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Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München

Politik und Gesellschaft

1 Selbstverständnis des Faches Politik und Gesellschaft und sein Beitrag zur Bildung
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Ziel des Unterrichts im Fach Politik und Gesellschaft ist die Demokratiefähigkeit junger Menschen. Im Zentrum des Faches steht der Mensch als soziales und politisches Wesen, das sich in eigenem Interesse mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigt. Gegenstände des Unterrichts im Fach Politik und Gesellschaft sind ausgehend von der Erfahrungswelt der Jugendlichen zentrale Formen, Regeln und Veränderungsprozesse des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die demokratische Gestaltung der staatlichen Ordnung und die Möglichkeiten der politischen Mitgestaltung auf den verschiedenen politischen Ebenen. Die Politologie und die Soziologie sind die zentralen Bezugswissenschaften des Fachs.

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln auf der Grundlage des im Grundgesetz verankerten Menschenbilds systematisch Demokratiekompetenz, die sie dazu befähigt, sich in der modernen Gesellschaft zu orientieren, politische Urteile zu reflektieren sowie sich eigenständig zu informieren, um politische Entscheidungen zu treffen und Verantwortung in Staat und Gesellschaft zu übernehmen.

Sie erkennen die Möglichkeiten politischer Teilhabe und Einflussnahme in einer föderal und sozialstaatlich verfassten Demokratie und sind in der Lage, gegenwärtiges Geschehen im unmittelbaren Umfeld sowie im nationalen und internationalen Rahmen reflektiert und werteorientiert zu beurteilen. Der rasche Wandel in Staat und Gesellschaft und damit verbundene grundlegende Herausforderungen des 21. Jahrhunderts werden den Jugendlichen bewusst. Sie erkennen in der Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Streitfragen Gestaltungsspielräume und erörtern alternative Lösungsansätze für die Bewältigung aktueller und künftiger Probleme. Die Gestaltung der politischen Ordnung begreifen sie als Aufgabe und Verantwortung in der Gegenwart und für die Zukunft.

Das Fach Politik und Gesellschaft fördert eine werteorientierte Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler. Diese Werteorientierung setzt ethische Maßstäbe für die eigene Lebensführung, gründet sich auf Demokratie, Frieden und Freiheit als fundamentale Prinzipien, insbesondere auf die Achtung der Menschenwürde sowie der Menschen- und Bürgerrechte, und schließt die Ablehnung extremistischer Grundhaltungen ein. Schülerinnen und Schüler erkennen durch die kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Welt- und Menschenbildern und mit freiheitsgefährdenden Gegenmodellen zur Demokratie die Notwendigkeit der Wertgebundenheit unserer Demokratie. Beispiele aus der aktuellen Diskussion verdeutlichen das Spannungsverhältnis von Selbstverwirklichung im Rahmen bürgerlicher Freiheiten und Integration in die Gesellschaft. Konfliktfähigkeit und Kompromissbereitschaft werden durch die Einsicht in die Notwendigkeit von Kompromissen und die Lösung von Konflikten nach demokratischen Spielregeln gefördert. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler die Regeln für ein friedliches Austragen politischer Konflikte kennen und beachten lernen sowie die Bereitschaft entwickeln, Kritik aufzunehmen und zu verarbeiten. Die Thematisierung unterschiedlicher Lebensformen und Vorstellungen sowie der immer wieder zu leistende Perspektivenwechsel tragen zur Herausbildung von Empathie und Toleranz auf der Basis eines gesicherten Wertefundaments bei.

Dem Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler kommt im Fach Politik und Gesellschaft eine ganz besondere Bedeutung zu. Im Unterricht werden Ereignisse und Entwicklungen thematisiert, die die Schülerinnen und Schüler unmittelbar oder mittelbar betreffen, vom lokalen bzw. regionalen und nationalen Geschehen bis hin zu europaweiten und weltpolitischen Vorgängen. Die Schülerinnen und Schüler lernen dabei, zwischen Fakten und Meinungen zu unterscheiden, und werden auf ihrem Weg zu mündigen, wertorientierten und rational handelnden Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern unterstützt. Sie können einerseits selbstbewusst eigene Interessen vertreten, zeigen sich andererseits aber auch verantwortungsbewusst, konsensfähig und tolerant und sind in der Lage, sich in die Schulgemeinschaft und die Gesellschaft insgesamt zu integrieren. Der Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft darf nicht indoktrinieren und basiert stets auf der Werteordnung des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung.

