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Vergleichsauswahl 2

Wirtschaft und Recht

1 Selbstverständnis des Faches Wirtschaft und Recht und sein Beitrag zur Bildung

Im Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht werden Module aus den drei Gegenstandsbereichen Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Recht angeboten. Durch den modularen Aufbau erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Bildung zu erweitern. Die jeweilige Auswahl der Module soll verantwortungsvoll und ausbildungsrichtungsspezifisch erfolgen.

Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden Module aus dem Gegenstandsbereich Betriebswirtschaft. Die Schülerinnen und Schüler erwerben die Kompetenzen, aus der Perspektive des Unternehmers wichtige betriebswirtschaftliche Entscheidungen zu treffen und Prozesse zu steuern. Dabei umfasst der in den Kompetenzformulierungen verwendete Begriff des „Unternehmens“ gleichsam alle Betriebe, Institutionen, Verwaltungen, Behörden, Einrichtungen etc. in allen Bereichen der Wirtschaft, der öffentlichen Verwaltung und der Rechtspflege.

Im Gegenstandsbereich Volkswirtschaft werden die Schülerinnen und Schüler befähigt, sowohl volkswirtschaftliche Zusammenhänge mit gesellschaftspolitischer Bedeutung als auch Marktmechanismen zu analysieren. Dadurch festigen sie ihre Rolle als Staatsbürger und reflektieren ihr eigenes Marktverhalten.

Fachlich fundiertes und sicheres Handeln eines Unternehmers im Kauf- und Arbeitsrecht erlernen die Schülerinnen und Schüler im Gegenstandsbereich Recht.

Die Schülerinnen und Schüler erwerben Urteilskompetenz in ökonomischen, sozialen, rechtlichen und staatsbürgerlichen Fragen. Neben den fachlichen Kompetenzen werden auch Sozial-, Selbst- und Methodenkompetenzen gefördert. Die Schülerinnen und Schüler lernen, z. B. teamorientiert zu arbeiten oder situativ angemessen mit Partnern zu kommunizieren. Das modulare Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht folgt einem fächerübergreifenden Ansatz. Betriebswirtschaftliche, rechtliche und volkswirtschaftliche Fragestellungen werden aufgeworfen und anschaulich beantwortet. Dies fördert das mehrperspektivische und interdisziplinäre Denken. Im Vordergrund stehen praxis-, lebens- und berufsorientierte Handlungssituationen, die von den Schülerinnen und Schülern ganzheitlich gelöst werden. Neben der Vermittlung von fachlichen Kompetenzen werden im Unterricht verstärkt überfachliche, soziale und auch methodische Kompetenzen angebahnt, gefördert und immer weiter vertieft. Die Erziehung zu einem mündigen Staatsbürger ist andauerndes Anliegen.

2.1 Kompetenzstrukturmodell

Kompetenzstrukturmodell Wirtschaft und Recht

Das Kompetenzstrukturmodell gliedert sich in drei Gegenstandsbereiche (Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Recht), in vier prozessbezogene Kompetenzen (analysieren, beurteilen, kommunizieren, handeln) und in vier Perspektiven (Schülerin bzw. Schüler in der Rolle als Konsument, als Arbeitnehmer, als Unternehmer und als Staatsbürger).
In ihren jeweiligen Rollen erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die sie auf die gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen in Studium, Beruf, Privatleben und als Staatsbürger vorbereiten.

2.2 Prozessbezogene Kompetenzen

Durch das Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht werden die vier prozessbezogenen Kompetenzen in unterschiedlicher Intensität angesprochen, aufgebaut und gefördert, je nachdem, welche Module gewählt werden.

Analysieren

Die Schülerinnen und Schüler erfassen betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche und rechtliche Handlungssituationen, strukturieren diese und ordnen so ihre Ergebnisse in größere Zusammenhänge ein.

Beurteilen

Die Schülerinnen und Schüler bewerten und reflektieren zu treffende Entscheidungen für betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche und rechtliche Fragestellungen. Dabei vergleichen sie alternative Lösungsmöglichkeiten der Handlungssituationen nach verschiedenen Kriterien.

