Lehrplan PLUS

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Kunst

1.1 Bedeutung des Faches

Das Fach Kunst dient den Schülerinnen und Schülern zur Orientierung in einer zunehmend von Bildern geprägten Welt. Es trägt zur Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben bei. Der Unterricht im Fach Kunst ermöglicht Selbst- und Welterfahrung durch Lernen mit allen Sinnen. Kunst spricht den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit an, denn sinnliche Wahrnehmung beinhaltet körperliche, emotionale und kognitive Aspekte. Gestaltungsprozesse stehen im Mittelpunkt des Kunstunterrichts. Bewegung, Spiel und Theater als gestalterische Äußerungen ermöglichen umfassende Sinneserfahrungen und erweisen sich neben klassischen bildnerischen Materialien als Ausgangspunkte für ästhetische Erziehung.

Schülerinnen und Schüler nehmen das Vorgefundene wahr, untersuchen, vergleichen, bewerten und gestalten kreativ. Sie erleben in unmittelbarer Erfahrung, wie sinnliche Wahrnehmung, Fantasie, Motorik und kritische Überprüfung beim eigenen Gestalten ineinandergreifen.

Das Fach Kunst bezieht digital erzeugte, ästhetische Produkte und digitale Medien ein. Es setzt sich mit jenen ästhetischen Erscheinungsformen auseinander, denen Schülerinnen und Schüler in ihrer Lebenswelt begegnen. Bild wird im Lehrplan als umfassender Begriff für zwei- und dreidimensionale Werke, bildliche Informationen, Prozesse und Situationen visueller Erfahrung verstanden.

Bildkompetenz als grundlegende kulturelle Kompetenz umfasst die folgenden Bereiche:

  • Bilder entwerfen, handwerklich herstellen und gestalten
  • Bilder verwenden und durch Bilder kommunizieren
  • Bilder wahrnehmen und erklären
  • Bilder beurteilen

Auch Sach- und Sozialkompetenz fördert der Unterricht im Fach Kunst. Er nimmt auf vielfältige Weise positiven Einfluss auf die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit:

  • Die Schülerinnen und Schüler erleben Freude beim selbsttätigen Gestalten.
  • Wahrnehmungsübungen tragen zu Sensibilisierung und Entfaltung der Sinne bei.
  • Erfahrungen mit unterschiedlichen Materialien und verschiedenen Werkzeugen erhöhen handwerkliche Fertigkeiten und fördern die gestalterischen Ausdrucksmöglichkeiten.
  • Durch künstlerisches Tun können Alltagserfahrungen und emotionale Erlebnisse mitgeteilt und verarbeitet werden. Kinder und Jugendliche entwerfen eine persönliche Sicht von Welt, die sie mithilfe verbaler und nonverbaler Ausdrucksformen vermitteln.
  • Sie gelangen zu Vorstellungen im Sinne von inneren Bildern.
  • Künstlerisches Gestalten fördert Konzentration und Entspannung. Es regt zu sinnvoller Freizeitgestaltung an.
  • Künstlerische Aktionen ermöglichen vielfältige Begegnungen und gemeinsames Lernen mit anderen. Sie bahnen Wertschätzung für Kulturerzeugnisse und Toleranz gegenüber ungewohnten künstlerischen Ausdrucksformen an.
  • Ästhetische Erfahrungen fördern die aktive Mitgestaltung der eigenen Umgebung im privaten und öffentlichen Raum.

