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Sozialpsychologie

1 Selbstverständnis des Faches Sozialpsychologie und sein Beitrag zur Bildung
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Im Unterrichtsfach Sozialpsychologie setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit menschlichem Erleben und Verhalten im zwischenmenschlichen Kontext auseinander. So ist die Reflexion des individuellen Verhaltens in sozialen Zusammenhängen ebenso relevant wie das Bewusstwerden von Einstellungen, das Zustandekommen von Vorurteilen und das Hinterfragen eigener Stereotype.
Bei den Schülerinnen und Schülern ein einfühlendes Verständnis für Mitmenschen aus kulturell unterschiedlichen Kontexten hervorzurufen, liegt ebenso im Selbstverständnis des Faches wie die Anerkennung andersartiger Wert- und Normvorstellungen.

In einer sich stetig verändernden Umwelt stellen sich die Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage erworbener Kompetenzen neuen gesellschaftlichen Herausforderungen reflektiert und selbstbewusst.
Hierbei ist das Bewusstwerden von eigenen zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso von Bedeutung wie das Ergründen von augenscheinlich unerklärlichem Verhalten von Menschen, z. B. unter Einfluss von Gruppen oder Autoritäten.

Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Fachgebiet ist die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Nur durch deren individuelle Erfahrungen wird ein persönlicher Bezug zu den auch gesellschaftlich relevanten Themen hergestellt und ein konstruktiver Umgang mit eigenen Erlebens- und Verhaltensweisen erzielt.

2.1 Kompetenzstrukturmodell
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Kompetenzstrukturmodell Sozialpsychologie

Die Sozialpsychologie stellt ein fachwissenschaftliches Teilgebiet der Psychologie dar, das als Wahlpflichtfach für interessierte Schülerinnen und Schüler der Ausbildungsrichtung Sozialwesen eine Ergänzung und Vertiefung der im Pädagogik- und Psychologieunterricht behandelten Lerngebiete darstellt.
Das Kompetenzstrukturmodell zeigt in seiner Mitte die Gegenstandsbereiche als inhaltliche Themengebiete, deren Verbindung mit den umgebenden Kompetenzen im äußeren Kreis den Aufbau und Erwerb (sozial-)psychologischer Kompetenzen ermöglicht. Dabei stehen sowohl die einzelnen Gegenstandsbereiche als auch die prozessbezogenen Kompetenzen miteinander in Beziehung.

Wahrnehmen und reflektieren
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Das bewusste Wahrnehmen stellt eine wichtige Voraussetzung dar, um gezielt zwischenmenschliche Interaktionen reflektieren zu können. Es geht dabei sowohl um eigene innerpsychische Prozesse wie auch um Verhaltensweisen anderer in sozialen Situationen.

Anwenden und verdeutlichen
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Erworbenes sozialpsychologisches Fachwissen wird auf konkrete Lebenssituationen angewendet und an Beispielen aus Schule, Alltag und Beruf verdeutlicht.
Somit werden theoretische Erkenntnisse niemals isoliert betrachtet, sondern stehen in direktem Zusammenhang mit der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler.

Erklären und verstehen
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Die Schülerinnen und Schüler erklären, welche Auswirkungen andere Personen und Gruppen unter bestimmten situativen Bedingungen auf menschliches Verhalten haben. Durch die Auseinandersetzung mit sozialwissenschaftlichen Untersuchungen verstehen sie, dass menschliches Verhalten verschiedenen sozialen Einflüssen unterliegt.

Probleme lösen
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Die Schülerinnen und Schüler erfahren sich im Sozialraum handelnd und problemlösend. Erworbenes Wissen nutzen sie, um konstruktive Veränderungen für sich selbst, andere Personen und Gruppen herbeizuführen.

Verantwortungsvoll miteinander umgehen
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Die Schülerinnen und Schüler erkennen Fehlerquellen ihres sozialen Verhaltens und sind zu notwendigen Korrekturen fähig. Somit werden sie auch zu hilfreichen Vorbildern für andere Personen.
Ihre sozialpsychologischen Kompetenzen setzen sie gezielt und konstruktiv für andere Personen, Gruppen und die Gesellschaft ein.

2.3 Gegenstandsbereiche
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Die Gegenstandsbereiche benennen die zentralen Inhalte des vertiefenden Wahlpflichtfaches Sozialpsychologie:

Personenwahrnehmung und Einstellung
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Wahrnehmungsfehler bestimmen unseren Alltag. Insbesondere bei der Wahrnehmung von Personen kann dies zu unbewusstem und problematischem Verhalten gegenüber Menschen führen. Fehlerhafte Attributionen können die Folge sein.
Die sich daraus ergebenden sozialen Einstellungen und insbesondere Vorurteile werden vor dem Hintergrund interkultureller Begegnungen reflektiert, um diese zu vermeiden oder zu verändern.

Prosoziales Verhalten
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Menschen zeigen nicht in allen Situationen unterstützendes Verhalten. Motive und Hintergründe für prosoziales Verhalten werden beleuchtet, indem sowohl die Rolle kultureller Faktoren wie auch situations- oder persönlichkeitsbedingte Einflüsse reflektiert werden.

Konformität und Gehorsam
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Einschlägige Experimente zu menschlichem Verhalten gegenüber Autoritäten belegen, wie sich Menschen unter Gruppendruck und bestimmten Bedingungen verhalten, ohne dass dabei ihre eigenen Überzeugungen eine Rolle spielen. Wie man eigene Werthaltungen gegenüber Autoritäten oder Gruppen bewahren kann, wird in diesem Gegenstandsbereich thematisiert.

