfahrungen an.


Werteorientierung in einer demokratischen Gesellschaft
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Das pädagogische Handeln im Unterricht und im Schulleben der Grundschule orientiert sich an den in Artikel 131 der Verfassung des Freistaates Bayern genannten Bildungszielen sowie an den Grundsätzen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern. Weitere Grundlagen bilden das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen sowie die Leitsätze für Unterricht und Erziehung nach den gemeinsamen Grundsätzen der christlichen Bekenntnisse. Die Bayerischen Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit sind Grundlage und verbindlicher Bestandteil des Grundschullehrplans.

Auf der Grundlage dieser Bildungsziele, Grundsätze und Werte beobachten und überdenken die Schülerinnen und Schüler ihr Handeln und ihre Begegnungen mit Mitschülerinnen und Mitschülern in alters- und entwicklungsangemessener Weise. Sie erfahren in ihrem schulischen Alltag die Bedeutung und Notwendigkeit eines demokratischen, achtsamen, toleranten und respektvollen Umgangs mit anderen. Durch die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Lebensweisen erweitern sie ihren Erfahrungshorizont, ihre Bewertungsmaßstäbe sowie ihre Handlungsmöglichkeiten.


Grundlegung der Bildung
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Ausgehend von ihrer Erlebnis- und Erfahrungswelt und auf der Grundlage bereits erworbener Kompetenzen entwickeln und vertiefen die Schülerinnen und Schüler in der Grundschule ihre Interessen. Sie betrachten Phänomene in ihrer Umwelt unter erweiterten und neuen Gesichtspunkten sowie unterschiedlichen Perspektiven. Dazu erlernen sie grundlegende Kulturtechniken, Fachbegriffe, Erklärungsmodelle sowie Methoden und wenden sie in ihrer Erfahrungswelt an, indem sie ihre bisherigen Wahrnehmungen, Beobachtungen und Kenntnisse ergänzen, systematisieren und vertiefen. Diese fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen bilden die Grundlage ihrer Bildung, auf der die weiterführenden Schulen aufbauen.

Neue Aufgaben im Sinne einer grundlegenden Bildung ergeben sich für die Grundschule durch die Entwicklungen im Bereich der digitalen und interaktiven Medien. Die Bedeutung von Medienbildung betrifft nicht nur schulisches Lernen, sondern umfasst auch die Fähigkeit, sich mittels neuer Medien zu informieren sowie in einer Gemeinschaft politisch und kulturell verantwortlich mitzuwirken. Für Kinder im Grundschulalter ist eine entwicklungsgemäße Nutzung von zentraler Bedeutung, in der auch Grenzen aufgezeigt und beachtet werden.


Sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit
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Der sprachlichen Bildung kommt in der Grundschule besondere Bedeutung zu. Kommunikation, Informationsgewinnung und -verarbeitung sind maßgebend für die Persönlichkeitsentwicklung und die Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben sowie für das schulische und lebenslange Lernen. Sprachliche Bildung ist ein durchgängiges Unterrichts­prinzip im schulischen Alltag und betrifft alle Fächer.

Zur Familiensprache, auch zu ihrer Mundart, haben Kinder einen starken emotionalen Bezug. Durch die Einbeziehung der Familiensprache, ggf. auch der Gebärdensprache und der Blindenschrift, in Unterricht und Schulleben erfahren Kinder eine Wertschätzung ihrer vielfältigen sprachlichen Ressourcen und Unterstützung in ihrer sprachlichen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung. In der Klassen- und Schulgemeinschaft schafft das Aufgreifen und Vergleichen von Elementen verschiedener Sprachen, Dialekte und Schriften ein Interesse für Sprache, erhöht die Sprachbewusstheit, erweitert den persönlichen Lernhorizont und das Weltwissen aller Kinder.

