Lehrplan PLUS

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Evangelische Religionslehre 11

Der angegebene Fachlehrplan wird derzeit überarbeitet; die überarbeitete Fassung wird nach Abschluss der Anpassung des LehrplanPLUS an das neunjährige Gymnasium veröffentlicht.

ER11 Lernbereich 1: Denken und Glauben (ca. 12 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • reflektieren den Begriff der Mündigkeit vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebenssituation.
  • leiten aus Grundgedanken der Aufklärung Herausforderungen für den christlichen Glauben ab und beurteilen Versuche aus dem 18. Jahrhundert, diese Herausforderungen zu meistern.
  • benennen Grenzen der menschlichen Erkenntnis unter Bezug auf verschiedene Erkenntnistheorien und christlichen Glauben und leiten Konsequenzen für das Verständnis von Wirklichkeit ab.
  • nehmen in Texten und Äußerungen wahr, wie Glaube und Vernunft einander zugeordnet werden, und beziehen begründet dazu Stellung.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Aspekte des Begriffs der Mündigkeit: Kants Diktum sowie eigene Vorstellungen und Erwartungen an Mündigkeit; Bedeutung von Volljährigkeit, Chancen und Grenzen
  • Aufklärung im 18. Jahrhundert: Vorrangstellung von Vernunft und Empirie, Fortschrittsoptimismus und positives Menschenbild, kritische Prüfung überkommener Denkmuster und Glaubensüberzeugungen
  • Versuche, diese Herausforderungen zu meistern, z. B. historisch-kritische Exegese, Deismus, Ethisierung von Religion
  • erkenntnistheoretische Überlegungen Platons und Kants; Grenzen objektiver Erkenntnis; ggf. Infragestellung von Realität und Wahrheit als Grundzug gegenwärtiger Strömungen
  • Frage nach Erkenntnis aus christlicher Perspektive, z. B. Erkenntnis in der Spannung von „schon“ und „noch nicht“ nach 1 Kor 13
  • Zuordnungen von Glaube und Vernunft, z. B. Konkurrenz, Dialog, Integration, Unabhängigkeit

ER11 Lernbereich 2: Woran dein Herz hängt – Sinnfrage und Gottesfrage (ca. 18 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • artikulieren Fragen nach Sinn und Grund des Lebens und identifizieren Sinnfragen und ‑angebote in Kultur und Gesellschaft.
  • beziehen die Frage nach Sinn und Lebensorientierung auf die Frage nach Gott und reflektieren Veränderungen von Gottesvorstellungen im (eigenen) Lebenslauf.
  • beschreiben die Beziehung zwischen Gott und Mensch in exemplarischen biblischen Traditionen und leiten daraus Grundelemente biblischen Gottesverständnisses ab.
  • reflektieren das Verhältnis von Allmacht und Liebe Gottes in christlicher Rede von Gott und erörtern Konsequenzen für menschliches Selbstverständnis.
  • formulieren die Theodizeefrage präzise, beziehen sie auf eigene und gesellschaftliche Erfahrungen und erörtern philosophische und theologische Antwortversuche.
  • erklären in Grundzügen die Bedeutung eines trinitarischen Gottesglaubens (im Sinne des Apostolischen Glaubensbekenntnisses) und bringen das darin ausgedrückte Verständnis von Gott und Wirklichkeit ins Gespräch mit anderen Vorstellungen.
  • setzen sich mit einer Position des philosophischen Atheismus aus christlicher Sicht auseinander und vertreten begründet einen Standpunkt.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Situationen, in denen sich Fragen nach Sinn und Transzendenz stellen; Sinnfragen und -angebote z. B. in Kunst, Musik, Literatur, Filmen, Werbung
  • die Frage nach Gott als existenzielle Frage, z. B. „woran dein Herz hängt“ (Luther), wovon der Mensch „schlechthin abhängt“ (Schleiermacher); als lebensbegleitende Frage, dazu ggf. Einsichten aus Entwicklungspsychologie oder Religionspsychologie
  • die Beziehung Gottes zu den Menschen in der Bibel: grundlegende Merkmale, z. B. Gott als Schöpfer, Befreier, Wegbegleiter, Richter, seine Unverfügbarkeit und Nähe, Menschwerdung, Passion und Auferstehung
  • das Verhältnis von Allmacht und Liebe Gottes in Beispielen christlicher Theologie: bei Martin Luther und in moderner Theologie
  • die Theodizeefrage: Anlässe, Definition, Antwortversuche (z. B. Hiob, Leibniz, Theologie nach Auschwitz)
  • Trinität als Wesensmerkmal christlichen Verständnisses von Gott und Wirklichkeit: Deutungen wie Gott in Bewegung, Gott als Liebe; trinitarisches Gottesverständnis im Gespräch mit anderen religiösen Vorstellungen, z. B. aus Islam oder Judentum; ggf. als kritische Infragestellung von geschlossenen Sinnkonzepten
  • philosophischer Atheismus: die Projektionstheorie Feuerbachs, ggf. eine weitere Position, z. B. Marx oder Nietzsche

