Lehrplan PLUS

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Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder 11

Der angegebene Fachlehrplan wird derzeit überarbeitet; die überarbeitete Fassung wird nach Abschluss der Anpassung des LehrplanPLUS an das neunjährige Gymnasium veröffentlicht.

SwA11 1 Die sozialwissenschaftliche Perspektive: Grundthemen und Forschungsmethoden (ca. 16 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • erschließen und bewerten ausgehend von einem Einblick in grundlegende Fragestellungen und Aufgabenfelder der Soziologie (z. B. hinsichtlich der Untersuchung sozialer Gebilde und Institutionen) an Beispielen den praktischen Nutzen sozialwissenschaftlicher Forschung.
  • konkretisieren an einem Beispiel (wie Stadtsoziologie, Mediensoziologie, Sozialphysik) das Zusammenwirken unterschiedlicher Wissenschaften zur Analyse gesellschaftlicher Phänomene und erkennen den Wert fächerübergreifenden Denkens und Handelns.
  • untersuchen an Beispielen (wie Wahlforschung, Armutsstudien) die grundsätzliche Arbeitsweise der Sozialforschung und stellen unterschiedliche Methoden der empirischen Sozialforschung einander gegenüber, um Kriterien der Wissenschaftlichkeit einzuschätzen.
  • reflektieren anhand der Analyse einer Studie zur Jugend- bzw. Identitätsforschung, wie in den Sozialwissenschaften menschliches Verhalten und Zusammenleben beobachtet, beschrieben, interpretiert und ihre Ergebnisse in Politik und Gesellschaft genutzt werden.
  • bewerten mithilfe eines Beispiels den Stellenwert wissenschaftlicher bzw. pseudowissenschaftlicher Aussagen in der öffentlichen Diskussion und wenden Kriterien hinsichtlich der Aussagekraft (z. B. Repräsentativität, Toleranzen, Transparenz der Erhebung) an.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Schlüsselthemen (u. a. Funktionieren von Institutionen und Organisationen, soziales Handeln und Interagieren von Individuen) und Anwendungsbereiche von Soziologie anhand von Beispielen (z. B. Forschungsfelder von Alters-, Arbeits-, Familien-, Freizeit-, Mediensoziologie)
  • moderne Interdisziplinarität am Beispiel spezieller Soziologien (z. B. Zusammenwirken von Architekten, Geographen, Politologen, Wirtschaftswissenschaftlern und Sozialwissenschaftlern im Rahmen von Stadtsoziologie)
  • Grundelemente sozialwissenschaftlicher Forschung: Phasen des Forschungsprozesses, ausgewählte Formen quantitativer und qualitativer Sozialforschung (z. B. Interview, Sozialreportage), Beurteilungskriterien
  • kritischer Umgang mit wissenschaftlichen Aussagen bzw. Studien
  • Blick in die Forschungspraxis: Analyse einer sozialwissenschaftlichen Studie zur Jugend- und Identitätsforschung

SwA11 2 Identitätsentwicklung als Thema der Sozialforschung (ca. 12 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • wenden sozialwissenschaftliche Grundbegriffe zu Sozialisation und Identitätsentwicklung korrekt an und reflektieren bei der Beschäftigung mit grundlegenden Sozialisationsprozessen die Bedeutung der Identitätsentwicklung für den Einzelnen und die Gesellschaft.
  • erschließen die Zeitbedingtheit wissenschaftlicher Erkenntnis aus entsprechenden Texten zur Entwicklungs- und Sozialisationsforschung mithilfe der Analyse und des Vergleichs der jeweiligen Kernthesen.
  • erklären Denk-, Wahrnehmungs- und Verhaltensweisen im Sozialisationsprozess (z. B. Personenwahrnehmung, Attribution) mithilfe von sozialpsychologischen Ansätzen, um individuelles und gruppenspezifisches Verhalten auf wissenschaftlicher Grundlage zu verstehen.
  • untersuchen an Beispielen Erscheinungsformen defizitärer Sozialisation und erklären Ursachen und Wirkungen.
  • diskutieren von Beispielen ausgehend Chancen und Grenzen von Maßnahmen des Staats, der Gesellschaft oder des persönlichen Umfelds zur Vermeidung defizitärer Sozialisation sowie zum Umgang mit ihren Folgen.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Identitätsbegriff; Voraussetzungen und Prozesse der Sozialisation im Überblick; Identitätsbildung im Lebensverlauf
  • eine klassische Entwicklungstheorie oder eine neuere Theorie der sozialen Identität, Zeitbedingtheit von Fragestellungen und Methoden der Wissenschaft
  • Aspekte der sozialen Wahrnehmung und der Kommunikation als Grundfragen der Sozialpsychologie
  • defizitäre Sozialisation und abweichendes Verhalten (z. B. Ursachen von Kriminalität)
  • Maßnahmen des Staats, der Gesellschaft oder des persönlichen Umfelds (z. B. Erziehungsberatung) zur Vermeidung defizitärer Sozialisation bzw. als Reaktion auf diese

