Lehrplan PLUS

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Sozialpraktische Grundbildung, Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder

Das angegebene Fachprofil wird derzeit überarbeitet; die überarbeitete Fassung wird nach Abschluss der Anpassung des LehrplanPLUS an das neunjährige Gymnasium veröffentlicht.

1 Selbstverständnis der Fächer Sozialpraktische Grundbildung bzw. Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder und ihr Beitrag zur Bildung

Sozialpraktische Grundbildung ist neben dem Fach Sozialkunde Profilfach für die sozialwissenschaftliche Ausrichtung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums (WSG-S). In diesem Fach befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit der sozialen Existenz des Menschen, seinen anthropologischen Voraussetzungen und konkreten Bedingungen sozialen Handelns.
Sie erleben nach der Kindheit die eigene Sozialisation zunehmend bewusster als einen Prozess der Übernahme sozialer Normen und Werte. In der beginnenden Adoleszenz sind sie in der Lage, die eigene Rolle bei diesem Prozess altersangemessen zu reflektieren und kritisch zu prüfen. Themen und Methoden leisten dabei einen Beitrag zur Identitätsentwicklung, während der sich die Schülerinnen und Schüler in neuen Beziehungsfeldern sehen und sich dort selbst verorten lernen. Wie in Sozialkunde wird das Interesse der Schülerinnen und Schüler auf das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft gelenkt, dabei wird jedoch gezielt und vertieft die Frage nach der Integration des Einzelnen in die Gesellschaft und nach seiner sozialen Verantwortung für den Mitmenschen gestellt.
In den Jahrgangsstufen 11 und 12 eröffnet sich Schülerinnen und Schülern des WSG-S die Möglichkeit, sich im Rahmen des Profilfaches Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder auch mit Blick auf die hohe Veränderungsdynamik gesellschaftlicher Bedingungen im nationalen wie im globalen Raum und mit wissenschaftspropädeutischem Anspruch auseinanderzusetzen. Damit wird die Zukunftsorientiertheit und Zukunftsfähigkeit der Heranwachsenden unterstützt.
Die soziale Wirklichkeit, die verschiedenen Handlungsfelder des Zusammenlebens sowie Möglichkeiten sozialen und politischen Handelns stehen im Zentrum sowohl des Fachs Sozialpraktische Grundbildung wie auch seiner Fortsetzung in der Qualifikationsphase Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder. Im Kontakt mit in der Praxis erfahrenen Personen, Einrichtungen und Organisationen wird die Bedeutung sozialer Arbeit für das Individuum wie auch für die Gesamtgesellschaft deutlich. Die Schülerinnen und Schüler können über diese Nähe zur sozialen Praxis und über Praktika eigene Fähigkeiten entwickeln, werden auf qualifizierte erzieherische, beratende, pflegerische und medizinische Tätigkeiten und Berufsfelder aufmerksam gemacht und gewinnen so zusätzlich Orientierung für Studium und Beruf. Ferner leisten Praktika einen Beitrag, Chancen und Grenzen sozialstaatlichen Handelns in Ansätzen selbst zu erfahren.
Das Fach Sozialpraktische Grundbildung sowie auch das Fach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder erweitern im WSG-S die im Fach Sozialkunde vertiefte politische Bildung um wesentliche soziale Aspekte und verstärken die Herausbildung sozialer Kompetenzen. Wenn Heranwachsende human- und gesellschaftswissenschaftliche Grundtatsachen sowie politische und soziale Zusammenhänge kennen, sind sie in der Lage, die soziale Realität differenziert wahrzunehmen und sachlich fundiert zu analysieren. Sie können eine komplizierte gesellschaftliche und politische Wirklichkeit umso leichter begreifen, je kundiger sie aktuelle soziale und sozialpolitische Entwicklungen und Themen in übergeordnete Kategorien einzuordnen lernen.

