Lehrplan PLUS

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Deutsch

1.1 Bedeutung und Aufgabe des Faches
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Sprachliche Bildung ist zentraler Bestandteil des Bildungsauftrags der Förderzentren. Im Deutschunterricht erwerben Schülerinnen und Schüler in enger Verbindung von Sprechen, Lesen und Schreiben die Grundlagen für eine umfassende  Sprachbildung. Sie werden sich der Bedeutung von Sprache für das Zusammenleben bewusst und erweitern ihre eigenen Verstehens- und Ausdrucksmöglichkeiten. Deutschunterricht an Förderzentren zielt insbesondere auf den Erwerb einer grundlegenden Sprech-, Lese-, Schreib- und Medienkompetenz als Voraussetzung für schulischen Erfolg, für selbständiges, lebenslanges Lernen und damit für die Teilhabe am beruflichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben.

Der Deutschunterricht knüpft an die unterschiedlich ausgeprägten sprachlichen Kompetenzen und das kulturelle Vorwissen der Schülerinnen und Schüler an. Verschiedene Erstsprachen und die Mundarten der Schülerinnen und Schüler werden als Bereicherung gesehen.

Der kontinuierlichen Weiterentwicklung der rezeptiven und produktiven Sprachkompetenzen dienen die Analyse und die intentionsgerechte Verwendung sprachlicher Konventionen und Strukturen sowie eine sichere Rechtschreibung. Der Deutschunterricht unterstützt die sprachliche Bewältigung alltäglicher, schulischer, fachlicher, berufsorientierender oder gesellschaftlicher Anforderungen, zudem ermöglicht er einen metasprachlichen Blick auf Sprache und schafft den Zugang zu einem breiten Spektrum unterschiedlicher literarischer Texte.
Durch die Auseinandersetzung mit pragmatischen und literarischen Texten fördert der Deutschunterricht auch die Persönlichkeitsbildung. Da Deutsch in allen Fächern außer Englisch das Medium der Verständigung ist, hängt schulischer Erfolg in hohem Maß von der erfolgreichen Bewältigung allgemein- wie fachsprachlicher Situationen ab.

Kinder und Jugendliche erleben, dass eine umfassende Sprachkompetenz einen annähernd gleichwertigen Zugang zu Information und Bildung bietet, und als wesentliches Kommunikationselement für sie eine lebenspraktische und lebensnotwendige Bedeutung besitzt. Sie erwerben Kompetenzen im Bereich der Schriftsprache und der Kommunikation, die dazu beitragen, Einschränkungen im Bereich der visuellen Wahrnehmung zu komplettieren und/oder zu kompensieren.

1.2 Kompetenzerwerb im Deutschunterricht
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Im kompetenzorientierten Deutschunterricht setzen sich Schülerinnen und Schüler aktiv mit lebensnahen Themen und herausfordernden Aufgaben des Faches entwicklungsgemäß auseinander. Durch gemeinsames Untersuchen von Sprache, ihren Strukturen und ihrem Gebrauch erweitern sie ihre Sprachbewusstheit. Sinnvolles Üben und die Ausbildung von Routinen haben im kompetenzorientierten Deutschunterricht einen hohen Stellenwert. Die Lehrkraft unterstützt die Schülerinnen und Schüler, indem sie berät, direkte Hinweise gibt, in neue Themen und Fragestellungen einführt, Kooperationen zwischen Schülerinnen und Schülern fördert und gezielt Übungen anleitet.

Da die deutsche Sprache den Schülerinnen und Schülern in unterschiedlichen Medien begegnet, ist es Aufgabe des Deutschunterrichts, Anregungen zu bieten und mit aktuellen Medien rezeptiv und produktiv kompetent umzugehen. Kompetenzorientierter Deutschunterricht berücksichtigt die heterogenen sprachlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler und bietet offene und differenzierte Aufgaben, die es ermöglichen, selbstverantwortlich oder angeleitet auf individuellem Niveau sprachlich zu handeln.

2.1 Kompetenzstrukturmodell
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Kompetenzstrukturmodell Deutsch

Das Kompetenzstrukturmodell des Faches Deutsch an Förderzentren basiert auf den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) im Fach Deutsch für den Primarbereich (2004). Das Modell ist zudem für alle weiterführenden Schularten gleich und basiert auf den Modellen der Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Hauptschulabschluss (in Bayern: erfolgreicher bzw. qualifizierender Abschluss der Mittelschule, 2004) und den Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulabschluss (2003) der Kultusministerkonferenz (KMK).

Die vier Kompetenzbereiche Sprechen und Zuhören, Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen, Schreiben sowie Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren sind im integrativen Deutschunterricht miteinander verbunden. Fachspezifische Methoden und Arbeitstechniken werden immer im Zusammenhang mit den jeweiligen Inhalten der vier Kompetenzbereiche unterrichtet.

Das Kompetenzstrukturmodell des Faches Deutsch erhält eine Erweiterung durch die vier Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln, deren Zusammenwirken erfolgreiche Lernprozesse ermöglicht. Die persönlichen Ressourcen in den Entwicklungsbereichen sind die Grundlage für das Planen und Gestalten von Lernsituationen. Dadurch ergeben sich Hinweise und Impulse für die kriterienorientierte Schülerbeobachtung und die Feststellung des individuellen Entwicklungsstandes.

Sprechen und Zuhören
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Verstehend zuhören
Die Schülerinnen und Schüler richten ihre Aufmerksamkeit gezielt auf Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner oder auf Vortragende und Medien, um aktiv und gewinnbringend zuzuhören. So verstehen sie wesentliche Aussagen und wichtige Details und schätzen zunehmend Quellen auch kritisch ein. Sie machen sich ihr Nicht-Verstehen klar und nehmen Unverstandenes zum Anlass, um gezielt nachzufragen.

