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Sport

1 Selbstverständnis des Faches Sport und sein Beitrag zur Bildung

Für Kinder und Jugendliche sind Spielen und Bewegung elementare Grundbedürfnisse und Ausdruck unmittelbar empfundener Lebensfreude. Der Sportunterricht greift diese Freude auf und fördert sie durch vielfältige, altersgemäße Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten. Dabei ermöglicht er den Schülerinnen und Schülern, den eigenen Körper unter verschiedenen Sinnrichtungen zu erfahren und dessen Leistungsfähigkeit zu erleben und zu entwickeln.

Bereits der Begriff körperlich-motorische Entwicklung verweist auf die besondere Rolle, die dem Sportunterricht gerade für Schülerinnen und Schüler mit einer Körperbehinderung zukommt. Kein anderes Schulfach verfügt über mehr Voraussetzungen und Möglichkeiten, speziell diesem Förderbedarf gerecht zu werden. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Erkrankungen und Behinderungen sind die sportmotorischen Lernvoraussetzungen sehr verschieden. Einige der Schülerinnen und Schüler benötigen auch während des Sportunterrichts individuelle Hilfsmittel. So kann der Rollstuhl einerseits als Sportgerät wahrgenommen werden, um Sportarten und Disziplinen wettkampfmäßig auszuüben. Andererseits lässt sich auch mit einem Rollator im Sinne einer ganzheitlich gesunden Lebensführung Sport treiben. Bei gemeinsamen Spielen sowie Mannschaftssportarten in heterogenen Gruppen ist allerdings auf die von Hilfsmitteln ausgehende Verletzungsgefahr für Mitspieler und Gegner zu achten.

Der Sportunterricht am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt körperlich-motorische Entwicklung hat die Aufgabe, Freude und Interesse an der Vielfalt sportlicher Bewegungsformen sowie das Bedürfnis nach regelmäßiger sportlicher Aktivität zu wecken, zu fördern und zu erhalten. Zunächst stehen zusammen mit der spielerischen und altersgemäßen Entwicklung der Grundeigenschaften Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit im Sportunterricht im Vordergrund. Darauf aufbauend werden die Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Lernbereichen dazu motiviert und befähigt, sich in ihrer Schulzeit und darüber hinaus sinnvoll und selbständig sportlich zu betätigen.

Im einzigen Bewegungsfach des schulischen Fächerkanons wird den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, sich handelnd und reflektierend mit ihrem Körper auseinanderzusetzen und anhand vielfältiger Bewegungserfahrungen die eigene körperliche Bewegungs- und Leistungsfähigkeit zu erleben, zu entwickeln, ein- und wertzuschätzen. Sie gewöhnen sich auf diesem Weg an eine ganzheitlich-gesundheitsorientierte Lebensweise mit sinnvoller und regelmäßiger sportlicher Betätigung und fördern so auch ihre kognitive Entwicklung. Zudem reflektieren sie die Vielfalt der Erscheinungsformen des Sports und erwerben die Kompetenz, Trends und Sportkonzepte zu beurteilen.

Es darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass besonders Schülerinnen und Schüler mit erheblichen motorischen Einschränkungen in der Auseinandersetzung mit verschiedenen Bewegungshandlungen auch mit ihren körperlichen Grenzen konfrontiert werden. Der Sportunterricht vollzieht dabei einen Perspektivwechsel weg vom Nichtkönnen, hin zur Gestaltung von Bedingungen, in denen Bewegungsaufgaben erfolgreich gemeistert werden können.

Neben der Hinführung der Schülerinnen und Schüler zu sportlicher Handlungsfähigkeit und der Ausbildung ihrer motorischen, koordinativen und konditionellen Leistungsfähigkeit, zielt der Sportunterricht insbesondere in den Lernbereichen Gesundheit und Fitness, Fairness, Kooperation, Selbstkompetenz sowie Freizeit und Umwelt auf die Erziehung durch Sport ab. Sport, Spiel und Bewegung in einer (Klassen-)Gemeinschaft unterstützen durch vielfältige interaktive Handlungsanlässe, individuelle Ausdrucksmöglichkeiten und gemeinsame Erlebnisse den Erwerb grundlegender personaler und sozialer Kompetenzen. Dazu gehören u. a. Kooperationsfähigkeit, Fairness, Teamgeist, Rücksichtnahme, der Umgang mit Sieg und Niederlage, Durchhaltevermögen sowie Anstrengungs- und Leistungsbereitschaft.