2.1 Kompetenzstrukturmodell
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Kompetenzstrukturmodell "Politik und Gesellschaft"

Die drei Kompetenzbereiche Urteilskompetenz, Partizipationskompetenz und Wertekompetenz sind nicht isoliert zu betrachten. Sie stehen in Wechselwirkungen zueinander und münden in die ihnen übergeordnete Demokratiekompetenz, die gleichsam die Quintessenz des Unterrichts im Fach Politik und Gesellschaft bildet. Die Schülerinnen und Schüler erwerben diese Kompetenzen anhand der Gegenstandsbereiche und bei der Anwendung fachspezifischer Methoden. Somit ist der Erwerb sozialwissenschaftlicher Methodenkompetenz integraler Bestandteil für den Erwerb und die Weiterentwicklung der anderen im Modell dargestellten fachspezifischen Kompetenzen.

In der Mitte des Kompetenzstrukturmodells sind die Gegenstandsbereiche angeordnet, auf deren Basis die Kompetenzen erworben werden. Die Grundlegenden Kompetenzen und die Kompetenzerwartungen im Fachlehrplan stehen in Beziehung zu den Gegenstandsbereichen und den prozessbezogenen Kompetenzen des Kompetenzstrukturmodells.

2.2 Prozessbezogene Kompetenzen
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Folgende prozessbezogene Kompetenzen dienen dem Erwerb politischer Handlungsfähigkeit und Handlungsbereitschaft des Einzelnen auf seinem Weg zum mündigen Staatsbürger bzw. zur mündigen Staatsbürgerin:

Demokratiekompetenz
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Demokratiekompetenz bedeutet, Politik und Gesellschaft zu verstehen und bereit zu sein, verantwortungsbewusst als mündige Bürgerin bzw. mündiger Bürger in der Demokratie mitzuwirken. In enger Verbindung dazu und zu den Gegenstandsbereichen des Faches stehen die Kompetenzen Urteils-, Partizipations- und Wertekompetenz sowie die Sozialwissenschaftliche Methodenkompetenz, die sich gegenseitig bedingen und beeinflussen.

Urteilskompetenz
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Urteilskompetenz bedeutet, Sachverhalte in Politik und Gesellschaft auf Basis sachgerechter Informationen zu analysieren und in größere Zusammenhänge einzuordnen, um zu einem eigenständigen Urteil zu gelangen. Diese Kompetenz umfasst Feststellungsurteile (Kategorisierung, Klassifizierung), Erweiterungsurteile (Vergleich, Prüfung, Schlussfolgerung), Werturteile (Bewertung, Stellungnahme), Entscheidungsurteile (Abwägung, Entschließung) und Gestaltungsurteile (Lösung komplexer Probleme). Politische Urteilskompetenz beinhaltet auch das Prüfen vorliegender politischer Entscheidungen und Urteile sowie die Kompetenz, eigene politische Urteile zu fällen. Da es sich bei politischen Urteilen immer um eine Kombination von Sach- und Werturteil handelt, müssen beide Aspekte bei der Analyse berücksichtigt werden.

Partizipationskompetenz
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Partizipationskompetenz bedeutet, Möglichkeiten der politischen und gesellschaftlichen Beteiligung zu kennen und Chancen des erfolgreichen Einsatzes in konkreten Situationen zu beurteilen. Sie wird auch über entsprechendes schulisches Probehandeln, etwa in Planspielen bzw. politischen Simulationen oder bei Schülerwahlen erworben. Mittels ihrer Partizipationskompetenz formulieren die Schülerinnen und Schüler politik- und gesellschaftsbezogene Meinungen und Interessen, bringen diese ein und reflektieren sie in einer Art und Weise, dass sie diese vor anderen vertreten können. Sie sind auch in der Lage, sich an aktuellen Diskussionen über die Ausweitung von Partizipationsmöglichkeiten zu beteiligen.

