Lehrplan PLUS

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Vergleichsauswahl 2

Bildungs- und Erziehungsauftrag für den Förderschwerpunkt Sprache

1 Kinder und Jugendliche mit dem Förderbedarf Sprache

Das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache besuchen Kinder und Jugendliche, die Entwicklungsverzögerungen in ihren produktiven und rezeptiven Sprachfähigkeiten sowie in ihrer Kommunikation aufweisen. Diese können aufgrund von persönlichen, familiären und sozialen Bedingungen schulisches Lernen und den Erwerb emotionaler und sozialer Kompetenzen ungünstig beeinflussen. Kinder und Jugendliche mit dem Förderbedarf Sprache können mit Unterstützung des MSD auf Wunsch der Eltern an allgemeinen Schulen inklusiv beschult werden.
Erziehung, Unterricht und Förderung orientieren sich an den individuellen Unterstützungs- und Förderbedürfnissen der einzelnen Schülerin und des einzelnen Schülers und haben neben den Lerninhalten der allgemeinen Schule die Ausbildung entwicklungsbezogener Kompetenzen in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache und Emotionen und soziales Handeln zum Ziel.

Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich Artikulation (Phonetik und Phonologie)

  • ersetzen Laute und/oder Lautverbindungen oder bilden diese fehlerhaft.
  • bilden Laute zwar isoliert richtig, jedoch in Wörtern falsch bzw. ersetzen diese.
  • zeigen Auffälligkeiten in der Mundmotorik, Atmung und Stimmgebung.

Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich Wortschatz (Semantik und Lexikon)

  • zeigen einen eingeschränkten rezeptiven und produktiven sowie langsam wachsenden Wortschatz.
  • lernen die Form und Bedeutung von Wörtern nur lückenhaft und speichern Wörter unsicher ab.
  • zeigen keine Strategien, lexikalische Konzepte aufzubauen oder zu verändern.

Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich Grammatik (Syntax und Morphologie)

  • realisieren Regelhaftigkeiten der Sprache, ihre Satzstrukturen und die Beugung der Wörter nicht altersangemessen.
  • extrahieren relevante Informationen zur Regelbildung aus gehörter Sprache nur unzureichend.
  • erkennen und verstehen morphologische Markierungen nicht.

Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich Sprachverständnis

  • nehmen gehörte Sprache nur unzureichend wahr.
  • fehlinterpretieren Sprache auf der Laut- Wort- und Satzebene.
  • nehmen Nichtverstehen kaum wahr und fragen nicht zielgerichtet nach.

Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich Kommunikation

  • gestalten kommunikative Situationen nicht entwicklungsgemäß.
  • sie halten Blickkontakt nicht aufrecht und wenden keine Gesprächsstrategien an.
  • äußern sich sprachlich wenig strukturiert und verknüpfen Äußerungen nicht.
  • kommunizieren nur in einem ausgewählten Personenkreis oder verweigern Kommunikation (Mutismus).

Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Bereich Redefluss

  • sprechen sehr schnell und monoton, lassen Laute oder Wortteile aus und/oder vertauschen diese und nehmen ihre überhastete Sprechweise nur eingeschränkt wahr (Poltern).
  • wiederholen Laute und Silben, dehnen diese und/oder zeigen Blockaden in Sprachäußerungen (Stottern).

Die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in den Bereichen Sprache und auditive Wahrnehmung

  • verfügen über eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und eine eingeschränkte auditive   Merkfähigkeit.
  • filtern aus der Fülle sprachlichen Inputs relevante Informationen unzureichend.
  • verarbeiten sprachliche Informationen verlangsamt und unvollständig.

Der Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Sprache kann neben Sprache auch die Entwicklungsbereiche Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung betreffen.
Diese Schülerinnen und Schüler ….

  • vermeiden Situationen, in denen ihre sprachliche Beeinträchtigung auffällig wird.
  • treten als Sprecher vor der Gruppe gehemmt auf.
  • erleben ihren sprachlichen Förderbedarf als Beeinträchtigung im sozialen Umgang.
  • können ihre eigenen Befindlichkeiten nicht angemessen mitteilen sowie Wünsche und Interessen nicht situationsbezogen vertreten.
  • prägen sich Lerninhalte lückenhaft ein und rufen diese unvollständig ab.
  • benötigen Unterstützung bei der Handlungsplanung.

2 Werteorientierung in einer demokratischen Gesellschaft

Das pädagogische Handeln im Unterricht und im Schulleben orientiert sich an den in Artikel 131 der Verfassung des Freistaates Bayern genannten Bildungszielen sowie an den Grundsätzen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern. Eine weitere Grundlage bildet das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen.

Auf der Grundlage dieser Bildungsziele, Grundsätze und Werte beobachten und überdenken die Schülerinnen und Schüler ihr Handeln und ihre Begegnungen mit Mitschülerinnen und Mitschülern in alters- und entwicklungsangemessener Weise. Sie erfahren in ihrem schulischen Alltag die Bedeutung und Notwendigkeit eines demokratischen, achtsamen, toleranten und respektvollen Umgangs. Im gemeinsamen Schulleben und durch die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Lebensweisen erweitern sie ihren Erfahrungshorizont, ihre Bewertungsmaßstäbe sowie ihre Handlungsmöglichkeiten. Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf Sprache erhalten Unterstützung auf ihrem Weg, Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen zu übernehmen, um als mündige Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und dieses mitzugestalten. Kinder und Jugendliche haben das Recht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten an Entscheidungen mitzuwirken, die sie selbst sowie die Klassen- und Schulgemeinschaft betreffen.


