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Evangelische Religionslehre 9

gültig ab Schuljahr 2021/22

ER9 Lernbereich 1: Frei im Netz!? (ca. 10 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • beschreiben und reflektieren ihr eigenes Agieren im Internet, unterscheiden dabei Formen der Nutzung und Grade der Mitgestaltung.
  • erläutern, wie durch die weltweite digitale Vernetzung einerseits Freiheiten und Handlungsmöglichkeiten eröffnet und andererseits Abhängigkeiten und Zwänge geschaffen werden.
  • reflektieren Auswirkungen des Internets auf das eigene Selbstverständnis und Selbstbild und entwickeln dazu Perspektiven unter Einbezug eines protestantischen Menschenbildes.
  • erörtern mindestens ein Beispiel problematischen Umgangs mit Menschen im Internet und leiten aus einem christlichen Verständnis von der Würde des Menschen Konsequenzen für eigene Internetaktivitäten ab.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Formen von Internetnutzung und –gestaltung im Zusammenhang mit z. B. Kommunikation, Spiel, Information, Unterhaltung, Konsum
  • Freiheiten und Handlungsmöglichkeiten durch digitale Vernetzung im gesellschaftlichen und persönlichen Bereich, z. B. Unabhängigkeit von zeitlichen und lokalen Begrenzungen, Teilhabe an Information, politische Mitbestimmung, freie Wahl der Unterhaltung, Hilfen im Alltag, Austausch über Kulturgrenzen hinweg
  • Abhängigkeiten und Zwänge, z. B. durch ständige Erreichbarkeit, zeitintensive Nutzung, falsche bzw. einseitige Information, Lenkung von Aufmerksamkeit, unkontrollierbare Weitergabe bzw. -verarbeitung personenbezogener Daten
  • Auswirkungen, z. B. Bewertungen durch andere als Stärkung oder Kränkung der eigenen Persönlichkeit, Austausch über Fragen, die die eigene Person betreffen, als Hilfe zur Orientierung oder als Konformitätsdruck, Ambivalenz einer erweiterten Privatsphäre, Gefahr des Rückzugs
  • Selbstverständnis des Menschen aus protestantischer Sicht als Korrektiv: seine Identität nicht selbst hervorbringen müssen, Freiheit von Zuschreibungen anderer und Freiheit zu Individualität und aktiver Gestaltung
  • ein Beispiel für einen problematischen Umgang mit Menschen, z. B. Cybermobbing, digitaler Pranger, Diskriminierung, Verbreitung von Unwahrheiten, Gerüchten und Geheimnissen
  • Konsequenzen aus dem christlichen Verständnis von Menschenwürde, Geschöpf und Ebenbildlichkeit, z. B. respektvoller Umgang mit Daten und Bildern anderer, Vermeiden von problematischen Kontakten, Eintreten gegen Verleumdung und Bloßstellung

