Lehrplan PLUS

Direkt zur Hauptnavigation springen, zur Servicenavigation springen, zur Seitennavigation springen, zu den Serviceboxen springen, zum Inhalt springen
Vergleichsauswahl 2

Beruf und Arbeit (Berufsschulstufe)

1.1 Bedeutung des Faches

Arbeit wird in unserer Gesellschaft teilweise mit Erwerbsarbeit gleichgesetzt, welche vorrangig der Existenzsicherung dient. Arbeit ist aber auch aktiv-gestaltende und planvolle Auseinandersetzung mit der Umwelt. Dieses umfassende Verständnis von Arbeit reicht weiter als Erwerbsarbeit. Sie ist für jeden Einzelnen lebensbedeutsam. Teilhabe an der Arbeitswelt vermittelt gesellschaftliche Anerkennung, steigert das Selbstwertgefühl und wird als wesentlicher Bestandteil eines sinnerfüllten Daseins erlebt. Arbeit strukturiert den Tagesablauf, gliedert das Leben in Freizeit und Arbeitszeit sowie in biografische Abschnitte. Sie ermöglicht, verschiedene soziale Rollen zu erfahren und zu unterscheiden. Sie trägt außerdem zur Vorsorge bei, ermöglicht finanzielle Unabhängigkeit und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Vielfältige Fördermöglichkeiten der beruflichen Rehabilitation und beruflichen Integration eröffnen Menschen mit Behinderung den Zugang zur Arbeitswelt.

Die Berufsschulstufe bildet eine Brücke von der Schule in die Berufswelt. Sie hat die Aufgabe, auf das Arbeitsleben und auf eine selbstbestimmte sowie realitätsorientierte Wahl des zukünftigen Arbeitsplatzes vorzubereiten. Praktische Erfahrungen in Arbeitsabläufen und Konfrontation mit betrieblichen Anforderungen, Orientierung an der beruflichen Realität und die Planung des Weges in die Arbeitswelt sind zentrale Inhalte.

1.2 Kompetenzerwerb im Fach Beruf und Arbeit

Arbeitsprojekte, Betriebserkundungen, Praxistage und Betriebspraktika sind Formen des Unterrichts, in denen Schülerinnen und Schüler vielfältige praktische Aufgaben bewältigen und Kenntnisse aus unterschiedlichen Arbeits- und Berufsfeldern erwerben. Im berufs- und arbeitskundlichen Unterricht steht das Wissen über Zusammenhänge und Abläufe in der Arbeitswelt im Mittelpunkt. Praktische und theoretische Unterrichtsinhalte sind aufeinander bezogen und ergänzen sich gegenseitig. Darüber hinaus werden persönliches Erleben und individueller Assistenzbedarf reflektiert und die Ergebnisse individuell dokumentiert. Beobachtungen und Aufzeichnungen von Kompetenzen wie auch berufliche Wünsche und Ziele fließen in die Lebenswegplanung ein. Erfahrungen in den Bereichen Produktion, Handwerk und Dienstleistung sind Grundlagen für die Wahl des späteren Arbeitsplatzes oder Tätigkeitsbereichs.

Das Arbeiten in klassenübergreifenden Arbeitsgruppen, die Orientierung an allgemein gültigen Gütemaßstäben und die Vermittlung klar beschriebener arbeitsweltbezogener Kompetenzen wie planvolles Arbeiten und Einhalten von Zeitvorgaben bereiten die Integration in die Arbeitswelt vor. Kennzeichen und Inhalt des Fachunterrichts sind Unterweisungen zur Handhabung von Werkzeugen und Lehrgänge zur Bedienung von Geräten und Maschinen sowie das Einüben von Arbeitsabläufen. Ein schriftlicher Nachweis beschreibt die erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Lehrerinnen und Lehrer müssen an den verwendeten Maschinen eingewiesen sein und die Vorschriften der Berufsgenossenschaft und der Unfallversicherungen einhalten.

Für Schülerinnen und Schüler mit schwerer und mehrfacher Behinderung bedeutet Arbeit in erster Linie, in vertrauten Routinen immer sicherer und unabhängiger von Hilfe zu werden, aber auch vertraute Routinen zunehmend flexibler zu gestalten. Arbeitssituationen werden so gestaltet, dass sich alle aktiv einbringen können.