Schülerinnen und Schüler mit nicht deutscher Erstsprache erhalten Begleitung und Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache. Lehrkräfte schaffen für sie vielfältige Gelegenheiten, mit anderen Kindern und Erwachsenen zu kommunizieren sowie mit Sprache in unterschiedlichen Kontexten kreativ umzugehen. Wörter, Begriffe und Satzbau der Alltagssprache sowie der Fachsprache werden in allen Fächern reflektiert, systematisiert und praktiziert. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Besonderheiten und Unterschiede von Alltags- und Bildungssprache, Mundart und ihrer Familiensprache und entwickeln ein Gespür für eine jeweils situationsangemessene Verwendung.


Inklusion als Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe
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Die Grundschule wirkt am gesellschaftlichen Auftrag zur Umsetzung von Inklusion mit. Alle Kinder, gleich welcher Herkunft, Kultur, Sprache, Religion, Weltanschauung, Begabung und welchen Geschlechts, haben ein Recht auf gemeinsame und bestmögliche Bildung sowie gleichberechtigte Teilhabe. Die dadurch gegebene Vielfalt in jeder Klasse und Schule stellt eine Bereicherung und Ressource dar. Die Grundschule bezieht diese Vielfalt gezielt und konstruktiv in den Unterricht und das Schulleben ein. Das gemeinsame Leben und Lernen orientiert sich an den individuellen Interessen, Stärken sowie Lern- und Entwicklungsbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler und berücksichtigt die jeweiligen kulturellen, religiösen, sprachlichen oder sozialen Hintergründe.


Partizipation als Grundlage für Demokratie und Verantwortungsbewusstsein
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Kinder haben das Recht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten verantwortungsbewusst an Entscheidungen mitzuwirken, die sie selbst sowie die Klassen- und Schulgemeinschaft betreffen. Aus ihrer Zeit in der Kindertageseinrichtung bringen Schülerinnen und Schüler vielfältige Partizipationserfahrungen mit, um sich bei entsprechenden Entscheidungsprozessen angemessen einzubringen.

Eine partizipative Lern- und Schulkultur kann von der Beteiligung im Schulalltag (z. B. durch Patenschaften, Verfahren zur Konfliktbearbeitung und Mediation) bis hin zum Engagement in Formen der Schülermitverwaltung (z. B. Klassenrat, Klassensprecher, Schülerparlament) und Schulprojekten (z. B. Schulhofgestaltung, Mitarbeit am Schulkonzept) reichen. Durch Formen der Selbst- und Peerbewertung (z. B. bei Portfolios, in Schreibkonferenzen) werden Schülerinnen und Schüler auch bei der Lernrückmeldung einbezogen. Ausgewiesene Zeiträume und Strukturen für Beteiligungsprozesse der Schülerinnen und Schüler erhöhen die Partizipation und die Identifikation mit der eigenen Schule.

Die Schülerinnen und Schüler gestalten so den Unterricht und das Schulleben in der Grundschule mit und erwerben ein grundlegendes Verständnis von Demokratie und ihren Prinzipien. Sie übernehmen Verantwortung und lernen innerhalb der Schulgemeinschaft, dass Partizipation mit Rechten, aber auch mit Pflichten einhergeht. Lehrkräfte und alle Mitglieder der Schulgemeinschaft sind Vorbilder – in ihrem respektvollen Umgang mit anderen, in ihren Werthaltungen sowie in der Art und Weise, wie sie ihre eigenen Rechte und Pflichten wahrnehmen.


Erwerb von Alltagskompetenzen
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Die Grundschule legt Wert darauf, dass alle Schülerinnen und Schüler Grundfähigkeiten und -fertigkeiten erwerben, die zur unmittelbaren Bewältigung von Anforderungen des modernen Alltags notwendig sind. Vielfältige und lebensnahe Lernsituationen in der Schule und im Unterricht sowie reale Gegebenheiten bieten Gelegenheiten zum Aufbau und zur Anwendung von Alltagskompetenzen.


Entwicklung der Kinder in der Grundschulzeit
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Die emotionalen, körperlichen, kognitiven, sozialen und persönlichen Veränderungen, die Kinder in der Grundschulzeit bis zur Schwelle der Pubertät durchlaufen, sind erheblich. Ihre Einschulung erwarten sie grundsätzlich mit Vorfreude und begegnen den schulischen Anforderungen – bei aller Unterschiedlichkeit der vorangegangenen Lernerfahrungen – mit Freude, Eifer und Interesse am Neuen.