1.2 Kompetenzerwerb im Fach Kunst

Der Unterricht knüpft an das Alltagswissen und ‑können, die Lernerfahrungen und das individuelle Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler an. Die Auswahl der Inhalte im Fach Kunst orientiert sich an der Lebenswirklichkeit und den Interessen der Schülerinnen und Schüler und wird von den Lehrkräften im Austausch mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam getroffen. Die Themenauswahl führt zu einer steten Erweiterung der gestalterischen Interessen der Schülerinnen und Schüler und ermutigt sie, aus eigener Initiative heraus frei zu gestalten. Der Unterricht ermöglicht sinnliche Erfahrungen, führt zu fantasievollem Tun, fördert künstlerisches Empfinden und vermittelt Freude am schöpferischen Gestalten. Er bietet Freiräume für entdeckendes Lernen und freies Experimentieren mit bildnerischen Materialien. Die Lehrkräfte unterstützen die Schülerinnen und Schüler bei der Umsetzung ihrer Gestaltungsvorstellungen und geben behutsam Anregungen zur Fortsetzung von kreativen Prozessen, die ins Stocken geraten sind. Die Schülerinnen und Schüler recherchieren Informationen und setzen sich in Bildbetrachtungen aufgeschlossen, wertschätzend und kritisch mit eigenen und fremden Werken auseinander. Sie erwerben eine realistische Selbsteinschätzung und erleben Freude und Stolz bei der Betrachtung ihrer Ergebnisse.

Ästhetische Gestaltungsprozesse können im Wesentlichen folgende Schritte enthalten:

  • Sinnesübungen und Experimentieren mit Techniken
  • Festlegen der Aufgabenstellung und der Gestaltungsregeln
  • Ideensammlung
  • Auswahl des Materials, Vorbereitung des Arbeitsplatzes, Festlegung des zeitlichen Rahmens
  • Durchführung der Gestaltungsaufgabe
  • Reflexion und Präsentation

Neben den individuellen Ausdrucksmöglichkeiten in einzelnen Bildwerken kommt auch der Gemeinschaftsarbeit innerhalb des Lernbereichs Kunst eine große Bedeutung zu. Die Schülerinnen und Schüler sammeln in der gemeinsamen Arbeit vielfältige soziale Erfahrungen. Sie kooperieren mit wechselnden Partnerinnen und Partnern, entwickeln mit anderen Ideen und helfen bei den Vor- und Nachbereitungen. Alle Schülerinnen und Schüler wirken entsprechend ihren Fähigkeiten am gemeinsamen Vorhaben aktiv mit.

2.1 Kompetenzstrukturmodell

Kompetenzstrukturmodell Kunst

Das Kompetenzstrukturmodell basiert auf den konzeptionellen Vorarbeiten des „BDK – Fachverband für Kunstpädagogik“. Es versammelt im äußeren Kreis die prozessbezogenen Kompetenzen des Faches, die im Unterrichtsgeschehen ineinander verschränkt sind. Im Innern des Kreises befinden sich die Gegenstandsbereiche, auf welche die prozessbezogenen Kompetenzen bezogen sind. Das Kompetenzstrukturmodell Kunst ist schulartübergreifend angelegt. Es erhält eine Erweiterung durch die vier Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln, deren Zusammenwirken erfolgreiche Lernprozesse ermöglicht. Die persönlichen Ressourcen in den Entwicklungsbereichen sind die Grundlage für die Planung und Gestaltung von Lernsituationen.

Wahrnehmen

Das Wahrnehmen der visuell erfahrbaren Welt hilft den Schülerinnen und Schülern, die Welt zu verstehen und Ordnungen zu erkennen und zu konstruieren. Kinder und Jugendliche äußern sich in basalen Kommunikationsweisen, mit ihren eigenen Worten und zunehmend mit Fachbegriffen zu ihren Empfindungen und Wahrnehmungen. Dabei verfeinern sie schrittweise die Wahrnehmung und Beschreibung der visuellen Welt mithilfe von Anleitungen der Lehrkraft.

Imaginieren

Die Fähigkeit, bildhafte Vorstellungen zu entwickeln, stellt für Schülerinnen und Schüler eine Möglichkeit dar, kreative Lösungen zu entwerfen. Dabei wird die Vielfalt ihrer Imaginationen in besonderer Weise gewürdigt. Erst in einem zweiten Schritt integrieren die Schülerinnen und Schüler Konzepte der Bildenden Kunst, der Architektur oder des Designs, um ihre individuellen und originellen Ideen weiterzuentwickeln. Entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten und ihrem Alter gestalten die Kinder und Jugendlichen ihre Entwürfe zunehmend nach thematischen oder technischen Gesichtspunkten.