Sozialpraktische Grundbildung wie auch Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder tragen somit über ihre Inhalte und die praxisnahe Ausrichtung zur Entwicklung eigenverantwortlicher und gemeinschaftsfähiger Persönlichkeiten bei. Bezüge zur Realität über die eigene erfahrbare Wirklichkeit hinaus wecken Verständnis für unterschiedliche Lebenssituationen und stärken die Empathie. Die Schülerinnen und Schüler gewinnen die Einsicht, dass das Handeln des Einzelnen und das Zusammenleben in Deutschland von Vorstellungen bestimmt werden, die auf den Werten des Grundgesetzes basieren, insbesondere auf der Würde des Menschen und den davon abgeleiteten Grundrechten. Die Fächer zielen damit ab auf eine Erziehung hin zur Toleranz, zum Willen und zur Fähigkeit, Konflikte geregelt und sachorientiert auszutragen sowie zu einem angemessenen Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen. Grundlage dafür ist eine von Mitmenschlichkeit getragene Solidarität und die Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen.
Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ein Verständnis für die soziale Existenz des Menschen, indem sie Grundtatsachen aus den Human- und Gesellschaftswissenschaften kennenlernen. Dabei beschäftigen sie sich – jeweils altersangemessen – mit Aspekten aus den Bereichen Biologie, Ökologie und Physiologie ebenso wie mit pädagogischen, psychologischen und sozialpsychologischen Fragestellungen und gewinnen Einblick in die Realität der sozialen Arbeit. Ferner werden ihnen Sozialisations- und Integrationsprozesse, Strukturen und langfristige Entwicklungen im modernen Sozialstaat bewusst – auch als Voraussetzung für eine rational begründete Einflussnahme auf die zukünftige Gestaltung des Zusammenlebens. Der Altersstufe entsprechend erwerben die Schülerinnen und Schüler Kompetenzen, die auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit der eigenen Person wie auch mit anderen Menschen abzielen. So gewinnen sie z. B. ein Gespür dafür, auf die eigene Gesundheit zu achten, reflektieren Möglichkeiten sinnvoller Freizeitgestaltung und erweitern ihre kommunikativen Fähigkeiten.

Alle Themen eignen sich, den Interessen der Jugendlichen unter Einbeziehung örtlicher und regionaler Bedingungen wie auch aktueller Entwicklungen Rechnung zu tragen. Außerdem eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten für Projektarbeit und einen handlungs- und erfahrungsorientierten sowie aktivierenden Unterricht, der Raum lässt für beispielsweise Plan- und Interaktionsspiele, für die Einbeziehung neuer Medien oder die Einübung umfangreicherer Arbeitstechniken.
Viele Inhalte machen den Kontakt zu Experten, Einrichtungen und Organisationen nötig, deren Erfahrungen in der sozialen Arbeit über Interviews, Befragungen und Erkundungen nutzbar gemacht werden sollen. Den Zielen des Fachs dienende Projekte in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen sind wünschenswert.

Sozialpraktische Grundbildung kann vor allem dann einen wesentlichen Beitrag zum Schulprofil leisten, wenn die Kontakte nach außen sowie das Hereinholen von Wirklichkeit in das Klassenzimmer zu einem bestimmenden Charakteristikum des Faches werden.

Besonderes Kennzeichen des Faches ist überdies die Verknüpfung mit dem Sozialpraktikum. Es umfasst mindestens 15 Arbeitstage, sein erfolgreicher Abschluss vor dem Ende der Jahrgangsstufe 10 bildet eine Voraussetzung für das Vorrücken in die Jahrgangsstufe 11 (vgl. hierzu die GSO–Bestimmungen sowie die Erläuterungen zur Stundentafel des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums). Das Sozialpraktikum kann auch in Teilpraktika auf zwei oder drei Jahrgangsstufen verteilt werden. Darunter muss mindestens ein einwöchiges Blockpraktikum sein, weitere Teilpraktika sollen nach Möglichkeit nicht weniger als drei Tage dauern.
Art und Dauer des Sozialpraktikums bzw. der Teilpraktika orientieren sich an den kognitiven und sozialen Fähigkeiten der Schüler. Das Praktikum bzw. die Teilpraktika sind unter Berücksichtigung des Alters der Schülerinnen und Schüler und lokaler Gegebenheiten mit den Inhalten des Unterrichts abzustimmen. Das Praktikum bzw. die Teilpraktika werden im Unterricht vorbereitet und begleitet. In Praktikumsberichten können die eigene Arbeit und die Erfahrungen nachbereitet und reflektiert werden.