ER11 Lernbereich 3: Der im-perfekte Mensch (ca. 14 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • identifizieren und bewerten persönliche und gesellschaftliche Vorstellungen von Perfektion und vollkommenem Leben.
  • nehmen die Gebrochenheit und Fragmentarität menschlichen Lebens wahr und beschreiben die Bedeutung von Scheitern und Schuld für die persönliche Identität und Lebensgeschichte.
  • erklären ein Beispiel aggressiven Verhaltens mithilfe einer nicht-theologischen Theorie und untersuchen diese im Blick auf die jeweilige Sicht von Willensfreiheit.
  • deuten die Fragmentarität und das problematische Verhalten des Menschen im Horizont der christlichen Rede von Sünde, Vergebung und Rechtfertigung.
  • nehmen Gewissen aus protestantischer Sicht als Ort von Identitäts- und Freiheitserfahrung wahr und entwickeln daraus Perspektiven für das Verständnis von Mündigkeit und für eine verantwortliche Lebensgestaltung.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • persönliche und gesellschaftliche Vorstellungen von perfektem Leben, z. B. im Bereich von Gesundheit, Aussehen, beruflicher Leistung; deren ambivalente Auswirkungen
  • Fragmentarität menschlichen Lebens, z. B. aufgrund eigener Begrenztheit oder gesellschaftlicher Bedingungen
  • Erfahrungen von Schuld und Scheitern, z. B. in Beziehungen, als Zerbrechen von Lebensentwürfen; die Schwierigkeit, zu seinen Fehlern zu stehen und mit Schuld zu leben; Angewiesenheit auf Vergebung
  • eine Erklärung von Aggression und schädigendem Verhalten, z. B. aus Philosophie, Psychologie, Biologie, Neurowissenschaften
  • biblische und reformatorische Rede von Sünde, Vergebung und Rechtfertigung im Sinne von Gen 1–11, Röm 3,21ff. und Röm 7; ggf. weitere biblische Bezüge wie Ps 130, Lk 15
  • Sünde als Sein-wollen wie Gott, als Störung der Beziehung zu Gott, Mitmenschen und zu sich selbst; Rechtfertigung als Wiederherstellung der gestörten Beziehung, als Befreiung vom Perfektionszwang und als Ermutigung, mit Brüchen und Unvollkommenheit zu leben.
  • evangelisches Gewissensverständnis, ausgehend von Luther oder Bonhoeffer: Gewissen als Person- und Glaubenszentrum, das durch Christus befreite Gewissen; ggf. in Abgrenzung zu einem anderen Gewissensverständnis, z. B. Kant, Freud, Nietzsche
  • Perspektiven für die mündige Lebensgestaltung wie Freiheit zur Übernahme von Verantwortung, Freiheit vom Zwang, richtig handeln zu müssen, Vertrauen auf Vergebung

ER11 Lernbereich 4: „Homo faber“ – Arbeit und Leistung (ca. 12 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • reflektieren eigene Erfahrungen in Bezug auf Aktivität, Kreativität und Leistung und überprüfen deren Bedeutung für das eigene Selbstverständnis.
  • vergleichen unterschiedliche Sichtweisen vom Wesen des Menschen, die seine Leistungsfähigkeit, Aktivität und Passivität thematisieren.
  • begründen menschliche Kreativität aus biblischem Schöpfungsglauben und verorten sie in der Spannung von Empfangen und Gestalten, von Aktivität und Ruhe.
  • beziehen die biblische und reformatorische Sicht des Menschen als eines Sünders und Gerechtfertigten auf eigene Fragen nach Leistungsbereitschaft, Leistungsfähigkeit und Leistungszwang.
  • legen unterschiedliche Vorstellungen und Theorien zu Arbeit und Beruf dar und diskutieren Konsequenzen für die gegenwärtige Arbeitswelt.
  • entwickeln aus der biblisch-christlichen Vorstellung vom Menschen an einem Beispiel Perspektiven für die Fragen nach Arbeit, Leistung und Gerechtigkeit.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Erfahrungen, die die Ambivalenz von Aktivität, Kreativität und Leistung deutlich machen, z. B. in Schule, Sport, Freizeit
  • verschiedene Sichtweisen vom Wesen des Menschen als Schaffenden, z. B. aus Naturwissenschaft, Philosophie oder Psychologie, aus Literatur, Kunst und Film
  • der Mensch als empfängliches Geschöpf und Ebenbild Gottes, Auftrag zur Weltgestaltung, die Sabbatruhe als Geschenk; ggf. Luthers Auslegung zum 1. Artikel des Glaubensbekenntnisses
  • der Rechtfertigungsgedanke in seiner Relevanz für Fragen nach Leistung, z. B. Entlastung vom Zwang sich über Aktivität und Leistung zu definieren; der Grundgedanke der „Freiheit eines Christenmenschen“
  • Theorien und Vorstellungen zu Arbeit: Beruf und Berufung bei Luther, Marx‘ Theorie der Entfremdung, moderne Deutungen von Arbeit, z. B. als Selbstverwirklichung, als reine Erwerbsarbeit, als ehrenamtliche Arbeit, in ihrem Verhältnis zu Freizeit; ggf. aktuelle Leitbilder von Unternehmen
  • ein Beispiel wie Verteilung von Arbeit, Arbeitsbedingungen, Geschlechtergerechtigkeit, ungerechte Bezahlung, Ausbeutung