Kinder begegnen ihrer Umwelt neugierig und unvoreingenommen. Sie haben eigene Sichtweisen und Ideen, sie beobachten genau, ahmen nach, finden entwicklungsgemäße Erklärungen und teilen sich anderen mit. Sie erweitern ihr Wissen, ihre fachlichen und lernmethodischen Kompetenzen, gehen mit ihrem Lern- und Arbeitsmaterial zunehmend selbständig um und strukturieren ihre Lernzeit. Neben den eigenen Bedürfnissen bedenken sie mehr und mehr auch diejenigen ihrer Mitmenschen.


Lernen als aktive Konstruktion von Wissen im Dialog
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Der Lehrplan geht von einem konstruktivistischen Lernbegriff aus, demzufolge der Mensch Wissen konstruiert auf der Basis seines individuellen Vorwissens sowie seiner Wahrnehmung und der Bedeutung, welche das jeweilige Thema für ihn persönlich hat.

Von zentraler Bedeutung für das Lernen sind ko-konstruktive Prozesse: Interaktion, Kooperation und Kommunikation mit anderen. Dieser Gedanke betont die Wichtigkeit des Lernens im Dialog und einer Kultur der wertschätzenden Rückmeldung. In der Grundschule entwickeln Schülerinnen und Schüler im Austausch mit anderen Kindern und Erwachsenen ihr vorhandenes Wissen und ihr Verständnis von der Welt aktiv weiter, indem sie sich gemeinsam mit vielfältigen Themen unter unterschiedlichen Perspektiven beschäftigen. Sie formulieren ihre Gedanken, prüfen, akzeptieren oder verwerfen Hypothesen, setzen sich mit den Ideen und Sichtweisen ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler auseinander, verständigen sich auf gemeinsame Standpunkte und wenden gewonnene Erkenntnisse sowie fachliches Wissen an.


Lebensraum und Heimat
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Kinder haben eine emotionale Beziehung zu den Personen, Kulturen und Orten, mit denen sie aufwachsen oder denen sie sich verbunden fühlen. Im Austausch mit anderen und vor dem Hintergrund der kulturellen Vielfalt erfahren sie, dass die Kinder in der Klasse und Schule diesbezüglich unterschiedliche Erfahrungen und Bindungen haben. Sie erleben und verstehen, dass neue Umgebungen zu Heimat werden können und viele Menschen mehreren Heimaten verbunden sind.

In der Grundschule lernen die Schülerinnen und Schüler ihren Lebensraum kennen mit seinen historischen, geographischen, natürlichen, kulturellen und sozialen Besonderheiten, die schützens- und erhaltenswert sind. Im Austausch mit anderen wird eine Basis geschaffen für die aktive Mitgestaltung von nachhaltigen Entwicklungen in Raum und Gesellschaft.

Die Schülerinnen und Schüler setzen die eigene Umgebung in Beziehung zu anderen Regionen und Kulturen in Europa und der Welt.


Kompetenzorientierung in Unterricht und Aufgabenkultur
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Kompetenzorientierter Unterricht ermöglicht Schülerinnen und Schülern eine aktive geistige Auseinandersetzung mit bedeutsamen Themen und Fragestellungen und befähigt sie, auch neue Aufgaben und Problemstellungen zu lösen. Dabei bilden Wissen, Verstehen, Können, Erfahrung und Motivation eine Einheit. Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Kenntnisse und Handlungsmöglichkeiten auf der Basis ihrer bisherigen Lebens- und Lernerfahrungen, an denen sich die Unterrichtsthemen orientieren. Sie knüpfen an ihre Kompetenzen, Vorkenntnisse und Interessen an, erweitern und vernetzen sie.

