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Evangelische Religionslehre

1.1 Selbstverständnis des Faches
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Der evangelische Religionsunterricht hat im Fächerkanon der Schule die Aufgabe, der Kommunikation der Schülerinnen und Schüler mit der christlichen Tradition in der gegenwärtigen Welt zu dienen. Mit dem Religionsunterricht nimmt die Kirche Bildungsverantwortung in der pluralen Gesellschaft am Ort der Schule wahr. Sie tut dies in konfessioneller Deutlichkeit und ökumenischer Offenheit. Der Religionsunterricht geschieht unter den Gegebenheiten und Bedingungen der Schule und wird von Kirche und Staat gemeinsam verantwortet. Aus dieser Aufgabe ergeben sich folgende Ziele:

  • Der Religionsunterricht informiert und orientiert über die christliche Tradition und ihre jüdischen Wurzeln, über die Kirche in Geschichte und Gegenwart, über Fragen der Ökumene und des interreligiösen Dialogs sowie über philosophische und außerchristliche Deutungen von Mensch und Welt. Er will Schülerinnen und Schülern Wege zu einem lebensbezogenen Umgang mit der biblischen Überlieferung eröffnen.
  • Der Religionsunterricht bringt Fragen und Herausforderungen unserer Zeit zur Sprache; er will Schülerinnen und Schüler zur Auseinandersetzung mit christlichem Glauben und Handeln anregen und sie ermutigen, vom Evangelium her Perspektiven für die eigene Orientierung zu entwickeln. Bei den damit verbundenen Lernprozessen sind die religiöse Entwicklung und Sozialisation der Schülerinnen und Schüler zu beachten.
  • Der Religionsunterricht fördert die Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler; er will sie hinführen zu einem vor Gott verantwortlichen achtsamen Umgang mit Mensch und Welt. Er bietet den Schülerinnen und Schülern im Rahmen der schulischen Möglichkeiten Lebenshilfe und Begleitung an. Dazu gehört auch, im Leben der Schule Raum zu schaffen für Innehalten und Feiern, für Gebet und Gottesdienst. Der Religionsunterricht unterstützt von seinem christlichen Menschenbild her soziales und kommunikatives Lernen; er fördert Toleranz und Empathie.
  • Der Religionsunterricht bringt die biblische Botschaft nicht nur als historisch Gegebenes zur Sprache, sondern will zugleich offen sein für die persönliche Anrede Gottes an den Menschen. Er will Wege zum Glauben eröffnen und Schülerinnen und Schülern dabei helfen, ihren Ort in der Gemeinschaft der Christen zu bestimmen. Die Schülerinnen und Schüler sollen, auch im Umgang mit bedrückenden Lebenserfahrungen, zu einem Leben aus der Hoffnung des christlichen Glaubens ermutigt werden.

Der Religionsunterricht ist heute geprägt von einer Vielfalt an Konzeptionen und Methoden. Seiner Aufgabe entspricht ein mehrdimensionales Lernen und Lehren. In der spannungsvollen Einheit von Wirklichkeitserfahrung und Glaubensauslegung begegnen sich im Unterricht Lernende und Lehrende als Personen mit einer je eigenen Geschichte. Dass der Religionsunterricht im Vertrauen auf Gott geschehen kann, schließt die Bejahung der menschlichen Grenzen allen Lehrens und Lernens ebenso ein wie die Möglichkeit, immer wieder neu anzufangen. (Leitlinien der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für den evangelischen Religionsunterricht in Bayern)

1.2 Beitrag des Faches zur Bildung
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Die religiös-weltanschauliche Perspektive stellt einen der für das Menschsein grundlegenden Zugänge zu Welt und Wirklichkeit dar. Im Bildungswirken der Schule nimmt der evangelische Religionsunterricht den Anspruch der Schülerinnen und Schüler auf religiöse Bildung ernst und trägt zu einer werteorientierten, ganzheitlichen Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen bei. Hierbei knüpft er an Erfahrungen aus der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen an, nimmt den Anspruch jedes Schülers auf religiöse Bildung ernst und trägt zur ganzheitlichen Entfaltung und Entwicklung seiner Persönlichkeit bei.

Die vielfältigen Dimensionen und Ausdrucksformen von Religion und christlichem Glauben bieten den Schülerinnen und Schülern im Religionsunterricht besonders gute Möglichkeiten, ihre individuellen Fähigkeiten und Stärken zu entfalten und von- und miteinander zu lernen. Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf erfahren durch unterschiedliche Formen der Auseinandersetzung, z. B. in Sprache, Bild, Musik und Bewegung, individuelle Möglichkeiten, die eigenen Kompetenzen zu entwickeln.

Während ihrer Zeit am Förderzentrum erleben die Heranwachsenden Phasen wichtiger Umbrüche und Entscheidungen, die auch in religiöse Fragestellungen hineinreichen. Der Religionsunterricht bietet hier besondere Begleitung und Orientierung an. Dabei ist es besonders wichtig, das Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler zu fördern und zu festigen. Dies geschieht im Religionsunterricht ganz besonders im Horizont des christlichen Menschenbildes und der Zusage, dass Gottes Zuwendung und Annahme allen Menschen gilt, unabhängig von ihren Begabungen, Möglichkeiten und Leistungen.