Wertekompetenz
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Wertekompetenz beinhaltet, die ethischen Begründungen politischer Entscheidungen zu analysieren, Wertvorstellungen zu vergleichen und eigene demokratische Wertvorstellungen und Einstellungen zu entwickeln, diese umzusetzen und für sie einzutreten. Nur wer die Wertorientierungen unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung (Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden, Gemeinwohl, Nachhaltigkeit etc.) verinnerlicht hat, kann politische Prozesse und Entscheidungen vor dem Hintergrund unserer Wertordnung kritisch beurteilen und Mehrheitsentscheidungen nachvollziehen. Ein in diesem Sinne kompetenter Mensch nimmt seine Kontrollfunktion als Bürgerin oder Bürger in der Demokratie wahr und wird gerade auch bei Fehlentwicklungen aktiv, um insbesondere durch die Beteiligungsmöglichkeiten in der Demokratie in die politische Auseinandersetzung einzugreifen.

Sozialwissenschaftliche Methodenkompetenz
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Sozialwissenschaftliche Methodenkompetenz bedeutet, dass sowohl quantitative wie auch qualitative sozialwissenschaftliche Methoden gekannt, situationsangemessen angewandt und kritisch reflektiert werden. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler Methoden der empirischen Sozialforschung kennen, wie die Datenerhebung durch Umfrage und Interview und deren Weiterverarbeitung, und erweitern dadurch auch ihre Medien-, Kommunikations- und Präsentationskompetenz. Sie üben zudem die Recherche von Informationen sowie die Auswertung und kritische Bewertung verschiedener analoger und digitaler Quellen ein. Dazu gehören die rezeptive bzw. produktive Auseinandersetzung unter anderem mit Verfassungstexten, Pressebeiträgen, Bildern, Plakaten, Karikaturen, Diagrammen, Schaubildern, Infografiken, Beiträgen in Sozialen Medien sowie Statistiken. Sozialwissenschaftliche Methoden sind der Schlüssel für das eigenständige Erschließen politischer Inhalte und Zusammenhänge, insbesondere für das außerschulische Weiterlernen und somit für die eigene Meinungsbildung über Politik sowie für eigenes politisches Handeln. Die Sozialwissenschaftliche Methodenkompetenz ermöglicht der mündigen Bürgerin bzw. dem mündigen Bürger die Orientierung bei aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen.

2.3 Gegenstandsbereiche
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Die Gegenstandsbereiche des Fachs Politik und Gesellschaft umfassen grundlegende Konzepte und Inhalte, die das Verstehen von Politik ermöglichen. Mit ihrer Hilfe erwerben Schülerinnen und Schüler im Unterricht fachspezifische Kompetenzen und Fähigkeiten. Wissen ist demnach nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung für die Entwicklung von Kompetenzen zu betrachten.

Die Gegenstandsbereiche des Kompetenzstrukturmodells spiegeln sich in den Lernbereichen jeder Jahrgangsstufe wider. Ihre Vertiefung und Zunahme an Komplexität in den jeweils folgenden Jahrgangsstufen ermöglichen die Erweiterung bereits vorhandenen Wissens und eine Kompetenzprogression.

Lebenswelt und Mitgestaltung
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In einer pluralistischen Gesellschaft ringen verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, Einstellungen und Werthaltungen um Einfluss und Macht. Es existieren verschiedene Lebenswelten mit unterschiedlichen Bedürfnissen nebeneinander, die im demokratischen Staat artikuliert, organisiert und eingebracht werden. Dabei muss sichergestellt werden, dass auch die Interessen von Minderheiten angemessen berücksichtigt werden.

Zusammenleben in der Gesellschaft
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Das Zusammenleben in der Gesellschaft, sei es in der Kleingruppe (Familie, Schulklasse) oder im Staat, ist konfliktträchtig und bedarf deshalb allgemein akzeptierter Grundwerte sowie festgelegter Verfahrensweisen bei der Konfliktregelung. Es verlangt dem Einzelnen darüber hinaus Einstellungen und Haltungen ab, die im Sozialisationsprozess erworben werden. Dabei regeln gesellschaftliche wie individuelle Grundwerte und Grundlagen unser Zusammenleben im demokratischen Staat. Soziale Fähigkeiten fördern ein friedliches Miteinander, zugleich sind Reaktionen auf gesellschaftliche Wandlungsprozesse gefordert.