Der Sportunterricht trägt damit wesentlich zu einer ganzheitlichen Persönlichkeits- und Werteerziehung bei und fördert dadurch auch den konstruktiven Umgang mit Heterogenität in der Klassengemeinschaft. In einer sich wandelnden, zunehmend technologisierten Gesellschaft schafft der Sportunterricht Bewegungszeiten und ‑räume und damit Möglichkeiten für reale soziale Beziehungen und wirkt so Passivität und fehlender Anstrengungsbereitschaft entgegen.

Sport und Bewegung spielen über den Sportunterricht hinaus eine wichtige Rolle. Der außerunterrichtliche Schulsport bereichert mit vielfältigen Angeboten („Bewegte Schule“, Bundesjugendspiele, Jugend trainiert für Paralympics, schulsportliche Wettbewerbe, Sport- und Schulfeste, Schülerfahrten mit sportlichen Elementen, Projekttage u. a.) die schulische Sport- und Gesundheitserziehung und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung des Schullebens und zur Stärkung des Schulprofils. Darüber hinaus ergeben sich Brücken zum außerschulischen Sport und zur Zusammenarbeit mit den Vereinen, um dadurch die Einbindung in ein sportorientiertes Umfeld zu fördern.

1.1 Hinweise zum koedukativen Sportunterricht

Der Sportunterricht in der Grundschule wird koedukativ im Klassenverband erteilt.In der Mittelschule wird er in nach Geschlechtern getrennten Sportklassen unterrichtet.

Die Kompetenzerwartungen und Inhalte in den verschiedenen Lernbereichen gelten für Mädchen und Jungen. Wo eine Trennung nach Geschlechtern nicht möglich ist, kann der Unterricht vor allem unter Berücksichtigung der besonderen Belange eines nicht geschlechtsspezifisch erteilten Sportunterrichts und der Leistungsvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler koedukativ erteilt werden. Die Entscheidung hierüber trifft die Schulleiterin bzw. der Schulleiter. Über die sportfachlichen und organisatorischen Voraussetzungen hinaus sind allgemeine pädagogische Grundsätze verantwortungsbewusst anzuwenden.

1.2 Hinweise zur Sicherheit im Unterricht

Bei allen sportlichen Aktivitäten sind die amtlichen Sicherheitsbestimmungen und die Veröffentlichungen der Kommunalen Unfallversicherung Bayern (KUVB) zur Sicherheitserziehung und zum Gesundheitsschutz zu beachten. Insbesondere bei gefahrengeneigten Sportlichen Handlungsfeldern wie sich im Wasser bewegen / Schwimmen und Sportklettern ist auf die Qualifikation der Lehrkraft zu achten.

2.1 Kompetenzstrukturmodell

Kompetenzstrukturmodell Sport

Das Kompetenzstrukturmodell für das Fach Sport gliedert sich in zwei Bereiche, die im Unterricht stets miteinander verknüpft werden: in die prozessbezogenen Kompetenzen (Ringe) und in die inhaltsbezogenen Kompetenzen, welche in vier Gegenstandsbereichen (Quadrate) erworben werden. Die Gegenstandsbereiche Sportliche Handlungsfelder, Gesundheit und Fitness, Freizeit und Umwelt sowie Fairness/Kooperation/Selbstkompetenz stehen in enger und vielfältiger Wechselwirkung zueinander und erfahren je nach Zielsetzung im Unterricht eine unterschiedliche Ausprägung.