Im Religionsunterricht werden die Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung eigener, reflektierter Überzeugungen, gerade auch in Fragen des Glaubens, begleitet. So können sie den Weg vom Kinderglauben zu einem mündigen Glauben gehen. Dazu werden die Schülerinnen und Schüler im Lauf der Schulzeit in einen Prozess des Fragens, Suchens und Entdeckens hineingeführt, in dem es vor allem um ihr Welt- und Selbstverständnis und um ihre Wertvorstellungen und existenziellen Fragen geht. Anfragen an überlieferte Glaubensvorstellungen und -formen und Zweifel werden dabei ernst genommen und ins Gespräch gebracht. In der Begegnung mit anderen und deren Vorstellungen schulen Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeit zu Perspektivwechsel und Empathie. Der sorgfältigen und fundierten Entwicklung ihrer religiösen Sprache, Fachsprache und Symbolsprache kommt dabei hohe Bedeutung zu.

Die Frage nach Gott, seinem Wesen, seinem Wirken in der Welt und die Frage nach Jesus Christus sind Ausgangs- und Zielpunkt vielfältiger didaktischer Überlegungen und theologischer Gespräche. Dabei können die Schülerinnen und Schüler eigene Vorstellungen entwickeln und zu biblischem Reden von Gott in Beziehung setzen. Geschichten der Bibel nehmen in diesem Prozess einen zentralen Raum ein. In der Auseinandersetzung mit ihnen erfahren und entdecken Kinder und Jugendliche, dass ihnen diese Geschichten helfen, Situationen des eigenen Lebens zu deuten. Das kann Mut machen und zum Handeln herausfordern.

Im evangelischen Religionsunterricht erhalten Schülerinnen und Schüler Raum für ihr Nachdenken über Umbrüche und Grenzsituationen im Leben von Menschen. Dabei dürfen Fragen zu Leid und Tod oder zu Schuld und Ungerechtigkeit ebenso wenig ausgeklammert werden wie das Angebot einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Förderbedarf bzw. der eigenen Lebensform. Heranwachsende werden dabei aufmerksam auf den Wert tragender Beziehungen und die liebende Zuwendung und Begleitung Gottes – gerade in besonderen Lebensphasen. Phasen der Stille, der Ruhe und der Besinnung sind unverzichtbare Elemente eines zeitgemäßen evangelischen Religionsunterrichts. Hier lernen Schülerinnen und Schüler, zu sich selbst zu kommen, zu lauschen, zu staunen, ihre ganz persönlichen Gefühle und Gedanken wahrzunehmen und im Gebet Worte dafür zu finden. Im Erleben und zunehmend eigenverantwortlichen Mitgestalten der Feste und Feiern im Kirchenjahr denken Schülerinnen und Schüler über deren Bedeutung und Hintergrund nach, erleben eigentlichen und bereichernden Sinn und gehen mit altersgemäßen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens um.

In einem Lebensumfeld, in dem vielfältige Weltanschauungen, Glaubensvorstellungen und deren Ausdrucksformen aufeinandertreffen, hat der schulische Religionsunterricht die Aufgabe, Religion zu erklären und zu deuten. Er leistet dabei einen wesentlichen Beitrag zu Toleranz und respektvollem Umgang miteinander. Vielfalt als Chance, gegenseitige Wertschätzung, Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und mit anderen sind zentrale Elemente eines Religionsunterrichts, der den Menschen in seiner Gottesebenbildlichkeit ernst nimmt und Inklusion als Grundhaltung anstrebt.

Eingebunden in die Religionsgruppe oder -klasse können Schülerinnen und Schüler entdecken, wie wertvoll es ist, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Zugleich erfahren sie in der Auseinandersetzung mit anderen Konfessionen und Religionen, wie wichtig es ist, zum einen von anderen zu erfahren, was ihnen ihr Glaube bedeutet, zum anderen aber auch über den eigenen Glauben Bescheid zu wissen, eigene Positionen immer wieder zu überdenken und andere Vorstellungen zu respektieren. Der evangelische Religionsunterricht bietet die Möglichkeit, ethische Orientierung in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft zu finden. Er bietet den Raum, Lebensfragen zu diskutieren, Zusammenhänge zu erkennen und Perspektiven für ein menschenwürdiges und verantwortliches Reden und Handeln im Sinne des Evangeliums zu entwickeln. Auf dieser Basis werden die Schülerinnen und Schüler zunehmend auskunfts- und dialogfähig im Umgang mit Mitschülerinnen und Mitschülern anderer Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen.