Analysieren und deuten

Die Wahrnehmung des Menschen unterliegt immer und unmittelbar einem Deutungsprozess. Die Schülerinnen und Schüler beschreiben das von ihnen Wahrgenommene in einem ersten Schritt und machen sich bewusst, dass diesem der zweite Schritt der Deutung folgen kann. Mithilfe von Strukturierungen (z. B. Konzentration auf einen Ausschnitt, Satzeinstiegshilfen) erarbeiten die Schülerinnen und Schüler vielfältige Wege, ihre Deutungen zum Ausdruck zu bringen. Dabei wenden sie ihnen eigene Worte und erworbene Fachsprache an und üben fachliche Analysemethoden und Interpretationsansätze ein.

Werten

Das vergleichende Urteilen über selbst geschaffene und andere Werke sowie das Bewerten visueller Phänomene aus der Umwelt stellen eine wichtige Fähigkeit für Schülerinnen und Schüler dar. Über ein schnelles Urteil hinaus bewerten sie mithilfe von Strukturierungen (z. B. bebilderte Übersicht über Bewertungsstufen oder Bewertungskriterien) zunehmend reflektiert und begründen in einfachen Worten ihre Wertungen. Dabei achten sie auf eine wertschätzende Sprachwahl und gehen konstruktiv mit Kritik gegenüber fremden wie auch eigenen Werken um.

Gestalten

Das Gestalten nimmt einen herausragenden Platz im Unterrichtsgeschehen ein. Die Schülerinnen und Schüler erweitern zunehmend ihr Grundrepertoire bildnerischer Verfahren und damit die Fähigkeit, Aufgaben kreativ zu bewältigen – von Bildern auf Papier bis hin zur Ausgestaltung des Schulgebäudes, vom Modellieren mit Ton bis zum Trickfilm, vom szenischen Spiel bis zur Druckgrafik. Gestaltungskompetenz in diesem Sinne bildet die Basis der Schülerinnen und Schüler, das Erlernte jetzt und auch später in ihre Lebenswelt zu integrieren und bietet die Chance, sich selbst in sichtbaren Ergebnissen auszudrücken.

Durch Bilder kommunizieren

Bilder und Zeichnungen sind immer Mittel zur Kommunikation eigener Vorstellungen, Empfindungen und Wahrnehmungen. Durch das Überreichen und Präsentieren des individuell gestalteten Bildes eröffnen Kinder und Jugendliche einen kommunikativen Prozess. Zum einen werden dadurch Zuwendung und Wertschätzung ermöglicht, zum anderen Austausch und künstlerische Weiterentwicklung angebahnt.

2.3 Gegenstandsbereiche

Im Fach Kunst beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit Bildern, Objekten und Aktionen aus der Bildenden Kunst (möglichst auch an Originalwerken), ihrer gestalteten Umwelt (ebenfalls möglichst vor Ort), den visuellen Medien und mit den eigenen, individuellen wie kollektiven Erfahrungs- und Fantasiewelten. Diese nehmen sie wahr, deuten, beurteilen und gestalten sie. Dabei wirken jeweils folgende Faktoren zusammen: Thema/Gegenstand, Gestaltungs- und Kompositionsentscheidungen (in Form und Farbe, Raum und Zeit), Materialien und Werkmittel, werktechnische Verfahren sowie der jeweilige geschichtlich-kulturelle und auch interkulturelle Kontext.

Bildende Kunst

Im Gegenstandsbereich Bildende Kunst begegnen die Schülerinnen und Schüler Werken aus der Kunstgeschichte. An diese werden Fragen zur Erschließung gestellt. Darüber hinaus sind die bildnerischen Techniken hier verortet.

Gestaltete Umwelt

Architektur und Design bilden den Inhalt des Gegenstandsbereichs Gestaltete Umwelt. Die Schülerinnen und Schüler erschließen sich diesen Bereich in eigener Gestaltung wie reflektierter Rezeption.

Visuelle Medien

Im Bereich Visuelle Medien werden die in der Mittelschulstufe wichtigen technischen Medien zur Erzeugung von Bildern in das Zentrum gestellt. Die Schülerinnen und Schüler gestalten in diesen ebenso wie sie hier analytisch vorgehen, um Kritikfähigkeit zu erreichen.