Das Kompetenzstrukturmodell des Faches Sport erhält eine Erweiterung durch die vier Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln, deren Zusammenwirken erfolgreiche Lernprozesse ermöglicht. Die persönlichen Ressourcen in den Entwicklungsbereichen sind die Grundlage für die Planung und Gestaltung von Lernsituationen. Dadurch ergeben sich Hinweise und Impulse für die kriterienorientierte Schülerbeobachtung und für die Feststellung des individuellen Entwicklungsstandes.

Leisten

Kinder und Jugendliche wollen etwas können, sich durch ihre Leistungen ausdrücken und sich miteinander vergleichen. Im Sportunterricht bedeutet leisten, sportliches Handeln und die dabei erzielten Ergebnisse in Bezug zu subjektiven und objektiven Gütekriterien zu setzen und entsprechend zu beurteilen. Um die Vergleichbarkeit der äußerst heterogenen Schülerschaft mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich körperliche und motorische Entwicklung untereinander aber auch mit ihren nicht beeinträchtigten Mitschülerinnen und Mitschülern zu gewährleisten, bietet sich im Schwimmen und in der Leichtathletik eine Orientierung an der 1000-Punkte-Wertung an. Entsprechend ihres Handicaps werden Schülerinnen und Schüler dabei in verschiedene Funktionsgruppen eingeteilt. Ein Faktor, der je nach Disziplin größer oder kleiner Null ist, sorgt für die Umrechnung der gemessenen Leistung in Wertpunkte.

Neben der Objektivierbarkeit der Leistung kommt allerdings auch dem individuellen Lernfortschritt als persönliche Leistung eine wichtige Rolle zu. Die Schülerinnen und Schüler verarbeiten Erfolge und Misserfolge im Sport zunehmend angemessen, indem sie die Zusammenhänge von Leistungsanforderungen, ‑voraussetzungen, ‑ergebnissen und ‑beurteilungen immer besser verstehen lernen.

Gestalten

Die Kompetenz des Gestaltens erwerben die Schülerinnen und Schüler, indem sie auf Grundlage vielfältiger Bewegungserfahrungen lernen, Bewegungsmöglichkeiten variantenreich und kreativ einzusetzen und Bewegungshandlungen individuell bzw. situativ zu gestalten. Die Heterogenität der Klasse ist für diesbezügliche Vielfalt förderlich.

Spielen

Das sportliche Spielen lebt im Wesentlichen von der Ungewissheit seines Ausgangs und von der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen innerhalb vorgegebener Spielregeln, aber auch vom Anpassen der Spielidee und Spielregeln an unterschiedliche Voraussetzungen der Mitspielerinnen und Mitspieler. Hierzu sammeln die Schülerinnen und Schüler Erfahrungen durch zahlreiche Bewegungs- und Sportspiele in unterschiedlichen Spielräumen.

Wahrnehmen, analysieren, bewerten

Mit verschiedenen Sinnen nehmen die Schülerinnen und Schüler beispielsweise ihren Körper, ihre Bewegungen und die ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler, sportliche Herausforderungen und eigene Fähigkeiten, aber auch Gefahren zunehmend differenziert wahr. Sie analysieren diese Wahrnehmungen und bewerten sie zunehmend realistisch.

Entscheiden, handeln, verantworten

Auf Grundlage ihrer Wahrnehmung, Analyse und Bewertung lernen die Schülerinnen und Schüler, in den Sportlichen Handlungsfeldern sach- und situationsgerechte Entscheidungen zu treffen, entsprechend zu handeln und ihre Handlungen auch zu verantworten.

Kooperieren, kommunizieren, präsentieren

Der Sportunterricht befähigt die Schülerinnen und Schüler, sich fair und kooperativ zu verhalten, angemessen verbal und nonverbal zu kommunizieren und Bewegungen sowie theoretische Inhalte allein, paarweise und in der Gruppe zu präsentieren.