2.1 Kompetenzstrukturmodell
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Kompetenzstrukturmodell Evangelische Religionslehre

Das Kompetenzstrukturmodell spiegelt die Strukturen des Faches Evangelische Religionslehre wider, an denen die langfristigen Lernprozesse ausgerichtet werden und mit denen kompetenzorientierter Unterricht geplant wird. Es ist für alle Schularten einheitlich. Die prozessbezogenen Kompetenzen bilden den äußeren Rahmen des Modells und gliedern sich in vier Bereiche: wiedergeben und beschreiben, wahrnehmen und deuten, reflektieren und urteilen, sich ausdrücken und kommunizieren. Sie greifen fortlaufend ineinander. Die drei Gegenstandsbereiche christlicher Glaube evangelischer Prägung, Identität und Gemeinschaft sowie Religion in einer pluralen Welt sind aufeinander bezogen und miteinander verschränkt.

Das Kompetenzstrukturmodell des Faches Evangelische Religionslehre erhält eine Erweiterung durch die vier Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln, deren Zusammenwirken erfolgreiche Lernprozesse ermöglicht. Die persönlichen Ressourcen in den Entwicklungsbereichen sind die Grundlage für die Planung und Gestaltung von Lernsituationen. Dadurch ergeben sich Hinweise und Impulse für die kriterienorientierte Schülerbeobachtung und für die Feststellung des individuellen Entwicklungsstandes.

Wiedergeben und beschreiben
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In diesem Kompetenzbereich lernen Schülerinnen und Schüler, wesentliche Inhalte sprachlich und fachsprachlich genau wiederzugeben und zu beschreiben. In der Grundschulstufe werden damit wichtige Grundlagen für den Verständigungsprozess untereinander und mit Menschen anderer Konfessionen, Religionen und Kulturen gelegt. Grundlegendes Wissen und Können aus der Grundschule wird in der Mittelschulstufe mit weiterführenden Inhalten verknüpft, um die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu erweitern.

Schülerinnen und Schüler zeigen diese Kompetenz, indem sie z. B.

  • grundlegende Texte und Geschichten aus der Bibel in altersgemäßer Differenziertheit wiedergeben,
  • Inhalte der biblischen Überlieferung beschreiben und einordnen,
  • Phänomene religiöser Gegenwartskultur (Lebensformen auch anderer Religionen, Bauwerke etc.) beschreiben,
  • mit Begriffen aus der Fachsprache altersgemäß umgehen,
  • Gefühle und Befindlichkeiten sprachlich angemessen beschreiben,
  • religiöse, weltanschauliche und ethische Positionen zusammenfassen, vergleichen und präsentieren.
Wahrnehmen und deuten
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Differenziertes Wahrnehmen von realen und fiktiven Situationen, Texten, Gegenständen und Bildern, aber auch von Befindlichkeiten von Menschen ist die Basis für alle Prozesse des Interpretierens und Deutens, die gerade im Religionsunterricht eine besondere Rolle spielen. Die Schülerinnen und Schüler lernen in diesem Kompetenzbereich eigene Lebenserfahrung und Situationen in ihrem Alltag aus verschiedenen Perspektiven wahrzunehmen und zu deuten. Religiöse Motive und Erscheinungsformen unterschiedlicher Religionen, denen die Schülerinnen und Schüler begegnen, werden von ihnen erkannt und in ihrer Bedeutung erfasst.

Schülerinnen und Schüler zeigen diese Kompetenz, wenn sie z. B.

  • sich und ihre Umwelt mit allen Sinnen aufmerksam wahrnehmen,
  • eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und deuten,
  • spielerisch und denkerisch unterschiedliche Sichtweisen erproben und darüber Auskunft geben,
  • die Ursachen von Konflikten erläutern und differenziert deuten,
  • Symbole und Erfahrungen von Menschen miteinander in Beziehung bringen,
  • wichtige Gedanken aus der christlichen Überlieferung zu eigenen Vorstellungen und Erfahrungen in Beziehung setzen,
  • religiöse Motive und Elemente im Lebensumfeld, in der Kunst oder in der Gesellschaft erkennen und sachgerecht zuordnen.
Reflektieren und urteilen
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Mit Blick auf die Bedeutung einer Erziehung zur Mündigkeit im religiösen Bereich kommt diesen beiden Kompetenzen eine hohe Bedeutung zu. Schülerinnen und Schüler lernen, zu einer eigenen Sicht der Dinge zu gelangen, eigene theologische und ethische Vorstellungen in Worte zu fassen und diese in das Gespräch mit anderen einzubringen.

Schülerinnen und Schüler zeigen diese Kompetenz, indem sie z. B.

  • eigene Fragen nach Gott und Welt stellen und offen halten,
  • in religiösen und ethischen Fragestellungen um einen eigenen Standpunkt ringen,
  • sich mit der Not anderer Menschen auseinandersetzen und über Handlungsmöglichkeiten nachdenken,
  • weltanschauliche Angebote kritisch prüfen, eine eigene Position finden und vertreten,
  • ethische Entscheidungssituationen im individuellen und gesellschaftlichen Leben sowie unterschiedliche Handlungs- oder Verhaltensoptionen aus christlicher Sicht reflektieren,
  • über ihre eigene Religiosität bzw. weltanschauliche Prägung nachdenken und sie im Austausch mit anderen weiterentwickeln.
Sich ausdrücken und kommunizieren
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Kommunizieren meint zunächst sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Nach der lateinischen Bedeutung des Wortes sind auch Formen des verantwortungsvollen, diakonischen und sozialen Handelns eingeschlossen. Im Sinne einer ganzheitlich ausgerichteten Bildung werden in diesem Kompetenzbereich neben sprachlichen auch künstlerische, musikalische und spielerische Fähigkeiten gefördert.

