Lehrplan PLUS

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Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht

1.1 Bedeutung des Faches
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Individuation, Selbstbestimmung und Selbstversorgung, die Auseinandersetzung mit der Welt, Kommunizieren und Sozialisation sind sich gegenseitig bedingende grundlegende Prozesse der Entwicklung jedes Menschen. Das Fach Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht beschreibt Kompetenzen, die Kinder und Jugendliche im Verlauf dieser Prozesse erwerben. Diese Kompetenzen bilden zum einen Grundlagen für das Lernen in allen weiteren Fächern des LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Die Kompetenzen des Faches können in vielfältiger Weise in die Inhalte anderer Fächer integriert werden. Zum anderen stellen die Kompetenzen des Grundlegenden entwicklungsbezogenen Unterrichts eigenständige Bildungsinhalte dar, die sich auf die Lebenswirklichkeit von Schülerinnen und Schülern mit schwerer und mehrfacher Behinderung beziehen und für sie von besonderer Bedeutung sind.

Dem Selbstverständnis des Faches liegt zugrunde, dass der Mensch über seine Leiblichkeit in einem dauernden raum-zeitlichen Lebenszusammenhang mit der Welt steht. Zugleich ist er untrennbar der sozialen und kulturellen Umwelt zugehörig, in die er geboren wird und in der er aufwächst. Seine Entwicklung wird durch eine eigene Wahrnehmung der Welt, durch subjektives Erleben und Verstehen, durch die Kommunikation mit seinen Mitmenschen und durch soziale Beziehungen bestimmt. In wachsendem Maße hebt er sich als Individuum von seiner Mitwelt ab. Er ist auf die unbedingte Achtung seiner Würde als Mensch und auf verlässlichen Halt angewiesen, um seine Fähigkeiten entfalten und gestalten zu können. Aus dem individuellen Sein entstehen Mit-Sein und Zusammen-Sein sowie Begegnung und Beziehung zwischen Individuen, die füreinander offen sind und sich wechselseitig aufeinander einlassen.

1.2 Kompetenzerwerb im Fach Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht
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Ausgehend von ihrem individuellen Entwicklungsstand setzen sich die Kinder und Jugendlichen aktiv mit für sie bedeutsamen Themen in den Bereichen Persönlichkeit, Emotionen und soziale Beziehungen, Selbstversorgung, Wahrnehmung und Motorik, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Spiel auseinander. In dieser Auseinandersetzung entwickeln sie ein Begriffsverständnis, stellen Beziehungen her, ordnen ihre Umwelt und lösen Problemstellungen. Ausgangspunkt hierfür ist das entdeckende Lernen, welches eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens sowie eine anregende, handlungsoffene und gleichzeitig gezielt vorbereitete Lernumgebung erfordert. Von den Schülerinnen und Schülern entwickelte Kompetenzen werden durch sinnvolles Üben und die Ausbildung von Routinen gefestigt. Sie können die Kinder und Jugendlichen entsprechend ihren Möglichkeiten aktiv in ihre Lebenswelt eingreifen und diese mitgestalten.

Die Lehrkraft sorgt für das körperliche Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und schafft eine Atmosphäre der Zuversicht und des Vertrauens. In besonderer Weise bemüht sie sich, dialogisch und flexibel zu sein, um Äußerungen und Handlungen der Kinder und Jugendlichen aufzunehmen und zu deuten. Sie tritt in eine Kommunikationssituation ein, die das Gegenüber als gleichberechtigten Kommunikationspartner ansieht und in der sie basale, nonverbale oder verbale Äußerungen aufnimmt und darauf adäquat reagiert. Es ist die Aufgabe der Lehrkraft, ihr eigenes Handeln im täglichen Unterrichtsgeschehen immer wieder zu reflektieren und das eigene Antwortverhalten sowie die Ausgewogenheit zwischen pädagogischer Zurückhaltung und Hilfe zur Selbsthilfe zu überprüfen. Für einen erfolgreichen Kompetenzerwerb stellt die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern ausreichend Zeit und Gelegenheit für Aktivität zur Verfügung, ermutigt sie zu selbständigem Handeln und gibt informative Rückmeldungen. Lehrerinnen und Lehrer stellen verlässliche soziale Vorbilder dar und ermöglichen den Kindern und Jugendlichen eine sichere Orientierung an nachvollziehbaren Regeln und Grenzen.