Die Kulturtechniken werden innerhalb konkreter arbeitsfeldbezogener Aufgabenstellungen eingesetzt und anwendungsbezogen geübt. Auf die Verwendung von korrekten und verständlichen Fachbegriffen ist zu achten. Einzelne Lerninhalte weisen über den Lernbereich hinaus und enthalten Impulse für eine sinnvolle Freizeitgestaltung.

Die Mitglieder des Berufsschulstufenteams bringen unterschiedliche Ausbildungs- und Berufserfahrungen ein. Die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen ist eine unverzichtbare Voraussetzung für schülerorientierten Unterricht mit aktuellem Bezug zur Arbeitswelt. Um den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt erfolgreich zu begleiten und unterstützende Netzwerke aufzubauen, muss die Kooperation mit außerschulischen Partnern gepflegt werden: Dazu zählen die Förderstätte, die Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM), der Integrationsfachdienst (IFD), die Agentur für Arbeit mit ihren Reha-Beratern, Betriebe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, die Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung, das Berufsbildungswerk (BBW), das Berufsausbildungswerk, die Verwaltung der Regierungsbezirke, das Sozial- und Integrationsamt.

2.1 Kompetenzstrukturmodell

Kompetenzstrukturmodell Beruf und Arbeit

Das Kompetenzstrukturmodell versammelt im äußeren Kreis die prozessbezogenen Kompetenzen des Faches, die im Unterrichtsgeschehen ineinander verschränkt sind. Im Innern des Kreises befinden sich die Gegenstandsbereiche, auf welche die prozessbezogenen Kompetenzen bezogen sind. Die Basis bilden die vier Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln, deren Zusammenwirken erfolgreiche Lernprozesse ermöglicht. Die persönlichen Ressourcen in den Entwicklungsbereichen sind die Grundlage für die Planung und Gestaltung von Lernsituationen. Das Kompetenzstrukturmodell Beruf und Arbeit ist für die Berufsschulstufe des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung angelegt.

Handeln

Durch vielfältiges Handeln in den einzelnen Arbeitsfeldern erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen, im Rahmen praxisorientierter Vorhaben innerhalb der Schule (Praxistag) oder in Betriebspraktika beruflichen Anforderungen erfolgreich zu begegnen. Dabei kommt dem Erkunden und Erproben von einfachen bis hin zu komplexen Handlungsabläufen in unterschiedlichen arbeits- und berufsorientierten Situationen eine bedeutende Rolle zu. So gewinnen die Schülerinnen und Schüler Erkenntnisse über ihre persönlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie über einen möglichen Assistenzbedarf bei der zukünftigen Ausübung beruflicher Tätigkeiten.

Analysieren

Die Schülerinnen und Schüler analysieren Tätigkeiten in verschiedenen Arbeits- und Berufsfeldern, die damit verbundenen spezifischen Anforderungen sowie Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Analysieren bedeutet für Jugendliche mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung, dass sie eine Vorstellung von der neu zu erschließenden Arbeits- und Berufswelt entwickeln, einzelne Merkmale dieser in ihrer Alltagssprache beschreiben und Vergleiche z. B. zwischen verschiedenen Tätigkeiten anstellen. In besonderer Weise analysieren die Schülerinnen und Schüler ihre in den Praktika gesammelten Erfahrungen. Sie geben nach absolvierten Praxistagen und Praktika eine Selbsteinschätzung ab und vergleichen diese mit der Fremdeinschätzung aus dem Praktikumsbetrieb. Dadurch gelangen sie zu einer realistischen Selbsteinschätzung und Berufswahl. Für das Analysieren und Reflektieren nutzen sie Veranschaulichungen (z. B. Fotos, Symbole, Plakate, schematische Gegenüberstellungen) sowie Strukturierungshilfen (z. B. Bepunktungen, Satzeinstiegshilfen, Hilfsmittel der Unterstützten Kommunikation).

Kommunizieren

Die Schülerinnen und Schüler kommunizieren höflich und zugewandt gleichermaßen mit ihnen vertrauten Personen wie auch mit einem sich im beruflichen Kontext stetig verändernden Personenkreis, wobei sie in fachrelevanten Situationen zunehmend Fachsprache verwenden. Sie sind in der Lage, verbal, mit Hilfsmitteln der Unterstützten Kommunikation oder nonverbal, sowohl ihre eigene Meinung angemessen zu vertreten als auch die Meinungen anderer gelten zu lassen.