Politische Strukturen
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Politik im demokratischen Staat ist ein ständiger Versuch, Herausforderungen des Miteinanders, etwa gesellschaftlicher, sicherheitspolitischer oder wirtschaftlicher Art, auf Grundlage der freiheitlich demokratischen Grundordnung zu bewältigen. Politische Akteure wirken innerhalb von Institutionen und Strukturen im Ringen um die bestmögliche Lösung zusammen und entwickeln unterschiedlich zu bewertende Lösungsvorschläge. Dabei setzen sich die Schülerinnen und Schüler auch mit anderen politischen Herrschaftsformen kritisch auseinander.

Herausforderungen der internationalen Politik
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Gesellschaftliches Zusammenleben und Politik enden nicht an der Staatsgrenze. Deutschland wirkt mit anderen Staaten zusammen, um ein friedliches Miteinander in Europa und in der Welt zu fördern und globale Herausforderungen zu meistern. Dabei prägen transnationale Verflechtungen wie weltpolitische und weltwirtschaftliche Abhängigkeiten vor dem Hintergrund der europäischen Wertegemeinschaft regionales, nationales und internationales Agieren der in Politik und Gesellschaft Verantwortlichen.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Politik und Gesellschaft
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Politik und Gesellschaft ist an allen Gymnasien Pflichtfach in den Jahrgangsstufen 10 mit 12. Zudem besteht die Möglichkeit, es auch in Jahrgangstufe 13 als Wahlpflichtfach zu belegen.

Die Progression baut sich von der Jahrgangsstufe 8 bis zur Jahrgangsstufe 13 auf. Sie zeigt sich zum einen in der Steigerung des Anspruchs, in welchem Grad eine Kompetenz beherrscht werden soll, der sich z. B. in den verwendeten Operatoren nachvollziehen lässt, und zum anderen auch in der Erweiterung der Komplexität der Inhalte. Ermöglicht wird die Progression durch den bereits vorhandenen Kompetenzerwerb, die Kenntnisse aus den vorherigen Jahrgangsstufen, die Ausweitung des Erfahrungshorizonts der Schülerinnen und Schüler und das bei ihnen gewachsene Verständnis für Zusammenhänge.

Neben der Unterscheidung von Kompetenzerwartungen und Inhalten erhält ab der Jahrgangsstufe 11 innerhalb der Kompetenzerwartungen die erste und kursiv gedruckte Kompetenzerwartung eine besondere Funktion: Sie zeigt die Zielsetzung des gesamten Lernbereichs auf und ermöglicht somit die Orientierung innerhalb des Lernbereichs sowie ein gesichertes Verständnis für den Zusammenhang zwischen den einzelnen Kompetenzerwartungen.

Die Grundlegenden Kompetenzen, die für jede Jahrgangsstufe eigens ausgewiesen werden, bringen zum Ausdruck, wozu die Schülerinnen und Schüler am Ende der Jahrgangsstufen in der Lage sind und wie dies sichtbar wird.

Grundlegendes und erhöhtes Anforderungsniveau

In der Qualifikationsphase besteht die Möglichkeit, mit dem Fach Politik und Gesellschaft als Wahlpflichtfach in der Jahrgangsstufe 13 die Belegung auf grundlegendem Anforderungsniveau aus der Jahrgangsstufe 12 fortzusetzen und die mündliche oder schriftliche Abiturprüfung abzulegen. Die Wahl des Leistungsfachs Politik und Gesellschaft eröffnet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich auf erhöhtem Anforderungsniveau vertieft mit Methoden, Inhalten und Kompetenzen des Faches auseinanderzusetzen. Neben vertiefenden Kompetenzerwartungen und Inhalten in allen Lernbereichen werden im Leistungsfach zusätzliche Lernbereiche behandelt:

  • Lernbereich 12.3 Politische Theorien und Utopien für die Gestaltung der Zukunft nutzen
  • Lernbereich 13.1 Soziologische Theorien als Erklärungsansätze für die moderne Gesellschaft nachvollziehen und für die eigene Lebenswelt reflektieren

Ergänzt werden die Vertiefungen im Leistungsfach durch ein Planspiel bzw. eine politische Simulation in der Jahrgangsstufe 12:

  • Lernbereich 12.2 Das europäische Projekt verstehen und mitgestalten:
    Die Schülerinnen und Schüler erleben in einem Planspiel Rechtssetzung auf Ebene der EU und reflektieren anschließend den politischen Prozess in der Europäischen Union.