Sportliche Handlungsfelder

Der Gegenstandsbereich Sportliche Handlungsfelder steht im Zentrum des Sportunterrichts und umfasst:

  • Laufen, Springen, Werfen / Leichtathletik
  • Sich im Wasser bewegen / Schwimmen
  • Spielen und Wetteifern mit und ohne Ball / Kleine Spiele und Sportspiele
  • Sich an und mit Geräten bewegen / Turnen und Bewegungskünste
  • Sich körperlich ausdrücken und Bewegungen gestalten / Gymnastik und Tanz
  • Sich auf Eis und Schnee bewegen / Wintersport (vgl. Jahrgangsstufe 7)

Im Rahmen dieser Sportlichen Handlungsfelder und der damit verbundenen Bewegungserfahrungen setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Körper auseinander und erlernen vielseitige sportliche Bewegungsformen.

Gesundheit und Fitness

Im Gegenstandsbereich Gesundheit und Fitness erwerben die Schülerinnen und Schüler wesentliche Grundlagen gesundheitsorientierter sportlicher Betätigung und erkennen dabei deren Bedeutung für eine ganzheitlich gesunde Lebensführung. Neben der Verbesserung ihrer gesundheitsrelevanten Fitness wird auf die Entwicklung von Körperbewusstsein und die Übernahme von Verantwortung für den eigenen Körper Wert gelegt.

Fairness/Kooperation/Selbstkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln im Gegenstandsbereich Fairness/Kooperation/Selbstkompetenz soziale und personale Kompetenzen wie Fairplay, Teamgeist, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen, Leistungsbereitschaft, Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein sowie die Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Zudem erlangen sie eine wertschätzende Haltung bezüglich der eigenen Leistung und der Leistungen anderer und erkennen den Wert gegenseitiger Unterstützung und Rücksichtnahme.

Freizeit und Umwelt

Im Gegenstandsbereich Freizeit und Umwelt erwerben die Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit, bei der Ausübung von Sportarten im Freien auf den schonenden und nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu achten. Ferner lernen sie, unterschiedliche Interessen anderer Nutzerinnen und Nutzer öffentlicher und natürlicher Räume zu respektieren und ihr Verhalten darauf abzustimmen. Der Sportunterricht bietet den Schülerinnen und Schülern Orientierung für die Freizeitgestaltung mittels sportlicher Betätigung.

Motorik und Wahrnehmung

Motorik und Wahrnehmung schaffen einerseits Bedingungen, die sportliche Bewegungsformen erst ermöglichen. Andererseits stellen alle Sportarten Ansprüche an die Körperlichkeit und Perzeption der Sportlerin und des Sportler selbst. In diesem Spannungsverhältnis stehen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich körperliche und motorische Entwicklung. Während nahezu jeder über Möglichkeiten verfügt, sich im weitesten Sinne sportlich zu betätigen, haben selbstredend nicht alle Schülerinnen und Schüler die für eine bestimmte Disziplin notwendigen Lernvoraussetzungen. Aufgrund der immensen Heterogenität dieser Schülerschaft lassen sich in diesem Entwicklungsbereich auch ansatzweise keine Generalisierungen vornehmen. Einer Athletin bzw. einem Athleten, die bzw. der an einer chronischen Krankheit leidet oder von einer Fehlfunktion eines Organs betroffen ist, können bisweilen wesentlich mehr Sportliche Handlungsfelder offenstehen, als einer Schülerin bzw. einem Schüler mit einer Querschnittslähmung.

Grundsätzlich sind die meisten Schülerinnen und Schüler mit sonderpädgogischem Förderbedarf im Bereich körperliche und motorische Entwicklung in der Lage, bestimmte Sportarten auszuführen. Dies gilt im Besonderen für Individualsportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen. So schwimmt beispielsweise eine Schülerin bzw. ein Schüler mit einer Halbseitenlähmung in Rückenlage, indem sie bzw. er idealtypisch den Armzug mit dem beweglicheren Arm in der Reinform durchführt, den von einer Spastik betroffene Arm an den Oberkörper drückt und dabei ebenso Start und Wende durchführt wie nichtbehinderte Athleten. Beim Sprinten oder Ausdauertraining in der Leichtathletik wird der Rollstuhl vom alltäglichen Fortbewegungsmittel zum Sportgerät. Durch das Trainieren der Kraft, Schnelligkeit und Koordination im Bereich der Technik des Rollstuhlfahrens, aber auch durch motorische Entwicklungsschübe kommt es zu Leistungssteigerungen. Dass sich auch dies nicht verallgemeinern lässt, zeigen Schülerinnen und Schüler mit einer progredienten Erkrankung, die im Laufe der Entwicklung immer mehr motorische Fähigkeiten verlieren.