Beurteilen

Aufgrund der praktischen Erfahrungen in verschiedenen Arbeits- und Berufsfeldern beurteilen die Schülerinnen und Schülern ihre beruflichen Perspektiven. Die Kriterien hierfür können sowohl persönliche Kriterien, wie z. B. Sympathie oder Antipathie gegenüber der Arbeitsumgebung, als auch ökonomische und soziale Ziele sein. Daraus leiten sie Konsequenzen für ihre persönliche Berufswahl und Zukunftsplanung ab. Die Erziehungsberechtigten, die Lehrkräfte und das Personal des Integrationsfachdienstes sowie der Agentur für Arbeit stehen ihnen dabei beratend und unterstützend zur Seite.

Arbeits- und Berufsorientierung

Arbeits- und Berufsorientierung bilden die Grundlage, auf der alle anderen Gegenstandsbereiche des Faches aufbauen. In diesem Kernbereich erwerben die Schülerinnen und Schüler grundlegende Kenntnisse über die Beschäftigungssituationen in den Arbeitsbereichen von Förderstätte, Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) oder Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes. Die sich anschließenden Betriebserkundungen und Praktika in den verschiedenen Einrichtungen und Arbeits- und Berufsfeldern bilden den Schwerpunkt des Gegenstandsbereichs.

Arbeitshaltungen und Arbeitsprozesse

Der Gegenstandsbereich Arbeitshaltungen und Arbeitsprozesse wirkt intensiv in die drei weiteren Gegenstandsbereiche Gewerblich-technische Arbeitsfelder, Kunstgewerbliche Arbeitsfelder sowie Hauswirtschaftlich-soziale Arbeitsfelder hinein. Hier sind die grundlegenden Handlungskompetenzen (Selbstkompetenzen, Sozialkompetenzen, kommunikative Kompetenzen) sowie die verschiedenen Arbeitsprozesse (Serienfertigung, Fließfertigung und Einzelfertigung) und das Thema der Arbeitssicherheit verankert. Die in diesen Themenfeldern erworbenen Kompetenzen ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, in der Berufs- und Arbeitswelt als sozial und fachlich kompetente Arbeitnehmer zu agieren.

Gewerblich-technische Arbeitsfelder

Der Gegenstandsbereich baut auf den im Fach Werken und Gestalten (der Jahrgangsstufe 1-9) erworbenen Kompetenzen auf. Er orientiert sich an den Arbeitsweisen, der Produktion und den Qualitätsanforderungen der Arbeitswelt. Es werden fachgemäße Arbeitstechniken sowie Kenntnisse über Werkzeuge und Maschinen vermittelt.

Kunstgewerbliche Arbeitsfelder

Die Anfertigung kunstgewerblicher Artikel bietet neben Gelegenheiten zur Anwendung materialspezifischer Arbeitstechniken und der Handhabung von Werkzeugen und Geräten auch Raum für persönliche Gestaltungsideen. Anlässe können Auftragsarbeiten oder Verkaufsveranstaltungen sein.

Hauswirtschaftlich-soziale Arbeitsfelder

Der Gegenstandsbereich baut auf den im Fach Ernährung und Soziales (Jahrgangsstufe 1-9) erworbenen Kompetenzen auf. Er ermöglicht die Anwendung und Vertiefung von Tätigkeiten und Arbeitsabläufen im Haushalt, die für die persönliche Lebensführung ebenso bedeutsam sind wie für die Vorbereitung auf einen möglichen Arbeitsplatz. Der Schwerpunkt liegt auf der Erprobung und Vorbereitung für Tätigkeiten sowohl in Gastronomie und Hauswirtschaft als auch in Betreuung und Pflege. Dazu gehören ein sachgemäßer Gebrauch der für die Tätigkeiten benötigten Geräte und Maschinen und die Übernahme von Verantwortung in sozialen Gruppen. Weitere Intentionen sind die Steigerung der Selbständigkeit beispielsweise bei der planvollen Lebensmittelbeschaffung, bei der Nahrungszubereitung und bei der Bevorratung, bei den hauspflegerischen Arbeiten, beim Einhalten von Hygieneregeln sowie bei der Betreuung und Pflege anderer Personen.