3.1 Profilbildende Elemente des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Sprache

Das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache ist ein erster, alternativer oder temporärer schulischer Lernort und führt je nach Bildungsgang zum erfolgreichen oder qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, zum Mittleren Schulabschluss oder zum individuellen Abschluss. Es ist ein Bildungsort für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Stärken, Interessen, Lern- und Entwicklungsvoraussetzungen, kulturellen und sozioökonomischen Hintergründen. Die Schülerinnen und Schüler haben individuelle Förderbedürfnisse primär im Bereich Sprache und Kommunikation. Kinder und Jugendliche mit dem Förderbedarf Sprache besuchen das Förderzentrum, nachdem sich ihre Eltern bzw. Erziehungs- und Sorgeberechtigten bewusst dafür entschieden haben.

Lernen in der Schule rückt die individuellen Entwicklungsvoraussetzungen und biografischen Erfahrungen des Kindes und Jugendlichen in den Vordergrund. Lehrkräfte des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Sprache gestalten Lernumgebungen so, dass sie ganzheitlich und individuell die fachlichen, methodischen, personalen und sozialen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler fördern und dabei an den biografischen, kulturellen, weltanschaulichen und religiösen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler anknüpfen. Eine wertschätzende und annehmende pädagogische Beziehung begleitet die Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zu positiver Lebenssicht und personaler Identität.

Freizeit- und Lebensgestaltung, berufliche Orientierung und die Entwicklung persönlicher Lebensperspektiven sind zentrale Aspekte von Bildung und Erziehung am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache, insbesondere vor dem Hintergrund der besonderen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler. Bei der Planung und Gestaltung von Lern- und Entwicklungsprozessen legen die Lehrkräfte Wert darauf, dass alle Schülerinnen und Schüler Fähigkeiten erwerben, die sie zur Bewältigung von Anforderungen des Alltags befähigen. Vielfältige und lebensnahe Lernsituationen in der Schule und im Unterricht bieten Gelegenheiten zum Aufbau und zur Anwendung von Fach- und Methodenkompetenzen und zur Erweiterung der persönlichen und sozialen Erfahrungen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln und vertiefen am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache ihre sprachlichen Kompetenzen und erleben die Schule als Lern- und Lebensraum. Die an Unterricht, Förderung und Erziehung beteiligten Personen des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Sprache wirken partnerschaftlich mit Eltern, Familien, Erziehungs- und Sorgeberechtigten sowie mit Mitarbeiterin-nen und Mitarbeitern anderer Bildungseinrichtungen und außerschulischen Kooperationspartnerinnen und -partnern zusammen, um jede Schülerin und jeden Schüler auf einem individuellen Bildungsweg zu begleiten und in der Entwicklung zu einer verantwortungs- und wertebewusst handelnden Persönlichkeit zu stärken.

Das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache begleitet die Übergänge in Grund-, Mittel- oder Realschule und Gymnasium, es ermöglicht damit Kindern und Jugendlichen entwicklungsgemäß Wege zum Lernen in allen Schularten zu finden.

Das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache bietet eine große Vielfalt förderschwerpunktspezifischer Angebote sowie diagnostische, didaktisch-methodische und sonderpädagogische Fachlichkeit. Somit stellt es ein Kompetenzzentrum für den Förderschwerpunkt Sprache dar.


Interdisziplinarität und Kooperation

Im Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache ermöglicht die Kooperation der Lehrkräfte mit Heilpädagogen und externen Partnern die Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsauftrags. Im therapeutischen Bereich ist eine Zusammenarbeit mit Logopäden, Sprachtherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychiatern sinnvoll. Zudem besteht eine enge Kooperation mit Einrichtungen der Jugendhilfe, Fachdiensten, Integrationshelfern, dem Fachpersonal des Horts, der offenen Ganztagsbetreuung bzw. der Heilpädagogischen Tagesstätten und anderen an der Erziehung und Förderung beteiligten Unterstützungssystemen.
Schule und Eltern sowie Personen, die Bildungs- und Erziehungsaufgaben übernehmen, tragen eine gemeinsame Verantwortung für erfolgreiche Bildungsprozesse der Schülerinnen und Schüler. Das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache gestaltet diese Beziehung im Sinne einer engen Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Die Familie ist der prägende erste Bildungsort für Kinder und Jugendliche, deshalb sind die Eltern bzw. Sorgeberechtigten der wichtigste Gesprächspartner. Eine vertrauensvolle Kooperation von Elternhaus und Schule unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler und bereichert Unterricht und Schulleben. Die Schule zeigt eine wertschätzende Haltung gegenüber allen Eltern und erkennt die Vielfalt von Familien und ihren Lebensentwürfen an. In regelmäßigen Gesprächen werden Informationen über die individuelle sprachliche Entwicklung und über das Lern- und Sozialverhalten ausgetauscht.

Eltern werden aktiv in Schulprozesse eingebunden. Dies unterstützt auch die Vernetzung des Förderzentrums innerhalb des regionalen Umfelds, im Stadtteil, in der Gemeinde und in der Kooperation mit kulturellen Einrichtungen.

In der Mittelschulstufe leistet die Kooperation mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit sowie mit Diensten und Einrichtungen zur beruflichen Eingliederung (Berufsbildungswerk für Hör- und Sprachgeschädigte, MSD Beruf und Arbeit) einen wichtigen Beitrag hinsichtlich der Berufsvorbereitung und Berufswahl.