Erfahrungs- und Fantasiewelten

Die beiden Gegenstandsbereiche Erfahrungs-und Fantasiewelten beziehen sich, miteinander korrespondierend, auf die Dinge der unmittelbaren Umgebung auf der einen Seite und auf die reichen Fantasiewelten der Schülerinnen und Schüler auf der anderen.

Motorik und Wahrnehmung

Für künstlerische Tätigkeiten ist es wichtig, Farb- und Formqualitäten wahrzunehmen, ein Kunstobjekt räumlich und perspektivisch zu erfassen, Materialien sinnlich zu erschließen und Gesehenes bildnerisch umzusetzen. Diese Zugangsweisen nutzen die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf geistige Entwicklung intensiv ebenso wie das Experimentieren mit verschiedenen Werkzeugen und Materialien, um sich an die verschiedenen Materialien und den Umgang mit den Werkzeugen zu gewöhnen. Das gezielte und sachgerechte Führen von Zeichengeräten und Werkzeugen schließt an die Phase des Ausprobierens an und verbessert die feinmotorischen Fähigkeiten. Hierfür nutzen die Schülerinnen und Schüler individuell ausgewählte Werkzeuge (z. B. Borstenpinsel anstatt Haarpinsel), verfolgen bewusst Handlungsdemonstrationen (z. B. Aufnehmen des Wassers mit dem Pinsel und Anrühren der Farbe) und lassen ggf. Handführung zu.

Denken und Lernstrategien

Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf geistige Entwicklung bringen für die angestrebte Handlungsplanung und Gestaltungsplanung sehr unterschiedliche persönliche Voraussetzungen mit. Einige Schülerinnen und Schüler schließen von einem fertigen Bild auf die notwendigen Handlungsschritte, planen diese – möglicherweise mit geringer Hilfestellung – in der richtigen Reihenfolge und setzen sie um. Andere erstellen gemeinsam mit der Lehrkraft einen individuell angepassten Arbeitsplan (z. B. mit Bildern oder Symbolen), welchen sie schrittweise umsetzen. Wiederum andere erledigen einen einzelnen Arbeitsschritt, bevor sie den nächsten besprechen und umsetzen. Es ist die Aufgabe der Lehrkraft, die Herangehensweise an Gestaltungsplanungen und Gestaltungsumsetzungen sowie Aufgaben der Kunstbetrachtung schrittweise einzuführen und für ein angemessenes Maß an Unterstützung zu sorgen, welches weder zu einer Unterforderung noch zu einer Überforderung führt. Dabei ist es wünschenswert, wenn sich auch die Schülerinnen und Schüler gegenseitig Hilfe leisten.

Um die Ordnung am Arbeitsplatz, die eine Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Arbeiten darstellt, sicherzustellen, nutzen die Schülerinnen und Schüler Markierungen oder Orientierungshilfen wie Bilder oder Symbole.

Kommunikation und Sprache

Die Kinder und Jugendlichen entschlüsseln Informationen auf eine für sie geeignete Weise, indem die Lehrkraft verbale Anweisungen mit Anschauungsobjekten oder Modellen, Bild- und Symbolkarten oder Gebärden unterstützt. So können sie Anweisungen umsetzen und selbständig kreativ werden. Einfache und komplexe Handlungsschritte im Umgang mit einem Bild verbalisieren die Schülerinnen und Schüler, auch unter Verwendung von Hilfsmitteln der Unterstützten Kommunikation, und setzen dabei Fachbegriffe sachgerecht ein. Die Verwendung von Fachbegriffen erweitert das sprachliche Ausdrucksvermögen und erlaubt exaktes und fachlich korrektes Arbeiten.