Lernen findet dabei in wechselnden Organisationsformen statt: im Klassenunterricht, in einer Gruppe, in Partner- oder Einzelarbeit. Kompetenzorientierte Aufgaben ermöglichen den Schülerinnen und Schülern individuelle Zugänge, lassen vielfältige Lösungswege zu, weisen lebensweltorientierte Anwendungsbezüge auf und schaffen Anlässe zur Kommunikation und Reflexion. Im kompetenzorientierten Unterricht sind die Themen und Aufgabenstellungen so offen und vielfältig, dass alle Schülerinnen und Schüler passende und motivierende Lern- und Übungsmöglichkeiten vorfinden und Aufgabenstellungen entsprechend ihrem jeweiligen Leistungsniveau bearbeiten können. Übungen und Wiederholungen werden so gestaltet und integriert, dass eine insgesamt kompetenzorientierte Aufgabenkultur entsteht. Zentrale Bedeutung für erfolgreiches individuelles Lernen hat der Austausch mit anderen Schülerinnen und Schülern beim gemeinsamen Lösen von herausfordernden Aufgabenstellungen.


Kompetenzerwartungen im Grundschullehrplan
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LehrplanPLUS versteht Kompetenzen als fachspezifische und überfachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Wissen und Können miteinander verknüpfen, und motivationale Aspekte ebenso umfassen wie Argumentationsfähigkeit, Problemlösefähigkeit, Reflexionsfähigkeit und Urteilsfähigkeit.

Der Lehrplan definiert Inhalte und beschreibt Kompetenzerwartungen auf einem mittleren Anforderungsniveau. Die Grundlegenden Kompetenzen und Fachlehrpläne umfassen jeweils zwei Jahrgangsstufen.

Soweit der sonderpädagogische Förderbedarf eines Kindes individuelle Kompetenzerwartungen erfordert, bieten der Rahmenlehrplan für den Förderschwerpunkt Lernen sowie der Lehrplan für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung differenzierte Kompetenzerwartungen. Weitere Anknüpfungspunkte finden sich in den Lehrplanadaptionen für die anderen Förderschwerpunkte sowie in den Regelungen zum Nachteilsausgleich.


Reflexion und weitere Planung des eigenen Lernens
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Reflexion und Bewertung der eigenen Lern- und Denkwege sind wesentlicher Bestandteil von kompetenzorientiertem Unterricht. Sie treten gleichwertig neben die Erarbeitung, Übung und Anwendung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. In der Grundschule werden Schülerinnen und Schüler damit vertraut gemacht, ihr eigenes Lernen zu reflektieren und in Worte zu fassen, was sie erfolgreich gelernt haben, was ihnen beim Üben noch schwer fällt und welche erreichbaren Ziele sie sich als nächste setzen. In den Jahrgangsstufen 1 und 2 erfolgen solche Rückblicke häufig durch Lerngespräche mit der Lehrkraft oder den Mitschülerinnen und Mitschülern. Später finden mehr und mehr auch schriftliche Formen der Lerndokumentation und -reflexion Anwendung. Dadurch übernehmen die Schülerinnen und Schüler schrittweise Verantwortung für ihr Lernen.


Bedeutung von Umwegen und Fehlern
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In der Auseinandersetzung mit kompetenzorientierten Aufgabenstellungen wenden Schülerinnen und Schüler ihr vorhandenes Wissen und Können zunehmend in variablen Fragestellungen und Zusammenhängen an. Sie werden dazu ermutigt, eigene und kreative Lösungswege zu erproben und Gelerntes nicht nur mechanisch abzurufen. Denk- und Lösungswege, die sich als umständlich oder als nicht zielführend erweisen, dienen als Anlässe zu Reflexion und Kommunikation und eröffnen neue Lernchancen.

Den Lehrkräften bieten sich auf diese Weise Einblicke in die Problemlösestrategien der Schülerinnen und Schüler, die für die pädagogische Diagnostik von großem Nutzen sind. Stärken und weitere Lernbedürfnisse lassen sich erkennen. Das Lernen der Schülerinnen und Schüler wird auf dieser Grundlage gezielt begleitet und unterstützt. Fehlerhäufungen in der Lerngruppe oder bei einzelnen Kindern nehmen Lehrkräfte zum Anlass, Aufgabenstellungen darauf abzustimmen und Möglichkeiten einer individualisierenden Unterstützung zu eröffnen.