Diagnostik und Förderplanung

Bei Kindern mit dem Förderbedarf Sprache, die das Förderzentrum besuchen, wird zu Beginn ihrer schulischen Laufbahn eine Eingangsdiagnostik vorgenommen. Sie mündet in ein sonderpädagogisches Gutachten. Mithilfe eines Anamnesegesprächs mit den Eltern bzw. den Erziehungs- und Sorgeberechtigten und pädagogischen Fachkräften früherer Einrichtungen werden medizinische Diagnosen, biografisch bedeutsame Daten und Entwicklungsberichte der Kinder gesammelt. Erst wenn ein ausreichender Förderbedarf festgestellt wird, besteht die Notwendigkeit zum Besuch des Förderzentrums.

Die individuelle Lernausgangslage und der sprachliche Entwicklungsstand werden regelmäßig insbesondere zu Beginn des Schuljahres oder vor einer Lernsequenz mit Hilfe standardisierter und informeller Verfahren erfasst. Dadurch können differenzierte Lernangebote auf dem jeweiligen Entwicklungsniveau geplant und angeboten werden. Während des Lernprozesses beobachtet die Lehrkraft anhand von Beobachtungsbögen das Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten sowie gezeigte Fach-, Methoden- und Sprachkompetenzen der Schülerin bzw. des Schülers. Individuelle Lernfortschritte werden in einem Lern- oder Förderplan dokumentiert.


Schulvorbereitung

An das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache kann eine schulvorbereitende Einrichtung (SVE) angegliedert sein. Heil- und sonderpädagogische Fachkräfte fördern entwicklungsgemäß die motorischen, kognitiven, sprachlichen, emotionalen und sozialen Voraussetzungen für erfolgreiches schulisches Lernen der Kinder bis zur Einschulung. Im Anschluss an die SVE besucht das Kind eine Grundschule oder ein Förderzentrum.


Schulstufen

Die Grundschulstufe des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Sprache umfasst die Jahrgangsstufen 1 bis 4. Es besteht die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler in Eingangsklassen die Kompetenzen der Jahrgangsstufen 1 und 2 in zwei Jahren oder auch in drei Jahren erarbeiten.

Die Mittelschulstufe baut auf die Grundschulstufe auf und führt in den Klassen der Jahrgangsstufen 5 bis 9 zu einem individuellen Abschluss, zum erfolgreichen oder qualifizierenden Abschluss der Mittelschule oder bei Besuch des Mittlere-Reife-Zugs zum mittleren Bildungsabschluss.

In allen Schulstufen kann jahrgangsgemischt unterrichtet werden.


Berufsvorbereitung

Für die Auswahl geeigneter Ausbildungsberufe, die auch ihren sprachlichen Fähigkeiten entsprechen, erhalten die Schülerinnen und Schüler mit dem Förderbedarf Sprache zusätzliche Anleitung. Sie nutzen Hilfen zur Informationsentnahme bei der Recherche zu Praktikums- und Ausbildungsstellen und zur Erstellung von Bewerbungsunterlagen. Die Lehrkraft unterstützt die Schülerinnen und Schüler darin, sich besonders auf die kommunikativen Anforderungen bei Vorstellungsgesprächen und der Kommunikation im beruflichen Umfeld vorzubereiten.


Qualitätsentwicklung

Förderzentren überprüfen regelmäßig die Qualität ihrer Arbeit. Sie entwickeln sich unter Berücksichtigung der sich stets verändernden gesellschaftlichen Bedingungen auf der Basis von Rückmeldungen und gemeinsamen Zielsetzungen weiter. Die Qualitätsentwicklung ist eine zentrale Aufgabe, für die verschiedene Instrumente der internen und externen Evaluation zur Verfügung stehen. Aus den Rückmeldungen zur eigenen Arbeit und zur Zusammenarbeit können gemeinsam mit Schulaufsichten, Schulleitungen, Lehrerkollegien, Schulgremien und mit den kommunalen oder privaten Trägern anzustrebende Ziele formuliert werden. Schulhausinterne Fortbildungen, Teambesprechungen und Hospitationen sowie institutionenübergreifende und interdisziplinäre Kooperationen helfen den Kollegien dabei, die Qualität schulischer Prozesse beständig weiterzuentwickeln und nachhaltig zu sichern. Zur Förderung der Lehrergesundheit können Supervision, Coaching, kollegiale Fallberatung und Fortbildungen für Lehrkräfte bereitgestellt werden. Damit kann gesundheitlichen Belastungen präventiv und interventiv begegnet werden, und Lehrkräfte finden Anregungen für einen konstruktiven Umgang mit spezifischen beruflichen Belastungen.


3.2 Profilbildende Elemente für die Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderbedarf Sprache

„Inklusiver Unterricht ist Aufgabe aller Schulen.“ (Art. 2 Abs. 2 BayEUG)

Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt Sprache sind in Bayern Lernorte mit bedarfsgerechten Bildungsangeboten für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Sprache und Kommunikation und zugleich Beratungs- bzw. Kompetenzzentren mit sonder- und insbesondere sprachheilpädagogischen Angeboten für allgemeine Schulen. Lehrkräfte für Sonderpädagogik beraten als Mobiler Sonderpädagogischer Dienst (MSD) oder als mobile sonderpädagogische Hilfe (msH) Lehrkräfte der allgemeine Schule oder anderer Förderzentren, Eltern, Erziehungs- und Sorgeberechtigte.