Die Fähigkeit des genauen und aufmerksamen Zuhörens ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Sehen einer sprachlichen Äußerung, z. B. aus Tonfall, Lautstärke, Rhythmus und Betonung, zusätzliche Informationen in Bezug auf Personen und Situationen zu entnehmen sowie auch Begleit- und Umweltgeräusche als Informationsquelle zu nutzen. So begegnen sie Auswirkungen von Einschränkungen visueller Wahrnehmung, die beim Zuhören das Erfassen von wesentlichen Aussagen erschweren, wie z. B. Schwierigkeiten bei der Aufnahme und Aufrechterhaltung von vermittelndem Augenkontakt, Unsicherheiten in Bezug auf Wahrnehmung und Deutung von Körperhaltung, Mimik und Gestik. Sie formulieren in Gesprächssituationen ihre individuellen Eindrücke und berücksichtigen, dass Kommunikationsschwierigkeiten oder Missverständnisse in Zusammenhang mit ihrer individuellen Wahrnehmungsfähigkeiten stehen können und klären diese aktiv auf.

Zu anderen sprechen
Die Schülerinnen und Schüler erweitern fortlaufend ihre mündliche Ausdrucksfähigkeit beim Erzählen, Informieren und Argumentieren. Sie erfahren, dass Sprechen vor anderen ein fundiertes Wissen über die Sache, das Einbeziehen der Adressatinnen und Adressaten und der Situation sowie eine klar strukturierte, deutlich artikulierte, körpersprachlich und medial unterstützte Darstellung erfordert.
Die Erweiterung der mündlichen Ausdrucksfähigkeit umfasst für Kinder und Jugendliche mit Förderschwerpunkt Sehen auch den lebensbedeutsamen Aspekt, Anliegen und Fragen, z. B. nach Hilfe und Unterstützung, eindeutig und angemessen zu formulieren sowie übertriebene oder unpassende Hilfe abzulehnen.

Gespräche führen
Die Schülerinnen und Schüler achten neben sprachlichen auch auf nichtsprachliche Kommunikationsmittel und setzen diese authentisch ein. Sie sind sich zunehmend ihrer Sprechabsicht sowie der Erwartungen ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer bewusst. Die Schülerinnen und Schüler benennen eigene Befindlichkeiten und Interessen, lassen andere Meinungen gelten und gehen konstruktiv auf andere Beiträge ein. Aktives Zuhören, adressatenorientierte Äußerungen und klar formulierte Gesprächsbeiträge ermöglichen den Schülerinnen und Schülern die konstruktive Teilnahme an Gesprächen, Diskussionen und Debatten. Dieses Gesprächsverhalten ist auch eine nützliche Vorbereitung auf Gespräche im beruflichen Kontext.

Schüler und Schülerinnen nutzen darüber hinaus Angebote, wie z. B. Rollenspiele, zur Erprobung verschiedener Gesprächssituationen, um ihre Wahrnehmung für nonverbale Verständigungsmöglichkeiten zu schulen und sich der Wirkung dieser Ausdrucksmittel bewusst zu werden. Spielerisches Einüben von Kommunikationsverhalten bei schwierigen Situationen, z. B. Orientierungslosigkeit, fehlender Zugang zu Informationen, Gefahrensituationen, die gezielt auf Alltagssituationen blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher Bezug nehmen, verleiht den Schülerinnen und Schülern Sicherheit.

Über Lernen sprechen
Die Reflexion und das Planen des eigenen Lernens sind zentrale Merkmale eines kompetenzorientierten Unterrichts. Schülerinnen und Schüler tauschen sich über ihre Schwierigkeiten und Erfolgserlebnisse aus, um durch Rückblicke und Lerndokumentationen ihr Lernen zunehmend selbst zu planen. In Lerngesprächen setzen sie sich erreichbare Ziele und überprüfen ihre Fortschritte.

Szenisch spielen
Im szenischen Spiel entfalten Schülerinnen und Schüler gestalterische Ideen, drücken Empfindungen und Gedanken aus und lassen sich auf andere ein. Im Mittelpunkt stehen hierbei die gemeinsame Teilhabe und Freude an Literatur und Kunst. Szenisches Spielen und eigenes Filmen tragen zum Kompetenzerwerb im Bereich der Medienbildung bei, indem Schülerinnen und Schüler Darstellungen in Medien untersuchen und reflektieren sowie selbst Medien nutzen, um eigene Beiträge zu produzieren.
Das Einfühlen in fremde Rollen und unbekannte Lebenssituationen, das Hineindenken in literarische Situationen und die Weiterentwicklung eigener sprachlicher und körpersprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten wird durch das szenische Spiel unterstützt. Die Reflexion über eigenes und fiktives Handeln fördert die Fähigkeit, szenische und filmische Darstellungen kritisch zu hinterfragen und zu durchschauen.
Schülerinnen und Schüler schulen im szenischen Spiel ihre individuellen Gestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf Mimik und Gestik und erfahren deren Wirkung auf andere. Sie nutzen die Versprachlichung von Szenen, um visuelle Anteile zu erfassen und besprechen und reflektieren Spielszenen intensiv. Die Auswahl der verwendeten Medien orientiert sich an den individuellen visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten der Kinder und Jugendlichen und wird von ihnen in altersgemäßer Form auch selbständig getroffen und beurteilt.

Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen
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Der Erwerb der Schriftsprache ist eine der zentralen Aufgaben in der Grundschulstufe der Förderzentren und, abhängig von der individuellen Entwicklung, auch darüber hinaus. Der Schriftspracherwerb umfasst im engeren Sinne das Lesen von gedruckten und geschriebenen Texten. Im weiteren Sinne meint er auch die Fähigkeit, Texte in anderer medialer Darstellung zu verstehen und mit ihnen reflexiv und handelnd umzugehen, dies können Print-, Hör-, audiovisuelle oder digitale Texte sein. Die Prozesse des Lesen- und Schreibenlernens sind eng miteinander verbunden. Methoden im Anfangsunterricht integrieren unterschiedliche Zugänge und berücksichtigen die individuellen Lern- und Wahrnehmungsvoraussetzungen jedes Kindes. Lesen ist von Anfang an mit der Konstruktion von Sinn verbunden. Zentrale Aufgabe ist der Aufbau einer nachhaltigen Lesemotivation. Dies gelingt, wenn Schülerinnen und Schüler ein Selbstkonzept entwickeln, in dem sie sich als erfolgreiche Leserinnen und Leser wahrnehmen.

In der Mittelschulstufe werden grundlegende Lesetechniken weiterentwickelt und Lesestrategien zur gezielten Informationsentnahme, Strukturierung und Verarbeitung aufgebaut.
Schülerinnen und Schülern in der Grundschulstufe des Förderzentrums Sehen sammeln zahlreiche Erfahrungen mit Texten und anderen Medien, die in Größe, Farbe und Kontrast den individuellen visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten der Kinder angepasst oder in Punktschrift übertragen sind. Lesebereitschaft wird so aufrechterhalten, gefördert und aufgebaut, auch wenn der Leseprozess je nach individueller visueller Wahrnehmungsfähigkeit, z. B. durch das sukzessive Erfassen von (Punktschrift-)Buchstaben, einen hohen Zeit- und Übungsaufwand sowie ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Konzentration fordert.

Die Einsicht in den Zusammenhang von Punktschriftzeichen und deren Bedeutung erwerben blinde Kinder in der Grundschulstufe in Zusammenhang mit einer spezifischen, taktilen Wahrnehmungsförderung sowie dem Training grob- und feinmotorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten. Lesevorbereitende Aktivitäten lenken die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler gezielt auf taktile Gebilde im Hand- und Fingertastraum, steigern die manuelle Differenzierungs- und Identifizierungsfähigkeit, und tragen dazu bei, räumliche Beziehungen im Tastraum zu durchgliedern und dies sprachlich zu formulieren. Die Einführung der Buchstaben beim Schriftspracherwerb im Unterricht mit blinden Kindern beginnt mit Buchstaben, die taktil einfach zu differenzieren sind.

Die Schülerinnen und Schüler der Mittelschulstufe setzen im Verlauf ihrer Schullaufbahn ausgehend von Erfahrungen und nach Beratung zum Erfassen von Texten und Medien individuelle Hilfsmittel, auch in elektronischer Form, ein und erweitern so die Möglichkeiten der Textauswahl.

Über Leseerfahrungen verfügen
Der Deutschunterricht knüpft an den individuellen Leseerfahrungen an. Im Austausch über Lesevorlieben erleben die Schülerinnen und Schüler, eine Wertschätzung ihrer Kenntnisse und stärken ihre Freude am Lesen. Diesen Erfahrungsaustausch nutzen Schülerinnen und Schüler um zu überprüfen, ob ihre sprachlichen Äußerungen inhaltlich mit der Wirklichkeit übereinstimmen, sodass sie die Verwendung von Verbalismen bewusst vermeiden.

Über Lesefertigkeiten verfügen; über Lesefähigkeiten verfügen
Flüssiges, angemessen schnelles und genaues Lesen bildet die Grundlage für die erfolgreiche Anwendung von Lesestrategien zur Erschließung von Texten. Dem Üben der Leseflüssigkeit, der Lesegenauigkeit und des Lesetempos kommt vor allem in der Grundschulstufe besondere Bedeutung zu. Im Unterricht werden Lesestrategien zur Anwendung vor, während und nach der Lektüre systematisch eingeführt und regelmäßig beim Erschließen von Sach- und literarischen Texten trainiert, damit die Schülerinnen und Schüler sie routiniert anwenden. Die Reflexion über die Auswahl und Anwendung von Lesestrategien ist ein wichtiges Element kompetenzorientierten Leseunterrichts.

Die alters- und interessenbezogene Beschäftigung mit literarischen Texten und Ganzschriften soll bei den Schülerinnen und Schülern Freude am Lesen entwickeln. Dabei werden Sinnzusammenhänge konstruiert, literarische Räume erfasst und Erlebnisse und Eindrücke gewonnen, die das tägliche Leben nicht bietet. Neben aktueller Kinder- und Jugendliteratur lernen die Schülerinnen und Schüler in der Mittelschulstufe auch literarische Werke aus unterschiedlichen Zeiten kennen. Die Auseinandersetzung mit sprachlichen und literarischen Mitteln sowie der Biografie des Autors bzw. der Autorin und der Entstehungszeit des Textes ermöglichen ein vertieftes Textverständnis. Die Schülerinnen und Schüler können eine eigene Deutung literarischer Texte herausarbeiten und reflektieren somit auch Textverstehensprozesse.

Da das Lesen unter der Bedingung einer Seheinschränkung besondere Anforderungen stellt, z. B. sukzessives Erfassen von Punktschriftbuchstaben, wenden Schülerinnen und Schüler Lesestrategien an, die sich an ihren individuellen visuellen und taktilen Wahrnehmungsfähigkeiten orientieren. Sie formulieren individuelle Herausforderungen in Bezug auf den Leseprozess, wie z. B. Umgang mit rascher Ermüdung, Schwierigkeiten bei der Orientierung im Text, und finden gemeinsam mit der Lehrkraft individuelle Lösungen.