Schülerinnen und Schüler zeigen diese Kompetenz, wenn sie z. B.

  • eigene Erfahrungen, Glaubensüberzeugungen und -zweifel zum Ausdruck bringen,
  • in religiösen und ethischen Fragen unterschiedlichen Gesprächspartnern aufmerksam zuhören, eigene Gedanken ins Gespräch einbringen und dabei respektvoll mit den Äußerungen anderer umgehen,
  • sich ihren Fähigkeiten entsprechend aktiv, etwa in Formen diakonischen Lernens oder im projektorientierten Arbeiten, an der Gestaltung des Zusammenlebens beteiligen,
  • mit der Sprache des Gebets und mit liturgischen Formen kreativ und eigenständig umgehen und so persönliche Ausdrucksformen von Spiritualität entdecken und erproben,
  • Schulgottesdienste oder Feiern im Rahmen des Kirchenjahrs gestalten,
  • ausgehend von christlichen Werten wie Gerechtigkeit oder Frieden Handlungsoptionen im Blick auf ihr soziales und gesellschaftliches Umfeld entwickeln.
Christlicher Glaube evangelischer Prägung
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Im Gegenstandsbereich christlicher Glaube evangelischer Prägung geht es um die Beschäftigung mit grundlegenden Fragen und Glaubensfragen, christlichen Traditionen und Werten sowie Ausdrucksformen des christlichen Glaubens, z. B. Worauf verlasse ich mich?, Worauf darf ich hoffen?, Woher weiß ich das? Was trägt mich in einer Krisensituation?

Identität und Gemeinschaft
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Im Bereich Identität und Gemeinschaft werden Fragen nach der eigenen Person und dem Zusammenleben mit anderen verbunden, z. B. Wer bin ich?, Wie komme ich mit anderen aus?, Wie verhalte ich mich?, Welche Verantwortung habe ich mir selbst und meinen Mitmenschen gegenüber?, Wie kann ich den Herausforderungen im beruflichen und privaten Leben begegnen?

Religion in einer pluralen Welt
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Der Gegenstandsbereich Religion in einer pluralen Welt nimmt Fragen nach anderen Religionen und öffentlichen Ausdrucksformen von Religion in den Blick. Im Dialog, in der Auseinandersetzung und in konkreten Begegnungen können Gemeinsamkeiten und Unterschiede differenziert betrachtet werden z. B. Wie zeigt sich Andersartigkeit?, Wie begegne ich Fremden und Fremdem? Wie finde ich meinen eigenen Standpunkt im Angebot der Religionen und Weltanschauungen?

2.4 Entwicklungsbereiche
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Im Unterricht mit Schülerinnen und Schülern mit Sehschädigungen ist die große Heterogenität der visuellen Wahrnehmungsfähigkeiten zu beachten. Sie führen zu unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Bedürfnissen. Der evangelische Religionsunterricht bietet die Chance, junge Menschen mit Sehschädigung in ihrer individuellen Entwicklung wahrzunehmen und zu unterstützen. In der Unterrichtsvorbereitung und im Unterricht ist hierfür besonders auf die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler und auf die Entwicklungsmöglichkeiten in den folgenden Bereichen einzugehen:

  • Motorik und Wahrnehmung
  • Denken und Lernstrategien
  • Kommunikation und Sprache
  • Emotionen und soziales Handeln
Motorik und Wahrnehmung
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Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ihr Körperschema und ihre motorischen Kompetenzen durch Rituale mit Bewegungen (Lieder, Anfangsrituale etc.). Daher haben diese Unterrichtselemente eine besondere Bedeutung bei Schülerinnen und Schülern mit Blindheit oder starker Sehbehinderung. Die Schülerinnen und Schüler können durch Körperausdruck und Soziomotorik in Gesten und Mimik einen besseren Bezug zu ihrem Körper herstellen und angemessen nonverbal kommunizieren. Körperübungen und Rollenspiele im Religionsunterricht tragen zur Entwicklung dieser Kompetenzen bei. Entsprechende fachdidaktische Überlegungen sind bei der Einführung zu berücksichtigen. Es ist durchaus angezeigt, eine Zusammenarbeit mit Rehabilitationsfachkräften anzustreben und von dieser Seite gezielte Hinweise einzuholen.