ER9 Lernbereich 2: „Für uns“ – der Glaube an Jesus Christus (ca. 14 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • setzen sich mit der Frage nach Gott auseinander und tauschen sich dabei über eigene Vorstellungen und Anfragen aus.
  • stellen in Auseinandersetzung mit christlichen Bekenntnisaussagen die Frage nach der Bedeutung Jesu für den christlichen Gottesglauben und formulieren eigene Gedanken dazu.
  • erläutern das „Für uns“ in unterschiedlichen Deutungen von Kreuz und Auferstehung Jesu und erörtern mögliche Konsequenzen für Lebensgefühl und Lebensorientierung.
  • identifizieren das „Für uns“ in Texten der Evangelien über Jesus Christus, erklären die Unterscheidung zwischen historischem Jesus und geglaubtem Christus und beziehen sie auf die Frage nach Gott.
  • vergleichen unterschiedliche Jesus-Deutungen in Bereich der Kultur und der Religionen und ordnen diese in den jeweiligen gesellschaftlichen und historischen Kontext ein.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • unterschiedliche Vorstellungen von Gott im Lebensbereich der Schülerinnen und Schüler; eigene Anfragen an den Gottesglauben, z. B. angesichts von Vernunft und Autonomie, persönlicher oder fremder Leidenserfahrungen, der Pluralität der Religionen
  • christliche Bekenntnisaussagen, z. B. Hoheitstitel, Apostolikum; ggf. dazu Gedanken aus dem Kleinen Katechismus, moderne Bekenntnisse
  • Deutungen von Tod und Auferstehung Jesu „für uns“ wie Mitleiden Gottes, Stellvertretung, Erlösung, Versöhnungsopfer, Sieg über den Tod; dazu neutestamentliche Stellen (z. B. Mk 9,30-32, Mk 14–16, Joh 14,6, Phil 2,6-11), ein allgemein verständlicher theologischer Text; ggf. Beispiele aus Kunst und Musik
  • beispielhafte Texte aus den Evangelien, von Kreuz und Auferstehung her erschlossen, wie Ich-bin-Worte, Geschichten von Heilung, Sündenvergebung, Umkehr, Nachfolge
  • die – unbeantwortbare – Frage nach dem historischen Jesus; Möglichkeiten der Annäherung an Jesu Zeit und Person; Evangelien als nachösterliche Glaubenszeugnisse
  • Jesus-Deutungen in den Religionen und in der Gegenwartskultur, z. B. in Judentum oder Islam, in Film, Popmusik, Werbung

ER9 Lernbereich 3: Judentum (ca. 12 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • beschreiben Grundmotive jüdischen Glaubens und stellen sie in einen Zusammenhang zu gelebter jüdischer Religion bzw. Kultur.
  • geben Auskunft über die vielgestaltige Ausprägung des Judentums und treten Vereinfachungen entgegen.
  • stellen wichtige Stationen jüdischer Geschichte bis zur Gegenwart dar und beziehen sie auf jüdisches Selbstverständnis.
  • erläutern an einem ausgewählten Thema differenziert das Verhältnis von Judentum und Christentum und formulieren Konsequenzen für den christlichen Glauben.
  • erkennen Erscheinungsformen des Antisemitismus und vertreten einen begründeten Standpunkt gegen Judenfeindschaft.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Grundmotive jüdischen Glaubens wie Glaube an den einen Gott (Sch’ma Israel), Exodus, Bedeutung von Erinnerung und Hoffnung, Tora als Orientierung, Bedeutung des Landes Israel
  • Gestaltung jüdischer Religion und Kultur im Alltagsleben und an Festtagen sowie in weiteren Zeugnissen, z. B. in Literatur, Film, Musik
  • verschiedene Ausprägungen des Judentums, z. B. orthodox, konservativ, liberal, „säkular“; Pluralität innerhalb dieser Ausprägungen; unterschiedliche Antworten auf die Frage nach der Zugehörigkeit zum Judentum
  • ausgewählte Stationen jüdischer Geschichte bis zur Gegenwart im Überblick, z. B. Zeiten und Formen der Blüte, der Krise und der Anfeindung und Verfolgung, ausgewählte Hintergründe des Nahostkonflikts
  • Aspekte zum Verhältnis von Judentum und Christentum wie Kontinuität und Diskontinuität, Nähe und Differenz, Verwandtschaft und Eigenständigkeit, Dialog und Asymmetrie, z. B. anhand der Bedeutung Jesu, anhand von Vorstellung(en) von Gott, von eschatologischen Erwartungen
  • Motive und Formen von Antisemitismus: religiöser Antijudaismus, rassistischer Antisemitismus, politischer Antizionismus, auch in der Gegenwart
  • Beispiele für den Einsatz gegen Judenfeindschaft

