Lehrplan PLUS

Direkt zur Hauptnavigation springen, zur Servicenavigation springen, zur Seitennavigation springen, zu den Serviceboxen springen, zum Inhalt springen
Vergleichsauswahl 2

Gestaltung

1 Selbstverständnis des Faches Gestaltung und sein Beitrag zur Bildung

Praxis und Theorie

Grundlegend für die beiden Fächer ist die parallele Entwicklung bildnerisch-praktischer und schriftlich-theoretischer Kompetenzen, die durch ihre enge Verzahnung umfassende Kenntnisse bildnerischer Verfahren und ein tiefes Verständnis künstlerischer Prozesse ermöglichen. Die Wahrnehmung, Untersuchung und Interpretation, das genaue Erschließen von Kunstwerken, von Design und von Architektur geschieht sowohl über sprachliche Formulierungen wie auch über bildnerische Äußerungen. Umgekehrt verläuft die Entwicklung eigener bildnerischer Aussagen und der Gestaltung der Umwelt auch über die diskursive Auseinandersetzung mit den Werken anderer. Die Reflexion des eigenen Werkprozesses befähigt zur kritischen Selbsteinschätzung und entwickelt persönliche Haltungen. Dies ist die Grundlage für Bildung. Sowohl das Zeichnen als auch die Sprache sind elementare Wahrnehmungs- und Kommunikationsmittel, die im Fach Gestaltung in enger Verknüpfung zueinander stehen. Die Vermittlung handwerklicher Fertigkeiten, die Aneignung gestalterischer Techniken und von Materialkenntnissen formen eine weitere Basis zur Herausbildung ästhetischer und funktionaler Urteilsfähigkeit. Exkursionen und Erkundungen gehören zum immanenten Bestandteil des Unterrichts.

Die Gegenstandsbereiche und die prozessbezogenen Kompetenzen sind in den beiden Fächern Praxis und Theorie zwar identisch, kommen allerdings jeweils unterschiedlich stark zur Ausprägung.

Die Schülerinnen und Schüler erwerben Kenntnisse und Fähigkeiten sowohl im künstlerischen Bereich als auch in der angewandten Gestaltung. Sie werden fähig, Ideen zu Aufgaben zu entwickeln und aus Ideen Werke zu gestalten. Wer sich persönliche Zugänge zur gestalterischen Arbeit erschließt, kann mit einem hohen Motivationsgrad auch auf komplexe Herausforderungen reagieren. Die Erfahrung, dass nicht jede Idee zur gelungenen Umsetzung heranreifen kann, ist ein wesentlicher Lernprozess. Handwerkliches Können, Materialkenntnisse und die Schulung der Feinmotorik unterstützen die Fähigkeit, Ideen darzustellen und zu sortieren, um realisierbare Entscheidungen zu treffen. Es zeichnet den Unterricht an der Fachoberschule aus, dass mit bestimmten Materialien und Werkzeugen versiert gearbeitet wird und sich die Umsetzung einer gestalterischen Idee auch in der Praxis bewähren muss.

Dem prozessorientierten Lernen in Werkstätten (z. B. Werkraum, Schulatelier, Kunstlabor, Computerraum) sowie die Arbeit an außerschulischen Lernorten (z. B. Galerie, Museum, Künstleratelier, Natur, gebauter Raum) kommt besondere Bedeutung zu.

In der Jahrgangsstufe 13 werden Praxis und Theorie in einem Fach unterrichtet.

2 Kompetenzorientierung im Fach Gestaltung

Das eigenständige Arbeiten an bildnerischen Themen gehört zum Selbstverständnis im Fach Gestaltung. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, indem sie sich gestalterischen Herausforderungen stellen. Das folgende Modell bildet die dabei langfristig erworbenen Kompetenzen ab.