Das ganzheitliche „Begreifen“ mit allen Sinnen ist ein bedeutendes Element der Symboldidaktik und muss bei Schülerinnen und Schülern mit Blindheit oder starker Sehbehinderung besonders betont werden, da visuelle Zugangswege nicht – oder nur eingeschränkt – möglich sind. Durch vielfältige Begegnung mit Symbolen mit allen Sinnen entwickeln die Schülerinnen und Schüler einen vertieften Zugang zu deren Bedeutung und schulen ihre Wahrnehmungsmöglichkeiten.
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ihre motorischen und sensorischen Wahrnehmungsfertigkeiten im Erleben von Kirchenräumen mit allen Sinnen und durch das sinnfältige Feiern von Festen im Kirchenjahr. In diesen Zusammenhängen bieten sich im Religionsunterricht zahlreiche Möglichkeiten für haptische, sensorische, olfaktorische, vestibuläre und sogar gustatorische Wahrnehmung. In diesem Kontext ist auch auf die Nutzung außerschulischer Lernorte zu verweisen, die gerade im Religionsunterricht eine gewichtige Rolle spielen (Kircherkundungen etc.).

Als Ausdrucksformen im Unterricht bieten sich, je nach verbleibendem Sehvermögen, häufig weniger methodische Varianten als bei Schülerinnen und Schüler ohne Sehbeeinträchtigung. Es ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass das Prinzip des Ausdrucks, der auf einen Eindruck folgen sollte, Rechnung getragen wird und in vielfältiger Weise eingesetzt wird. Die Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, für sie angemessene Formen des Ausdrucks anzuwenden. Das Erarbeiten von Hörspielen, Sprechszenen, Rollenspielen oder dreidimensionalen „Plastiken und Installationen“ bieten sich hierfür an. Auch die Anwendung digitaler Medien für den Ausdruck von Gedanken, Gefühlen und Ideen im Religionsunterricht nutzen die Schülerinnen und Schüler altersentsprechend.

Denken und Lernstrategien
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Im Religionsunterricht wird in besonderer Weise das metaphorische Denken gefordert, da die zentralen Themen (Gott, Heiliger Geist, „Himmel“ etc.) unsichtbar und ungreifbar sind. Die Schülerinnen und Schüler verstehen und deuten metaphorische Sprache von unsichtbaren Inhalten. Sie nutzen reflektiert symbolische Sprachmuster und verstehen symbolische Sprache und Bilder. Diese Kompetenzen werden altersgemäß aufbauend entwickelt. Schülerinnen und Schüler mit Blindheit und Seheinschränkungen kennen, reflektieren und nutzen Symbole und Bilder im religiösen Kontext, die ihrer Wahrnehmung angemessen sind und die für sie adäquate Bedeutungen haben, wie die Symbole und Bilder, die Sehende verwenden (z. B. Alternativen zu dem Symbol Licht, Farbsymbole für Menschen mit Farbenblindheit). Dies geschieht durch einen offenen und einfühlsamen Diskurs über die unterschiedlichen Wahrnehmungen bei der Erarbeitung der entsprechenden Symbole.

Die Schülerinnen und Schüler formulieren Ergebnisse abstrakter Denkprozesse und kommunizieren sie. Durch die Auseinandersetzung mit philosophischen Fragestellungen wird diese Kompetenz nach und nach entwickelt.

Die Schülerinnen und Schüler bringen religiöse Deutungsmuster mit den eigenen Lebenserfahrungen in Zusammenhang, sie reflektieren diese Deutungsangebote kritisch und machen sie für das eigene Leben fruchtbar. Die Schülerinnen und Schüler überprüfen theologische Aussagen daraufhin, ob sie der von ihnen erlebten Wirklichkeit standhalten. Das Entwickeln der Fähigkeit, sich konstruktiv mit existenziellen Fragen auseinanderzusetzen, ist durchgängige Aufgabe des Religionsunterrichts. Da Schülerinnen und Schüler mit Blindheit oder Sehbehinderungen häufiger bereits in jungen Jahren mit existenziellen Bedrohungen (Krankenhausaufenthalte, Ängste der Eltern, progressive Erkrankungen, Frühgeburten etc.) konfrontiert werden, ist die Entwicklung dieser Kompetenz von besonderer Bedeutung. Für die Lehrkraft bedeutet dies, dass dieser Prozess mit besonderer Ernsthaftigkeit und Sorgfalt begleitet werden muss.

Kommunikation und Sprache
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Die Schülerinnen und Schüler erleben und beschreiben die Vorteile einer ruhigen Gesprächsatmosphäre und halten sich an klare Gesprächsregeln. Sie sind in der Lage, in Unterrichtsgesprächen gegenseitig zuzuhören und die anderen Schülerinnen und Schüler mit ihren Aussagen wahrzunehmen. Für den Religionsunterricht spielt diese Kompetenz eine große Rolle, da das Gespräch hier von großer Bedeutung ist. Aufgrund der Einschränkung oder des Ausfalls der visuellen Wahrnehmung muss auf eine ruhige Unterrichtsatmosphäre sehr großen Wert gelegt werden, wofür die Formulierung und Einhaltung von klaren Gesprächsregeln notwendige Voraussetzungen sind.