Während im prozessbezogenem Kompetenzbereich des Leistens die Schülerinnen und Schüler Bewegungsausführungen höchstens soweit verändern, dass die Disziplin als solche noch zu erkennen ist (z. B. Rückenschwimmen ohne Armzug aufgrund einer spastischen Tetraparese), bieten sich diesen Schülerinnen und Schülern bei der Gestaltung von Bewegungsarrangements mannigfaltige Möglichkeiten, auf der Grundlage ihrer individuellen motorischen Voraussetzungen sowohl Bewegungserfahrungen zu machen als auch Bewegungshandlungen selbst zu gestalten, z. B. Fahrt mit dem Elektrorollstuhl über eine Wippe oder verschiedene Untergründe. Dabei stehen freudvolle Bewegungsabläufe ohne übermäßigen Kraftaufwand im Vordergrund. Besonders für Schülerinnen und Schüler mit cerebralen Bewegungsstörungen eignen sich solche sportlichen Angebote eher zur individuellen Leistungssteigerung als wettkampforientierte Spielformen, bei denen die willentliche Anstrengung den ohnehin durch pathologische Muskelspannungen erschwerten Bewegungsmöglichkeiten noch zusätzlich entgegensteht. Auch Schülerinnen und Schüler mit mangelnden oder oft auch fehlenden Bewegungserfahrungen, z. B. bei einer Querschnittslähmung, bieten derartige Arrangements eine Möglichkeit, basale Grundtätigkeiten wie Klettern, Hangeln, Schwingen oder Stützen zu erproben.

Bei vielen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich körperliche und motorische Entwicklung sind außerdem Besonderheiten in der Informationsaufnahme und ‑verarbeitung zu beobachten. Vor allem bei Schülerinnen und Schülern mit cerebraler Parese und zusätzlicher Sinnesbehinderung können nicht nur die Exterorezeptoren (Auge, Ohr etc.), sondern auch die Propriozeptoren (Muskel- und Lagesinn) betroffen sein. Ein Hallenboden mit seinen verschiedenfarbigen Feldern kann für manche Schülerinnen und Schüler aufgrund einer veränderten visuellen Figur-Grund-Unterscheidung derart problematisch sein, dass die für das Spiel wesentlichen Markierungen nur unzureichend erkannt werden. Ferner hemmt eine erschwerte Wahrnehmung von eigenen Körperbewegungen sowie der eigenen Körperteile zueinander eine idealtypische Bewegungsausführung vor allem bei koordinativen Anforderungen. Die Betroffenen entwickeln ihrerseits bisweilen Kompensationstechniken, um eine bestimmte sportmotorische Aufgabe zu bewältigen und sind dabei nach Möglichkeit zu unterstützen. Schließlich wirkt sich die taktil-kinästhetische Wahrnehmung ebenso auf das Körper- und Berührungsempfinden aus. Eine gelähmte Körperpartie wirkt beispielsweise dem ungehinderten Empfinden von Anspannung und Entspannung entgegen.

Denken und Lernstrategien

Sensomotorische Erfahrungen bilden die Grundlage der kognitiven Entwicklung. Bei Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf körperliche und motorische Entwicklung ist dieser Zusammenhang auf grundlegender Ebene verändert. Bereits einfachste frühkindliche Erfahrungen können davon betroffen sein, die ihrerseits wiederum Auswirkungen beispielsweise auf den Aufbau des Körperschemas und der räumlichen Vorstellung haben können. Bei den Betroffenen ist zu unterscheiden, ob es sich dabei um eine direkte Folge einer Schädigung des Gehirns oder um nicht hirngeschädigte Schülerinnen und Schüler mit einer Körperbehinderung handelt. Wesentlich darüber hinaus ist der Zeitpunkt des Eintretens der Körperbehinderung, da eventuell zuvor bereits Erfahrungen gesammelt wurden.