Arbeitsfelder Verwaltung und Lager

Der Gegenstandsbereich umfasst das Sortieren und Ordnen von Wareneingängen, das Transportieren von Waren zu ihrem Lagerort sowie das Verpacken und Fertigstellen von Warenausgängen im Arbeitsfeld Lager. In diesem Arbeitsfeld ebenso wie im Arbeitsfeld Verwaltung kommt dem Umgang mit elektronischen Medien und der Nutzung des Internets eine große Bedeutung zu. Eine Intention des Gegenstandsbereichs ist es daher, den Schülerinnen und Schülern den Aufbau von grundlegenden und spezifizierten Medienkompetenzen zu ermöglichen.

Motorik und Wahrnehmung

Die Schülerinnen und Schüler nehmen beim Umgang mit Werkzeugen, Arbeitsgeräten und Maschinen eine Körperhaltung ein, die die Gesundheit (z. B. den Rücken) schont und ein effizientes Arbeiten ermöglicht. Sie passen den Arbeitsplatz ihren körperlichen und motorischen Voraussetzungen an und nutzen modifizierte oder speziell angefertigte Werkzeuge. Halte- und Spannvorrichtungen (z. B. Antirutschmatten oder Einspannvorrichtung für ein Handrührgerät) ermöglichen ihnen das Befestigen, Positionieren oder das schnelle Wechseln von Werkstücken oder Werkzeugen. Greif- und Steuervorrichtungen (z. B. Griffadapter oder -verdickungen für Küchen- oder Handwerkzeuge) erleichtern bei eingeschränkter Arm-Hand-Funktion das Drehen, Schalten, Greifen oder Festhalten von Objekten.

Als Vorbereitung von Betriebserkundungen und -praktika planen und üben die Schülerinnen und Schüler das Zurücklegen von Wegen, die Nutzung sanitärer Einrichtungen und das Erreichen des dortigen Arbeitsplatzes.

Denken und Lernstrategien

Die Schülerinnen und Schüler strukturieren entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten komplexe Handlungsabläufe selbst oder nutzen hierfür zur Verfügung gestellte Strukturierungshilfen, wie bebilderte Handlungspläne, TEACCH-Zeitleisten oder Markierungen an ihrem Arbeitsplatz.

Kompetenzen, die zur Erledigung komplexer Handlungsabläufe notwendig sind, erwerben die Schülerinnen und Schüler, indem sie einzelne Handlungen, Teilschritte oder Abläufe isoliert und in intensiver Wiederholung üben. Dabei wird die Übung nur solange verfolgt, wie es für die individuelle Situation sinnvoll erscheint. Der Fokus verbleibt auf einem abwechslungsreichen, an den Prozessen der Arbeitswelt orientierten Handlungsablauf.

Kommunikation und Sprache

Bei der Erprobung der verschiedenen Arbeitsfelder erhalten die Schülerinnen und Schüler häufig verbale Anweisungen. Um diese umzusetzen, nutzen sie zusätzlich je nach Bedarf Bild- und Symbolkarten, Gebärden oder Demonstrationen, die sie vonseiten der Lehrkräfte erhalten. Der Erwerb von Fachbegriffen wird durch eine enge Verknüpfung mit entsprechenden Bildern gefördert. Die Verwendung von Fachbegriffen erleichtert fachlich korrektes Arbeiten und einen sicheren Übertritt in das Arbeits- und Berufsleben.

Neben der Verwendung von Fachbegriffen kommt der Kompetenz, situationsangepasst Gespräche zu führen, im beruflichen Kontext eine bedeutende Rolle zu. Die Schülerinnen und Schüler üben Gesprächsroutinen in Rollenspielen ein. Hierzu nutzen sie bei Bedarf Hilfsmittel der Unterstützten Kommunikation, um beispielsweise die Wünsche der Kunden im Pausencafé abzufragen bzw. höfliche Floskeln aus dem Servicebereich abzuspielen.

Emotionen und soziales Handeln

Für die meisten berufsorientierten Aufgaben sind Teamarbeit und Absprachen erforderlich. Bei Serienfertigungen müssen sich die Schülerinnen und Schüler mit anderen abstimmen, sich in Prozesse einfügen oder Zeitdruck aushalten. Um in solchen Situationen bestehen zu können, üben die Jugendlichen, die Bedürfnisse anderer Menschen wahrzunehmen sowie die eigenen Befindlichkeiten zu äußern. Stellt das Arbeiten im Team eine zu große Herausforderung dar, können die Schülerinnen und Schüler auch in Einzelarbeit tätig sein. So kann es für Jugendliche mit Autismusspektrumsstörung hilfreich sein, ihnen die Teilnahme an der Arbeitssituation durch eine Sichtschutzkabine oder einen Gehörschutz zu erleichtern.