Alle kooperativen Lernformen eröffnen Kindern und Jugendlichen mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf Möglichkeiten der Beteiligung an gemeinsamer Bildung und Erziehung und des Ausschöpfens der eigenen Entwicklungspotenziale. Förderzentren mit dem Profil Inklusion zeichnen sich durch eine vielfältige Unterstützung der Inklusion in der Region aus. Die Profilschulen entwickeln regional angepasste, innovative Ideen und gestalten deren Umsetzung in Unterricht und Schulleben.


Mobile sonderpädagogische Hilfe

Die Mobile Sonderpädagogische Hilfe (MSH) bietet noch nicht schulpflichtigen Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Sprache und deren Familien Angebote früher Förderung und berät Kindertageseinrichtungen bei deren Umsetzung.


Mobiler Sonderpädagogischer Dienst

Der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD) des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Sprache bietet individuelle Unterstützung bei der Erziehung und Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen an Förderzentren mit anderen Förderschwerpunkten, an der wohnortnahen Grund- und Mittelschule sowie an weiterführenden Schulen. Ziel von Beratung, Diagnostik, Therapie und Förderung ist es, gemeinsam mit allen Erziehungsverantwortlichen den Kindern und Jugendlichen das Lernen und Leben in ihrem schulischen Umfeld ihren persönlichen Möglichkeiten entsprechend zu gewährleisten.

Die Aufgaben des MSD werden im BayEUG (Art. 21 Abs. 1 Satz 2) beschrieben: „Mobile Sonderpädagogische Dienste diagnostizieren und fördern die Schülerinnen und Schüler, sie beraten Lehrkräfte, Erziehungsberechtigte und Schülerinnen und Schüler, koordinieren sonderpädagogische Förderung und führen Fortbildungen für Lehrkräfte durch.“


Kooperationsklassen

In Kooperationsklassen werden Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet. Kooperationsklassen werden an der Grundschule bzw. der Mittelschule gebildet.

Lehrkräfte für Sonderpädagogik beschreiben den individuellen Unterstützungsbedarf des Kindes oder Jugendlichen und beraten die Lehrkräfte der allgemeinen Schule, welche Methoden, Arbeits- und Hilfsmittel, individuelle Aufgabenstellungen sowie Möglichkeiten des sozialen und emotionalen Lernens den Entwicklungsprozess der Schülerin oder des Schülers voranbringen können.


Allgemeine Schulen mit dem Schulprofil Inklusion

An allgemeinen Schulen mit dem Schulprofil Inklusion werden Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf wohnortnah beschult. Eine Lehrkraft für Sonderpädagogik berät und unterstützt die Lehrkräfte der allgemeinen Schule bei der Unterrichtung und Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.


Förderzentren mit dem Schulprofil Inklusion

Förderzentren mit dem Profil Inklusion zeichnen sich durch eine vielfältige Unterstützung der Inklusion in der Region aus. Diese Schulen entwickeln regional angepasste, innovative Ideen und gestalten deren Umsetzung in Unterricht und Schulleben.


Offene Klassen des Förderzentrums mit Förderschwerpunkt Sprache

Von besonderer Bedeutung ist die Möglichkeit der Aufnahme von Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf an ein Förderzentrum. Die Lehrkraft des Förderzentrums unterrichtet Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ohne sonderpädagogischen Förderbedarf auf der Grundlage des LehrplanPLUS Grundschule oder des LehrplanPLUS Mittelschule.


3.3 Organisation des Unterrichts

Der Unterricht am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache schafft Voraussetzungen für eine möglichst optimale individuelle Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Die Umsetzung des Klassenlehrerprinzips ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die Lehrkraft als Bezugsperson zu erleben und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Dies unterstützt ihre Entwicklung auch im sozial-emotionalen Bereich positiv. Die zeitliche Einteilung des Unterrichtstages orientiert sich an den Möglichkeiten und Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler, berücksichtigt das Bedürfnis nach Bewegung und Pausen und fördert durch entsprechende Rhythmisierung Aufmerksamkeit und Konzentration. Rituale strukturieren den schulischen Alltag und schaffen eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens. Sowohl fächerübergreifender als auch fächerverbindender Unterricht und zunehmend projektorientiertes Arbeiten tragen zur Ganzheitlichkeit des Unterrichts am Förderzentrum bei. Am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache wirken Pädagoginnen und Pädagogen mit unterschiedlichen Ausbildungen zusammen. Die Lehrkräfte des Förderzentrums werden unterstützt durch heilpädagogische Fachkräfte, Fachlehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen bzw. Sozialpädagogen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugend- und Erziehungshilfe.

Die Organisation des Unterrichtsangebots am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache erfordert von allen Beteiligten eine hohe Bereitschaft und Fähigkeit zur Zusammenarbeit, denn für jede Schülerin und jeden Schüler müssen Ziele, Materialien, Inhalte, Methoden und Maßnahmen abgestimmt werden. Dies bezieht auch die Kooperation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der heilpädagogischen Tagesstätte ein. Liegen dem Unterricht einer Lerngruppe oder einer Klasse verschiedene Lehrpläne zugrunde, erfordert dies eine hohe didaktisch-methodische Kompetenz der Lehrkräfte. Möglichkeiten der Heterogenität zu begegnen sind adaptive Aufgaben, kooperatives Lernen, Differenzierung oder Lernen am gemeinsamen Gegenstand.