Daraus können sich vor allem bei Mannschaftssportarten eine veränderte Antizipation von Spielsituationen bei Schülerinnen und Schülern mit einer Körperbehinderung als auch generell Auswirkungen auf das eigene Bewegungshandeln ergeben. Ferner resultieren aus dem Verharren in bestimmten Handlungsabläufen, die als Folge einer zentralen Schädigung zu beobachten sind und in der aktuellen, neuen Situation nicht mehr sinnvoll sind, Schwierigkeiten bei der Anpassung an neue Konstellationen im Spiel. Darüber hinaus, abhängig von der Lokalisation der Läsion im Gehirn, besteht die Möglichkeit, dass diese Schülerinnen und Schüler durch eine verminderte kognitive Kontrolle in der strategischen Planung von Bewegungsabläufen vermehrt auf kleinschrittige, bildunterstützte Beschreibungen, Vormachen und Nachmachen oder Bewegungsführungen angewiesen sind.

Weiterhin sind Verständnisschwierigkeiten im Bereich komplexer Regelwerke oder auch taktischer Varianten, wie z. B. im Rollstuhlbasketball zu erwarten. Eine qualitative und quantitative Reduktion des Reglements oder ein Ausweichen auf alternative Sportspiele kommt gerade diesen Schülerinnen und Schülern entgegen. Auch während der Reflexionsphasen nach frei gestellten Bewegungsangeboten bedürfen manche Schülerinnen und Schüler Hilfen bei der Formulierung ihrer Erfahrungen wie auch beim Verbalisieren von gewünschten Veränderungen der Bewegungsarrangements. Letztlich sei auf Schülerinnen und Schüler mit chronischen Krankheiten sowie Fehlfunktionen von Organen (z. B. Fehlbildungen des Herzens, Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems) hingewiesen, deren Belastbarkeit und folglich auch deren Konzentrations-, Ausdauer- sowie Antizipationsfähigkeit in ermüdetem Zustand deutlich herabgesetzt ist.

Kommunikation und Sprache

Letztgenannter Zusammenhang betrifft auch den Entwicklungsbereich der Kommunikation sowie der Sprache. Einige Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich körperliche und motorische Entwicklung weisen neben ihrer körperlichen ebenso eine sprachliche Beeinträchtigung auf. Bei dieser Thematik ist ähnlich der motorischen Dimension eine enorme Heterogenität zu beobachten. Die Bandbreite reicht von Sprachentwicklungsstörungen über Dysarthrien bis hin zu Anarthrien, bei denen keinerlei Sprechbewegungen mehr ausgeführt werden können. Dies macht den Einsatz von Mitteln der Unterstützten Kommunikation, insbesondere elektronischer Hilfen notwendig. Neben dem aktiven Wortschatz ist bisweilen auch der passive bei diesen Schülern betroffen.

Im Sportunterricht kommt letztgenannter vor allem bei der Vermittlung von Regeln, Bewegungsausführungen und taktischen Fertigkeiten zur Geltung. Dabei ist nicht davon auszugehen, dass alle Schülerinnen und Schüler am Förderzentrum mit dem Förderschweprunkt körperliche und motorische Entwicklung über eine Vorstellung von gängigem Vokabular aus der Sportsprache verfügen, da oftmals der Rückgriff auf gemachte Erfahrungen nicht in dem erforderlichen Maße erfolgt. In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass über eigenes Körpererleben vorhandene Begriffe mit Inhalten gefüllt werden müssen, um gegenseitiges Verstehen erst zu ermöglichen.