Texte erschließen
Der Deutschunterricht greift die unterschiedlichen Leseerfahrungen der Kinder und Jugendlichen auf und erweitert sie. Um lebendige Vorstellungen von Figuren, Orten, typischen Handlungen und Themen in Geschichten zu entwickeln, werden neben geschriebenen Texten auch Bilder, Hörmedien oder Filme erschlossen. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen Gestaltungsmittel in erzählenden, informierenden und argumentierenden Texten und reflektieren diese in ihren Wirkungen. Dadurch erweitern sie ihre literarische Kompetenz ebenso wie ihre Medienkompetenz.
Pragmatische Texte im Alltag, zur Berufsvorbereitung und in schulischen Fächern verarbeiten zu können, ist mitbestimmend für schulischen Erfolg, sichere Alltagsbewältigung und Teilhabe am sozialen Leben. Strategien zur selbständigen Erfassung, gezielten Informationsentnahme, vernetzenden Verarbeitung und kritischen Beurteilung pragmatischer Texte in unterschiedlicher medialer Form sind wesentlicher Inhalt des Unterrichts in der Mittelschulstufe. Im Kompetenzbereich Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen begreifen die Schülerinnen und Schüler Medien als elementare Aspekte der aktuellen Gesellschaft, welche den privaten und beruflichen Alltag prägen. Als kritische Nutzerinnen und Nutzer von Medien reflektieren die Jugendlichen das Zusammenspiel von gesprochenen, bildlichen und musikalischen Sprachcodes zu expliziten und impliziten Botschaften.

Gezielt wird die situationsgemäße, mediensprachlich versierte und eigene wie fremde Persönlichkeitsrechte achtende Verwendung kommunikativer Medien weiterentwickelt. Um Informationen aus Diagrammen und Schaubildern in Zusammenhang mit Texten zu entnehmen sowie für die Orientierung in und Erschließung von langen Lesetexten, wenden Kinder und Jugendliche visuelle und/oder taktile Strategien, wie z. B. Markierungen mithilfe von Klebepunkten an, und setzen individuelle optische Hilfsmittel ein. Sie erkennen und benennen gestalterische Elemente oder taktile Darstellungsformen, die ihnen die Erschließung von kontinuierlichen und diskontinuierlichen Texten erleichtern und geben der Lehrkraft entsprechend Rückmeldung.

Texte präsentieren
Die Schülerinnen und Schüler erfahren im Unterricht, dass zur Teilhabe am literarischen Leben auch die Entwicklung eigener Lesevorlieben sowie der Austausch darüber gehören.
Sie planen Präsentationen und tragen sie einem Publikum vor. Durch den freien Vortrag von Texten steigern die Schülerinnen und Schüler ihre Merkfähigkeit, bauen ggf. vorhandene Hemmungen im freien Sprechen ab und schulen gleichzeitig den angemessenen Einsatz von Mimik und Gestik.

Schreiben
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Die Schülerinnen und Schüler planen, schreiben und überarbeiten Texte, dabei orientieren sie sich am Adressaten und am Schreibziel. Sie nutzen das Schreiben zur Kommunikation und zur Strukturierung von Informationen und eigenen Aufzeichnungen. Sie verfassen Texte unter Verwendung angemessener sprachlicher Mittel und formaler Konventionen, wobei berufsorientierenden Texten eine zunehmend größere Bedeutung zukommt.

Schülerinnen und Schüler erwerben in der Grundschulstufe des Förderzentrums Sehen anhand von Alltagserfahrungen eine klare Vorstellung von Sinn und Funktion von Schrift. Der individuelle Erwerb von Schreibfertigkeiten baut auf der Schulung des Vorstellungsvermögens, z. B. in Bezug auf das Körperschema, und der Bewegungsfähigkeit, z. B. der Auge-Hand-Koordination, auf.

Über Schreibfertigkeiten verfügen
Die Schülerinnen und Schüler schreiben anfangs eine unverbundene Schrift, entwicklungsgemäß erwerben sie darauf aufbauend eine verbundene Schrift. Sie achten beim Schreiben auf eine günstige Körperhaltung, auf die Lage des Papiers sowie auf die Haltung des Schreibgeräts und der ganzen Hand. Die Lehrkraft begleitet die Entwicklung der Händigkeit, der Schreibmotorik sowie der Körper- und Stifthaltung aller Schülerinnen und Schüler und unterstützt sie durch individuelle Hinweise, um eine formschöne, flüssig geschriebene und gut lesbare Schrift auszubilden, die das Arbeitsgedächtnis entlastet und es den Schülerinnen und Schülern erleichtert, ihre Aufmerksamkeit auf ihre Texte selbst zu richten. Dabei setzen sie zunehmend routiniert Strategien der Rechtschreibung um.

In Abhängigkeit von ihren individuellen visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten erwerben Schülerinnen und Schüler Schwarzschrift oder Braillsche Punktschrift als Gebrauchsschrift. Je nach Schriftsystem setzen sie zunächst mit Anleitung Hilfsmittel und Materialien ein, die den Erwerb von Schreibfertigkeiten unterstützen. Sie räumen der Lesbarkeit der Schwarzschrift oder Punktschrift Priorität ein. Schülerinnen und Schüler, die Schwarzschrift schreiben, erproben und bewerten für sich individuell den Nutzen einer verbundenen Schrift.