Wahrnehmen

Das differenzierte Wahrnehmen vielfältiger Phänomene in Werken der Kunst und des Designs, in Bauwerken ebenso wie in der Umwelt und in Medien, zeigt sich im präzisen Beschreiben von Sinneseindrücken und Empfindungen. Die Wahrnehmung der sinnlich erfahrbaren Welt, insbesondere die Untersuchung von Wahrnehmungs- und Gestaltgesetzen, ist eine wesentliche Grundlage für die Befähigung der Schülerinnen und Schüler für das Verständnis ästhetischer Phänomene. Davon ausgehend entwickeln sich Gestaltungsprozesse.

Imaginieren

Vorstellungen und Ideen zu entwickeln und Alternativen zu bedenken ist eine entscheidende Fähigkeit, um gestalterische Prozesse in Gang zu bringen. Deswegen legt der Lehrplan besonderen Wert auf die Entwicklung der Vorstellungskraft als Initial für den Gestaltungsprozess. Hierzu gehört auch das Sammeln und Recherchieren von Informationen sowie der Austausch zwischen den Lernenden über ihre Ideen, um deren Qualitäten einzuschätzen.

Entwerfen

Der Entwurf geht dem gestalterisches Vorhaben voraus, um ihren visuellen Gehalt zu prüfen und die Idee weiterzuentwickeln. Er dient zur Veranschaulichung von Ideen, meist mit Zeichnungen oder in Modellen. Mit dem Entwurf folgen die Schülerinnen und Schüler in bildhaften Vorarbeiten dem eigenen gedanklichen Konzept. Sie entwickeln und präzisieren dieses im Entwurf, z. B. mit variierenden Skizzen und Studienblättern, um überzeugende, auch unkonventionelle Lösungen für Herausforderungen im Design und für künstlerische Problemstellungen zu finden. In Anbindung an den Gebrauchswert eines Produkts ist auch seine Funktionalität ein entscheidender Parameter für die Konzeption. Durch das Entwerfen erwerben die Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit, einen Gestaltungsprozess als mehrschrittig und ergebnisoffen zu begreifen und zu planen.

Experimentieren

Neues zu entdecken ist eine wichtige Zielsetzung beim Erwerb gestalterischer Kompetenz. Um die trainierte Anwendung konventioneller Gestaltungsmuster zu durchbrechen, werden experimentelle Verfahren der Ideenfindung angewendet und ein experimenteller Umgang mit Materialien praktiziert. Themenfelder werden explorierend freigelegt, um aus einer großen Vielfalt an Ideen zu schöpfen. Die bildnerischen Experimente können ergebnisoffen sein. Sie befördern insbesondere das Verständnis von Materialien und ihren immanenten Ausdrucksmöglichkeiten. Die Schülerinnen und Schüler experimentieren auch, um ihre Formensprache zu erweitern und um wichtige Impulse für die Umsetzung eines Gestaltungsvorhabens zu bekommen. Ähnlich wie im naturwissenschaftlichen Experiment planen sie zunehmend selbständig die Anordnung der einzelnen Parameter.

Gestalten

Dem Gestalten kommt im praktischen Unterrichtsgeschehen eine zentrale Rolle zu. Ausgehend von einer Idee gelingt es den Schülerinnen und Schülern, zu einem konkreten visuellen Ausdruck zu gelangen. Dies kann planvoll geschehen: über Skizzen und Studien hin zu einer ausgereiften Arbeit. Aber auch ein spontanes Ausarbeiten kann zu einem tragfähigen Ergebnis führen. Am Ende steht in beiden Fällen ein reales und begreifbares Produkt, das den im Vorfeld gesetzten Vorstellungen der Schüler entspricht.

Analysieren

Die Wahrnehmung des Menschen unterliegt immer und unmittelbar einem Deutungsprozess. Die Schülerinnen und Schüler lernen das gedankliche Durchdringen von Werken der gestalteten Umwelt und der Kunst als Prozess der ersten Annäherung, des Beschreibens, Analysierens und Interpretierens. Dabei wenden sie zunehmend eigenständig fachspezifische Analyse- und Interpretationsmethoden sowie die Fachsprache an, sie eignen sich ein werkanalytisches Repertoire an, das sie zielgerichtet auf Werke anwenden. Auf Grundlage einer systematischen Analyse lassen sich die Komplexität und Widersprüchlichkeit von Kunstwerken erschließen und Deutungsversuche unternehmen.