Aktive Sprache kommt v. a. in Reflexionsphasen während Rückmeldungen über Bewegungsausführungen sowie in Lernsituationen bei Regelabsprachen oder auch in sozialen Situationen, wie z. B. im Spiel, in dem taktische Varianten geklärt oder aber auch Konflikte ausgetragen werden, zur Geltung. Ist das Sprachvermögen eingeschränkt, sind diese Schülerinnen und Schüler auf mehr Zeit zur Erläuterung eines Sachverhalts sowie auf die Geduld der Mitschülerinnen und Mitschüler ebenso angewiesen, wie auch auf die richtige Interpretation von nonverbaler Kommunikation im Spiel.

Emotionen und soziales Handeln

Besonders im Sportunterricht, bei dem Körpererfahrungen eine wesentliche Rolle spielen, geraten einerseits Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich körperliche und motorische Entwicklung bisweilen an ihre eigenen Grenzen des Nicht-Könnens, erleben jedoch andererseits neue Möglichkeiten des körperlichen Empfindens und Erprobens.

Durch die im Laufe der individuellen Biografie stattfindende Auseinandersetzung mit der eigenen Körperlichkeit sowie der damit verbundenen Konfrontation mit negativen Erfahrungen, die besonders bei Schülerinnen und Schülern mit progredienten Erkrankungen bis hin zum Vertrauensverlust in den eigenen Körper führen können, entwickelt sich ein fragiles Selbstbild, das sich durch den in der Pubertät stattfindenden Vergleich mit anderen noch verfestigt. Davon massiv betroffen ist das Zutrauen in die eigene körperliche Leistungsfähigkeit und somit die individuelle Auswahl von Übungsangeboten. Denkbar sind Aufgaben mit einem extrem niedrigen Anforderungsniveau, welche in jedem Fall bewältigt werden. Frustrationen bleiben erspart, jedoch ist dabei der Lernzuwachs gering. Dagegen bestätigt ein überhöhtes Anforderungsniveau im Sinne einer selbst erfüllenden Prophezeiung das eigene Nicht-Können.

Des Weiteren geraten einige Schülerinnen und Schüler mit einer körperlichen Beeinträchtigung aufgrund häufiger Krankenhausaufenthalte, vielfältiger Therapieangebote, aber auch durch Überbehütungstendenzen sowie Bewegungsarmut während der individuellen Entwicklung in eine Passivität, die sich auch im Sportunterricht durch Antriebslosigkeit sowie einer geringeren Motivation, sich selbst aktiv zu bewegen, bemerkbar machen kann.

Jedoch erleben sich Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich körperliche und motorische Entwicklung gerade im Sportunterricht auch positiv. Dies wirkt sich in zweifacher Hinsicht förderlich für die Entwicklung des Selbst und der Ich-Identität aus: Erstens erfahren sie beispielsweise beim Schwimmen Barrierefreiheit. Eine Fortbewegung im Wasser ohne Rollstuhl und Hilfsmittel ermöglicht die Erfahrung von Freiheit sowie ein Gefühl, bei dieser Aktivität nicht behindert zu sein. Des Weiteren tritt im Wasser die Körperbehinderung nicht offensichtlich zu Tage. Gespräche mit Klassenkameradinnen und ‑kameraden können somit, ohne den augenscheinlichen Aspekt des Handicaps, unbeschwerter verlaufen; eine Kommunikation auf Augenhöhe wird somit auch in dieser Doppeldeutigkeit ermöglicht. Zweitens wirkt sich das Zustandekommen sportlicher Erfolge trotz Handicap sowie im besonderen Maße die daraus resultierende Anerkennung und Wertschätzung der Leistung durch Mitschülerinnen und Mitschüler positiv sowohl auf das Selbstwertgefühl als auch auf die Identitätsentwicklung aus.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Sport

Die entwicklungsbezogenen Kompetenzen in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache, Emotionen und soziales Handeln bilden die Grundlage für den individuellen Kompetenzerwerb im Fach Sport.

Die Lernbereiche des Fachlehrplans Sport entsprechen den Gegenstandsbereichen des Kompetenzstrukturmodells und sind im Unterricht stets miteinander vernetzt. Die Kompetenzen der Lernbereiche Gesundheit und Fitness, Fairness/Kooperation/Selbstkompetenz sowie Freizeit und Umwelt werden vor allem im Rahmen der Sportlichen Handlungsfelder erworben.

