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Kommunikation und Interaktion

1 Selbstverständnis des Faches Kommunikation und Interaktion und sein Beitrag zur Bildung

Das Fach Kommunikation und Interaktion nimmt hinsichtlich einer ganzheitlichen und interdisziplinären Herangehensweise im Gesundheitswesen eine zentrale Rolle ein, da der Mensch als soziales Wesen sich und seine Potenziale erst in der Kommunikation und Interaktion mit seinen Mitmenschen entfalten kann. Es vermittelt Grundlagen für eine gewinnbringende Beziehungsgestaltung mit Klienten, Patienten und deren Angehörigen sowie mit Kollegen und Vorgesetzten. Das Fach schafft damit eine wichtige Basis für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und für berufliche Zufriedenheit.
Aufbauend auf dieser grundlegenden Funktion werden im Fach Kommunikation und Interaktion folgende Ziele verfolgt:

  • Vermittlung von Grundlagen der wissenschaftlichen Betrachtung von Kommunikation und Interaktion als Grundlage für die Analyse kommunikativen und interaktiven Verhaltens
  • Aufbau interaktiver und kommunikativer Kompetenzen
  • fachlich fundierte Beurteilung kommunikativer und interaktiver Aktivitäten unter Einbeziehung ethischer Maßstäbe

Das Fach Kommunikation und Interaktion trägt also im besonderen Maße zur Profilbildung der Ausbildungsrichtung Gesundheit bei. Insbesondere der Aufbau von kommunikativen und interaktiven Kompetenzen ist ein zentraler Beitrag zur Entwicklung beruflicher Handlungskompetenz, die z. B. im Umgang mit Klienten, Patienten, Angehörigen und Kollegen später im Berufsleben erforderlich ist.

2 Kompetenzorientierung im Fach Kommunikation und Interaktion

Die an der Fachoberschule umgesetzten Handlungskompetenzen des Kompetenzstrukturmodells schaffen ein Fundament, aufgrund dessen die Schülerinnen und Schüler Studierfähigkeit erwerben und zur beruflichen Orientierung befähigt werden.

Die verstärkte Förderung der Selbst‑ und Sozialkompetenz ist hierbei von großer Bedeutung. Selbständigkeit, vernetztes Denken, Problemlösen sowie die Entwicklung von Einstellungen, Haltungen und Motivation sind daher die dem Unterricht zugrunde liegenden Prinzipien. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei unterstützt, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, ihr Selbstvertrauen zu stärken und ihre Kreativität zu entfalten.

2.2 Prozessbezogene Kompetenzen

Handlungskompetenz im Fach Kommunikation und Interaktion konkretisiert sich u. a. in folgenden prozessorientierten Kompetenzen:

Analysieren und wahrnehmen

Analysieren und wahrnehmen bedeutet, einen Handlungsbedarf bzw. Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation wahrzunehmen und diese detailliert zu untersuchen. Es geht u. a. darum, im täglichen Kontakt mit kranken Menschen, deren Angehörigen und Kollegen gesundheitserhaltende, gesundheitsfördernde, aber auch belastende Kommunikationsprozesse zu identifizieren. Mithilfe eines fundierten kommunikationstheoretischen Wissens analysieren die Schülerinnen und Schüler kommunikative Prozesse genau und erkennen so mögliche Ursachen von Problemen sowie die Möglichkeiten zum erfolgreichen Aufbau gelungener Beziehungen.

Kommunizieren und zuhören

Kommunizieren und zuhören meint, dass die Schülerinnen und Schüler geeignete Strategien für die Gestaltung kommunikativer Prozesse unter Berücksichtigung alters‑ und lebensphasenrelevanter Bedürfnisse und gruppendynamischer Prozesse wählen und anwenden.

Beziehungen gestalten

Die Schülerinnen und Schüler reagieren auf Herausforderungen im zwischenmenschlichen Kontakt, indem sie konstruktiv an Problemlösungsstrategien mitarbeiten und dadurch aktiv Beziehungen gestalten.

Bewerten und reflektieren

Entscheidungen und Prozesse werden bewertet und reflektiert. Die Schülerinnen und Schüler hinterfragen ihr eigenes Verhalten kritisch und revidieren bei Bedarf getroffene Entscheidungen begründet. Dabei berücksichtigen sie die Gefühle anderer.

