Lehrplan PLUS

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Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München

Katholische Religionslehre 13 (erhöhtes Anforderungsniveau)

KR13 1.1 Ethische Grundlegung

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • analysieren ethische Entscheidungssituationen mit gesellschaftlicher Relevanz aus ihrer Lebenswelt und wenden dabei grundlegende Begriffe ethischer Reflexion sachgemäß an.
  • beschreiben unterschiedliche Möglichkeiten, sittliches Handeln zu begründen und analysieren deren Konsequenzen.
  • setzen sich differenziert mit der Vielfalt ethischer Aussagen des Alten und Neuen Testamentes und deren Auslegung auseinander.
  • vollziehen Argumentationsweisen christlicher Ethik und den Prozess für eine verantwortungsvolle Entscheidung nach.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • begriffliche Klärungen: Wert, Norm, Ethik, Ethos, Moral, Tugend anhand ethischer Problemstellungen und damit verknüpfter Entscheidungssituationen aus mindestens zwei Bereichen, z. B. Kommunikation, Ernährung, Konsum, Freizeit, Tourismus
  • deontologische und teleologische Argumentationsweisen; Anwendung in mindestens drei Modellen der Normenbegründung, z. B. Hedonismus, Naturrecht, Rechtspositivismus, Diskursethik, Pflichtethik, Utilitarismus; Verantwortungsethik als Versuch einer Synthese beider Argumentationsweisen
  • Dekalog und Bergpredigt in ihrer ethischen Relevanz: Sicherung von Freiheit und Würde, Ethos der Nächstenliebe; weitere ethisch relevante Stellen (z. B. Bundesbuch, prophetische Weisungen, Tugendkataloge)
  • eigene Überlegungen zur Zeitgebundenheit und bleibenden Aktualität biblischer Weisungen, z. B. in Bezug auf Mt 5,21-48
  • Zusammenwirken von Heiliger Schrift, menschlicher Vernunft und kirchlichem Lehramt als Quellen für katholische Moraltheologie; Notwendigkeit der Gewissensbildung und der Primat der Gewissensentscheidung (Gaudium et spes 16) im Kontext der Verantwortungsethik; Möglichkeit und Grenzen des Normenwandels
  • exemplarische Analyse der Rezeptionsgeschichte einer biblischen Weisung, z. B. Gewaltlosigkeit und die Lehre vom „gerechten Krieg“

KR13 1.2 Anwendung: Ethik der Lebensbereiche

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • beschreiben und diskutieren unterschiedliche Lebensformen in der gegenwärtigen Gesellschaft.
  • zeigen auf, wie Beziehungen im Kontext christlich verantworteter Ethik gestaltet werden können, und reflektieren deren Relevanz für gelingende Partnerschaft.
  • stellen heraus, welche Impulse und Konsequenzen sich aus Ansätzen christlicher Ethik für Berufswahl und Arbeitswelt ableiten lassen.
  • stellen grundlegende Positionen der katholischen Soziallehre dar.
  • analysieren und bewerten mithilfe der katholischen Soziallehre aktuelle Problemfelder der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
  • verstehen nachhaltige Entwicklung als Grundlage und existentielle Herausforderung für ein zukunftsorientiertes ethisches Handeln.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • verschiedene Lebensformen: eigene Erfahrungen, empirische Befunde, mediale und digitale Kontexte; Entwürfe von Familie
  • Gestaltungsprinzipien von Beziehungen in verschiedenen Lebensformen; Ehe und Familie auf der Grundlage von biblischen und lehramtlichen Aussagen, z. B. Gen 1-2, Amoris laetitia; ethische Dimension der Sakramentalität der Ehe
  • verantwortliche Gestaltung der beruflichen Tätigkeit auf der Grundlage christlicher Ethik
  • zentrale Leitgedanken aus Sozialenzykliken als zeitgemäße Impulse für die Bewältigung sozialpolitischer Herausforderungen; Sozialprinzipien der katholischen Soziallehre (Personalität, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl, Nachhaltigkeit bzw. Retinität) in ihrem Zusammenhang; Analyse eines Unternehmensleitbilds nach den Prinzipien der katholischen Soziallehre
  • zwei Handlungsfelder im Kontext nachhaltiger Entwicklung, z. B. Armutsbekämpfung, Klimaschutz, Umweltschutz, Tierschutz, ggf. Aufbereitung und Präsentation im Rahmen eines Projektes
  • Digitalisierung als Chance und Herausforderung

KR13 2.1 Umgang mit Wahrheitsansprüchen: Was kann ich wissen?