Außerdem wird in den Jahrgangsstufen 12 und 13 jeweils ein Projekt verankert:

  • Lernbereich 12.4 Politische Systeme vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen vergleichen und Demokratie wertschätzen:
    Die Schülerinnen und Schüler gestalten ein Projekt zum Umgang mit antidemokratischen Einstellungen und präsentieren ihre Ergebnisse im schulischen Rahmen, um sich für eine demokratische Grundhaltung zu engagieren.
  • Lernbereich 13.5 Internationale Konfliktbearbeitung vor dem Hintergrund des Völkerrechts reflektieren:
    Die Schülerinnen und Schüler gestalten ein Projekt zu Chancen und Hemmnissen internationaler Kooperation am Beispiel eines aktuellen Konflikts ggf. unter Einbeziehung von außerschulischen Expertinnen oder Experten und präsentieren ihre Ergebnisse im schulischen Rahmen.

Die Reihenfolge der Themengebiete innerhalb der einzelnen Jahrgangsstufen kann nur in den Jahrgangsstufen 8 bis 11 ggf. umgestellt werden, sollte dies aus fachlichen oder pädagogischen Gründen notwendig sein.

Politik und Gesellschaft am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium
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Im Fächerkanon des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums übernimmt das profilbildende Fach Politik und Gesellschaft die Aufgabe, ein vertieftes Verständnis für gesellschaftliche und politische Zusammenhänge zu vermitteln. Die größere Stundenausstattung, ggf. auch im Profilbereich, erlaubt eine breitere Vermittlung soziologischer und politologischer Themen, eine Beschäftigung mit theoretischen Ansätzen zu Menschenbild und Gesellschaft, eine differenzierte Einordnung von aktuellen Ereignissen in Gesamtzusammenhänge und eine auch Hintergründe betrachtende Analyse.

Am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium ist Politik und Gesellschaft Pflichtfach in den Jahrgangsstufen 8 und 9 und dabei in den Jahrgangstufen 8 bis 11 Kernfach der Ausbildungsrichtung. Als solches hat es, zusammen mit dem eng mit ihm in Verbindung stehenden Fach Sozialpraktische Grundbildung bzw. dem Profilfach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder in den Jahrgangsstufen 12 und 13, maßgeblichen Anteil an der Profilbildung im Bereich der Sozialwissenschaften.

Schulen können in der Jahrgangsstufe 8 im Lernbereich 6: Profilbereich „Gesundheit und Ernährung (Alternative)“ statt zwei Unterpunkten eigener Auswahl (6.1 bis 6.4) den Unterpunkt „6.5 Bewusst leben, sich gesund ernähren“ im Umfang von ca. 28 Wochenstunden durchführen. Dies ermöglicht im Rahmen der schulischen Profilbildung eine verstärkte, halbjährige Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Gesundheit und Ernährung.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern
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Als Leitfach der Politischen Bildung ist es Aufgabe des Faches Politik und Gesellschaft, Kenntnisse, die in den vorangegangenen Jahrgangsstufen in verschiedenen anderen Fächern, insbesondere in Katholische und Evangelische Religionslehre bzw. Ethik, Geschichte, Geographie, Wirtschaft und Recht sowie in Deutsch und den Fremdsprachen, im Sinn eines aufbauenden Lernens im Bereich der Politischen Bildung erworben wurden, nach den Kategorien des Faches zu systematisieren und in einen umfassenden, das Politische akzentuierenden Zusammenhang zu stellen.

In den Jahrgangsstufen 10 mit 13 ist fächerübergreifende Zusammenarbeit mit vielen anderen Fächern, vor allem den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, möglich und wünschenswert. Am Gymnasium werden wirtschaftliche Strukturen und Maßnahmen der Wirtschaftspolitik schwerpunktmäßig im Fach Wirtschaft und Recht unterrichtet. Wirtschaftliche Zusammenhänge und v. a. deren politische Wirksamkeit sind gleichwohl Inhalte des Unterrichts im Fach Politik und Gesellschaft.

In der Oberstufe können Kenntnisse und fachspezifische Kompetenzen im Rahmen der beiden Seminare vertieft werden.

Regelmäßig wirkt das Fach Politik und Gesellschaft bei Projekten und Studientagen, auch als Beitrag zur Wissenschaftswoche in der Jahrgangsstufe 11 sowie zur Umsetzung des Gesamtkonzepts Politische Bildung an bayerischen Schulen und grundsätzlich zu Themen der Politischen Bildung mit.