Präsentieren

Gestalterische Entwürfe und Arbeiten vermitteln sich auf einer visuellen Ebene. Deswegen ist es entscheidend, Ideen, Konzepte und Ergebnisse so zu präsentieren, dass der Betrachter angeregt wird, sich damit auseinanderzusetzen und sich auf die individuelle Bildsprache einzulassen. Diesen Kommunikationsprozess mit dem Rezipienten erlernen die Schülerinnen und Schüler in Klassenpräsentationen und in der Realisierung von Ausstellungen. Dabei lernen sie auch, die inhaltliche Ausrichtung, die Organisation und die formale Realisation einer Ausstellung im Team überzeugend zu bewältigen. Bei der Präsentation diskutieren die Schülerinnen und Schüler fundiert über die Qualitäten der Ergebnisse.

Abstrahieren

In vielen Bereichen der bildnerischen Gestaltung und der Kunst wird mit den Merkmalen der Abstraktion gearbeitet. In Kunstwerken, in der Architektur und im Design finden sich vielfältige Formensprachen, die ihre Quellen in der Abstraktion haben. Das Abstrahieren ist insbesondere eine Leistung, die den Fokus auf die Autonomie der bildnerischen Mittel, auf das Material und die Reduktion auf das Wesentliche richtet. Es ist die symbolbildende Kompetenz des Menschen schlechthin. In der Werkanalyse dient das Abstrahieren dem Verständnis der formalen Zusammenhänge, wie z. B. der Komposition oder der Räumlichkeit.

Interpretieren

Das Verständnis für Kunst zeigt sich in der Fähigkeit, sachkundig zu interpretieren. Der Interpretation geht eine zielgerichtete Werkanalyse voraus, die auf den gemachten Beobachtungen fußt. Analyse und Interpretation schlüsseln ein bestimmtes Kunstwerk auf und fassen es sprachlich. Ein vertieftes Verstehen von künstlerischen Haltungen und Kontexten eröffnet dabei den Zugang zu komplexeren Bedeutungszusammenhängen und zu kunstgeschichtlicher Einordnung. Besonders bei Aspekten der gestalteten Umwelt stellt sich die Frage nach den kontextuellen Bedingungen, nach Zeitgeschmack, Moden, Normen sowie verfahrens- und materialtechnischen Bedingungen.

Das vergleichende Bewerten eigener und von anderen geschaffener Werke sowie visueller Phänomene aus der Umwelt stellt eine wichtige Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler dar. Über ein schnelles Urteil hinaus bewerten sie zunehmend reflektiert, begründen ihre Wertungen und stellen sie zur Diskussion. Dabei erleben sie ihr eigenes Urteil als hinterfragbar und wandelbar. Auch das wertschätzende Urteil und insbesondere die Fähigkeit zum Genuss von künstlerischen Werken sind zentrale Kompetenzen einer reifen Persönlichkeit.

Bild und Objekt

Die praktische und die theoretische Beschäftigung mit Bildern und Objekten aller Art ist zentral für das Fach. Der Bildbegriff reicht vom Tafelbild, der Zeichnung und Fotografie, dem gedruckten Bild zum erweiterten Kunstbegriff der Moderne und Postmoderne. Auch Alltagsbilder, imaginierte Bilder, Illustrationen oder mit digitalen Medien geformte Bilder sind Gegenstand der Auseinandersetzung. Eine erweiternde Beschäftigung mit digitalen Bildern leistet das Fach Medien, das deutliche Schnittstellen mit dem Fach Gestaltung besitzt. Der Begriff Objekt umfasst dreidimensionale Bilder, Plastiken, Fundstücke, Ready-mades, Design- und Alltagsgegenstände.