Im Prozess der Berufsorientierung kann es für Jugendliche zu frustrierenden Erlebnissen kommen, wenn sie beispielsweise bei Arbeitskolleginnen oder -kollegen auf Ablehnung stoßen, Traumberufe sich als zu anspruchsvoll herausstellen oder Bewerbungen ablehnend beschieden werden. Schülerinnen und Schülern stehen in solchen Situationen in engem Kontakt mit der Lehrkraft und suchen gemeinsam mit ihr nach Ursachen und Lösungen für die erlebten Frustrationen.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Beruf und Arbeit

Der Fachlehrplan Beruf und Arbeit gliedert sich in thematische Einheiten, die sog. Lernbereiche, die nach der jeweiligen inhaltlichen Schwerpunktsetzung benannt sind. Innerhalb dieser Lernbereiche befinden sich die ausformulierten individuellen kompetenzorientierten Lernaktivitäten, in denen die Inhalte, anhand derer die Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen erwerben, integriert ausgewiesen sind. So wird eine stärkere Kompetenzorientierung sowie die Verknüpfung von prozessbezogenen Kompetenzen und Inhalten unterstützt. In jedem Lernbereich soll der Aufbau aller prozessbezogenen Kompetenzen gefördert werden.

Das Fach Beruf und Arbeit ist in sechs Lernbereiche unterteilt, die den Gegenstandsbereichen des Kompetenzstrukturmodells entsprechen:

Lernbereich 1: Arbeits- und Berufsorientierung
Lernbereich 2: Arbeitshaltungen und Arbeitsprozesse
Lernbereich 3: Gewerblich-technische Arbeitsfelder
Lernbereich 4: Kunstgewerbliche Arbeitsfelder
Lernbereich 5: Hauswirtschaftliche-soziale Arbeitsfelder
Lernbereich 6: Arbeitsfelder in Verwaltung und Lager

Die Anordnung der Lernbereiche stellt keine Aussage über deren Wertigkeit und keine Vorgabe für eine zeitliche Abfolge im Unterricht dar. Vielmehr ist es erforderlich, die Lernbereiche durchgängig sinnvoll zu vernetzen, um damit handlungsorientierten Unterricht mit nachhaltigem Kompetenzerwerb zu ermöglichen.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Im Fach Beruf und Arbeit können die kompetenzorientieren Lernaktivitäten in vielfältiger Weise mit anderen Fächern verknüpft werden. Sinnvoll für die berufliche Orientierung ist die enge Verbindung mit dem Fach Persönlichkeit und soziale Beziehungen. Die Schülerinnen und Schüler gleichen ihre Stärken, Vorlieben und Träume mit ihren beruflichen Zukunftsplänen ab.

Die in den verschiedenen Arbeitsfeldern erworbenen Kompetenzen nutzen die Schülerinnen und Schüler im Fach Wohnen und im Wohntraining. Besonders Tätigkeiten aus dem hauswirtschaftlichen Arbeitsfeld kommen hier zum Tragen.

Eine enge Verbindung besteht zum Fach Deutsch der Jahrgangsstufen 1-9. Kompetenzen aus den Bereichen Sprechen und Zuhören, Lesen – mit Texten und weiteren Medien umgehen sowie Schreiben sind Grundlagen für den Kompetenzerwerb in verschiedenen Arbeitsfeldern. Die jungen Erwachsenen hören Kunden und Vorgesetzten zu und führen angemessen Gespräche. Recherchieren die Schülerinnen und Schüler im Internet, in Fachbüchern und in der Zeitung zu verschiedenen Arbeits- und Berufsfeldern, üben und intensivieren sie ihre Lesekomptenz. Bei der Erstellung von Bewerbungen oder Arbeitsberichten greifen sie auf Schreibkompetenzen zurück, die sie im Fach Deutsch erworben haben.