Kommunizieren

Die Schülerinnen und Schüler kommunizieren in schriftlicher und mündlicher Form in wirtschaftlichen und rechtlichen Handlungssituationen. Dabei setzen sie Fachsprache, kommunikative Strategien sowie moderne Kommunikationsmedien sach- und adressatengerecht ein.

Handeln

Im Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, mit denen sie in ihren unterschiedlichen gesellschaftlichen Rollen wirtschaftliche und rechtliche Sachverhalte verstehen und differenziert beurteilen, um nachhaltige, ethisch verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Sie sind bereit, sich mit wirtschaftlichen und rechtlichen Herausforderungen aufgeschlossen und rational auseinanderzusetzen. Sie bewältigen gegenwärtige und zukünftige Handlungssituationen, sichern die Ökonomische und soziale Existenz für sich und andere und gestalten darüber hinaus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik aktiv mit. 

Betriebswirtschaft

Die Betriebswirtschaft hat die Erstellung und den Absatz von Produkten zum Gegenstand. Die Schülerinnen und Schüler vollziehen hier den Prozess einer Unternehmensgründung von der Geschäftsidee bis zur Reflexion der Chancen und Risiken nach. Sie stellen Personal ein und führen dieses. Sie steuern den Produktionsprozess, kalkulieren den Produktpreis und entwickeln ein kreatives Marketingkonzept, um ein Produkt erfolgreich am Markt zu etablieren.

Volkswirtschaft

Die Volkswirtschaft thematisiert im Bereich der Mikroökonomie Fragen der Preisbildung auf polypolistischen Märkten. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen ausgewählte Märkte, um auf diesen als Marktteilnehmer erfolgreich agieren zu können und beurteilen die Anwendung des marktwirtschaftlichen Instrumentes des Emissionsrechtehandels zur Lösung ökologischer Probleme.
Im Bereich der Makroökonomie diskutieren sie wirtschaftspolitische Zielsetzungen und Zielbeziehungen und beurteilen wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele.

Recht

Im Gegenstandsbereich Recht schließen die Schülerinnen und Schüler Kaufverträge ab und berücksichtigen dabei auch die Regeln für den Fernabsatzvertrag. Sie analysieren sowohl Störungen beim Abschluss als auch bei der Erfüllung des Kaufvertrages. Die Schülerinnen und Schüler prüfen im Arbeitsrecht Arbeitsverträge auf die Einhaltung personalrechtlicher Regelungen und setzen sich kritisch mit Rechten und Pflichten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auseinander. In allen Rechtsbereichen wird die Arbeit mit Gesetzestexten gefördert und die hierfür wichtige Subsumtionstechnik berücksichtigt.

Arbeitnehmerperspektive

In ihrer Rolle als Arbeitnehmer erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die es ihnen im späteren Berufsleben ermöglichen, erfolgreich in einem Unternehmen zu agieren.

Konsumentenperspektive

Die Schülerinnen und Schüler werden befähigt, wirtschaftliche und rechtliche Lebenssituationen im Alltag erfolgreich zu meistern. Es findet auch eine ökonomische Verbraucherbildung statt, indem sich die Schülerinnen und Schüler kritisch mit ihrer Rolle als Konsumenten auseinandersetzen.

Unternehmerperspektive

In ihrer Rolle als Unternehmer handeln die Schülerinnen und Schüler ökonomisch vernünftig, ökologisch bewusst und sozial nachhaltig.

Staatsbürgerperspektive

Als Staatsbürger gelingt es den Schülerinnen und Schülern, sich in der Gesellschaft zu orientieren, dabei wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen kompetent zu beurteilen und ihr Handeln nach demokratischen Grundsätzen innerhalb der ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen auszurichten.