Mehrsprachige Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache werden in einem sprachsensiblen Unterricht beim Erwerb der Fachsprache sowie der fachlichen Kompetenzen darin unterstützt, sich in deutscher Sprache über fachliche Inhalte austauschen und verständigen zu können.

2.1 Kompetenzstrukturmodell

Kompetenzstrukturmodell "sozialpraktische Grundbildung"

Das Kompetenzstrukturmodell ist in seinen Grundzügen schulartübergreifend mit dem Fach Sozialwesen der Realschule angelegt.
Die drei Kompetenzbereiche Urteilskompetenz, Handlungskompetenz und Empathie- und Wertekompetenz sind nicht isoliert zu betrachten. Sie stehen in Wechselwirkungen zueinander und münden in die ihnen übergeordnete sozialpraktische Kompetenz, die gleichsam die Quintessenz des Unterrichts bildet. Die Schülerinnen und Schüler erwerben diese Kompetenzen anhand der Gegenstandsbereiche und bei der Anwendung fachspezifischer Methoden. Somit ist der Erwerb sozialwissenschaftlicher Methodenkompetenz grundlegender Bestandteil für die Ausbildung der anderen im Modell genannten Fachkompetenzen.
In der Mitte des Kompetenzstrukturmodells sind die Gegenstandsbereiche angeordnet, auf deren Basis die Kompetenzen erworben werden. 
Die Grundlegenden Kompetenzen und die Kompetenzerwartungen in den Fachlehrplänen lassen sich im Einzelnen zu den Gegenstandsbereichen und den prozessbezogenen Kompetenzen des Modells in Beziehung setzen.

Sozialpraktische Kompetenz

Sozialpraktische Kompetenz bedeutet, die Gesellschaft in ihren sozialen Bezügen zu verstehen und bereit zu sein, sie unter Berücksichtigung des eigenen wie des allgemeinen Wohls mitzugestalten. In enger Verbindung dazu und zu den Gegenstandsbereichen des Fachs stehen die Teilkompetenzen Urteils-, Handlungs-, Empathie- und Wertekompetenz, die sich gegenseitig bedingen und beeinflussen. Die Schülerinnen und Schüler erwerben Kompetenzen, die sie befähigen, Fragestellungen und Probleme im gesellschaftlichen Praxisfeld „Soziale Arbeit“ zu beurteilen und in diesem Feld sachgerecht zu handeln. Außerdem eignen sie sich eine gewisse Handlungs- und Urteilssicherheit an, indem sie Einfühlungsvermögen, Mitgefühl und weitere Werte entwickeln, mit denen sie ihre Urteile und Handlungen begründen.

Urteilskompetenz

Urteilskompetenz bedeutet für die Schülerinnen und Schüler, gesellschaftliche Sachverhalte zu analysieren, einzuordnen und zu beurteilen. Sie setzt somit immer eine Sachkompetenz voraus, die sich im Umgang mit den Gegenstandsbereichen entwickelt und Basis für reflektiertes Urteilen bietet.

Handlungskompetenz

Mittels ihrer Handlungskompetenz kommunizieren die Schülerinnen und Schüler konstruktiv, agieren kooperativ, handeln verantwortungsbewusst und engagieren sich. Insbesondere die Praktika fördern Handlungskompetenz, da sie naturgemäß eine praktische Tätigkeit der Schülerinnen und Schüler neben der kognitiven Reflektion gesellschaftlicher Sachverhalte bedingen.