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • unterscheiden verschiedene Optionen im Umgang mit Wahrheitsansprüchen, v. a. in Bezug auf Religionen und Weltanschauungen, und positionieren sich dazu in Form einer begründeten Stellungnahme.
  • diskutieren und begründen den Beitrag religiöser Weltdeutung für die persönliche Wahrheitsfindung.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Wahrheitsansprüche in verschiedenen Kontexten, z. B. Schule, digitale Medien, Politik; Kriterien zur Beurteilung von Wahrheitsansprüchen, z. B. Widerspruchsfreiheit, Plausibilität, nachvollziehbare Argumentation, wissenschaftliche Anschlussfähigkeit
  • Wahrheitsansprüche in und zwischen den Religionen: Exklusivismus, Inklusivismus, Pluralismus; Bedingungen und Möglichkeiten des interkonfessionellen und interreligiösen Dialogs
  • Beispiele für aktives Zugehen auf andere Religionsgemeinschaften (z. B. Weltgebetstreffen für den Frieden am 27.10.1986 in Assisi), interreligiöse Aktionen im schulischen und privaten Bereich
  • Angebot einer plausiblen Weltdeutung: Spannungsfeld zwischen weltanschaulichem Relativismus und verbindlicher Wahrheitsdeutung an einem Beispiel

KR13 2.2 Perspektiven christlicher Ethik: Was soll ich tun?

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • diskutieren Möglichkeiten und Grenzen der Konsensbildung in einer pluralen Gesellschaft und setzen sich mit der Rolle der Kirche in diesem Prozess auseinander.
  • erläutern und beurteilen die Plausibilität und Relevanz einer Letztbegründung für ethische Entscheidungsprozesse am Beispiel christlicher Ethik.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • ein Modell der Konsensbildung, z. B. Diskursethik nach J. Habermas; Vor- und Nachteile von Mehrheitsbeschlüssen; Einflussmöglichkeiten der Kirche im gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess
  • Konzeption von Letztbegründung in der philosophischen Ethik und deren Umsetzung in der christlichen Ethik
  • Plausibilität und Relevanz der Letztbegründung ethischer Entscheidungsprozesse in einer pluralen Gesellschaft

KR13 2.3 Ausblick auf zukünftige Herausforderungen: Was darf ich hoffen?

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • vergleichen die Zielsetzungen und Konsequenzen nicht-christlicher Zukunftsvorstellungen mit biblischen Zukunftsentwürfen.
  • zeigen die sinnstiftende Funktion der christlichen Auferstehungshoffnung auf.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • nicht-christliche Zukunftsvorstellungen: ein säkulares Konzept z. B. aus der Futurologie, aus einer Utopie oder Dystopie; ein religiöses Konzept, z. B. apokalyptische Vorstellungen im Islam, Reinkarnation
  • biblische Zukunftsentwürfe: prophetische und apokalyptische Elemente in der Reich-Gottes-Botschaft Jesu
  • christliche Auferstehungshoffnung: individuelle und universale Eschatologie, z. B. anhand von Auszügen aus dem Synodenbeschluss „Unsere Hoffnung“

KR13 2.4 Entwicklung eigener Lebensentwürfe: Was ist der Mensch?

Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • erfassen, dass die Antwort auf die Frage „Was ist der Mensch?“ der Schlüssel zur Gestaltung des eigenen Lebens sein kann, und reflektieren auf dieser Grundlage ihren eigenen Lebensentwurf.
  • setzen ihren Lebensentwurf in Beziehung zu einem Lebensentwurf aus Geschichte oder Gegenwart und reflektieren dessen Antwort auf die Frage nach dem gelingenden Menschsein.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Pluralität von Lebensentwürfen
  • eigene Vorstellungen von gelingendem Menschsein angesichts der Bedingungen des Menschseins und der Wandlungsfähigkeit von Lebensentwürfen
  • kreative Umsetzung der Reflexion des eigenen Lebensentwurfs
  • ein Lebensentwurf einer Persönlichkeit aus dem gesellschaftlichen, politischen, kirchlichen, künstlerischen oder wirtschaftlichen Leben