Im Fach Beruf und Arbeit mit seinem starken Bezug zur Alltagswirklichkeit ergeben sich vielfältige mathematische Problemstellungen. So greifen die Schülerinnen und Schüler in Arbeitsprozessen auf zahlreiche Kompetenzen aus den Lernbereichen Zahlen und Operationen (Kalkulation von Mengen für eine bestimmte Anzahl von Personen beim Catering), Raum und Form (richtige Anordnung von Tischen und Stühlen in der Kantine, das exakte Eindecken von Tischen), Größen und Messen (Abmessen von Werkstücken nach Arbeitsanleitung im Bereich Holztechnik) und Daten und Zufall (Beachtung von Nährstoffangaben auf Lebensmitteln) zu. Durch die situative Anwendung der mathematischen Kompetenzen werden diese intensiv geübt und vertieft.

5.1 Alltagskompetenz und Lebensökonomie

In den verschiedenen Gegenstandbereichen erwerben die Schülerinnen und Schüler vielfältige Kompetenzen, die sie in ihrem beruflichen Alltag nutzen können und sie in die Lage versetzen, ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern. Zahlreiche Elemente aus dem Gegenstandsbereich des hauswirtschaftlichen Arbeitsfelds befähigen sie dazu, ihre Alltagskompetenz hinsichtlich einer selbständigen Lebensführung zu erweitern.

Alltagskompetenzen Alltagskompetenzen

5.2 Soziales Lernen

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten sowohl in der Schule als auch im Praktikum in Teams und erwerben so grundlegende Sozialkompetenzen, die für sie im späteren Berufsleben, aber auch im Wohnumfeld relevant sind: Sie nehmen Rücksicht, setzen sich mit Kritik konstruktiv auseinander, ordnen sich in ein Team ein und artikulieren Einwände. Sie entwickeln und zeigen Arbeitstugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit.

5.3 Berufliche Orientierung

Das Fach Beruf und Arbeit trägt grundlegend zu diesem übergreifenden Bildungs- und Erziehungsziel bei, da sein wesentlicher Fokus auf der Erprobung verschiedener Arbeitsfelder durch Betriebserkundungen und Praktika liegt. Dabei verfolgen die Schülerinnen und Schüler das Ziel, sich beruflich zu orientieren und sich umfassend auf den Übergang von der Förderschule in Beruf oder Arbeit vorzubereiten.

5.4 Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln im Fach Beruf und Arbeit ein Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt, da sie in den verschiedenen Gegenstandsbereichen immer wieder mit der Handhabung, Aufbewahrung und Entsorgung von gesundheitsschädlichen Stoffen konfrontiert werden oder den sparsamen Umgang mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern üben.

5.5 Gesundheitsförderung

Die Gesundheitsförderung im beruflichen Leben und die Arbeitssicherheit haben im Fach Beruf und Arbeit einen hohen Stellenwert. Für beide Themen werden die Schülerinnen und Schüler sowohl im Gegenstandsbereich Arbeitshaltungen und Arbeitsprozesse als auch in den einzelnen Arbeitsfeldern sensibilisiert. Das Ziel ist eine lang andauernde Erhaltung und Förderung der Gesundheit.

5.6 Medienbildung/Digitale Bildung

Die Schülerinnen und Schüler nutzen verschiedene Medien. Dabei werden sie entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten befähigt, auch mit digitalen Systemen umzugehen. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit aktuellen Informations- und Medienangeboten, reflektieren Quellen kritisch und beachten die rechtlichen Bestimmungen für die schulische sowie private Mediennutzung und -gestaltung (z. B. Datenschutz, Urheberrecht). Sie recherchieren zielgerichtet Informationen und verarbeiten diese u. a. bei der Gestaltung von Digital- und Printmedien.

5.7 Ökonomische Verbraucherbildung

Im Fach Beruf und Arbeit entwickeln die Schülerinnen und Schüler ein möglichst bewusstes Verbraucherverhalten. Sie stellen ihre Einnahmen den notwendigen und gewünschten Ausgaben gegenüber und planen ihr Konsumverhalten.

5.8 Technische Bildung

Die Schülerinnen und Schüler nutzen im Fach Beruf und Arbeit verschiedene Maschinen und Werkzeuge, um Arbeitsaufträge zu bewältigen. Im Umgang mit diesen werden die Jugendlichen für technische Prinzipien und Vorgänge sensibilisiert, sie erlernen die Handhabung und Wartung der Geräte und entwickeln ein angemessenes Gefahrenbewusstsein.