Empathie- und Wertekompetenz

Empathie- und Wertekompetenz beinhaltet, Mitmenschlichkeit als Grundbedingung des demokratischen Zusammenlebens zu erkennen, wertzuschätzen, umzusetzen und zivilgesellschaftliche Tugenden zu leben. In der Schule werden vor allem die kognitiven Anteile von Empathie- und Wertekompetenz entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler können sich besser in andere Personen hineinversetzen, u. a. weil sie sich mit Sozialisation, Entwicklungstheorien und anderen sozialpsychologischen Sachverhalten auseinandersetzen. Sie entwickeln auf der Basis ihrer Auseinandersetzung mit bestimmten Wertvorstellungen und Begründungen für soziales Handeln eigene soziale Werte.

Sozialwissenschaftliche Methodenkompetenz

Sozialwissenschaftliche Methodenkompetenz bedeutet, dass sozialwissenschaftliche Methoden gekannt, angewendet und reflektiert werden. Sozialwissenschaftliche Methoden sind der Schlüssel für das eigenständige Erschließen politischer wie gesellschaftlicher Inhalte und Zusammenhänge, insbesondere für das außerschulische Weiterlernen, und somit Voraussetzung für eigenes sozialpraktisches Handeln, für die eigene Meinungsbildung und für die Entwicklung eigener Handlungsoptionen. Die Methodenkompetenz ermöglicht dem mündigen Bürger bzw. der mündigen Bürgerin eine verantwortungsvolle Orientierung bei aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen.

2.3 Gegenstandsbereiche

Die inhaltliche, wissensorientierte Dimension des Faches fächert sich in die Gegenstandsbereiche Entwicklung und Sozialisation des Menschen, Medien und Kommunikation, Verantwortung für sich und die Gesellschaft sowie Sozialpraktisches Handeln in Staat und Gesellschaft auf.

Entwicklung und Sozialisation des Menschen

Die psychosoziale Entwicklung des Menschen und seine individuelle Entfaltung hat ebenso Anteil an seiner Sozialisation wie auch verschiedene Prozesse in den Gruppen, denen er angehört. Alle Phasen der Entwicklung von der Kindheit bis ins hohe Alter bieten spezifische Herausforderungen und machen einen reflektierten Umgang mit ihnen nötig.
Dieser Gegenstandsbereich dient in besonderer Weise der Entwicklung von Urteils- und Handlungskompetenz.

Medien und Kommunikation

Zugang zu sowie der Umgang mit Medien und Kommunikation entwickeln sich oftmals über die Orientierung an Vorbildern, Idolen und Meinungsführern innerhalb der Gesellschaft. Medien prägen in zunehmendem Maße die Freizeitgestaltung Jugendlicher, ein verantwortungsbewusster Umgang mit ihnen ist unabdingbar für ein gelingendes Leben.
Dieser Gegenstandsbereich dient in besonderer Weise der Entwicklung von Urteilskompetenz.

Verantwortung für sich und die Gesellschaft

Ein gesundheitsfördernder Lebensstil wie auch an Nachhaltigkeit orientiertes Verhalten zeigen die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für sich selbst und die Gesellschaft insgesamt. Insbesondere neuere medizinische und technische Entwicklungen fordern eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen heraus.
Die Auseinandersetzung mit diesem Gegenstandsbereich fördert in besonderem Maße die Empathie- und Wertekompetenz der Schülerinnen und Schüler.

Sozialpraktisches Handeln in Staat und Gesellschaft

Sozialpraktisches Handeln zeigt sich in allen gesellschaftlichen Bereichen, etwa den Erziehungsstilen in der Familie. Soziales Engagement wie auch Rahmenbedingungen und Anforderungen sozialer Berufe spiegeln den Stand der sozialen Verantwortung in unserer Gesellschaft sowie im Sozialstaat.
Die Auseinandersetzung mit dem sozialpraktischen Handeln in Staat und Gesellschaft fördert in besonderem Maße die Handlungskompetenz sowie die Empathie- und Wertekompetenz der Schülerinnen und Schüler.