Interpersonelle Attraktion
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Hier werden das Phänomen zwischenmenschlicher Anziehung sowie Bedingungen, die eine Rolle bei der Partnerwahl spielen, thematisiert. Fragen, wie Bindungstypen im Zusammenhang mit Paarbeziehungen stehen, aber auch was eine stabile Beziehung kennzeichnet, sind Gegenstand des Unterrichts.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Sozialpsychologie
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Sozialpsychologie wird als vertiefendes Wahlpflichtfach für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und/oder 13 der Ausbildungsrichtung Sozialwesen angeboten.

Die Lernbereiche sind gleichwertig modular zu verstehen.

Es liegt in der pädagogischen Verantwortung der Schule, die Lernbereiche der 12. und/oder 13. Jahrgangsstufe festzulegen.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern
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Für das Wahlpflichtfach Sozialpsychologie bietet sich in besonderem Maße eine Zusammenarbeit mit dem Profilfach Pädagogik/Psychologie an, da es hier zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten zu einzelnen Lernbereichen, wie beispielsweise 11.2 (Erleben, Verhalten und Handeln), 12.1 (Entwicklung), 12.3 (Soziale Arbeit) und 12.4 (Beziehungen), gibt.
Vor dem Hintergrund soziologischer Erkenntnisse werden ergänzende wissenschaftliche Betrachtungen zu bestimmten sozialpsychologischen Themen, wie beispielsweise die Entstehung und Veränderung von Vorurteilen, das Verhalten Autoritäten gegenüber und die Auswirkungen von Gruppendruck und damit verbundene Fragestellungen, eröffnet. Deshalb ist eine enge Kooperation mit dem Fach Soziologie sinnvoll.
Außerdem bietet sich eine Kooperation, z. B. im Rahmen von Projekten, mit den Fächern Ethik, Katholische und Evangelische Religionslehre an. Lernbereiche wie prosoziales Verhalten, Gestalten von privaten Beziehungen und interkulturelle Hintergründe bei Wahrnehmungsverzerrungen eignen sich besonders, um sich ethischer und religiöser Werthaltungen bewusst zu werden.
Schließlich zeigen sich Synergieeffekte mit dem Fach Deutsch, da eine methodisch vielfältige Auseinandersetzung mit den oben genannten Themen u. a. auch in Form von Diskussionen und Debatten stattfinden kann. Eine strukturierte, präzise Argumentation und klare Gesprächsführung bedarf eines kompetenten Umgangs mit Sprache.
Durch die Kooperation mit Lehrkräften anderer Fächer, wie z. B. Sozialkunde und Geschichte, lassen sich Kompetenzen im Bereich Interkulturalität, Kritikfähigkeit, Toleranz u. a. vertiefen. Dadurch kann der Einzelne ggf. Vorurteile überwinden und in verschiedenen Lebensbereichen verantwortungsvoll handeln.

5 Beitrag des Faches Sozialpsychologie zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen
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Das Fach Sozialpsychologie leistet Beiträge zu vielen fächer- und schulartübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen. Folgende sind dabei besonders zu nennen:

Soziales Lernen
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Die Schülerinnen und Schüler zeigen eine reflektierte Selbst- und Fremdwahrnehmung. Sie setzen sich kritisch mit Gruppennormen und Erwartungen von Gehorsam auseinander.
Sie sind teamfähig, vertreten eigene Überzeugungen, zeigen bei Diskussionen Toleranz und treten aktiv gegen soziale Ungerechtigkeiten und Missstände ein.
Sie begegnen Mitmenschen empathisch, respektvoll und wertschätzend und zeigen die Bereitschaft zum kooperativen Miteinander und zur Übernahme von Verantwortung für sich und andere. Unterschiedliche Wertesysteme, Normen, Vorurteile, Erlebens- und Verhaltensweisen gegenüber Autoritäten und individuelle Vorstellungen zur Gestaltung von Beziehungen werden reflektiert.

Werteerziehung
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Schülerinnen und Schüler zeigen prosoziales Verhalten und orientieren sich damit an grundlegenden, in unserer Gesellschaft gültigen Wert- und Normvorstellungen. Private, schulische und berufliche Beziehungen gestalten sie verantwortungsbewusst, nehmen empathisch die Bedürfnisse und Ressourcen anderer wahr und entwickeln eigene Wertvorstellungen, wie Zuverlässigkeit, Konflikt- und Kritikfähigkeit sowie Höflichkeit.  Durch die Reflexion über Stereotype und Vorurteile gegenüber Personen und Personengruppen werden sie zunehmend tolerant gegenüber gesellschaftlicher Diversität. Sie erachten Vielfalt als wertvoll sowie gesellschaftlich bereichernd und entscheiden sich bewusst gegen Diskriminierung oder Mobbing.

Interkulturelle Bildung
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Die Schülerinnen und Schüler erleben Schule als Ort der Toleranz und interkulturellen Begegnung. Sie sind sich der vielfältigen individuellen und sozialen Einflüsse bei der Wahrnehmung und Beurteilung von Personen sowie der Auswirkungen von Gruppendruck auf Einzelne bewusst. Unreflektierte Vorurteile und Stereotype gegenüber Personen und Personengruppen beurteilen sie kritisch und sind ggf. bereit, diese Einstellungen zu ändern sowie anderen Menschen mit ihren Stärken und Schwächen wertschätzend und akzeptierend zu begegnen.