Die Schülerinnen und Schüler wenden ein individuelles Repertoire nonverbaler Kommunikationsformen an und sind sich über deren Bedeutung bewusst. Dabei wissen sie um die Wirkung der eigenen Körpersprache auf die Kommunikationspartner und entwickeln für verschiedene Kommunikationssituationen adäquate Verhaltensweisen. Sie setzen sich mit der Gefahr auseinander, dass durch das Nicht-Wahrnehmen nonverbaler Kommunikation zwischen Menschen mit und ohne Sehschädigungen Missverständnisse entstehen können und entwickeln Lösungsansätze zur Vermeidung und zum Umgang mit solchen Situationen. In den Lernbereichen „Ich und die Welt“ und „Ich und die anderen“ können diese Kompetenzen mit kreativen und spielerischen Unterrichtformen gefördert werden.

Emotionen und soziales Handeln
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Der Religionsunterricht ist ein Ort, in dem existenzielle Fragen Raum haben. Die Schülerinnen und Schüler machen implizit oder explizit ihre Sehbeeinträchtigung zum Thema im Unterricht und setzen sie zu christlichen Positionen in Bezug. Sie setzen sich mit Fragen wie „Behindert sein – oder behindert werden“, „Warum gerade ich“ (Theodizee) oder „Bin ich genauso viel Wert“ auseinander, beziehen sie auf ihr eigenes Erleben und beurteilen verschiedene (christliche) Antwortmöglichkeiten. Das Buch Hiob, Erfahrungsberichte von Betroffenen, andere Geschichten oder konkrete Anlässe (Verschlechterung des Sehens, Erlebnisse von Ausgrenzung etc.) ermöglichen die Arbeit an diesen Kompetenzen im Religionsunterricht.

Den Schülerinnen und Schüler gelingt es zunehmend, ihre Behinderung in das Selbstbild zu integrieren. Sie formulieren selbstbewusst ihre Bedürfnisse und geben Auskunft über ihre Wahrnehmung und Lebensbewältigung. Sie erkennen die Bedeutung der vorbehaltlosen Annahme des Menschen durch Gott, biblischer „Mutmachgeschichten“ aber auch der Kreuzestheologie als Offenbarung Gottes im Inperfekten und im Leiden, für ihr eigenes Leben.

Sie verstehen Trauerprozesse als „normale“ Krisenverarbeitung, vergleichen dieses Wissen mit eigenem Erleben, das sie dadurch besser einordnen können. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Verarbeitung des Lebens mit Behinderung in und durch Krisen stattfindet. Eine seelsorgerliche Begleitung und hilfreiche spirituelle Formen (Gebet, Psalm Texte, Mediation etc.) sind dabei wichtige Angebote des Religionsunterrichts. Dieser Aspekt des Religionsunterrichts entzieht sich aber einer kompetenzorientierten Formulierung. Sie deuten Wunder- und Heilungsgeschichten im Sinne einer barrierefreien Theologie, indem sie diese biblischen Texte zu eigenen und fremden Erfahrungen von Leben mit Behinderung und Ausgrenzung in Beziehung setzen.

Dem Thema Partnerschaft und Sexualität kommt eine besondere Bedeutung zu. In der Pubertät und im Zusammenhang mit der Entwicklung der eigenen Geschlechtlichkeit stellen sich massiv Fragen nach dem eigenen Wert und es werden Unsicherheiten (Flirten, mein Aussehen etc.) erlebt, die durch eine Seheinschränkung oder Blindheit noch verstärkt werden (können). Die Schülerinnen und Schüler bringen die emotionalen Aspekte des Themas Partnerschaft und Sexualität angemessen zur Sprache und reflektieren es unter dem Aspekt des Lebens mit Behinderung. Im Austausch und durch Geschichten mit geeigneten Identifikationsfiguren werden Problemlösungen und Verhaltensmuster abgewogen und durchdacht.

2.5 Besonderheiten der Kompetenzorientierung im evangelischen Religionsunterricht
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Kompetenzorientierter Unterricht im Fach Evangelische Religionslehre erfordert auch ein Verständnis für die Grenzen dieses Konzepts.

  • Kompetenzerwartungen beschreiben die Ergebnisse von Lernprozessen und stoßen dort an ihre Grenzen, wo diese Ergebnisse mit Rücksicht auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Schülerinnen und Schüler nicht vorgegeben werden können und dürfen, z. B. bei Glaubensüberzeugungen oder religiösen Handlungen. Gleichwohl bietet der Religionsunterricht zahlreiche Gelegenheiten, eigene Überzeugungen auszubilden und diese im Austausch mit anderen zu vertreten.
  • Neben dieser eher formalen Grenze sind es die Inhalte des Faches selbst, die eine Einschränkung erfordern. Ausgehend von einem christlichen Menschenbild ist eine einseitige Ausrichtung auf das Können und die Fähigkeiten eines Menschen zu relativieren. Stattdessen ist ein Bewusstsein dafür anzubahnen und wachzuhalten, dass der Mensch mehr ist, als in seinen Kompetenzen sichtbar zum Ausdruck kommen kann. Er ist Geschöpf Gottes und bezieht seine Würde nicht aus seinem Handeln.

Es ist Aufgabe und Herausforderung für Religionslehrerinnen und -lehrer, mit diesen Besonderheiten des Faches bewusst umzugehen.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Evangelische Religionslehre
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Die entwicklungsbezogenen Kompetenzen in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache und Emotionen und soziales Handeln bilden die Grundlage für den individuellen Kompetenzerwerb im Fach Evangelische Religionslehre.