Schülerinnen und Schüler wählen unter Berücksichtigung ihrer individuellen visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten mit Beratung und Unterstützung aus einem Angebot von Schreibgeräten, verschiedenen Lineaturen sowie weiteren Arbeits- und Hilfsmitteln das passende aus. Für eine körpergerechte und entspannte Schreibhaltung, die gleichzeitig eine optimale Ausnutzung des Sehvermögens bietet, passen die Schülerinnen und Schüler ihren Arbeitsplatz z. B. durch die passgenaue Einstellung der höhen- und neigungsverstellbaren Arbeitstische ihren individuellen Bedürfnissen an und achten auf eine optimale Ausleuchtung der Arbeitsfläche.

Blinde Kinder erwerben in der Grundschulstufe Schreibfertigkeiten auf der Punktschriftmaschine. Im Umgang mit dieser nehmen die Schülerinnen und Schüler die einzelnen Tasten taktil wahr und weisen ihnen die entsprechende Funktion zu. Ausgehend von der Braillzeilenanalyse setzen sie ihr Wissen um das Schreiben von Braillezeichen als eine Kombination von bewusst gewählten, selektiv zu drückenden, nicht raumanalog angeordneten Tasten ein. Dafür koordinieren sie die motorischen Fähigkeiten beider Hände und dosieren den Druck, den sie beim Schreiben auf die Tasten ausüben, angemessen. Sie diskriminieren sicher Raum und Fläche, um sich beim Schreiben auf dem Punktschriftblatt zu orientieren und dieses zu strukturieren und zu gestalten. Als verbindliche Schrift gilt im Anfangsunterricht die Blindenvollschrift.

Schülerinnen und Schüler, die Punktschrift verwenden, achten darauf, dass ihr Arbeitsplatz ausreichend Raum für Braillemaschine und weitere Arbeitsmittel, wie z. B. Punktschriftbuch oder Arbeitsblatt, bietet und durch eine dreiseitige Umrandung das Herunterfallen von Gegenständen oder Arbeitsmaterialien verhindert wird.

Texte planen und schreiben
Aufbauend auf ihren Leseerfahrungen und Fähigkeiten zur Texterschließung vergegenwärtigen sich die Schülerinnen und Schüler, dass Texte verschiedene Absichten verfolgen und dementsprechend aufgebaut und sprachlich gestaltet sind. Im Schreibunterricht tauschen sie sich mit der Lehrkraft sowie untereinander über ihre Texte aus. In der Grundschulstufe erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, bereits ab Schulbeginn eigene kleine Texte zu verschriften, um ihnen die Bedeutung von Schrift für die Kommunikation eigener Erfahrungen anschaulich zu machen und eine grundlegende Schreibmotivation aufzubauen. Die Lehrkraft wirkt darauf hin, dass normgerechte Schreibungen systematisch eingeübt werden, und zeigt Unterschiede zwischen der Schreibung der Schülerin oder des Schülers und der rechtschriftlichen Schreibweise auf.

In der Mittelschulstufe planen und entwerfen die Schülerinnen und Schüler erzählende, informierende, kommentierende, argumentierende und appellierende Texte, die sich am potenziellen Adressaten und am Schreibziel orientieren, und beachten und verwenden geeignete sprachliche Mittel und formale Konventionen. Sie nutzen das Schreiben zur Kommunikation, zur Strukturierung eigener Aufzeichnungen, zur Aufbewahrung von Informationen und zur gedanklichen Auseinandersetzung mit Sachverhalten sowie mit sich selbst. Berufsorientierenden Texten kommt eine zunehmend größere Bedeutung zu. Durch die Bewältigung kreativer Schreibaufgaben mit motivierenden Schreibanlässen erweitern sie ihre schriftlichen Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten.
Schülerinnen und Schülern öffnet sich darüber hinaus durch den Gebrauch der Schrift ein Weg, persönliche Erfahrungen und Belastungen zu verarbeiten und schriftlich darzustellen.

Texte überarbeiten
Die Schülerinnen und Schüler machen ihre Entwürfe zum Gegenstand gemeinsamen Nachdenkens, geben Rückmeldungen und überarbeiten sie mit Blick auf eine geeignete Form der Präsentation. Dabei unterstützt die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler bei der Erstellung einer Fassung, die rechtschriftlich und sprachlich fehlerfrei sowie ästhetisch ansprechend ist. In der Mittelschulstufe erwerben die Schülerinnen und Schüler Strategien und Techniken, fremde und eigene Texte nach inhaltlichen, sprachlichen und rechtschriftlichen Formvorgaben zu überarbeiten. Sie unterstützen sich durch konstruktive Kritik und werden sich zunehmend des Wertes dieser Unterstützung für die Qualität der Texte bewusst. Die Reflexion über den eigenen Lernprozess führt zu weiteren Schreibzielen und stärkt die Schreibkompetenz.

Aufgrund der Erfahrung, dass eigene oder fremde Korrekturen in einem Schwarzschrifttext die Lesbarkeit desselben erheblich vermindern und in einem Brailleschrifttext gar nicht möglich sind, nutzen sehbehinderte und blinde Kinder und Jugendliche individuelle Überarbeitungsstrategien, wie z. B. Korrekturen am Ende eines Textes einfügen, die sie mit Unterstützung und im Dialog mit der Lehrkraft erarbeiten. In der Mittelschulstufe setzen die Schülerinnen und Schüler zunehmend die Möglichkeiten des Korrekturprogramms der Textüberarbeitung oder elektronische Notizgeräte ein, um Texte zu überarbeiten.

Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren
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Sprachliche Verständigung untersuchen
In der Grundschulstufe untersuchen die Schülerinnen und Schüler gesprochene und geschriebene Sprache (Alltags- und Bildungssprache) sowie unterschiedliche Sprachregister in ihrer Form, Absicht, situativen Angemessenheit und Wirkung, auch was unterschiedliche mediale Darstellungen betrifft. Sie gehen dabei von konkreten Situationen in ihrem Alltag aus.
In der Mittelschulstufe unterstützt die Reflexion über den Einsatz spezifischer sprachstruktureller Mittel, Konventionen und Bilder die Schülerinnen und Schüler in ihrem eigenen Sprachhandeln und ermöglicht eine differenzierte Ausdrucksweise. Schülerinnen und Schüler in der Grundschulstufe verknüpfen sprachlichen Ausdruck mit sinnlich wahrnehmbaren Inhalten.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Sprachen entdecken
Der Vergleich von Sprachen und Schriftsystemen fördert die Sprachbewusstheit. So erweitern Schülerinnen und Schüler zunehmend ihre sprachlichen Verständnis- und Ausdrucksmöglichkeiten in Bezug auf Wortschatz, Wortwahl und sprachliche Strukturen. Sie unterscheiden anhand konkreter Beispiele zwischen Alltags-, Bildungs- und Fachsprache sowie Dialekt und untersuchen Wörter in Fremdsprachen.

In der Mittelschulstufe entwickelt sich Sprachbewusstheit weiter, indem die Schülerinnen und Schüler über Wortschatz sowie über Satz- und Textstrukturen in unterschiedlichen sprachlichen Situationen nachdenken, deren Funktion erfassen und die Erkenntnisse situations- und intentionsgemäß anwenden. Beim Vergleich von Sprachen und Schriftsystemen finden die Schülerinnen und Schüler Gemeinsamkeiten und Unterschiede auch zwischen Schwarzschrift und Punktschrift.

Sprachliche Strukturen in Wörtern, Sätzen, Texten untersuchen und verwenden
Die Schülerinnen und Schüler experimentieren mit Sprache und sprachlichen Strukturen und reflektieren die jeweilige Verwendung und Funktion in unterschiedlichen Zusammenhängen. Grammatikalische und metasprachliche Begriffe werden stets im Kontext konkreter Sprachhandlungen gewonnen. Sprachsensibler und die Fachsprache entwickelnder Unterricht hilft Schülerinnen und Schülern, sprachliche Strukturen mit Fachbegriffen zu benennen.

Richtig schreiben
Die Untersuchung und Reflexion von Sprachgebrauch und Sprache begleiten auch den Rechtschreibunterricht. In der Grundschulstufe stehen dabei die bewusste Anwendung von Strategien sowie die kontinuierliche Übung zum Aufbau von Routinen im Mittelpunkt. Im Prozess des Lesen- und Schreibenlernens werden zunächst phonologische und silbische Prinzipien ausdifferenziert und folgend systematisch ergänzt durch morphologisches und grammatikalisches Wissen. Rechtschreibübungen finden nicht isoliert und ohne Anwendungsbezug statt, sondern sind eingebunden in sinnvolle Kontexte. Die Schülerinnen und Schüler bauen eine rechtschreibbewusste Haltung auf, erfragen Schreibungen und nutzen Wortlisten und Wörterbücher. Dem Bereich richtig schreiben ist ein Grundwortschatz im Sinne eines Modellwortschatzes zugeordnet, an dem die Schülerinnen und Schüler grundlegende Erkenntnisse zu den orthographischen Prinzipien erarbeiten und Rechtschreibstrategien und -regeln sowie Sonderschreibungen anwenden. Dieser Grundwortschatz wird ergänzt durch einen individuellen Übungswortschatz, welcher die spezifischen Interessen und den Entwicklungsstand des einzelnen Kindes berücksichtigt. Systematische Fehlschreibungen bieten der Lehrkraft einen Einblick in vorhandene Kompetenzen und individuelle Lernstrategien im Sinne einer pädagogischen Diagnostik und geben Anhaltspunkte für passende Lernangebote.

In der Mittelschulstufe wird die Anwendung von Rechtschreibstrategien weiterentwickelt und vertieft. Ziel ist ein zunehmend eigenständiges Erkennen eigener Fehlerschwerpunkte und die Verbesserung der individuellen Rechtschreibleistung.

Schülerinnen und Schüler sind sich bewusst, dass ihre individuelle Seheinschränkung, wie z. B. unscharfes Sehen, Gesichtsfeldausfall, Auswirkungen auf die Kompetenz, Wörter regelgerecht zu schreiben haben kann, da sie z. B. Flüchtigkeitsfehler begünstigt und/oder die visuelle Wahrnehmung als Verankerung der korrekten Schreibweise nicht herangezogen werden kann. Sie nutzen daher vielfältige, wortspezifische Zugangswege (taktil, auditiv, artikulatorisch und kognitiv) und erwerben vorwiegend regelgeleitete Rechtschreibstrategien.

Motorik und Wahrnehmung
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Motorik und Wahrnehmung sind Grundvoraussetzungen für den Aufbau von Handlungen und von kognitiven Strukturen zur Deutung, Kategorisierung und Speicherung von Umweltinformationen. Im Entwicklungsbereich Motorik und Wahrnehmung sensibilisieren und schulen die Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Wahrnehmungsmöglichkeiten, ihre grob- und feinmotorischen Fähigkeiten sowie ihre Eigen- und Fremdwahrnehmung, um Gesprächssituationen zu gestalten sowie sich innerhalb eigener und fremder Texte und medialer Darstellungen zu orientieren. Sie setzen diese Fähigkeiten ebenso zur eigenständigen Informationsentnahme aus Texten, zum Lesen und Schreiben von Texten, aber auch zum Erkennen von Strukturen und für Überarbeitungen ein. Dabei wenden sie Erfahrungen in Bezug auf Körperschema und Raumlage sowie individuelle visuelle, taktile und auditive Wahrnehmungsstrategien bewusst und eigenständig an.