Je nach Qualifikation der Lehrkraft und unter Einhaltung der einschlägigen Sicherheitsbestimmungen können im Rahmen des pädagogischen Freiraums Schnupperangebote, z. B. mit Inhalten von Trendsportarten, Eingang in den Sportunterricht finden.

Daneben kann der Sportförderunterricht als Wahlunterricht einen Beitrag zur individuellen motorischen und psychosozialen Förderung von Kindern und Jugendlichen leisten.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Der Sportunterricht bietet viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Fächern. Vor allem im Fach Musik (Bewegung – Tanz – Szene) sowie im Fach Natur und Technik (Mensch und Gesundheit), aber auch in Fächern wie Ethik (Spielen, Freizeitgestaltung), Katholische Religionslehre (christliches Menschenbild – Verantwortung übernehmen für mein Handeln) oder Evangelische Religionslehre (Umgang mit Konflikten) gibt es zahlreiche Anlässe und Themenfelder, die gemeinsam gestaltet werden können. Mehrsprachige Schülerinnen und Schüler werden beim Erwerb der Fachbegriffe dahingehend unterstützt, dass sie sich in deutscher Sprache über fachliche Inhalte austauschen und verständigen können.

5 Beitrag des Faches Sport zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen

Der Sportunterricht leistet vielfältige Beiträge zu den fächer- und schulartübergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen. Dies gilt vor allem für die Bereiche:

5.1 Gesundheitsförderung

Die Schülerinnen und Schüler nehmen im Sportunterricht ihren Körper verstärkt wahr und entwickeln eine positive Haltung zum eigenen Körper. Sie übernehmen im Sinne einer allgemeinen Gesundheitsvorsorge Verantwortung für ihren Körper, u. a. durch regelmäßige Bewegung sowie Beachtung von Sicherheits- und Hygieneregeln.

5.2 Soziales Lernen

Durch das kooperative Miteinander und das faire Gegeneinander lernen die Schülerinnen und Schüler, im Sportunterricht achtsam, respekt- und rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Sie akzeptieren Konflikte als festen Bestandteil der gemeinsamen Interaktion und lernen, angemessen mit ihnen umzugehen.

Durch die starke Heterogenität der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung lernen sie mit Verschiedenheiten angemessen umzugehen und erkennen, dass sportliche Leistungsfähigkeit unabhängig vom Handicap möglich ist. Damit leistet der Sportunterricht einen wertvollen Beitrag zur Selbstverwirklichung in sozialer Integration.

5.3 Werteerziehung

Gegenseitige Hilfe und Unterstützung sind fester Bestandteil im Sportunterricht. Darüber hinaus setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit Normen und Regeln, deren Einhaltung und gerechter Anwendung und mit Vorbildern auseinander. Sie entwickeln ihr eigenes Wertegefüge und ein an den Grundwerten einer demokratischen Gesellschaft orientiertes Handeln.

5.4 Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)

Insbesondere bei der Bewegung im Freien lernen die Schülerinnen und Schüler ihre natürliche Umgebung und eine saubere Umwelt schätzen, erfahren diese als schützenswert und üben einen achtsamen und verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt ein.

5.5 Kulturelle Bildung

Sport ist ein fester und prägender Bestandteil unserer Kultur. Der Kompetenzerwerb im Fach Sport ermöglicht den Schülerinnen und Schülern eigentätigen sowie beobachtenden Zugang zu finden zu den vielfältigen Erscheinungsformen des Sports und seiner gesellschaftlichen Bedeutung.

5.6 Interkulturelle Bildung

Sportunterricht ist durch unmittelbare Interaktion geprägt. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln soziale Sensibilität, Kontaktfähigkeit und ein Verständnis für das Handeln des anderen, unabhängig von dessen kulturellem Hintergrund. Die Schülerinnen und Schüler erfahren die sportliche und musikalische Vielfalt anderer Kulturen, etwa Tänze oder landesspezifische Sportarten.