2.1 Kompetenzstrukturmodell
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Kompetenzstrukturmodell GeU

Das Kompetenzstrukturmodell des Faches Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht wurde speziell für das Profilfach des LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung erstellt.

Im Mittelpunkt stehen die Gegenstandsbereiche des Faches, welche im äußeren Ring von den prozessbezogenen Kompetenzen umgeben sind. Im konkreten Unterricht sind beide Bereiche eng miteinander verknüpft. Die prozessbezogenen Kompetenzen zeigen die möglichen Zugangsweisen der Schülerinnen und Schüler für die Gegenstandsbereiche auf.

Das Kompetenzstrukturmodell des Faches Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht erhält anders als die übrigen Fächer im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung keine Erweiterung durch die vier Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln, da diese bereits Bestandteil der Gegenstandsbereiche sind.

Wahrnehmen
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Das Wahrnehmen von Reizen, Situationen oder Handlungen ist ein wesentlicher Bestandteil von Entwicklungs- und Lernprozessen im Fach Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler lernen zur Ruhe zu kommen, um sich für Wahrnehmungseindrücke zu öffnen. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf bewusst gesetzte Reize, um diese aufzunehmen und in bestehende kognitive Strukturen einzugliedern. Diesen Prozess kann die Lehrkraft unterstützen, indem sie Impulse gezielt und strukturiert anbietet.

Erproben
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Um Handlungsmuster zu entwickeln, müssen die Schülerinnen und Schüler im Grundlegenden entwicklungsbezogenen Unterricht die Möglichkeit haben, verschiedene Handlungsweisen entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten zu erproben. Dabei ist es Aufgabe der Lehrkraft, geeignete Umgebungen (z. B. „kleiner Raum“, freies Aktionsfeld) zu schaffen, die vielfältige, handlungsoffene und gefahrenfreie Erprobungsräume bieten.

Integrieren
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Die Schülerinnen und Schüler integrieren gewonnene Erkenntnisse in bestehende kognitive Strukturen und bilden neue Handlungsmuster aus. In wiederkehrenden Routinen werden die Handlungsmuster verbessert und automatisiert. Dies ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, mit zunehmender Sicherheit und sich erweiterndem Handlungsspielraum in die Gestaltung ihrer Umwelt einzugreifen.

Persönlichkeit, Emotionen und soziales Handeln
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Schülerinnen und Schüler formen im Laufe ihres Lebens ihre eigene psychische und physische Welt. Sie werden unverwechselbar und entwickeln ihre Identität. In ihrer Individualität unterscheiden sie sich von anderen und erfahren sich als Persönlichkeit mit eigenen Emotionen und Wünschen, mit eigenen Gedanken, Interessen, Haltungen und individuellen sozialen Beziehungen. Auf der Basis einer grundlegenden Wahrnehmung von sich selbst entwickeln sie ein tragfähiges Selbstkonzept, das in engem Zusammenhang mit dem Erwerb eines positiven Selbstwertgefühls steht.

Die früheste Form des Selbsterlebens stellt das leibliche Erleben dar. Es entwickelt sich durch Organisation und Integration von Erfahrungen in physischem und psychischem Kontakt mit anderen. Für den Aufbau eines körperlichen Selbst und von Geschlechtsidentität sowie für die positive Erfahrung und Bewertung des eigenen Körpers ist ein gelungener Beziehungsprozess von herausragender Bedeutung. Im alltäglichen Kontakt mit den Bezugspersonen werden in der Förderpflege, beim spielerischen Benennen von Körperteilen in Versen und Liedern sowie bei der Bewegung zu Musik wesentliche Körpererfahrungen gemacht. Sie bilden die Grundlage für ein positives Körpergefühl, dem sich im Laufe der fortschreitenden Entwicklung das Körperbewusstsein zur Seite stellt. Das körperliche Selbstwertgefühl ist sehr verletzlich und wird von Fremdbewertungen beeinflusst. Kinder und Jugendliche erhalten im Umgang mit körperlichen Beeinträchtigungen, Besonderheiten des eigenen Körpers sowie Fremdbewertungen der Körpergestalt pädagogische Unterstützung.