Denken und Lernstrategien
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Geistige Vorgänge und Lernstrategien sind Voraussetzung für die Auseinandersetzung mit der Umwelt sowie für kompetentes Handeln im Deutschunterricht. Schülerinnen und Schüler erwerben im Entwicklungsbereich Denken und Lernstrategien zusätzliche Kompetenzen, die sie in die Lage versetzen, visuelle Eindrücke zu komplettieren oder zu kompensieren. Sie beurteilen und reflektieren beispielsweise den individuellen Nutzen optischer, elektronischer und taktiler Hilfs- und Arbeitsmittel und formulieren darauf aufbauend ihren individuellen Unterstützungsbedarf. Sie wenden Hilfs- und Arbeitsmittel situationsabhängig, und je nach medialer Darstellungsform von Texten und Inhalten in den Lernbereichen des Deutschunterrichts selbständig an. Schülerinnen und Schüler verfügen produktiv und rezeptiv sicher über eine Gebrauchsschrift (Schwarzschrift oder Braillsche Punktschrift) und wenden in Abhängigkeit von der jeweiligen Gebrauchsschrift vielfältige spezifische Lern- und Arbeitsstrategien, z. B. zur Überarbeitung und Strukturierung, an.

Kommunikation und Sprache
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Situationsangemessene, sprachliche Handlungskompetenz ermöglicht gesellschaftliche und berufliche Eingliederung. Ausgehend von individuellen Erfahrungen und erworbenem Wissen in Bezug auf den Einsatz und die Bedeutung körpersprachlicher Mittel (z. B. Mimik, Gestik, Körperhaltung) schätzen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Situationen sprachlicher Verständigung in Abhängigkeit von ihren individuellen visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten ein und gestalten sie selbst aktiv in angemessener Form. Sie sind sich der Bedeutung der angemessenen Verknüpfung von Begriffen mit Inhalten bewusst und verwenden alltägliche, literarische sowie fachbezogene Begriffe korrekt. Sie erleben die lebensbedeutsame und kompensatorische Funktion von Sprache in verschiedenen Situationen und übertragen diese Erfahrungen auf ihre Lebenspraxis.

Emotionen und soziales Handeln
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Soziale (sprachliche) Handlungsfähigkeit ist Grundlage für das Zusammenleben in der Gemeinschaft aber auch für die persönliche und berufliche Lebensgestaltung. Schülerinnen und Schüler lernen Sprache als Mittel des sozialen Handelns bewusst einzusetzen, um besondere Alltagssituationen, die sich im Zusammenhang mit ihren individuellen visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten ergeben, z. B. Auskunft über ihr Sehvermögen zu geben oder Hilfe zu erbitten oder abzulehnen, sicher zu bewältigen.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Deutsch
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Die entwicklungsbezogenen Kompetenzen in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache und Emotionen und soziales Handeln bilden die Grundlage für den individuellen Kompetenzerwerb im Fach Deutsch.

Der Fachlehrplan Deutsch gliedert sich – angelehnt an die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz im Fach Deutsch – in vier Lernbereiche, die mit den im Kompetenzstrukturmodell dargestellten Kompetenzbereichen identisch sind.

Der Aufbau des Lehrplans Deutsch ist in allen weiterführenden Schularten Bayerns gleich. Im Gegensatz zu anderen Fächern sind die sprachlichen Inhalte in die Kompetenzerwartungen integriert und nicht gesondert ausgewiesen. Thematische Zuordnungen sind, mit Ausnahme berufsorientierender Themen in Jahrgangsstufen 8 und 9, nicht vorgesehen.

Grundlegende Kompetenzen und Fachlehrplan werden für die Mittelschule in den Jahrgangsstufen 7, 8 und 9 jeweils in einem Lehrplan für die Regelklasse und einem inhaltlich weitgehend identischen, im Anspruch aber erhöhten Lehrplan für die Mittlere-Reife-Klasse ausgeführt. Auch hier wird von der Lehrkraft der Lernbereich der entwicklungsbezogenen Kompetenzen berücksichtigt.

Die Fachlehrpläne des Faches Deutsch und des Faches Deutsch als Zweitsprache sind eng miteinander vernetzt, sodass für integriert unterrichtete mehrsprachige Schülerinnen und Schüler Informationen aus beiden Lehrplänen zusammengeführt werden können.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern
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Als Leitfach für die Sprachliche Bildung steht Deutsch in enger Verbindung mit anderen Fächern. Sprechen und Zuhören, Lesen und Schreiben sowie der Umgang mit Medien und die Ausbildung von Sprachkompetenz bilden eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildungsbeteiligung und für die Persönlichkeitsentwicklung. In der Mittelschulstufe werden die schulischen Fachsprachen durch Aufgreifen von Themen aus dem Fachunterricht im Fach Deutsch weiterentwickelt.

Beteiligt ist das Fach Deutsch an allen Projekten bis hin zur Projektprüfung durch Recherche, Textverarbeitung und sprachliche wie mediale Gestaltung von Arbeitsergebnissen.

5.1 Sprachliche Bildung
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Sprachliche Bildung ist im Förderzentrum Unterrichtsprinzip und Aufgabe aller Fächer. Gespräche über Fragestellungen, Vorgehensweisen und Ergebnisse finden zu einem großen Teil im Fachunterricht statt. Sach- und Gebrauchstexte erschließen die Schülerinnen und Schüler mithilfe von Lesestrategien und erweitern ihre Verstehens- und Ausdrucksmöglichkeiten, sowohl was ihre gesprochene Sprache als auch ihre schriftlichen Texte anbelangt. Sie differenzieren ihren fachspezifischen Wortschatz aus und achten auf sprachliche Genauigkeit. Sie festigen ihr Sprachhandeln, indem sie sich mit den Normen von Alltags- und Standardsprache auseinandersetzen und diese bewusst anwenden.