Emotionen und soziales Handeln

Die Betrachtung und Bewertung von eigenen Kunstwerken, Kunstwerken der Mitschülerinnen und Mitschüler und Kunstwerken internationaler Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Epochen fordert den Kindern und Jugendlichen in hohem Maße die Bereitschaft ab, sich auf möglicherweise Neues einzulassen und dieses unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen (z. B. befremdlich wirkende zeitgenössische Kunst). In diesem Prozess treten sie mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern in einen intensiven Austausch. Dabei spielen die unbedingte Wertschätzung und der Respekt vor der Leistung des anderen eine wesentliche Rolle, auch wenn gleichzeitig sachliche Kritik geäußert und angenommen werden soll. Es ist die Aufgabe der Lehrkraft, durch die eigene wertschätzende Haltung als Vorbild zu fungieren, den Prozess des Betrachtens und Bewertens (z. B. durch Satzeinstiegskarten, Beurteilungskriterien, einer Checkliste mit erwünschten und unerwünschten Formulierungen) vorzustrukturieren und die Schülerinnen und Schüler beim Annehmen von Kritik am eigenen Bild zu unterstützen.

Das Fach Kunst bietet weiter die Möglichkeit, eigene Haltungen und Meinungen zu entwickeln und sie auf faire Weise einzubringen.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Kunst

Der Fachlehrplan Kunst gliedert sich in thematische Einheiten, die sog. Lernbereiche, die nach der jeweiligen inhaltlichen Schwerpunktsetzung benannt sind. Innerhalb dieser Lernbereiche befinden sich die ausformulierten individuellen kompetenzorientierten Lernaktivitäten, in denen die Inhalte, anhand derer die Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen erwerben, integriert ausgewiesen sind. So wird eine stärkere Kompetenzorientierung sowie die Verknüpfung von prozessbezogenen Kompetenzen und Inhalten unterstützt. In jedem Lernbereich soll der Aufbau aller prozessbezogenen Kompetenzen gefördert werden.

Der Fachlehrplan ist in vier Lernbereiche unterteilt, in denen die fünf Gegenstandsbereiche Bildende Kunst, Gestaltete Umwelt, Visuelle Medien, Erfahrungswelten und Fantasiewelten des Kompetenzstrukturmodells aufgehen:

Lernbereich 1: Räumliches Gestalten
Lernbereich 2: Flächiges Gestalten
Lernbereich 3: Gestalten mit visuellen Medien
Lernbereich 4: Umgang mit Kunstwerken

Die Anordnung der Lernbereiche stellt keine Aussage über deren Wertigkeit und keine Vorgabe für eine zeitliche Abfolge im Unterricht dar. Vielmehr ist es erforderlich, die Lernbereiche durchgängig sinnvoll zu vernetzen, um damit handlungsorientiertes Arbeiten mit nachhaltigem Kompetenzerwerb zu ermöglichen.

Die entwicklungsbezogenen Kompetenzen in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln bilden die Grundlage für den individuellen Kompetenzerwerb im Fach Kunst.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Das Selbstverständnis des Faches Kunst erfordert auch immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Fächern, z. B.:

  • beim Bau von Modellen oder dreidimensionalen Objekten mit Werken und Gestalten.
  • beim szenischen Spiel mit Deutsch, Musik oder Sport.
  • bei der digitalen Bildbearbeitung mit Sach- und lebensbezogener Unterricht,
  • bei Beiträgen für Homepage, Schülerzeitung, Schulhausgestaltung oder der Ausgestaltung von Schulfesten mit Deutsch und ggf. vorhandenen Arbeitsgemeinschaften.
  • bei Studien von Naturobjekten und -phänomenen mit Sach- und lebensbezogener Unterricht.
  • beim Besuch von Museen, kunsthistorisch bedeutenden Bauten und Denkmälern mit Sach- und lebensbezogener Unterricht, Evangelischer sowie Katholischer Religionslehre oder Ethik.
  • beim Hören und Illustrieren von Geschichten mit Deutsch, Evangelischer sowie Katholischer Religionslehre oder Ethik.
  • beim Beschreiben und Analysieren von Bildern vor allem mit Deutsch.
    In der angemessenen sprachlichen Formulierung von Bildwahrnehmungen und Bildanalysen nutzen die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen aus dem Fach Deutsch und fördern ihre Deutschkompetenzen, z. B. durch die Erweiterung ihres Fachwortschatzes, gleichzeitig.
    Durch einen sprachsensiblen und die Fachsprache entwickelnden Unterricht werden für mehrsprachige Schülerinnen und Schüler die sprachlichen Voraussetzungen für gelingendes Lernen und erfolgreichen Kompetenzerwerb geschaffen.