Kunst im Kontext

Im Gegenstandsbereich Kunst im Kontext begegnen die Schülerinnen und Schüler Werken aus der Kunstgeschichte und der zeitgenössischen Kunst. Anhand von diesen werden Fragen zur Erschließung gestellt und sie dienen als wichtiger Bezugspunkt für das eigene Schaffen. Aus Aufgabenstellungen heraus entwickeln die Schülerinnen und Schüler eigenständig Konzepte für Arbeiten in verschiedenen Medien. Sie finden zu individuellen und gleichzeitig zielgerichteten bildnerischen Ausdrucksmöglichkeiten.

Gestaltete Umwelt und Kommunikation

Die Schülerinnen und Schüler erfahren die spezifischen Gestaltungsprozesse im Produktdesign, Kommunikationsdesign und in Architektur. Das schrittweise Entwickeln eines Entwurfs, die Arbeit mit Plänen und Modellen, auch die Diskussion im Team, sind wesentliche Fähigkeiten, um Gestaltungsvorhaben zu realisieren. Dabei sind Projekte mit überschaubaren Abmessungen oft dienlicher, als zu weit verzweigte Vorhaben, da sich gerade im Detail die Kühnheit, Eleganz oder Konsequenz einer Lösung darstellt. Kommunikation ist nicht nur ein Mittel zur gemeinsamen Bewältigung eines Projekts, sondern auch Ziel, um über ein Projekt mit der Umwelt in Kontakt zu treten.

Bildnerische Mittel

Die Vielfalt bildnerischer Techniken, Verfahren und Gesetzmäßigkeiten ist bei den bildnerischen Mitteln verortet. Die experimentelle und gezielte Auseinandersetzung mit ihnen führt zur Entwicklung eines umfassenden handwerklichen Repertoires in Zeichnung, Drucktechniken, Maltechniken, Schriftgestaltung und dreidimensionaler Verfahren. Eigene Bildstrategien werden entwickelt. So können je nach Aufgabenstellung die Entscheidungen für bestimmte Techniken oder deren Kombinationen getroffen werden. Das Skizzenbuch begleitet die Schülerinnen und Schüler im Alltag, dort sammeln und notieren sie Ideen.

Durch die enge Verknüpfung mit dem Fach Medien gibt es zahlreiche Schnittstellen mit digitalen Verfahren. Ideensammlung, Entwurf, Modell und Ausarbeitung werden selbstverständlich im Verbund digitaler Medien mit manuellen oder handwerklichen Prozessen entwickelt.

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Gestaltung

Die Fachlehrpläne für die Fächer Gestaltung Praxis und Gestaltung Theorie in den Jahrgangsstufen 11 und 12 und Gestaltung Praxis/Theorie in Jahrgangsstufe 13 bauen auf den oben genannten vier Gegenstandsbereichen auf. Diese sind vielfach untereinander vernetzt und beinhalten immer sowohl praktische als auch theoretische Aspekte. Im Sinne eines Spiralcurriculums werden die einzelnen Kompetenzen in den entsprechenden Jahrgangsstufen entwickelt und vertieft. Das eigene Tun wird zunehmend fundierter reflektiert – auch im Hinblick auf ein Bewusstsein für Lösungsstrategien – und die Anforderungen an selbständige Lösungen werden erhöht.

Der Lehrplan weist zur deutlichen Strukturierung verschiedene Bereiche des Fachs in möglichst prägnant bezeichneten Lernbereichen aus, darunter Zeichnung, Objekt, Gestaltungstechniken oder Werkanalyse. In der Unterrichtspraxis stehen diese häufig in enger Verbindung zueinander, auch über die Fächer Theorie und Praxis hinweg. So kann bei der Entwicklung von Aufgaben und Projekten die Verknüpfungen mehrerer Lernbereiche in Betracht gezogen werden.

Der Lernbereich Konzept ist nicht als unabhängiger Bereich zu sehen, vielmehr stehen die dort beschriebenen Kompetenzen immer im Zusammenhang mit anderen Lernbereichen. Grund für die eigenständige Ausweisung von Kompetenzen in diesem Lernbereich ist die deutliche Hervorhebung von Arbeitsweisen und Lösungsstrategien bei der Bewältigung gestalterischer Herausforderungen.