Rolle und Haltung der Lehrkraft
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Lehrkräfte sind Experten für die Themen und Inhalte sowie für die Gestaltung von Unterrichtsprozessen. Sie unterstützen die Schülerinnen und Schüler dabei, ihr Lernen aktiv und verantwortlich zu gestalten und zu reflektieren, geben aber gleichzeitig die eigene Verantwortung für die Steuerung der Bildungsprozesse nicht aus der Hand.

Lehrerinnen und Lehrer handeln auf der Basis von Kompetenzorientierung, Dialog, Partizipation, Flexibilität und Selbstreflexion. Sie sind für die Schülerinnen und Schüler ihrer Klassen verlässliche Bezugspersonen, haben jedes Kind in seiner Ganzheit im Blick und achten auf eine Kultur der Wertschätzung und der Rücksichtnahme.


Planung und Moderation von kompetenzorientiertem Unterricht
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Im Zentrum der Planung von kompetenzorientiertem Unterricht steht die Frage, welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler erwerben oder erweitern sollen und welche Lernsituationen sie hierfür benötigen. Die Lehrkraft initiiert und beeinflusst das Lernen, indem sie Lernanlässe schafft und gezielt Lernformen, Materialien und Methoden auswählt. Lernumgebungen – äußere Bedingungen, Lernmaterialien, Aufgabenstellungen, Sozial- und Arbeitsformen – gestaltet und adaptiert sie mit Blick auf die jeweilige Situation in der Klasse, gibt individuelle Lern- und Übungshinweise und stellt differenzierende Aufgaben und Lernmittel bereit. Dabei zielt sie auf eine aktive geistige Auseinandersetzung der Lernenden mit den Lerngegenständen, auch beim Üben und Wiederholen. Direkte Hilfestellungen in Form von Unterweisung und Anleitung haben im kompetenzorientierten Unterricht einen festen Platz und werden gezielt eingesetzt.

Darüber hinaus achtet die Lehrkraft auf ausreichend Gelegenheiten für selbständigen Aufbau von Wissen, für Dialog und Kooperation sowie zur Anwendung der erworbenen Kompetenzen. Durch die Öffnung des Unterrichts gewährt sie den Schülerinnen und Schülern Freiheitsspielräume zur aktiven Gestaltung ihrer Lernprozesse, schafft eine Voraussetzung für individuelles Lernen in der heterogenen Gruppe, ermöglicht allen Kindern persönliche Erfolgserlebnisse und Erfahrungen von Selbstwirksamkeit.

Der didaktisch-methodische Einsatz neuer Medien lässt sich gewinnbringend nutzen für die Gestaltung individueller Lernprozesse. Gleichzeitig leistet die gezielte Nutzung solcher Medien einen Beitrag zur Medienbildung der Schülerinnen und Schüler.


Unterschiedliche Begabungen als Chance für das individuelle Lernen
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Die Verschiedenheit der Schülerinnen und Schüler in der Grundschule ist eine Chance für das Von- und Miteinanderlernen. Kooperative Lernformen, offene Lernarrangements und Lernzieldifferenz kennzeichnen inklusiven Unterricht. In unterschiedlichen Organisations- und Sozialformen lösen die Kinder gemeinsam Aufgaben, üben Erlerntes und wenden es in neuen Zusammenhängen an. Dabei teilen sie eigene Kenntnisse und Vorschläge mit, bedenken Beiträge der anderen und lernen in vielfältiger Weise. Individuelle und gemeinsame Lernprozesse stehen somit in Wechselwirkung miteinander.

Die Lehrkraft nutzt das Potenzial der heterogenen Lerngruppe, indem sie im Unterricht sowohl homogene als auch heterogene Lerngruppen in flexiblen Zusammensetzungen bildet. So können unterschiedliche Begabungen, Stärken und Interessen für das Lernen aller fruchtbar gemacht werden. Gerade das Klassleiterprinzip der Grundschule erleichtert fächerverbindendes Lernen im Unterricht, auch in Form von Projekten.

Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sowie Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen werden durch ausgewählte Aufgabenstellungen im Rahmen ihrer Klassengemeinschaft gefördert und gefordert.


Geschlechtersensible Pädagogik
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Die Grundschule berücksichtigt sowohl bei Buben als auch bei Mädchen das gesamte Spektrum an Begabungen, Interessen, Erfahrungen und Temperamenten und hat die individuellen Lernbedürfnisse jedes Kindes im Blick.

Es ergeben sich vielfältige Möglichkeiten einer geschlechtersensiblen Pädagogik, die die Verhaltensweisen von Buben und Mädchen in der Gemeinschaft umfasst, insbesondere auch hinsichtlich der Lesemotivation und Lesekompetenz sowie im Bereich der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung.


Pädagogische Leistungskultur und Wertschätzung
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Schülerinnen und Schüler wollen lernen und etwas leisten. Eine Atmosphäre der Wertschätzung und Geborgenheit sowie die Wahrnehmung, kompetent zu sein und selbst etwas leisten zu können, stärken ihr Selbstvertrauen und erhalten ihre Motivation dauerhaft.

Die Schülerinnen und Schüler zeigen so persönliche Stärken, die für ihre Persönlichkeitsentwicklung und ihr Lernen bedeutsam sind. Die Lehrkräfte der Grundschule nehmen diese bewusst wahr, beachten neben Ergebnissen auch die Leistungen, die in den Lern- und Arbeitsprozessen erbracht werden, und unterstützen die Kinder beim Aufbau und der Erweiterung ihrer Kompetenzen. Sie ermöglichen ihnen Erfolgserlebnisse und ermutigen sie, weitere Leistungen im fachlichen, sozialen und methodischen Bereich zu erbringen.


Individuelle Rückmeldungen
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Grundlage für eine stärkenorientierte und prozessbegleitende Rückmeldung an die Lernenden sind regelmäßige Lernbeobachtungen, die Dokumentation der Lern- und Entwicklungsprozesse sowie gezielte Erhebungen des Lernstandes, die sich an den Kompetenzerwartungen der Fachlehrpläne orientieren. Zur Beobachtung und Dokumentation des Lernens werden Unterlagen und Schülerarbeiten herangezogen, die aus der Auseinandersetzung mit einer Aufgabenstellung im Unterricht entstehen und z. B. in Portfolios oder Lerntagebüchern gesammelt werden. Anhand der Schülerarbeiten macht sich die Lehrkraft ein Bild von den Stärken und dem Lernbedarf im jeweiligen Bereich, führt entsprechende Lerngespräche und geht darauf in der weiteren Planung von Lernangeboten ein.

Gespräche über Gelerntes und Geleistetes als dialogische Formen der Rückmeldung ermöglichen eine persönliche Würdigung und sind Teil der Lernkultur in der Grundschule. Eine regelmäßige Überprüfung, Berichtigung und individuelle Kommentierung schriftlicher Arbeitsergebnisse gehört zu den unterstützenden Aufgaben der Lehrkraft.

Rückmeldungen dieser Art zeigen, dass die Anstrengungen der Kinder wahrgenommen werden. Sie unterstützen eine positive Einstellung zum Lernen, stärken das Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und die Verantwortung der Kinder für ihre eigenen Lernfortschritte.


Fächerverbindender Klassleiterunterricht und Rhythmisierung des Unterrichts
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Ein zentrales Merkmal des Grundschulunterrichts ist das Klassleiterprinzip. Die Klassenleiterinnen und Klassenleiter realisieren Unterricht häufig fächerverbindend, was auch durch die Ausweisung von Grundlegendem Unterricht in der Stundentafel für die Jahrgangsstufen 1 und 2 unterstützt wird. Kompetenzen, die sich aus den schulart- und fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen ableiten und in einzelnen Fachlehrplänen verortet sind, werden auf diese Weise vernetzt erworben.