4 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Wirtschaft und Recht

Der Fachlehrplan des Wahlpflichtfaches Wirtschaft und Recht bezieht sich auf ein Jahr. Insgesamt stehen acht Module zur Auswahl, die auf zwei Bereiche aufgeteilt sind. Aus den folgenden acht angebotenen Modulen sind vier auszuwählen, wobei darauf zu achten ist, dass aus jedem Bereich mindestens ein Modul berücksichtigt wird:

Bereich I: Als Unternehmer Kaufverträge schließen, Arbeitsverträge schließen und Personal führen, Als Staatsbürger agieren, Als Marktteilnehmer agieren

Bereich II: Sich selbständig machen, Den Preis für ein Produkt kalkulieren, Den Produktionsprozess steuern, Ein Marketingkonzept gestalten

In den Modulen sind jeweils Kompetenzen in Form konkreter Handlungen formuliert, die die Schülerinnen und Schüler am Ende erworben haben. Die Kompetenzen werden durch Inhalte spezifiziert. Die Inhalte verstehen sich somit als Konkretisierung der zuvor beschriebenen Kompetenzerwartungen.
Die Lernbereiche und die im Rahmen des jeweiligen Lernbereiches zu erwerbenden Kompetenzen beziehen sich auf das zukünftige soziale, private und berufliche Umfeld der jungen Menschen.

5 Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Der Unterricht im Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht ermöglicht durch die Themenstellungen und umfassende Realitätsbezüge die Zusammenarbeit mit anderen Fächern. So ergeben sich Anknüpfungspunkte zu den allgemeinbildenden Fächern. Beispielsweise vermittelt das Fach Deutsch notwendige Kompetenzen im sprachlichen und kommunikativen Bereich, die für die Fallbearbeitung, die Gestaltung von vertraglichen Beziehungen oder erfolgreiche Präsentationen unerlässlich sind. Die Mathematik schafft die Grundlage für die Untersuchung von Kostenanteilen und sowohl vorbereitende, begleitende als auch nachbereitende Unterstützung bei grafischen Darstellungen und Diagrammen. Die Erziehung zum mündigen Bürger und die politische Meinungsbildung sind auch im Fach Sozialkunde zentrales Anliegen. Die Fächer Religionslehre und Ethik fördern die Diskussionskultur, die auch bei wirtschaftsethischen und wirtschaftspolitischen Fragestellungen gepflegt wird.

Grundsätzlich sprechen die Kompetenzen der Module die drei Ausbildungsrichtungen Technik, Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie und Gestaltung in gleicher Weise an. Darüber hinaus besteht eine inhaltliche Ausrichtung einzelner Modulinhalte mit besonderem Bezug zu einzelnen Ausbildungsrichtungen. Für Schülerinnen und Schüler der Ausbildungsrichtung Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie zeigt sich dies in der Auseinandersetzung mit dem Erhalt  einer lebenswerten Umwelt als Ziel staatlicher Wirtschaftspolitik oder als Gegenstand des Emissionsrechtehandels. Schülerinnen und Schüler der Ausbildungsrichtung Technik erfahren einen Bezug zu ihrer Ausbildungsrichtung über die Steuerung von Produktionsprozessen, während sich die Ausbildungsrichtung Gestaltung in der Analyse von Kunstmärkten wiederfindet.

Berufliche Orientierung

Im Bereich der Beruflichen Orientierung soll im Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht der Blick auf die Schlüsselqualifikationen in der Unternehmer- und Arbeitswelt sowie auf die Formen der Arbeitsorganisation und auf die Relevanz dieser Aspekte für die persönliche Berufswahl geschärft werden. Die erworbenen Fach-, Sozial-, Selbst- und Methodenkompetenzen tragen dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler später im Beruf in der Lage sind, erfolgreich zu agieren.

Medienbildung/Digitale Bildung

Die Medienbildung spielt eine wichtige Rolle im Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht. Um als mündiger Bürger aktiv am wirtschaftlichen Leben und der politischen Meinungsbildung teilnehmen zu können, müssen die Schülerinnen und Schüler regelmäßig aktuelle Daten und Informationen recherchieren und verarbeiten. Der Einsatz unterschiedlicher Medien als Hilfsmittel zur Informationsgewinnung erfolgt verantwortungsvoll und gezielt. Die Schülerinnen und Schüler hinterfragen die Quellen kritisch. Zudem ermöglichen Kommunikationsmedien eine sach- und adressatengerechte Präsentation von Arbeitsergebnissen.