Auch die beiden Lernbereiche Werkanalyse und Kunstgeschichte sind eng miteinander verbunden, die dort formulierten Kompetenzen ergänzen sich gegenseitig. Die getrennte Ausweisung dient der Klarheit:

  • Werkanalyse bezeichnet das methodische Repertoire für das Entschlüsseln von Bildern,
  • Kunstgeschichte richtet den Blick auf stilgeschichtliche Bezüge sowie gesellschaftliche, historische und politische Aspekte.

Insbesondere in der Kunstgeschcihte nutzt jede Jahrgangsstufe die erworbenen Kenntnisse der vorausgegangenen Jahrgangsstufen, um darauf aufzubauen. Wiederholungen dienen der Einübung des Könnens und der Sicherung des Wissens.

Der Lernbereich Gestaltungstechniken ist in der Theorie verortet. Hier werden wesentliche Gestaltungselemente der Zeichnung und der Malerei systematisch untersucht, auch in Bezug auf Werke von Künstlern, Grafikern und Illustratoren. Praktische Übungen vertiefen die praktischen und theoretischen Kenntnisse und kommen dem eigenen gestalterischen Können zugute. 

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Schülerinnen und Schüler des Fachbereiches Gestaltung sind in der Lage, komplexe Zusammenhänge und vielschichtige Ideen überzeugend zu visualisieren. Dies ist von großer Bedeutung, da in der medial durchdrungenen Gesellschaft die Visualisierung von Informationen in Bildern immer wichtiger wird. In der Unterrichtspraxis kann sich dies z. B. in Kooperation mit den sprachlichen Fächern (Illustrationen, Plakate), Projektarbeiten mit Geschichte/Sozialkunde sowie mit anderen Fächern oder auch bei der Betreuung der Homepage bzw. der Schülerzeitung zeigen.

Besonders enge Zusammenhänge bestehen zum Fach Medien. Um Arbeiten über die Fächer hinweg zu ermöglichen und ein vertieftes Verständnis anzubahnen, sind die Lehrpläne aufeinander abgestimmt. So ist der Bereich Layout und Schrift in beiden Fächern in Jahrgangsstufe 12 angesiedelt, gleichwohl mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Um Doppellungen zu vermeiden, ist der Erwerb von Kompetenzen im Bereich digitaler Medien im Lehrplan Gestaltung nicht explizit  ausgewiesen, aber der Lehrplan lässt in vielen Bereichen die Arbeit mit digitalen Medien zu.

Auch zum vertiefenden Wahlpflichtfach Experimentelles Gestalten bestehen enge Bezüge. Die im Fach Gestaltung erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten kommen im Wahlpflichtfach zur Anwendung und können dort in intensiven, langfristig ausgerichteten Projekten eine sehr individuelle Ausprägung erfahren.

Kulturelle Bildung

Vor allem in der Beschäftigung mit Kunstwerken, Design, gestalteter Umwelt und Architektur am Schulort und der Region, erweitern die Schülerinnen und Schüler ihr Verständnis für die eigene Umgebung als gewachsene Kulturlandschaft, die es ebenso zu erhalten wie weiterzuentwickeln gilt. Durch die Gestaltung eigener Werke und Produkte nehmen sie aktiv am Prozess der Weiterentwicklung im Sinne kultureller Partizipation teil.

Interkulturelle Bildung

In der bewussten Wahrnehmung von Bildsprachen verschiedener Kulturräume entwickeln die Schülerinnen und Schüler ein Interesse an interkulturellen Fragestellungen. Durch den zum Verständnis fremder Bildsprachen notwendigen Wechsel des Standpunktes, durch das Betrachten einer Thematik aus ungewohnter Perspektive, gewinnen sie Sicherheit und Offenheit im Umgang mit Neuem und Fremdem. Dabei lernen sie, kulturelle Vielfalt als Bereicherung zu erleben, erkennen, dass Kulturen einem ständigen Wandel unterliegen und erleben sich selbst als Teil der kulturellen Veränderungen.