Die Fächer Politik und Gesellschaft sowie Sozialpraktische Grundbildung bzw. Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder sind durch Verknüpfungen und Abstimmungen zwischen den beiden Fächern verbunden und sichern in den Jahrgangsstufen 9 mit 11 den Blick auf die soziale und politische Wirklichkeit. So erwerben die Schülerinnen und Schüler des SWG zusätzliche Kenntnisse und Erfahrungen zu psychologischen und pädagogischen Grundlagen sowie zu rechtlichen, wirtschaftlichen, ökologischen und historischen Rahmenbedingungen für die politische und soziale Arbeit. Soziale Wahrnehmung und soziales Handeln können während der in den Jahrgangsstufen 9 mit 11 vorgesehenen Praktika in Sozialpraktischer Grundbildung erprobt und entwickelt werden. Im Fach Politik und Gesellschaft erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler das dafür notwendige Vorwissen sowie die Kenntnisse über gesellschafts- und sozialpolitische Rahmenbedingungen.

Die wechselseitige Beziehung zu Englisch, aber auch zu den anderen modernen Fremdsprachen kommt in besonderem Maße im bilingualen Unterricht zur Geltung. Die Verwendung einer Fremdsprache als Arbeitssprache ermöglicht ein vertieftes Verständnis anderer Kulturen und eröffnet neue Perspektiven.

5 Beitrag des Faches Politik und Gesellschaft zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen
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Das Fach Politik und Gesellschaft steht in enger Verbindung mit vielen der fächer- und schulartübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziele.

Politische Bildung
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Politik und Gesellschaft ist Leitfach der Politischen Bildung. Das Ziel Politischer Bildung im schulischen wie im außerschulischen Bereich ist die Demokratiefähigkeit junger Menschen, also die Kenntnis und Wertschätzung von Demokratie, freiheitlicher demokratischer Grundordnung und Grundrechten sowie deren Umsetzung in der eigenen Lebenswelt. Der Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft dient prioritär diesem Ziel. Damit bietet er den Schülerinnen und Schülern ein breites Angebot, die für Demokratiefähigkeit benötigten Kompetenzen systematisch zu erwerben und als mündige Bürgerin bzw. mündiger Bürger verantwortungsbewusst in Staat und Gesellschaft mitzuwirken. Die Jugendlichen werden befähigt, demokratische Politik im nationalen, europäischen und internationalen Kontext als einen Prozess der Problemlösung und als Beitrag für die Weiterentwicklung der Gesellschaft und zum Erhalt von Frieden und Sicherheit zu verstehen. Dabei wirkt das Fach Politik und Gesellschaft im Sinne des Gesamtkonzeptes für die Politische Bildung an bayerischen Schulen mit anderen Fächern zusammen.

Soziales Lernen
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Eine besondere Bedeutung hat im Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft am Gymnasium die soziale Bildung. Die Schülerinnen und Schüler erkennen die Notwendigkeit, in Staat und Gesellschaft mitzuwirken, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und v. a. bei der Lösung von Problemen zu kooperieren. Sie erwerben Fähigkeiten zu konstruktiver Konfliktlösung und üben sich in Toleranz, Respekt und Empathie, wenn es gilt, Meinungen und Überzeugungen anderer nachzuvollziehen und ggf. zu akzeptieren. Der gymnasiale Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft trägt in hohem Maße zur Persönlichkeitsbildung bei und fördert das Sozialverhalten der Jugendlichen. Sie verinnerlichen so das dem demokratischen Zusammenleben innewohnende Prinzip der Solidarität.

Werteerziehung
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Im gymnasialen Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft setzen sich Schülerinnen und Schüler mit den Grundwerten des Zusammenlebens von Individuen, Gruppen und Staaten auseinander. Sie erkennen den hohen Wert der in der Verfassung verankerten Grundrechte, v. a. der Achtung der Menschenwürde, der Freiheitsrechte und der rechtlichen Gleichheit, setzen sich mit Angriffen auf diese demokratischen Grundwerte auseinander und verinnerlichen die Notwendigkeit, sich für diese Werte stark zu machen und sie immer wieder zu verteidigen.