In der Grundschulstufe werden in zehn Lernbereichen inhaltliche Schwerpunkte gesetzt. Dabei werden in der Regel innerhalb eines Lernbereichs mehrere Gegenstandsbereiche des Kompetenzstrukturmodells aufgegriffen.

Die einzelnen Lernbereiche der Jahrgangsstufen 1 und 2 korrespondieren mit jenen der Jahrgangsstufen 3 und 4. Dadurch werden vielfältige Möglichkeiten für aufbauendes Lernen geschaffen. Innerhalb der genannten Jahrgangsstufen sind die Lernbereiche untereinander stark vernetzt. Bestimmte biblische Geschichten etwa sind Teil mehrerer Lernbereiche und werden dort aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.

Die separat ausgewiesenen Inhalte geben klare Zuordnungen vor, lassen aber auch eine Fülle an Auswahlmöglichkeiten zu. Dies betrifft in besonderer Weise die angegebenen Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG) und aus dem lernmittelfreien Liederbuch Mitten unter uns (MUU). Die Angaben der Bibelstellen dienen der Orientierung für die Lehrerinnen und Lehrer. Im Sinne eines kontinuierlichen Aufbaus von Fachsprache werden in manchen Lernbereichen wesentliche Begriffe angegeben. Diese Auswahl ist bewusst knapp gehalten.

In der Mittelschulstufe werden für die Jahrgangsstufen 5 bis 8 jeweils fünf, in 9 und M10 vier Lernbereiche vorgegeben und inhaltliche Schwerpunkte gesetzt. Diese beziehen sich einerseits auf das Kompetenzstrukturmodell und berücksichtigen andererseits das Alter und die Entwicklungsphasen der Schülerinnen und Schüler.

Im Sinne eines aufbauenden Lernens ziehen sich diverse thematische Lernstränge durch die verschiedenen Jahrgangsstufen hindurch. Diese beginnen zum großen Teil schon in der Grundschule und werden bis zur Jahrgangsstufe 9 bzw. 10 fortgeführt. Dabei werden die Zugänge und Fragestellungen vertieft und zunehmend differenziert.

Der Fachlehrplan für die Mittlere-Reife-Klassen ist eng an den Fachlehrplan für die Regelklassen angebunden. Die Unterschiede liegen vor allem in einem erhöhten Anforderungsniveau einzelner Kompetenzerwartungen sowie daraus folgender inhaltlicher Ausweitung und Differenzierung. Auch hier wird von der Lehrkraft der Lernbereich der entwicklungsbezogenen Kompetenzen berücksichtigt.

Sowohl für die Grundschul- wie die Mittelschulstufe gilt, dass mit Blick auf die große Heterogenität in der Zusammensetzung der einzelnen Religionsgruppen und -klassen es Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer ist, Schwerpunkte zu setzen und einzelne Themen und Lernbereiche intensiver, andere eher überblicksartig anzubieten. Das Konzept der Kompetenzorientierung ermöglicht es in besonderem Maße, konstruktiv und angemessen mit dieser zunehmenden Heterogenität in Religionsgruppen umzugehen. Für jahrgangsübergreifende Klassen werden die Lehrkräfte einen klassenbezogenen Lehrplan erstellen, ausgehend von der Zusammensetzung der Gruppe und den für die jeweiligen Jahrgangsstufen vorgesehenen Lernbereichen.

Den unter 2.4. beschriebenen förderschwerpunktspezifischen, entwicklungsbezogenen Kompetenzen ist bei der Unterrichtsplanung besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Unter Umständen können dafür andere Themen und Lernbereiche eher überblicksartig behandelt werden.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern
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In besonderer Weise wird im Fach Evangelische Religionslehre zunächst die Zusammenarbeit mit den anderen an der jeweiligen Schule vertretenen Konfessionen, insbesondere mit dem katholischen Religionsunterricht, angestrebt. Im Erproben verschiedener Möglichkeiten der Kooperation können Gemeinsamkeiten entdeckt und unterschiedliche konfessionelle Zugänge und Entwicklungen bedacht werden. Dies dient einem besseren Verständnis der eigenen Konfession ebenso wie der Einübung ökumenischer und philosophischer Gesprächsfähigkeit. Darüber hinaus wird in Beziehung zu anderen Religionen und Weltanschauungen Dialogfähigkeit angebahnt.

Aufgrund seiner dialogischen Offenheit und seines breiten Themenspektrums eignet sich der evangelische Religionsunterricht aber auch für fächerverbindendes Denken und Kooperieren. Im Dialog z. B. mit Ethik, Deutsch, Werken und Gestalten/Kunst oder Musik leistet er einen eigenständigen Beitrag, die Welt wahrzunehmen, zu deuten und zu verstehen und einen Sinn im Leben zu entdecken.