2.3 Gegenstandsbereiche

Der Unterricht bereitet auf komplexe berufliche Anforderungen vor, wie z. B. die Arbeit in einem multiprofessionellen Team (Beziehungen, Kommunikationsprozesse) oder auf den Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten (kulturelle Vielfalt). Belastende Arbeitssituationen, wie sie häufig im Gesundheitswesen anzutreffen sind, müssen bewältigt werden (Krisensituationen, Arbeitsfeld Gesundheit).

3 Aufbau des Fachlehrplans im Fach Kommunikation und Interaktion

Der Fachlehrplan ist in Lernbereiche gegliedert. Darin sind jeweils Kompetenzen in Form konkreter Handlungen formuliert, die die Schülerinnen und Schüler am Ende der jeweiligen Jahrgangsstufe erworben haben. Zusätzlich zu den Kompetenzerwartungen werden Inhalte aufgeführt. Diese sind als Konkretisierung zu den zuvor beschriebenen Kompetenzerwartungen zu verstehen.

Die Reihenfolge der Lernbereiche baut logisch aufeinander auf. Zunächst erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen der Kommunikation und Interaktion, die Voraussetzung für ein gelingendes Miteinander, insbesondere in Berufen des Gesundheitswesens, sind. Sie gestalten soziale Beziehungen mit zu betreuenden Menschen, gehen angemessen mit Angehörigen um und zeigen dabei Einfühlungsvermögen sowie wertschätzendes Kommunikationsverhalten im professionellen Umgang mit diesen.

Darauf aufbauend setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Rolle in Gruppen auseinander und berücksichtigen angemessene Verhaltensweisen im Umgang mit Teamkollegen. Dabei nutzen sie gezielt die zuvor erworbenen Kompetenzen und erweitern diese.

In Jahrgangsstufe 13 liegt der Schwerpunkt im Bereich der Anleitung und Führung anderer. Hierzu erwerben die Schülerinnen und Schüler Techniken, um Gespräche zu moderieren und zu gestalten. Eine besondere Herausforderung stellt dabei der Umgang mit Vorurteilen und kulturellen Unterschieden dar.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Für das Profilfach Kommunikation und Interaktion bietet sich eine Kooperation mit dem Fach Gesundheitswissenschaften an, da eine gelungene Kommunikation und Interaktion für die Gesunderhaltung und Genesung des Menschen aus ganzheitlicher Sicht relevant ist. Außerdem ist eine Zusammenarbeit mit dem Fach Deutsch erforderlich. Klare Kommunikation und Interaktion erfordert immer auch den bewussten und regelkonformen Umgang mit Sprache.

Katholische und Evangelische Religionslehre bzw. Ethik geben ebenfalls Ansatzpunkte zur Kooperation. So erscheint z. B. eine Zusammenarbeit im Bereich des Umgangs mit Interkulturalität als sinnvoll, da hier ethische und religiöse Gesichtspunkte eine Rolle spielen.

5 Beitrag des Faches Kommunikation und Interaktion zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen

Aus den schulart‑ und fächerübergreifenden Bildungs‑ und Erziehungszielen werden im Fach Kommunikation und Interaktion schwerpunktmäßig folgende Ziele angestrebt:

Gesundheitsförderung

Die Schülerinnen und Schüler achten die Würde und Selbständigkeit des anderen und sind verständnisvoll und empathisch im (beruflichen) Alltag. Sie zeigen Bereitschaft, sich Problemsituationen im Arbeitsfeld Gesundheit zu stellen, Bewältigungsstrategien in Belastungssituationen zu nutzen und wissen bei (beruflicher) Überforderung um Hilfsangebote staatlicher Stellen.

Interkulturelle Bildung

Die Schülerinnen und Schüler nehmen das Arbeitsfeld Gesundheit als interkulturellen Begegnungsort wahr und vergleichen eigene Einstellungen und Haltungen mit denen anderer. Sie akzeptieren Patienten, Klienten, Angehörige, Vorgesetzte und Kollegen in ihrer kulturellen Eigenart und gehen einfühlsam und respektvoll mit Unterschieden um. Sie setzen die Ausgangskultur und die fremde Kultur miteinander in Beziehung und schätzen das Fremde als wertvoll und bereichernd.

Soziales Lernen

Durch soziales Lernen und Handeln werden die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen sowie die Entwicklung von Toleranz gefördert. Dies zeigt sich durch die Bereitschaft, Wertevielfalt zu schätzen, Vorurteile zu überwinden und Respekt für andere zu zeigen.

Werteerziehung

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich reflektierend mit Werten, Normen und Vorbildern auseinander und gelangen so zu ethisch begründeten Orientierungsmaßstäben für ihr Handeln.