Medienbildung/Digitale Bildung

Die digitalen Medien sind heute v. a. Bildmedien und prägen die Umwelt sowie die Vorstellungswelt der Schülerinnen und Schüler signifikant. Die kritische sowie aktive Auseinandersetzung mit der Bildsprache dieser Medien, mit dem Verhältnis zwischen Realität, Fiktion und Virtualität, bildet einen wichtigen Beitrag zur digitalen Bildung, zur Persönlichkeitsentwicklung und damit letztlich auch zur politischen Bildung der Schülerinnen und Schüler.

Sprachliche Bildung

Die Schülerinnen und Schüler erwerben durch die zunehmende Differenzierung der sprachlichen Mittel im Beschreiben, Analysieren, Deuten und Werten sprachliche Kompetenzen und verwenden Fachbegriffe bewusst und sinnvoll. Die Herausforderung, das Beobachtete klar in Worte zu fassen, einen Standpunkt zu vertreten sowie Fragestellungen über Bildwerke zu formulieren, fordert sprachliche Genauigkeit und Einfallsreichtum.

Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung/Globales Lernen)

Die Schülerinnen und Schüler festigen im Fach Gestaltung einen verantwortlichen Umgang mit Materialien und Werkzeugen und entwickeln bereits auf diese Weise ein Bewusstsein für Aspekte der Nachhaltigkeit. In der Auseinandersetzung mit ökologischen Themen und Fragestellungen, z. B. in Design, Architektur, Landschaftsgestaltung und Städtebau, erweitern die Schülerinnen und Schüler ihr Verständnis für die komplexen Zusammenhänge nachhaltiger Entwicklung. Da in der Art, wie die Welt (etwa in den Bereichen Architektur oder Produktdesign) durch Menschen gestaltet ist, auch immer bestimmte Haltungen des Menschen zur Umwelt wie zu sich zum Ausdruck kommen, verbinden sich die Fragestellungen des Fachs automatisch mit der Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

Soziales Lernen

In der Teamarbeit und in offenen Lernformen entwickeln die Schülerinnen und Schüler Verantwortung, Einfühlungsvermögen und soziale Fertigkeiten. Darüber hinaus sind Bilder auch mächtige Kommunikationsmittel: Sie können z. B. Menschen emotional berühren oder manipulieren, Kommunikationsprozesse und Einstellungen steuern, Entscheidungen beeinflussen. Die Schülerinnen und Schüler vertiefen ihr Bewusstsein für die Wirkungsstärke der Bilder, üben den verantwortungsbewussten Umgang damit und reflektieren die möglichen Folgen ihres Gestaltens.

Werteerziehung

Die stetige Entwicklung von reflektierten und fachlich fundierten ästhetischen Urteilen (z. B. über Kunstwerke, Bilder aus anderen Kulturen, eigene Arbeiten oder die von Mitschülerinnen und Mitschülern) vertieft das Bewusstsein für die Bedeutung von Aufgeschlossenheit und Toleranz gegenüber anderen. Die Schülerinnen und Schüler üben auf diese Weise Grundwerte ein, die für ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft und zwischen den Kulturen unentbehrlich sind.

Berufliche Orientierung

Die Auseinandersetzung mit der gestalteten Umwelt gibt vielfältige Einblicke in verschiedene Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft, der Vermittlung von Kultur sowie der Kunst und der angewandten Künste. Auf diese Weise erweitern die Schülerinnen und Schüler ihr Spektrum für die Wahl des Studiums bzw. eine spätere oder weitere berufliche Orientierung. Sie reflektieren dabei auch ihre persönlichen Stärken und Interessen. Der Besuch von und die Zusammenarbeit mit z. B. Ateliers, Agenturen, Designern, Architekten, Museen und Hochschulen unterstützt dies.