Politische Bildung, Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)

Die Politische Bildung ist dann im Fokus des Wahlpflichtfaches Wirtschaft und Recht, wenn die Schülerinnen und Schüler die Notwendigkeit staatlicher Wirtschaftspolitik begründen und so zu einer Wertschätzung der gesellschaftlichen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland gelangen. Das Verständnis für die Ziele staatlicher Wirtschaftspolitik auf Grundlage des Grundgesetzes, der Verfassung des Freistaates Bayern und des Stabilitätsgesetzes ist für einen mündigen Staatsbürger eine unverzichtbare Basis für eine aktive Teilnahme an der politischen Meinungsbildung. Werteerziehung und die Bildung für Nachhaltige Entwicklung spielen in Kombination mit der Politischen Bildung eine wichtige Rolle, indem Fragen der Ökologie mit ökonomischen Problemstellungen sowie politischen Entwicklungen verbunden werden. Bei den Schülerinnen und Schülern wird ein verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Umwelt angestrebt.

Soziales Lernen

Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, über Chancen und Risiken einer Unternehmensgründung zu diskutieren, um auch die Bedeutung dieser für die Gesamtwirtschaft wertzuschätzen. Dabei ziehen die Schülerinnen und Schüler Rückschlüsse auf ihre eigene Lebenswelt hinsichtlich zukünftiger Entscheidungen. Aufgrund auszuführender Handlungsaufträge, die auch im Team erledigt werden können, lernen Schülerinnen und Schüler im Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht achtsam, respekt- und rücksichtsvoll miteinander umzugehen und eigene Ziele durchzusetzen, ohne dabei die Interessen der anderen zu verletzen. In Diskussionen und Gesprächssituationen kommunizieren sie konstruktiv in unterschiedlichen Umgebungen, zeigen dabei kritische Selbstreflexion und adäquates Sozialverhalten und sind in der Lage, andere Perspektiven zu übernehmen.

Sprachliche Bildung

Sowohl im Bereich der Sprachrezeption als auch bei der mündlichen und schriftlichen Sprachproduktion trägt das Wahlpflichtfach Wirtschaft und Recht zur sprachlichen Bildung bei. Die Schülerinnen und Schüler analysieren ein breites Spektrum an Textsorten (z. B. journalistische Texte, Kommentare, Interviews, wissenschaftliche Fachtexte, Gesetzestexte) und beurteilen Aussagen nach der Intention des Autors und vor dem Hintergrund zentraler wirtschaftlicher und rechtlicher Konzepte. Im Bereich der Sprachproduktion stehen bei wirtschaftlichen Fragestellungen die präzise Formulierung ökonomischer Kausalketten und das differenzierte Erörtern im Vordergrund, im Recht die systematische Prüfung von Ansprüchen und das adressatengerechte Geltendmachen von Rechten. In allen Bereichen hat die korrekte Verwendung der Fachsprache einen hohen Stellenwert. Dabei achten die Schülerinnen und Schüler darauf, sich situations- und adressatengerecht zu äußern.

Werteerziehung

Die Werteerziehung stellt eine wichtige Aufgabe des Wahlpflichtfaches Wirtschaft und Recht dar, da ökonomische und rechtliche Entscheidungen sowie deren einzel- und gesamtwirtschaftliche Folgen grundsätzlich aus verschiedenen Perspektiven (z. B. Privathaushalt, Staat oder Unternehmen) analysiert und beurteilt werden müssen. Dabei werden auch Bereiche des Sozialen Lernens, der Politischen Bildung und der Bildung für Nachhaltige Entwicklung tangiert. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich reflektierend mit Werten und Normen auseinander und gelangen so zu sittlich guten Orientierungsmaßstäben für ein selbständiges und verantwortliches Handeln.