3.4 Übergänge: Aufnahme und Schulwechsel

Die Lernbiografie der Schülerinnen und Schüler ist von einer Reihe von Übergängen zwischen Bildungsorten geprägt: der Übergang von der Familie in Kindertageseinrichtungen, in die Schule und der Wechsel zwischen Schulen. Die Erfahrung mit Übergängen beeinflusst den Umgang mit allen weiteren Übergängen im Entwicklungsverlauf.

Bisherige Erfahrungen und individuelle Unterstützung tragen dazu bei, dass das Kind oder der Jugendliche die Übergangsphase entsprechend seiner Ressourcen bewältigen kann. Erfolgreiche Übergänge sind Prozesse, die Kinder bzw. Jugendliche und ihre Eltern gemeinsam und aktiv gestalten, unterstützt von schulischen Einrichtungen. Kinder und Jugendliche, die schulische und familiäre Veränderungen zeitgleich erleben, benötigen mehr Aufmerksamkeit und entsprechende Unterstützung.

Alle Personen, die in diesen Phasen für die Kinder und Jugendlichen verantwortlich sind, haben die Aufgabe, den Übergang positiv zu gestalten. In Gesprächen wird geklärt, was der Übergang für die Kinder bzw. Jugendlichen, die Eltern und die Lehrkräfte bedeutet, und welchen Beitrag sie zum Gelingen leisten können. Der Familie kommt bei allen Übergängen im Bildungsverlauf eine besondere Rolle zu.

Die Einschulung stellt einen wichtigen Übergang in der Bildungsbiografie eines Kindes dar. Der Unterricht im Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache knüpft an die Kenntnisse und Fähigkeiten an, die die Kinder beim Schuleintritt mitbringen. Er baut individuelle Stärken, Fertigkeiten und Fähigkeiten aus. Die Lehrkräfte arbeiten mit Einwilligung der Eltern, mit externen Experten und Pädagogen aus früher besuchten Einrichtungen zusammen, um die Bedürfnisse einzelner Kinder frühzeitig zu erkennen. Wenn Kinder die Schulvorbereitende Einrichtung eines Förderzentrums oder eine Heilpädagogische Kindertagesstätte besucht haben oder von der Mobilen Sonderpädagogischen Hilfe betreut wurden, liegen bereits Entwicklungsbeobachtungen vor, die Lehrkräfte des Förderzentrums für die individuelle Förderung nützen.

Der Übergang vom Förderzentrum in die wohnortnahe allgemeine Schule sowie der Übertritt an eine weiterführende Schule hat für die Schülerinnen und Schüler eine hohe Bedeutung. Eine enge Kooperation der aufnehmenden Schule mit der abgebenden Förderschule bereitet intensiv den Übergang vor, der verbunden ist mit der Eingewöhnung in eine neue Klassengemeinschaft, einem räumlichen Wechsel und neuartigen Leistungsanforderungen.
Beim Übergang in die berufliche Bildung findet die Vorbereitung auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt statt. Zur Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 7 bis 9 auf die Berufs- und Arbeitswelt werden am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache praxisbezogene Maßnahmen zur Berufsorientierung und Berufsfindung angeboten. Die Förderzentren arbeiten mit der Berufs- bzw. Rehabilitations-Beratung zusammen.


4 Haltung, Rolle und Aufgaben der Lehrkraft

Pädagoginnen und Pädagogen sehen jede Schülerin und jeden Schüler als individuelle Person mit ihren sprachlichen Auffälligkeiten und Möglichkeiten, akzeptieren sie ohne zu werten und begegnen ihnen offen. Das Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit des Kindes bzw. des Jugendlichen ist die Grundlage für die Gestaltung der positiven Beziehung und erfährt eine besondere Beachtung.

Als Lernbegleiter und Lernprozessgestalter unterstützen und beraten Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler dabei, das Lernen aktiv und verantwortlich umzusetzen sowie zu reflektieren. Lehrkräfte handeln als Partnerinnen und Partner der Eltern und Erziehungsberechtigten für Erziehung und Bildung. Sie koordinieren Fördermaßnahmen innerhalb der Schule, sind Ansprechpartnerinnen bzw. Ansprechpartner für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter interner und externer Angebote (Heilpädagogische Tagesstätte, Ergotherapie, Psychotherapie und weitere Fachdienste) und organisieren den fachlichen Austausch.

Am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache zeichnen sich die Lehrkräfte durch fundierte Kenntnisse im Bereich Sprachförderung aus. Sie handeln als sprachliches Vorbild. Sie reflektieren ihr sprachheilpädagogisches Handeln kontinuierlich und erweitern und aktualisieren regelmäßig ihr Fachwissen.


5.1 Förderdiagnostik und Förderplanung

Grundlage für eine individuelle prozessbegleitende Förderung ist eine gezielte Erhebung des sprachlichen Lernstandes sowie die Dokumentation der Lern- und Entwicklungsprozesse. Diese orientieren sich an den Kompetenzerwartungen und Inhalten der Fachlehrpläne sowie an den entwicklungsbezogenen Kompetenzen. Im Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache werden Schülerinnen und Schüler angeleitet, ihre Lernprozesse zu reflektieren, so übernehmen sie schrittweise Verantwortung für ihr Lernen.