Elementare Emotionen wie Freude, Kummer, Wut, Überraschung und Interesse können erst im Laufe der Entwicklung nach Gefühlskategorien unterschieden, bewusst wahrgenommen und benannt werden. Die Versprachlichung unterschiedlicher Gefühlssituationen durch die Bezugspersonen hat für das bewusste Erleben und Erkennen von Gefühlen zentrale Bedeutung. Lehrerinnen und Lehrer berücksichtigen dabei die Ausdrucksmöglichkeiten und die Alltagssprache der Schülerinnen und Schüler. Mädchen und Jungen erleben im Lauf ihrer Sozialisation typisch weibliche und typisch männliche Ausdrucksformen für Gefühle. Deshalb werden im Unterricht geschlechtsspezifische Artikulationsweisen beobachtet, reflektiert und um neue Umgangsformen erweitert. Bei der Auswahl von Lerninhalten bietet es sich an, Lebenssituationen aufzugreifen oder situative Anlässe zu nutzen, die unmittelbar Gefühle hervorrufen. Dadurch werden das Finden persönlicher Ausdrucksformen für Gefühle und der Umgang mit Gefühlen unterstützt. Für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung sind psychologische oder therapeutische Betreuung sowie die Beratung der unmittelbaren Bezugspersonen unabdingbar.

In der Bindung an andere wird Geborgenheit erfahren. Bezugspersonen sichern körperliches Wohlbefinden und geben angemessene Antworten auf Bedürfnisse nach Zuwendung und sozialer Anerkennung, nach Sicherheit und Orientierung. Die Verfügbarkeit und Beständigkeit vertrauter Menschen spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle. Im Jugendalter beginnt der Ablösungsprozess von den Erwachsenen. Jugendliche suchen zunehmend die Nähe, den Rückhalt und die Anerkennung von Gleichaltrigen. Die Bindungen, die jungen Menschen durch Erwachsene ermöglicht werden, dienen als Erfahrungen, die zukünftiges Bindungsverhalten und den Umgang mit anderen bestimmen. Sie bilden die Grundlage für die Kompetenz, Beziehungen aufzubauen und soziale Sensibilität zu entwickeln sowie in sozialer Bezogenheit auf andere verantwortungsvoll zu handeln. Der Erwerb lebensbedeutsamer sozialer Handlungskompetenzen und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Rollen, dazu gehört auch die sensible und altersgemäße Auseinandersetzung mit persönlichen geistigen, seelischen oder körperlichen Beeinträchtigungen, verhelfen dazu, in Selbstbestimmung zu handeln.

Selbstversorgung
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Sich im Alltag weitestgehend selbst versorgen zu können ist wesentlicher Bestandteil einer autonomen, also von anderen Personen unabhängigen Lebensführung. Die Hilfe anderer Menschen zu erhalten und annehmen zu können ist für Schülerinnen und Schüler von ebenso großer Wichtigkeit wie der Erwerb von Handlungskompetenzen in allen Bereichen der Selbstversorgung.

Der Gegenstandsbereich Selbstversorgung enthält Lerninhalte, die für das Leben der Schülerinnen und Schüler vielfach existenziell wichtig sind. Der Unterricht befasst sich mit Themen der Ernährung, der Körperpflege und Hygiene, der Kleidung, der Wohnung, des Einkaufs und der Gesundheit.

Alle Schülerinnen und Schüler verfügen bereits über ein individuelles Handlungsrepertoire, das sie im Unterricht im Hinblick auf ihre alltägliche Lebensführung erweitern. Zur Verwirklichung dieses Ziels bedarf es angemessener räumlicher und sächlicher Voraussetzungen, etwa das Vorhandensein von Pflegeeinrichtungen.