Medienbildung/Digitale Bildung
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Im Rahmen des Unterrichts im Fach Politik und Gesellschaft am Gymnasium nutzen und reflektieren Schülerinnen und Schüler verschiedene Formen der Gewinnung, Verarbeitung und Präsentation von Informationen. Sie setzen sich mit der politischen Funktion von Medien als der „Vierten Gewalt“ auseinander, wägen ihren eigenen Umgang mit verschieden Medien, v. a. mit digitalen Medien, wie z. B. sozialen Netzwerken, ab und erweitern damit ihre Medienkompetenz.

Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)
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Die Bildung für nachhaltige Entwicklung wird durch den Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft am Gymnasium gefördert, indem er die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt, sich in altersgemäßer Weise kritisch mit den Fragen des eigenen Umweltverhaltens und politischen Handlungsoptionen im Bereich des Umwelt- und Artenschutzes zu befassen. Sie bilden dadurch die Bereitschaft aus, Verantwortung für Natur und Umwelt zu übernehmen und nachhaltige Entwicklungen aktiv mitzugestalten.

Interkulturelle Bildung
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Interkulturelle Bildung findet im gymnasialen Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft immer dann statt, wenn die Vielfalt von Lebensformen, Wertvorstellungen, Formen des Zusammenlebens und Herrschaftssystemen und deren historische sowie kulturelle Bedingtheit in den Blick geraten. Gerade das Zusammenspiel der internationalen, europäischen und nationalen Perspektive und der Vergleich mit den eigenen Erfahrungen tragen zur Entwicklung von Interesse und Offenheit sowie Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen bei.

Kulturelle Bildung
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In der Auseinandersetzung mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen (z. B. Jugendkulturen, Menschen mit Migrationsgeschichte), ihrer Musik, Sprache und Symbolik entwickeln die Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für künstlerisches, kreatives Wirken und seine Bedeutung für soziale Gruppen. Sie erkennen, dass Kunst und Kultur immer auch Ausdruck bestimmter Werthaltungen sind und zur Entwicklung einer gemeinsamen Identität beitragen.

Familien- und Sexualerziehung
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Im Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft am Gymnasium befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Familie und mit vielfältigen anderen Lebensformen. Sie respektieren diese und akzeptieren die geschlechtliche Orientierung des Einzelnen als Teil seiner freien Persönlichkeitsentfaltung. Die Jugendlichen begreifen, dass die Tugenden, die das Zusammenleben in sozialen Gruppen ermöglichen, wie gegenseitige Achtung, Toleranz, Verlässlichkeit, auch für Partnerschaft und Familie gelten.

Berufliche Orientierung
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Der gymnasiale Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft gibt den Jugendlichen durch ein breites Themenspektrum und durch zahlreiche Kontakte zu außerschulischen Einrichtungen vielfältige Anregungen für die spätere Berufswahl. Die vertiefte Auseinandersetzung mit den Wandlungsprozessen und Anforderungen der modernen Arbeitswelt bereitet sie auf ihre berufliche Zukunft vor und hilft ihnen, ihren Neigungen und Interessen, aber auch ihrer Persönlichkeitsstruktur und ihren Fähigkeiten entsprechende berufliche Weichenstellungen in Kenntnis wesentlicher Entwicklungen und Anforderungen der Berufswelt zu treffen.

Ökonomische Verbraucherbildung
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Der Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft am Gymnasium trägt zur ökonomischen Verbraucherbildung bei, indem er die Schülerinnen und Schüler dazu auffordert, sich in altersgemäßer Weise kritisch mit den Fragen des eigenen Konsumverhaltens und dessen politischen und sozialen Auswirkungen zu befassen.

Sprachliche Bildung
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Im gymnasialen Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft sind Schülerinnen und Schüler aufgefordert, mündlich und schriftlich zu aktuellen politischen Themen und Fragen Stellung zu beziehen. Sie artikulieren eigene Interessen, Meinungen und Urteile in schriftlicher sowie mündlicher Form und können diese in der Diskussion mit anderen verteidigen. Diese kommunikative Kompetenz ermöglicht ihnen die Teilhabe an Prozessen der Meinungsbildung im schulischen und außerschulischen Raum. Die zentralen Kompetenzen des Faches lassen die souveräne Beherrschung der Bildungssprache und der Fachsprachen unabdingbar erscheinen. Deshalb werden die Schülerinnen und Schüler beim Ausbau ihrer fachlichen, bildungs- und fachsprachlichen Kompetenzen durch sprachbildenden Unterricht im Fach Politik und Gesellschaft unterstützt.