Der Religionsunterricht bietet viele Möglichkeiten zu Unterrichtsprojekten, die in Kooperation mit anderen Fächern oder Klassen durchgeführt werden können. Besonders sind hier die Feste des Kirchenjahrs und ihre Gestaltung im Schulleben zu nennen. Durch einen sprachsensiblen Unterricht werden für mehrsprachige Schülerinnen und Schüler die sprachlichen Voraussetzungen für gelingendes Lernen und erfolgreichen Kompetenzerwerb geschaffen.

5 Beitrag des Faches Evangelische Religionslehre zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen
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Das Fach Evangelische Religionslehre leistet Beiträge zu vielen der schulart- und fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziele. Folgende sind dabei besonders zu nennen:

5.1 Soziales Lernen, Familien- und Sexualerziehung
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Ausgehend vom christlichen Menschenbild geht es im evangelischen Religionsunterricht häufig um die Frage, wie Leben und Zusammenleben in privaten, partnerschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen gelingen kann. Vor allem die Geschichten von Jesus, sein Leben und Wirken, und die Gebote (in der Überlieferung des Alten Testaments und ihren neutestamentlichen Interpretationen) geben wichtige Impulse für eine ethische Orientierung im Alltag. Ausgehend von der Verheißung des eigenen Angenommen seins, der Zuwendung Gottes zu jedem einzelnen Menschen, auch in Schuld und Scheitern, hinterfragen die Schülerinnen und Schüler eigene Haltungen und Handlungsmuster und erproben ihre Empathie, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit. Im Bereich des Sozialen Lernens sowie für die Familien- und Sexualerziehung ergeben sich damit vielfältige Lernchancen.

5.2 Kulturelle und interkulturelle Bildung
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Der evangelische Religionsunterricht leistet zu einer Kulturellen und Interkulturellen Bildung einen besonderen Beitrag. In der Auseinandersetzung mit der eigenen Religion und Konfession nehmen Schülerinnen und Schüler wesentliche Ausdrucksformen der christlich-abendländischen Kultur wahr. Auf dieser Basis wachsen Verständnis und Wertschätzung z. B. für christliche Kunst und Musik, auch für Kirchenräume und deren Bedeutung. Die Ausbildung einer eigenen religiösen Identität wird gefördert. Dies ist grundlegend für die Fähigkeit, mit Menschen anderer Kulturen und Überzeugungen in Dialog zu treten, Stereotype zu hinterfragen, Toleranz einzuüben und kritisch mit medialen Darstellungen umzugehen. Dafür erweitern die Schülerinnen und Schüler ihre Kenntnisse und ihr Verständnis für andere Weltreligionen und Weltdeutungen, um sich von Anfang an sachlich fundiert mit diesen auseinanderzusetzen und Fremde und Fremdes zu verstehen. Leben in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft kann so in schüler- und schülerinnengerechter Weise angebahnt werden.

5.3 Sprachliche Bildung
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Bei all dem kommt der Sprachlichen Bildung eine wichtige Bedeutung zu. Schülerinnen und Schüler lernen, eigene Befindlichkeiten, Vorstellungen und Überzeugungen in Worte zu fassen, einen eigenen Standpunkt einzunehmen; sie lernen auch, einander zuzuhören und die Äußerungen anderer nachzuvollziehen. Auf dieser Basis kann ein respektvoller Umgang miteinander eingeübt und im Raum der Schule gelebt werden.

Außerdem wird die Fähigkeit gefördert (bzw. entwickelt), symbolische und metaphorische Sprache zu benutzen. Bei der Kommunikation über religiöse und emotionale Sachverhalte ist diese Fertigkeit unumgänglich.

5.4 Werteerziehung
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In der Begegnung und Auseinandersetzung mit christlicher Überlieferung und christlichem Glauben bilden die Schülerinnen und Schüler eigene Überzeugungen, ethische Grundprinzipien und Wertvorstellungen aus und reflektieren deren Anwendungen im Lebensalltag. Der evangelische Religionsunterricht bietet einen Rahmen, in dem gemeinsame Überzeugungen gesucht und unterschiedliche Vorstellungen respektiert und ausgehalten werden können.

5.5 Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)
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Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit in der „Einen Welt“ und Einsatz für Frieden im nahen und weiten Lebensumfeld sind grundlegende christliche Anliegen und damit auch Themen des Religionsunterrichts. Dabei werden Verantwortungsbewusstsein und Empathie nicht nur theoretisch verhandelt. In Projekten begegnen die Schülerinnen und Schüler Menschen, die Nächstenliebe konkret praktizieren und sich vor Ort oder weltweit für ein menschenwürdiges Leben und einen fairen, nachhaltigen Umgang mit Ressourcen einsetzen.

5.6 Berufliche Orientierung
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Der evangelische Religionsunterricht in der Mittelschulstufe begleitet die Schülerinnen und Schüler bei der Berufsorientierung in zweifacher Weise: Er unterstützt und stärkt die eigene Persönlichkeit, die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung sowie zum Einsatz der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Gleichzeitig vermittelt er den Zuspruch, dass Gott sich dem Menschen zuwendet, unabhängig von dessen Leistung, Erfolg und Vermögen. Gerade für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist die Bedeutung dieses Zuspruchs beim Erleben der Begrenztheit der Berufswahl von größter Bedeutung.