Auffällige Verhaltensweisen oder Entwicklungsprozesse werden von der Lehrkraft notiert. Diese Schülerbeobachtungen sind Bestandteil pädagogischen Handelns. Hierbei sind sprachliche und auch nichtsprachliche Verhaltensweisen von Bedeutung.

Zur Dokumentation und Anpassung sprachlicher Förderziele werden im Laufe des Schuljahres zu festgelegten Zeitpunkten individuelle Förderpläne für die Schülerinnen und Schüler erstellt. Diese können bei Bedarf mit Fachkräften und Erziehungsberechtigten besprochen werden und stellen auch eine Beratungsgrundlage für die weitere individuelle Entwicklung dar.


5.2 Sprachheilpädagogischer Unterricht: Methoden und Merkmale

Sprachheilpädagogischer Unterricht orientiert sich an der individuellen sprachlichen Ausgangslage der Schülerinnen und Schüler. In spezifischen, sprachtherapeutischen Interaktionssequenzen steht der sprachliche Förderbedarf im Mittelpunkt der Lernsituation. Die Grundlage für eine zielgerichtete Planung bildet eine umfassende Förderdiagnostik, die immer wieder aktualisiert wird. Der Unterricht am Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache dient der Prävention und Förderung sprachlicher Defizite, dieser Prozess wird durch die Individualtherapie ergänzt.

Innerhalb des sprachheilpädagogischen Unterrichts kommt der Lehrersprache sowohl als therapeutisches Mittel als auch als Sprachmodell eine besondere Bedeutung zu. Sie sichert einen optimierten sprachlichen Input und dient als Verständnis- und Strukturierungshilfe. Die vorbildhafte Lehrersprache setzt sich deutlich von der Alltagssprache ab und zeichnet sich unter anderem durch eine klare, lautreine und langsame Artikulation aus. Äußerungen werden hinsichtlich der Komplexität auf morphologisch-syntaktischer als auch semantisch-lexikalischer Ebene reduziert.

Durch das Setzen bewusster Sprechpausen, Wiederholungen sowie der Betonung bedeutsamer Wörter, Satzteile und Sätze wird die Aufmerksamkeit der Lernenden gezielt auf ausgewählte sprachliche Zielstrukturen gelenkt. Um die Schülerinnen und Schüler im grammatikalischen Bereich zu unterstützen, setzt die Lehrkraft gezielt Modellierungstechniken ein, die entweder der Äußerung der Lernenden vorausgehen (Präsentation, Parallelsprechen, Alternativfragen) oder diesen nachfolgen (Expansion, Umformung, Korrektives Feedback, Modellierte Selbstkorrektur, Extension). Der Sprechanteil der Lehrkraft wird bewusst auf Wesentliches reduziert und durch offene Fragen und gezielte nonverbale Impulse ergänzt.

Zur Förderung der Artikulation können gezielte Übungen der grundlegenden Fähigkeiten für eine korrekte Aussprache im Unterricht integriert werden. Die auditive Wahrnehmung wird durch die Sicherung der Aufmerksamkeit und Konzentration der Schülerinnen und Schüler ermöglicht. Auch das bewusste Sprechen und Nachsprechen und die metasprachliche Auseinandersetzung mit der Bildung und dem Klang von Lauten werden durch die Lehrkraft gefördert. Zur Verbesserung der phonologischen Bewusstheit tragen übergreifende und gezielte Übungsformen bei (phonologische Bewusstheit im weiteren und engeren Sinne). Visualisierungen wie Handzeichen, Markierungen oder der funktionale Einsatz der Schrift unterstützen die Entwicklung im Bereich der Artikulation und lenken das Augenmerk auf ausgewählte Stellen in Texten. Außerdem kann die Mundmotorik durch spielerische und routinierte Übungen im Unterricht gestärkt werden.

Die Erweiterung des aktiven und passiven Wortschatzes sowie die Speicherung und der Abruf von Lexemen aus dem semantischen Lexikon sind wichtige und umfassende Förderziele für Kinder und Jugendliche mit sprachlichem Förderbedarf. Die Schülerinnen und Schüler profitieren von einer systematischen Förderung semantisch-lexikalischer Fähigkeiten. Vor allem in den sprachbasierten Unterrichtsfächern benötigen Kinder und Jugendliche mit sprachlichem Förderbedarf zusätzliche Unterstützung und Übungsangebote. Häufige Wiederholungen, Merkhilfen und Abrufstrategien helfen den Lernenden, neue Wörter zu erarbeiten, sie abzuspeichern und selbst zu verwenden. Dabei achtet die Lehrkraft auf eine multimodale Verankerung und Vernetzung der Wörter, um eine langfristige Speicherung und einen sicheren Abruf zu erreichen. Im Unterricht gibt sie bei Bedarf Abrufhilfen und leitet die Schülerinnen und Schüler an, selbständig Abrufstrategien anzuwenden.

Grammatikalische Fähigkeiten werden durch eine Arbeit an Zielstrukturen im Unterricht gefördert. Hierbei werden ablenkende Faktoren vermieden und die unterrichtliche Situation auf das grammatikalische Problem reduziert, sodass die Schülerinnen und Schüler ihre Aufmerksamkeit darauf richten. Visualisierungen und Markierungen wichtiger Stellen helfen den Schülerinnen und Schülern dabei, diese bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren. Die erworbenen Zielstrukturen werden durch Sprachrituale, das Anbieten von Satzmustern oder die Umsetzung in Handlungen und Rollenspielen gefestigt.