ER9 Lernbereich 4: „In Verantwortung vor Gott“ – das Verhältnis von Kirche und Staat (ca. 12 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • identifizieren verschiedene Ausprägungen des Miteinanders von Kirche und Staat im 21. Jahrhundert und diskutieren die Folgen für den Einzelnen und die Gesellschaft.
  • beschreiben die Konflikte der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus und beurteilen differenziert unterschiedliche Haltungen und Entscheidungen von Christen gegenüber dem Nationalsozialismus.
  • erläutern die Rolle der Kirche in der DDR und reflektieren verschiedene Wege von Christen in der DDR, sich für Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen.
  • recherchieren Beispiele für politisches Engagement der Kirche vor Ort und diskutieren eigene Mitwirkungsmöglichkeiten.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • verschiedene Ausprägungen des Miteinanders in Deutschland, z. B. Religionsunterricht, Kirchensteuer, Militärseelsorge, Diakonie; andere Formen des Miteinanders, z. B. Laizismus
  • Konflikte der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus in Bezug auf den Staat sowie innerkirchliche Konflikte; ggf. Aspekte der Vorgeschichte nach 1918
  • Haltungen und Entscheidungen von Christen gegenüber dem Nationalsozialismus zwischen Mitwirkung und Widerstand: Deutsche Christen, Bekennende Kirche, Beispiele für christlich motivierten politischen Widerstand, Umgang mit Schuld nach 1945
  • Kirche und Christen in der DDR zwischen Repressionen und begrenzter Autonomie; Freiwilligkeitskirche und Entkirchlichung; Kirche im Sozialismus; Rolle der Kirche bei der friedlichen Revolution 1989
  • politisches Engagement der Kirche vor Ort, z. B. bei Themen wie Umgang mit Asylbewerbern, Fragen des Umweltschutzes, Fragen im Bereich der Energiegewinnung
  • eigene Mitwirkungsmöglichkeiten auf der Basis der demokratischen Strukturen der evangelischen Kirche

ER9 Lernbereich 5: Liebe – der Himmel auf Erden? (ca. 8 Std.)
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Kompetenzerwartungen

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • nehmen vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen das Spektrum menschlicher Beziehungen wahr und charakterisieren diese nach verschiedenen Kriterien.
  • unterscheiden verschiedene Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft und formulieren kritische Anfragen gegenüber Idealvorstellungen, die der Wirklichkeit nicht gerecht werden.
  • erklären unter Bezug auf biblische Aussagen die Bedeutungen von Liebe für die Beziehung von Gott und Mensch.
  • formulieren mithilfe des Gedankens der Liebe Gottes Konsequenzen in Bezug auf Liebe, Partnerschaft und Sexualität.
  • nehmen einen Standpunkt gegen missbräuchliche und herabwürdigende Äußerungen und Umgangsweisen im Bereich von Liebe, Partnerschaft und Sexualität ein und vertreten diesen differenziert.
Inhalte zu den Kompetenzen:
  • Beziehungen im privaten und weiteren Umfeld; dazu Kriterien zur Einordnung wie vorgefunden/selbst gewählt, eng/lose, ersehnt/vermieden, fest/gebrochen etc.
  • unterschiedliche Bedeutungen von Liebe und Vielfalt möglicher Formen von Partnerschaft sowie damit zusammenhängende Erwartungen
  • Anfragen an Heilserwartungen und Idealisierungen in Bezug auf Liebe (z. B. in Medien) und an Formen der Banalisierung und Entzauberung von Liebe; Umgang z. B. mit empfundenen Grenzüberschreitungen, Zurückweisung, Enttäuschung, Trennung
  • Bedeutungen von Liebe im Verhältnis Gott und Mensch, z. B. Gottes Verlässlichkeit und Treue, Gott als Schöpfer, als Vater und Mutter, als eifersüchtig Liebender, Gottes Hingabe und Mitleiden
  • mögliche Konsequenzen wie Angewiesenheit, Vertrauen, Verantwortlichkeit, Fürsorge, Behutsamkeit, Perspektivwechsel, Handeln in beiderseitigem Einverständnis, Wahrhaftigkeit, Wertschätzung des eigenen Körpers, Angenommensein in sexueller Identität und Orientierung
  • Kritik an herabwürdigenden Sprach- und Umgangsformen wie Sexismus, Homophobie; kritische Bewertung der Kommerzialisierung von Sexualität; Informationen über Hilfe bei Missbrauch