Motorik und Wahrnehmung
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Wahrnehmungsentwicklung ist ein Prozess, in dessen Verlauf Menschen lernen, Ereignisse und Gegebenheiten als für sie bedeutsam zu erkennen. Bedeutung gewinnen nur jene Gegenstände und Situationen, die als wichtige Elemente für die persönliche Lebensgestaltung eingeschätzt werden. Art und Qualität von Wahrnehmung hängen entscheidend vom Gesamtzusammenhang ab, in dem Objekte und Situationen vom Individuum erlebt werden. Wahrnehmung zielt deshalb keineswegs nur auf funktionierende Sinnestätigkeit ab, und Ergebnis von Wahrnehmung ist nicht die Summe von Informationen aus der Umwelt. Vielmehr ist Wahrnehmen immer darauf gerichtet, jene Eindrücke aufzufinden und zu erfassen, die für die Aufrechterhaltung eines inneren Gleichgewichts und für das eigene Handeln von Nutzen sind. Im Wahrnehmungsprozess werden Personen, Gegenstände und Situationen nicht nur über den isolierten Zugang einer Wahrnehmungsmodalität erfasst, sondern mit allen Sinnen und handelnd begriffen. Welt-Erfahrung ist immer zugleich Ich-Erfahrung. Wahrnehmung begreift sich als kontinuierliche Aktivität zwischen drei gleichberechtigten Dimensionen: objektive Fakten in der Umwelt; Motivation, sich einer Sache zuzuwenden; Erkundung und individuelle Sinngebung.

Durch Vorgänge der Wahrnehmung treten Schülerinnen und Schüler in Bezug zu ihrer Umwelt, entdecken diese und erwerben Wissen über sie. Voraussetzung für Erkundung und Aneignung von Welt sind motorische Handlungen: Ein attraktives Objekt, das sich bewegt, können Kinder und Jugendliche nur durch Bewegungen der Augen oder des Kopfes verfolgen. Ihre Aktivitäten werden durch geeignete Haltungen und Lagerungen oft erst ermöglicht. Schülerinnen und Schülern mit schweren Beeinträchtigungen eröffnen das Bewegtwerden sowie geführte und unterstützte Bewegungen neue Erfahrungen. Einen interessanten Gegenstand zu untersuchen erfordert das Berühren oder Umschließen mit der Hand. Dass der bunte Ball rollt, ist nur erfahrbar, wenn er angestoßen wird. Im wechselseitigen Zusammenspiel von Bewegen und Wahrnehmen erschließen sich Kinder und Jugendliche subjektiv bedeutsame Umweltgegebenheiten. Zugleich machen sie ganzheitliche Erfahrungen mit ihrem Körper. Das Verständnis der Lehrkraft für die gegenseitige Bedingtheit von Wahrnehmung und Bewegung sowie die Auffassung von Wahrnehmung als individuelle Sinngebungs- und komplexe Erkundungsaktivität ist grundlegend für Lernangebote in allen Lernbereichen.

Denken und Lernen
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Der Gegenstandsbereich Denken und Lernen nimmt grundlegende Denkprozesse zum Ausgangspunkt und legt dar, wie Kinder und Jugendliche im Unterricht ihre kognitiven Fähigkeiten erweitern können.

Die Fähigkeit des Denkens erlaubt es den Menschen, Begriffe zu bilden, Beziehungen herzustellen, ihre Umwelt zu ordnen sowie Probleme zu lösen. Denkleistungen setzen sich aus einer Vielfalt geistiger Vorgänge zusammen, die das Aufnehmen und Verstehen von Welt sowie kompetentes Handeln ermöglichen. Elementare kognitive Prozesse wie Aufmerksamkeit, Begriffsbildung, Gedächtnis und Problemlösen wirken zusammen und beeinflussen die gesamte Entwicklung des Menschen.

Denken kann auf verschiedenen Abstraktionsstufen erfolgen: präreflexiv, anschaulich und symbolisch. Diese Stufen des Denkens bestehen nebeneinander und werden für die Lösung von Aufgaben in geeigneter Weise herangezogen. Denkleistungen sind durch unterschiedlich hohe Komplexität gekennzeichnet.

Mit der Entwicklung des Denkens ist die Aneignung von Strategien eng verbunden, die es erlauben, das Lernen zu lernen. Die moderne Gesellschaft, an der Schülerinnen und Schüler teilhaben, ist geprägt von einem ständigen Anwachsen der Wissensbestände und von dem Zwang zu unaufhörlichem Weiterlernen. Es besteht andauernd die Notwendigkeit, sich neue Wissenselemente anzueignen, die entweder an bereits vorhandenes Wissen anknüpfen und dieses erweitern oder es umstrukturieren und damit neue Erkenntnisse ermöglichen. Schülerinnen und Schüler müssen für die weitestgehend selbständige Bewältigung und Gestaltung ihrer Lebensvollzüge in einer sich stetig verändernden Umwelt lernen, wie sie selbst neues Wissen erwerben und organisieren können. Dafür eignen sie sich Lerntechniken und Lernstrategien an, die es ihnen erleichtern, Lernpotenziale zu nutzen und erfolgreich zu lernen.