5 Beitrag des Faches Kunst zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen

Das Fach Kunst verknüpft den Erwerb fachbezogener Kompetenzen mit verschiedenen schulart- und fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen.

5.1 Berufliche Orientierung

Die Auseinandersetzung mit der gestalteten Umwelt gibt vielfältige Einblicke in die Bereiche des Handwerks und des Kunsthandwerks sowie der Kreativwirtschaft bzw. Creative industries und erweitert so das Spektrum für die berufliche Orientierung, indem die Schülerinnen und Schüler eigene (bisher möglicherweise verborgene) kreative Fähigkeiten und Fertigkeiten entdecken bzw. bewerten. Sie beruht auf der Basis und der Reflexion der persönlichen Stärken und Interessen.

5.2 Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)

Die Schülerinnen und Schüler erwerben im Fach Kunst einen verantwortlichen Umgang mit Materialien, Werkzeugen und Energie und vertiefen dabei ihr Bewusstsein für Aspekte der Nachhaltigkeit.

5.3 Interkulturelle Bildung

In der Analyse und Deutung der Bildsprachen verschiedener Kulturen und Milieus erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler ein Verständnis von interkulturellen Fragestellungen. Durch den Wechsel des Standpunktes und das Betrachten einer Thematik aus ungewohnter Perspektive gewinnen die Schülerinnen und Schüler Sicherheit im Umgang mit Neuem und Fremdem. Sie können den Wert kultureller Vielfalt einschätzen und in eigene Gestaltungsvorhaben einfließen lassen.

5.4 Kulturelle Bildung

Vor allem in der Beschäftigung mit Kunstwerken, Architektur, Stadt- und Naturräumen sowie Denkmälern am Schulort und in der Region erweitern die Schülerinnen und Schüler ihr Verständnis für die eigene Umgebung als gewachsene Kulturlandschaft, die es zu erhalten wie weiterzuentwickeln gilt.

5.5 Medienbildung/Digitale Bildung/Politische Bildung

Die heutigen digitalen Medien sind vor allem Bildmedien und prägen die Umwelt sowie die Interessen und Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler signifikant. Die kritische sowie gestaltende Auseinandersetzung mit der Bildsprache dieser Medien im Kunstunterricht bildet einen wichtigen Beitrag zur Medienbildung und damit zur Politischen Bildung der Schülerinnen und Schüler. Sie nutzen digitale Systeme reflektiert und situationsangemessen zur Bearbeitung gestellter Aufgaben.

5.6 Soziales Lernen

In der Teamarbeit und in offenen Lernformen entwickeln die Schülerinnen und Schüler Verantwortung, Einfühlungsvermögen und soziale Fertigkeiten. Bilder sind mächtige Kommunikationsmittel und können Menschen z. B. erfreuen oder verletzen. Die Schülerinnen und Schüler vertiefen ihr Bewusstsein für diese Macht der Bilder, reflektieren die möglichen Folgen und üben den verantwortungsbewussten Umgang damit.

5.7 Sprachliche Bildung

Die Verständigung über Bilder erfolgt im Kunstunterricht vor allem sprachlich. Durch die zunehmende Differenzierung der sprachlichen Mittel im Beschreiben, Analysieren, Deuten und Werten erwerben die Schülerinnen und Schüler sprachliche Kompetenzen und verwenden Fachbegriffe bewusst und angemessen.

5.8 Werteerziehung

Die stetige Entwicklung von einfühlsamen, reflektierten und fachlich fundierten ästhetischen Urteilen (z. B. über Kunstwerke, Bilder aus anderen Kulturen, eigene Arbeiten oder die von Mitschülerinnen und Mitschülern) vertieft das Bewusstsein für die Bedeutung von ästhetischen Objekten und führt zu Aufgeschlossenheit und Toleranz gegenüber anderen und anderem. Die Schülerinnen und Schüler üben auf diese Weise Grundwerte ein, die für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft und zwischen den Kulturen unentbehrlich sind.