Die zeitliche Strukturierung des Unterrichtsvormittags orientiert sich an kindgerechten Phasen für konzentriertes Lernen und berücksichtigt das Bedürfnis nach Bewegung und Pausen. Regelmäßig wiederkehrende Zeiträume im Unterrichtsvormittag – bei Ganztagsschulen auch am Nachmittag – sowie im gesamten Schulleben können in besonderer Weise pädagogisch gestaltet werden. Rituale strukturieren den schulischen Alltag und schaffen eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens, insbesondere, wenn sie gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern geplant und gestaltet werden. Möglichkeiten hierfür bieten z. B. Morgenkreis, Gebet, Schulfrühstück, Klassenrat, Wochenabschluss, Bewegungspausen, Feste und Feiern.


Pädagogischer Freiraum
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Um der Schule ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten für das Lernen auch über einzelne Fächer hinaus zu ermöglichen, sind die Fachlehrpläne auf 26 Wochen ausgelegt. Bei insgesamt 38 Schulwochen steht damit ein pädagogischer Freiraum zur Verfügung, der von der Schule in Einklang mit ihrem Profil gestaltet wird. Hierdurch können in der Klasse Lehrplanthemen entsprechend den Interessen der Kinder weiter vertieft und weiterführende Schülerinteressen und -bedürfnisse aufgegriffen werden. Dazu gehören z. B. das Aufgreifen aktueller Tagesereignisse sowie die Gestaltung des Schullebens einschließlich Klassenfahrten, Wanderungen, Schulfesten und Gottesdiensten.


Grundschule als wohnortnahe Schule
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Die Grundschule ist ein Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens, wohnortnahes Bildungsangebot und Teil der heimatlichen Umgebung, nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern für die gesamte Schulgemeinschaft. Die Zusammensetzung der Schülerschaft spiegelt die Vielfalt der Bevölkerung im Einzugsgebiet wider. Jede Grundschule geht von Möglichkeiten und Bedürfnissen am jeweiligen Standort aus und bezieht das unmittelbare Lebensumfeld der Kinder in den Unterricht und das Schulleben ein. Zur gemeinsamen Gestaltung einer Kultur der Wertschätzung und der Rücksichtnahme tragen alle Mitglieder der Schulgemeinschaft bei. Sie haben Anteil an den Entscheidungen, fühlen sich verantwortlich und identifizieren sich mit ihrer Schule.


Schule und Eltern als Bildungspartner
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Schule und Eltern sowie Personen, die Bildungs- und Erziehungsverantwortung übernehmen, tragen eine gemeinsame Verantwortung für die Kinder und deren erfolgreiche Bildungsprozesse. Die Grundschule gestaltet diese Beziehung im Sinne einer gelebten Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Die Familie ist der wichtigste und einflussreichste Bildungsort für das Kind und die Eltern sind der wichtigste Bildungs- und Gesprächspartner für die Schule. Eine vertrauensvolle Kooperation von Elternhaus und Schule unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler und bereichert Unterricht und Schulleben. Die Grundschule zeigt eine wertschätzende Haltung gegenüber allen Eltern und erkennt die Vielfalt von Familien und ihrer Lebensentwürfe an. In regelmäßigen Gesprächen und verschiedenen Formen des Dialogs werden Informationen ausgetauscht sowie gegenseitige Anregungen und Impulse aufgegriffen. Aus der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern ergeben sich wegweisende Anregungen zur Vernetzung der Schule innerhalb des regionalen Umfelds, z. B. im Stadtteil, in der Gemeinde oder mit kulturellen Einrichtungen.


Vernetzung mit weiteren Bildungspartnern
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Jede Grundschule entwickelt ihr individuelles Profil vor dem Hintergrund der Potenziale und Bedürfnisse vor Ort. Dabei hat sie den gesamten Lebensraum der Kinder im Blick und nutzt Impulse aus dem Umfeld. Einrichtungen und Personen, die für ein Kind zugleich Verantwortung tragen, z. B. Horte, Förderzentren und die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste (MSD), kooperieren ebenso wie Bildungseinrichtungen, die die Kinder aufeinanderfolgend besuchen, z. B. beim Übergang in die Grundschule und von dort auf weiterführende Schulen.