Neben den Fähigkeiten im produktiven Bereich ist häufig auch die rezeptive Sprachebene der Lernenden eingeschränkt. Kompetenzen im Sprachverständnis der Schülerinnen und Schüler bilden eine wichtige Grundlage für das Lernen. Durch das Verstehen gesprochener sowie geschriebener Sprache setzen die Lernenden Anweisungen um, erweitern ihr Wissen und vernetzen dieses. Die Grundlagen für das Verstehen von Sprache sind eine Fragehaltung und die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler, die zunächst durch die Lehrkraft angeregt werden (Monitoring des Sprachverstehens). Das Sprachverständnis wird durch eine angepasste Lehrersprache, Visualisierungen und das Wiederholen ausgewählter Inhalte gefördert. Texte und Anweisungen können zudem in vereinfachter, reduzierter Form angeboten werden.


Individualisierung

Für die Planung individualisierter sprachlicher Lernprozesse ist es Voraussetzung, dass der individuelle Kompetenzstand im Bereich Sprache vor Beginn des Lernprozesses festgestellt wird. Die Beschreibung der erreichten individuellen Kompetenzen nach dem Lernprozess und der Vergleich mit dem vorherigen Sprachstand zeigen der Lehrkraft den individuellen Lernfortschritt. Sprachliche sowie individuelle Ziele und Fortschritte werden für die Schülerin oder den Schüler verständlich dokumentiert und in Lerngesprächen thematisiert.


Entwicklungsorientierung

Die sprachliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen verläuft individuell. Erfolgreiche Lernprozesse vollziehen sich auf der Basis des Zusammenwirkens der Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Kommunikation und Sprache sowie Emotionen und soziales Handeln. Angebote der Förderung orientieren sich am aktuellen sprachlichen Entwicklungsstand sowie am LehrplanPLUS der Grund- und Mittelschule.


Selbsttätigkeit

Die Fähigkeit zu selbständigem Lernen ist ein notwendiger Aspekt der Selbstbestimmung und ein Beitrag zur Entwicklung der Urteils-, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Kompetenzorientierter Unterricht bietet sowohl Lernangebote in Form von sprachlich angepassten Aufgaben und Lernumgebungen als auch Lernstrategien an, die den Schülerinnen und Schülern eine selbständige und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit Lerngegenständen ermöglicht.

Mit Blick auf die Zukunftsgestaltung erweitert Selbständigkeit zudem die Möglichkeiten der persönlichen und beruflichen Orientierung. Methoden, Strategien, Arbeitsweisen und Arbeitstechniken werden für Problemlösungen eingesetzt und kontinuierlich erweitert.


Wertschätzendes Klassen- und Schulklima

Damit Kinder und Jugendliche auch belastende Situationen sprachlich bewältigen, müssen sie sich als erfolgreich in ihren kommunikativen Handlungen erfahren, eigene Ressourcen effektiv einsetzen und erleben, dass sie unter Verwendung sprachlicher Mittel Einfluss auf die Problemlösung haben. Die Lehrkraft fördert diese Strategien, indem sie sich ihrer Rolle als sprachliches Modell bewusst ist, dem Kind und dem Jugendlichen Wertschätzung und Akzeptanz entgegenbringt und eine stabile, emotional-positive Beziehung zur Schülerin oder zum Schüler gestaltet. Sie schafft ein positives emotionales Klima in der Klasse, geht offen mit dem eigenen Ausdruck von Gefühlen um und drückt in unterschiedlichen Situationen Gefühle auch sprachlich aus. Lob, Anerkennung und Ermutigung fließen in die Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schülerin bzw. Schüler ein. In der Begegnung mit Mitschülerinnen und Mitschülern, mit anderen Lehrkräften, mit der Schulleitung und anderem schulischen Personal werden die Kinder und Jugendlichen angehalten, sich respektvoll und wertschätzend zu verhalten. Das Zusammenleben in der Schule und die Gemeinschaft der Klasse basiert auf klaren Regeln, dies fördert den respektvollen Umgang miteinander.


Soziales Lernen

In der Schule begegnen sich Kinder und Jugendliche, die unterschiedliche Werte und soziale Kompetenzen aus ihrem Erfahrungsbereich mitbringen. Als Lern- und Lebensraum bietet die Schule natürliche und strukturierte Situationen für soziales Lernen. Die Kinder und Jugendlichen erleben in der sprachlichen Auseinandersetzung mit anderen, wie sie eigene Interessen durchsetzen und als Team produktiv Arbeitsergebnisse erstellen. Die Lehrkräfte nehmen Unterricht als Möglichkeit wahr, Phasen sozialen Lernens bewusst einzusetzen und Situationen gemeinsamen Lernens zu gestalten, zu reflektieren und damit die Entwicklung sozialer und sprachlicher Kompetenzen für die Stärkung der Persönlichkeit zu fördern.


Berufliche Orientierung

Für die Auswahl geeigneter Ausbildungsberufe, die ihren individuellen Ressourcen entsprechen, erhalten die Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Sprache zusätzliche Anleitung. Sie nutzen Hilfen zur Informationsentnahme bei der Recherche zu Praktikums- und Ausbildungsstellen und zur Erstellung von Bewerbungsunterlagen. Die Lehrkraft unterstützt die Schülerinnen und Schüler darin, sich besonders auf die kommunikativen Anforderungen bei Vorstellungsgesprächen und der Kommunikation im beruflichen Umfeld vorzubereiten.