Kommunikation und Sprache
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Kommunikation ist ein menschliches Grundbedürfnis und eine wichtige Bedingung für das subjektive Erleben von Lebensqualität. In kommunikativen Prozessen gestalten Menschen ihre Gemeinschaft und bringen ihre Persönlichkeit zum Ausdruck. Schülerinnen und Schüler bauen kommunikative Kompetenzen im Dialog auf und wenden diese in Situationen des Alltags an. Dadurch erfahren sie sich als kommunikationsfähig und lernen auch, mit sprachlichen Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen umzugehen.

Zentrale Aufgabe im Lernbereich Kommunikation und Sprache ist es, eine Grundlage für wechselseitige Verständigung zu schaffen. Im intensiven Körperkontakt bei allen täglichen Verrichtungen, im Blickkontakt, im sprachlichen Begleiten aller Handlungen, in der Verstärkung aller mimischen und gestischen Mitteilungen durch die Bezugspersonen sowie beim Spielen kommt es zur ersten Interaktion. Diese als basaler Dialog bezeichnete frühe Kommunikationsform gibt beiden Partnern die Gelegenheit, Signale wahrzunehmen und auf sie zu reagieren. Auf diesem basalen Dialog aufbauend entwickeln sich die kommunikativen Fähigkeiten in folgenden Stufen weiter:

1. Stufe: Ungezieltes Kommunikationsverhalten
Das Kind drückt seine Befindlichkeit aus. Diesem Verhalten wird von der Bezugsperson eine bestimmte Bedeutung zugeschrieben, die entsprechend beantwortet wird.

2. Stufe: Gezieltes Kommunikationsverhalten
Das Kind bezieht sich in seinem Verhalten auf das Objekt oder die Person, die Ziel des Verhaltens ist. Es greift nach dem Ball oder schaut zur Mutter.

3. Stufe: Partnerbezogene Äußerung
Das Kind wechselt den Blick zwischen Person und Objekt oder es schiebt die Hand der Person zum Objekt.

4. Stufe: Konventionelle Äußerung
Das Kind verwendet erste allgemein verständliche Gesten wie Kopfschütteln und Protestlaute für Nein.

5. Stufe: Symbolische Äußerung
Das Kind setzt Sprache ein. Diese muss nicht Lautsprache sein.

Aus diesen Vorüberlegungen ergibt sich folgender Aufbau des Gegenstandsbereichs: Die ersten drei Gliederungspunkte Körpereigene Kommunikationsformen, Kommunikationsstrategien und Sprachverständnis gelten sowohl für Schülerinnen und Schüler, die lernen, sich über Lautsprache mitzuteilen, als auch für Schülerinnen und Schüler, die auf lautsprachergänzende oder lautsprachersetzende Kommunikationsmodi angewiesen sind. In den Bereichen Lautspracherwerb, Unterstützte Kommunikation mit Gebärden und Unterstützte Kommunikation mit Kommunikationsmedien werden Inhalte aufgegriffen, die sich speziell entweder auf den Einsatz der Lautsprache oder auf die Unterstützte Kommunikation beziehen.