Im Umkreis jeder Schule gibt es zudem Bildungsangebote in der Trägerschaft außerschulischer Partner, z. B. des Freistaats, der Kommunen, der Kirchen und religiösen Gemeinschaften, von Vereinen, Verbänden, Stiftungen oder von Betrieben. Durch die Öffnung von Schule und Unterricht und die Kooperation mit Bildungspartnern erweitern die Grundschulen ihr Bildungs- und Lernangebot im Unterricht sowie über den Unterricht hinaus, indem sie außerschulische Experten an der Schule einbeziehen, außerschulische Bildungsorte besuchen und außerschulische Bildungsangebote nutzen. Dadurch ergänzt und bereichert die Grundschule ihre Angebote im Unterricht, in der Ganztagsschule und im Schulleben.


5 Übergänge gestalten
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Die Kooperation der Grundschule mit den Kindertageseinrichtungen und den weiterführenden Schulen dient sowohl der Übergangsbegleitung des Kindes als auch der Entwicklung einer gemeinsamen Sprache, der Herstellung eines gemeinsamen Bildungsverständnisses und der Gestaltung einer anschlussfähigen Bildungspraxis.

Die Einschulung stellt einen ersten Übergang in der Bildungsbiografie eines Kindes dar. Der kompetenzorientierte Unterricht in der Grundschule knüpft an die Kenntnisse und Fähigkeiten an, die die Kinder beim Schuleintritt mitbringen, baut Stärken aus und ermöglicht den Ausgleich von Schwächen. Von besonderer Bedeutung ist die Kooperation mit Kindertageseinrichtungen. Die Lehrkräfte arbeiten, unter Einwilligung und Beteiligung der Eltern, mit externen Experten und Pädagogen aus früher besuchten Institutionen zusammen, um die Bedürfnisse einzelner Kinder frühzeitig zu erkennen und darauf einzugehen. Die Bayerischen Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit erleichtern als gemeinsamer Orientierungs- und Bezugsrahmen diesen Abstimmungsprozess.

Auch während der Grundschulzeit erleben Kinder Übergänge, z. B. bei einem Lehrer-, Klassen- oder Schulwechsel. Die neue Lehrkraft informiert sich über die Veränderung und deren Bedeutung für das Kind und macht passende pädagogische und unterrichtliche Angebote.

Am Ende der Grundschulzeit steht die Entscheidung hinsichtlich des Übertritts in eine weiterführende Schule. Die Grundschule bietet für diese Übergangssituationen rechtzeitig vielfältige Informations- und Gesprächsmöglichkeiten an. In engem, vertrauensvollem Kontakt mit den Eltern und den Schülerinnen und Schülern thematisieren die Lehrkräfte den anstehenden Übergang in die weiterführenden Schulen. Sie greifen konkrete Fragestellungen und Äußerungen der Kinder auf, kooperieren mit den aufnehmenden Schularten und gestalten so gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten diese Phase der Grundschulzeit gezielt als eine Lernchance, die die Kinder für den anstehenden Wechsel und weitere Übergänge in ihrer Schullaufbahn stärkt.


6 Qualitätsentwicklung in der Grundschule
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Grundschulen überprüfen regelmäßig die Qualität ihrer Arbeit und entwickeln sich auf der Basis von Rückmeldungen und gemeinsamen Zielsetzungen weiter. Die Qualitätsentwicklung ist eine zentrale Aufgabe, für die verschiedene Instrumente zur Verfügung stehen. Interne und externe Evaluation sowie Vergleichsarbeiten sind Möglichkeiten, Rückmeldungen zur eigenen Arbeit und Zusammenarbeit zu erhalten. Daraus können gemeinsam anzustrebende Ziele formuliert werden, die es umzusetzen gilt. Teambesprechungen, schulhausinterne Fortbildungen, kollegiale Beratung und Hospitationen sowie institutionenübergreifende und interdisziplinäre Kooperationen bieten Unterstützung und helfen den Kollegien dabei, den Anforderungen des Berufsalltags in professioneller Weise gerecht zu werden.