5.3 Kompetenzorientierung im Unterricht

Ausgehend von der individuellen Lernausgangslage, die sowohl die sprachlichen und kommunikativen Voraussetzungen als auch den Stand der Entwicklung in den Bereichen Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Emotionen und soziales Handeln einbezieht, setzen sich die Schülerinnen und Schüler handelnd mit lebenswelt- und zukunftsbedeutsamen Themen und Fragestellungen auseinander. Sie erweitern ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auf der Basis ihrer bisherigen Lebens- und Lernerfahrungen, unter Einbezug ihrer Interessen und ihrer Motivation und übertragen Erkenntnisse auf neue Aufgabenstellungen.

Der Unterricht des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Sprache rückt die sprachlichen und kommunikativen Ressourcen sowie den individuellen Lernprozess der Schülerin oder des Schülers in den Mittelpunkt. Im Rahmen eines sprachheilpädagogischen Unterrichts ermöglichen individuelle sprachliche und kommunikative Unterstützungsangebote, Arbeits- und Hilfsmittel erfolgreiche Lernprozesse. Die Lehrkraft plant Lernvorhaben in Kooperation mit weiteren an Unterricht und Erziehung beteiligten Personen und orientiert sich am Niveau des Lehrplans der Grundschule bzw. der Mittelschule. Sie integriert Fördermaßnahmen, die im individuellen Förderplan der Schülerinnen und Schüler beschrieben sind. Ausgangspunkt für die Planung der nächsten sprachlichen Lernschritte sind die erreichten individuellen Sprachkompetenzen, die die Lehrkraft beobachtet und beschreibt. Auf die Förderung der Lernmotivation richten Lehrkräfte besondere Aufmerksamkeit und stärken diese vor allem durch Aufgabenstellungen, die erfolgreiche Lernergebnisse und passende Lernwege zulassen, sowie durch die Berücksichtigung persönlicher Interessen und Stärken. Durch die Reflexion von Lernwegen und Lernergebnissen nehmen die Kinder und Jugendlichen eigene Leistungen wahr und beschreiben den eigenen Lernfortschritt. Die Lehrkraft gestaltet diese Phasen des gemeinsamen Sprechens über Lernen partnerschaftlich.

Der LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt Sprache versteht Kompetenzen als fachspezifische und überfachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Wissen und Können miteinander verknüpfen. Dies befähigt die Schülerinnen und Schüler zu verstehen, zu reflektieren, schlüssig zu argumentieren, fundiert zu urteilen und neue Anforderungen zu bewältigen. Der Lehrplan beschreibt Inhalte und Kompetenzerwartungen auf einem mittleren Anforderungsniveau. Die entwicklungsbezogenen Kompetenzen zeigen eine entwicklungslogische Progression.


6 Arbeit mit dem LehrplanPLUS

Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf Sprache werden unabhängig von ihrem Förderort nach dem LehrplanPLUS Förderschwerpunkt Sprache oder dem LehrplanPLUS der Grund- und Mittelschule unterrichtet und zusätzlich durch intensive Bildungs-, Förder- und Therapieangebote unterstützt. Besteht weiterer Förderbedarf in anderen Förderschwerpunkten, so wird jener Lehrplan herangezogen, der dem besonderen sonderpädagogischen Förderbedarf am besten entspricht.

Jedes Fach wird durch ein Fachprofil und einen Fachlehrplan beschrieben.

Das Fachprofil erläutert die Bedeutsamkeit des Fachs für die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf Sprache sowie theoretische Grundlagen der Fachdidaktik. In den Fachprofilen sind die Entwicklungsbereiche Motorik und Wahrnehmung, Denken und Lernstrategien, Sprache und Kommunikation, Emotionen und soziales Handeln beschrieben im Kontext der jeweiligen Fachkompetenzen.

Die Fachlehrpläne im LehrplanPLUS für den Förderschwerpunkt Sprache umfassen die Kompetenzerwartungen und Inhalte der Referenzlehrpläne aus Grund- und Mittelschule. Vorangestellt sind entwicklungsbezogene Kompetenzerwartungen, die Hinweise geben auf den Förderbedarf in einzelnen Entwicklungsbereichen.

Die Umsetzung dieser zusätzlichen Kompetenzerwartungen im Unterricht ermöglicht Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf erfolgreich an Lernprozessen der allgemeinen Schule teilzuhaben. Alle die Lehrpläne der Grund- und Mittelschule ergänzenden, förderschwerpunktspezifischen Kompetenzerwartungen und Inhalte sind auf dem Hintergrund des Lern- und Leistungsvermögens der Schülerinnen und Schüler zu sehen. Es liegt in der Verantwortung der Lehrkraft für Sonderpädagogik zu entscheiden, welche Kompetenzen im Unterricht angestrebt werden sollen.

Das Lehrplaninformationssystem (LIS) stellt den Nutzerinnen und Nutzern in den Fachlehrplänen verschiedene Servicematerialien zur Verfügung. Sie sind an speziellen Symbolen am rechten Bildrand zu erkennen und umfassen Illustrierende Aufgaben, Materialien und Erläuterungen. Die Illustrierenden Aufgaben greifen eine oder mehrere ausgewählte Kompetenzen auf und zeigen exemplarisch, wie sich diese im Unterricht anbahnen lassen. In den Materialien finden sich zusätzliche Informationen zur Theorie und Praxis sprachlicher Förderung. Die Erläuterungen bilden ein Glossar für wichtige im Fachlehrplan verwendete Begriffe.