5.2 Interkulturelle Bildung
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Zur Interkulturellen Bildung trägt der Deutschunterricht bei, indem er Verschiedenheit und ihre Wertschätzung erfahrbar macht. In einer Lerngruppe mit Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft und Erstsprache lernen diese, dass es neben sprachlichen auch kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt, nicht nur was Feiern, Feste oder Rituale betrifft, sondern auch das Repertoire an bekannten Geschichten und Figuren.

In enger Kooperation mit dem Fach Deutsch als Zweitsprache erwerben mehrsprachige Schülerinnen und Schüler im Fach Deutsch die sprachliche Basis, die für den schulischen und beruflichen Bildungsweg in allen Fachbereichen notwendig ist. Neben der sprachlichen Kompetenzerweiterung bieten die vielfältigen Themen des Faches eine Möglichkeit, mit der deutschen Gesellschaft und ihren Grundwerten vertraut zu werden.

Informationen aus Texten unterschiedlicher Kulturen werden erweitert durch persönliche Erfahrungen der mehrsprachigen Schülerinnen und Schüler, die damit einen wertvollen Beitrag zur interkulturellen Bildung aller leisten. Das Finden gemeinsamer Werte bei kulturell unterschiedlicher Ausrichtung bereitet auf die zunehmend internationale Verflechtung von Gesellschaft und Wirtschaft vor.

5.3 Kulturelle Bildung
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Der Deutschunterricht des Förderzentrums leistet einen zentralen Beitrag zur Kulturellen Bildung. In der Auseinandersetzung mit Sprache, Literatur und Medien erweitern die Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten zu differenziertem Wahrnehmen, Erfahren und Erleben sowie ihre eigenen Gestaltungsmöglichkeiten. Insbesondere die Beschäftigung mit Literatur aus anderen Ländern und Sprachen, die Auseinandersetzung mit Filmen oder der Besuch von Theatervorstellungen schulen sprachlich ästhetisches Empfinden und eröffnen Zugänge zu Werten der Kultur unserer Gesellschaft. Durch die eigene kreative Gestaltung von Texten oder weiteren Medienprodukten erleben sich die Schülerinnen und Schüler als Kulturschaffende und gewinnen eine Haltung, welche künstlerisches Schaffen und kulturelle Leistung wertschätzt.

5.4 Medienbildung/Digitale Bildung
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Die Kompetenzerwartungen, die den Schülerinnen und Schülern helfen sollen, Medien in einer digital vernetzten Welt zu verstehen, sie zu nutzen, kreativ mit ihnen umzugehen und sie kritisch zu hinterfragen, werden in allen Kompetenzbereichen jeder Jahrgangsstufe im Lehrplan Deutsch insbesondere aber im Lernbereich Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen formuliert. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler die Vielfalt der Medien, insbesondere auch der digitalen, kennen, nutzen das jeweilige Medium zielgerichtet und verantwortungsbewusst, erkennen den hohen kulturellen Stellenwert von Medien in unserer Gesellschaft und reflektieren über mögliche Gefahren. Über den eigenen Medienkonsum und die Erfahrungen findet ein Austausch statt, bei dem die Schülerinnen und Schüler ihre Nutzungsgewohnheiten und ihr Verhalten kritisch reflektieren und bewerten. Kreativität und Medienkompetenz zeigt sich in der eigenen Gestaltung von Medienprodukten für Vorträge, Projekte und Unterhaltung auch in Kooperation mit anderen Fächern.

5.5 Soziales Lernen
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Der Deutschunterricht fördert das Soziale Lernen der Schülerinnen und Schüler. Die Schülerinnen und Schüler nutzen sprachliche Formen der Höflichkeit und Wertschätzung sowie Möglichkeiten einer konstruktiv-dialogischen Gesprächsführung. Unterschiede im sprachlichen Entwicklungsstand sowie die Verwendung verschiedener Sprachvarietäten bieten zahlreiche Lerngelegenheiten.
Um Konflikte konstruktiv auszutragen, wenden sie die im Deutschunterricht erworbenen Diskussionsregeln und Argumentationstechniken an. Diese beinhalten auch die Kompetenz, bei unterschiedlichen Standpunkten Kompromisse zu schließen.

5.6 Werteerziehung
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Der Deutschunterricht trägt durch Texte, Gespräche oder Projekte zu unterschiedlichen gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Themen zur Persönlichkeitsbildung bei, indem unterschiedliche Positionen dargestellt und auf der Grundlage von Werten begründet werden. Das Lesen und Reflektieren literarischer Werke konfrontiert mit unterschiedlichen Werten, die eine eigene Stellungnahme erfordern. Implizite Wertevermittlung durch mediale Bilder und Filme kann erkannt und besprochen werden. Eigenes soziales und mediales Handeln in sozialen Netzwerken wird werteorientiert reflektiert.

5.7 Berufliche Orientierung
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Die Berufliche Orientierung ist ein profilbildendes Anliegen der Mittelschulstufe in den Fächern des Lernfeldes Berufsorientierung. Das Fach Deutsch unterstützt dies durch Rezeption berufsorientierender Schriften, die Klärung des Fachwortschatzes sowie der spezifischen Abkürzungen und Wendungen. Beteiligt ist das Fach Deutsch auch an der Erstellung von Schriftstücken für Bewerbungs-, Präsentations- und Projektmappen, der Gestaltung von Vorträgen und Präsentationen sowie der Entwicklung eines kompetenten Auftretens im Rahmen einer Bewerbung.