Spiel
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Spielen gilt als prägende Tätigkeitsform des kindlichen Lebens. Im Spiel entstehen individuelle Wirklichkeitsbezüge, die für die Dauer des Spiels Bestand haben. Im Spiel werden Tätigkeiten frei gewählt. Sie gehen einher mit Neugier sowie mit Erleben von Freude und Vergnügen. Spielende Kinder und Jugendliche signalisieren ein inneres Wohlbefinden. Sie gestalten Raum und Zeit, erzeugen für sich Spannung, setzen sich fantasievoll und kreativ mit der Umwelt auseinander, haben eine Zielrichtung und interagieren. Im Spiel formen Schülerinnen und Schüler zugleich ihre Innen- und ihre Außenwelt. Es bietet sich ihnen die Möglichkeit für selbstbestimmtes, aktives, schöpferisches Handeln, Gestalten und Darstellen. Im Spiel steht den Lernenden ein weitestgehend geschützter Handlungsrahmen zur Verfügung, innerhalb dessen sie kognitive, emotionale, kreativ-schöpferische, soziale, kommunikative, körperlich-motorische und selbst steuernde Kräfte entwickeln können. Diese aktive Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit ist in hohem Maße Antriebskraft für die gesamte Entwicklung. Schülerinnen und Schüler erleben sich in Spielsituationen als kompetent und steigern ihr Selbstwertgefühl mehr durch persönliches Handeln als durch Lob von außen. Sie müssen sich in Spielsituationen immer wieder neu auf veränderte Gegebenheiten und häufig auch auf ein Gegenüber einstellen. Spielen ist soziales Geschehen, das auf verbaler und nonverbaler Kommunikation sowie auf Interaktionen zwischen den Spielenden basiert. Für die Entstehung gemeinsamen Spiels ist es notwendig, dass sich die Spielenden einigen.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht
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Der Fachlehrplan Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht gliedert sich in thematische Einheiten, die sog. Lernbereiche, die nach der jeweiligen inhaltlichen Schwerpunktsetzung benannt sind. Innerhalb dieser Lernbereiche werden die individuellen kompetenzorientierten Lernaktivitäten beschrieben, in denen die Inhalte, anhand derer die Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen erwerben, integriert ausgewiesen sind. So wird eine Verknüpfung von prozessbezogenen Kompetenzen und Inhalten unterstützt. In jedem Lernbereich soll der Aufbau aller prozessbezogenen Kompetenzen gefördert werden.

Im Fach Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht ist der Fachlehrplan in sechs Lernbereiche unterteilt, die mit den Gegenstandsbereichen des Kompetenzstrukturmodells identisch sind:

Lernbereich 1: Persönlichkeit, Emotionen und soziales Handeln
Lernbereich 2: Selbstversorgung
Lernbereich 3: Wahrnehmung und Motorik
Lernbereich 4: Denken und Lernen
Lernbereich 5: Kommunikation und Sprache
Lernbereich 6: Spiel

Die Anordnung der Lernbereiche stellt keine Aussage über deren Wertigkeit und keine Vorgabe für eine zeitliche Abfolge im Unterricht dar. Vielmehr ist es erforderlich, die Lernbereiche durchgängig sinnvoll zu vernetzen, um damit handlungsorientiertes Arbeiten mit nachhaltigem Kompetenzerwerb zu ermöglichen.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern
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Der Grundlegende entwicklungsbezogene Unterricht bildet die Grundlage für alle Fächer im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Er beschreibt Kompetenzen, die sowohl in den anderen Fächern der Grund- und Mittelschulstufe als auch der Berufsschulstufe Anwendung finden und dort vertieft sowie variiert werden.

5 Beitrag des Faches Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen
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Das Fach Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht leistet einen umfassenden Beitrag zu folgenden fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen:

5.1 Alltagskompetenzen und Lebensökonomie
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Im Lernbereich Selbstversorgung des Grundlegenden entwicklungsbezogenen Unterrichts erwerben die Schülerinnen und Schüler grundlegende Kompetenzen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Hygiene sowie Einkaufen. Entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten nutzen sie ihre Alltagskompetenzen mit unterschiedlich ausgeprägter Assistenz, um am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen.

Alltagskompetenzen Alltagskompetenzen

5.2 Soziales Lernen
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Die Schülerinnen und Schüler erfahren in der Klasse und in der Schule täglich die Bedeutung eines achtsamen und sozialen Umgangs miteinander und sind angehalten, ihren eigenen Beitrag hierfür zu leisten. Der Grundlegende entwicklungsbezogene Unterricht zeigt auf, dass Regeln für das Zusammenleben notwendig sind und erst diese eine persönliche Weiterentwicklung auf der Basis von Sicherheit und Vertrauen ermöglichen.

5.3 Sprachliche Bildung
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Im Fach Grundlegender entwicklungsbezogener Unterricht werden durch die Anbahnung von kommunikativen Fähigkeiten auf basaler, nonverbaler oder verbaler Ebene die Grundlagen für jegliche sprachliche Bildung geleistet. So werden die Schülerinnen und Schüler ausgehend von ihren individuellen Möglichkeiten befähigt, in kommunikativen Austausch mit ihren Mitmenschen zu treten.