SwA11 3 Konzepte sozialer Verantwortung im Wandel (ca. 8 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • zeigen anhand historischer Texte Entwicklungs- und Traditionslinien hinsichtlich der Interpretation von sozialer Verantwortung sowohl des Einzelnen wie auch des Staats bzw. der Gesellschaft auf.
  • ordnen unterschiedliche Lösungsansätze zur Sozialen Frage im 19. Jahrhundert den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Akteuren zu, um die grundsätzliche Interessengebundenheit und die historische Bedingtheit von sozialpolitischen Ansätzen zu verstehen.
  • leiten aus der Auseinandersetzung mit einem neueren Ansatz sozialer Verantwortung (z. B. Kommunitarismus) Reaktionen des Staats bzw. der Gesellschaft auf gewandelte Anforderungen an den Einzelnen und die Gruppe ab und diskutieren mögliche Auswirkungen.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Positionen zur sozialen Verantwortung in der Ideengeschichte: das Spannungsfeld zwischen Staat, Gesellschaft und Individuum, z. B. bei Aristoteles, Thomas von Aquin, Tocqueville
  • Konzepte sozialer Verantwortung im 19. Jahrhundert: Akteure und Interessen
  • ein Konzept sozialer Verantwortung in der Gegenwartsgesellschaft (z. B. Kommunitarismus, Zivilgesellschaft, Commons-Initiativen)

SwA11 4 Engagementpolitik in der Zivilgesellschaft (ca. 20 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • untersuchen an Beispielen Formen, Entwicklungen und Rahmenbedingungen bürgerschaftlichen Engagements in der heutigen Gesellschaft.
  • stellen Zusammenhänge zwischen gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen und der Ausgestaltung von Ehrenämtern (z. B. Diskussion zur Entlohnung ehrenamtlicher Arbeit) her, indem sie Materialien zum Wandel von Anforderungen und Motiven bürgerschaftlichen Engagements auswerten.
  • untersuchen Engagementpolitik hinsichtlich ihrer Chancen und ihrer Probleme und erkennen sie als wichtigen Faktor einer partizipatorischen Demokratie an.
  • verstehen fundierte Sozialanalysen (z. B. zum Thema Altersarmut) als wesentliche Grundlage zum Erkennen gesellschaftlicher Probleme und als Entscheidungshilfe für gezielte Engagementpolitik (z. B. Förderung von Mehrgenerationenhäusern).
  • wenden die aus der Analyse der Sozialstudie in 11.1 gewonnenen Erkenntnisse an, indem sie in ihrem gesellschaftlichen Nahraum eine eigene Erhebung zum Thema „Bürgerschaftliches Engagement“ in Anlehnung an eine breitere wissenschaftliche Studie (z. B. Freiwilligensurvey) planen und durchführen.
  • präsentieren die Untersuchungsergebnisse ihrer eigenen Studie, vergleichen sie mit Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen zum Engagement und entwickeln ggf. Erklärungsansätze für Unterschiede.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Formen (z. B. Vereine, Bürgerinitiativen) und Strukturen bürgerschaftlichen Engagements (z. B. formell, informell) in der Gegenwartsgesellschaft
  • Strukturwandel des bürgerschaftlichen Engagements vor dem Hintergrund von Individualisierungstendenzen: Motivwandel, Ehrenamt zwischen Engagement und Professionalisierung
  • Engagementpolitik: Sozialanalyse als eine der Grundlagen, Chancen und Probleme (z. B. hinsichtlich Ausbildung, Zuverlässigkeit)
  • Blick in die Forschungspraxis: selbsttätige Erhebung sozialwissenschaftlicher Daten zu bürgerschaftlichem Engagement in Anlehnung an eine Sozialstudie