3.1 Sozialpraktische Grundbildung

Von den Gegenstandsbereichen des Kompetenzmodells leiten sich im Fachlehrplan des Gymnasiums die einzelnen Lernbereiche der jeweiligen Jahrgangsstufe ab. Die Lernbereiche enthalten das Fachwissen und beziehen sich auf die schulische und außerschulische Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler:

Entwicklung und Sozialisation des Menschen (Lernbereich 1):

  • Kindheit und Entwicklung (Jahrgangsstufe 8)
  • Sekundäre soziale Gruppen und gruppenorientiertes Verhalten (Jahrgangsstufe 9)
  • Herausforderungen des Erwachsenenlebens (Jahrgangsstufe 10)

Medien und Kommunikation (Lernbereich 2):

  • Vorbilder und Idole (Jahrgangsstufe 8)
  • Freizeit und Medien (Jahrgangsstufe 9)
  • Aspekte der Informationsgesellschaft (Jahrgangsstufe 10)

Verantwortung für sich und die Gesellschaft (Lernbereich 3):

  • Gesundheit und Ernährung (Jahrgangsstufe 8)
  • Ökologie und Konsumverhalten (Jahrgangsstufe 9)
  • Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die Klärung ethischer Grundfragen (Jahrgangsstufe 10)

Sozialpraktisches Handeln in Staat und Gesellschaft (Lernbereich 4):

  • Erzieherisches Verhalten in Familie und pädagogischen Einrichtungen (Jahrgangsstufe 8)
  • Akteure des Sozialen (Jahrgangsstufe 9)
  • Herausforderungen und Chancen sozialer Arbeit (Jahrgangsstufe 10)

Es geht mithin um anthropologische Voraussetzungen, das soziale Umfeld des Individuums, verschiedene Handlungsfelder des Zusammenlebens und Möglichkeiten sozialen und politischen Handelns.
Jeder Lernbereich findet sich in jeder der drei Jahrgangsstufen unter einem der Altersphase angemessenen Blickwinkel und mit einer entsprechenden Progression. Dieses Prinzip sichert dem Fach eine auch für die Schülerinnen und Schüler nachvollziehbare inhaltliche Stringenz. Es ermöglicht zudem einen nachhaltigen und zunehmenden Kompetenzerwerb.
Sowohl in den Jahrgangsstufen 8 mit 10 als auch – verstärkt und zunehmend wissenschaftlich orientiert  – im Fach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder üben die Jugendlichen jeweils mit steigendem Anspruch Methoden aus den Sozialwissenschaften ein. So wenden sie u. a. einfachere Verfahren der empirischen Sozialforschung an, führen z. B. Umfragen oder Interviews durch und werten Daten aus Sozialstudien aus. 
Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit des Lernens werden Inhalte einer früheren Jahrgangsstufe – wenn möglich mit Themen des Fachs Sozialkunde verknüpft – mit höherem Anspruch aufgegriffen und weitergeführt. Themen und Inhalte unterstützen die Entwicklung eines mit zunehmendem Alter differenzierter werdenden Wertebewusstseins mit der Achtung der Menschenwürde als Ausgangspunkt und Grundlage.

Schulen können in der Jahrgangsstufe 8 den Lernbereich 5 „Gesundheit und Ernährung (Alternative)“ statt des Lernbereichs 3 „Gesundheit und Ernährung“ und eines weiteren Lernbereichs eigener Auswahl durchführen. Dies ermöglicht im Rahmen der schulischen Profilbildung eine verstärkte, halbjährige Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Gesundheit und Ernährung.

Sofern die in der Jahrgangsstufe 10 zweigspezifisch zu nutzende Profilstunde dem Fach Sozialpraktische Grundbildung zugeteilt wird, bietet der Lehrplan zwei Themenbereiche an:

Profilstunde (Jahrgangsstufe 10):

  • unterschiedliche Lebensbedingungen in einer modernen Gesellschaft an Beispielen
  • Zukunftsforschung und Zukunftsprognosen

Sie sind beide soziologisch orientiert und führen hin zu wissenschaftlichen Methoden und Sichtweisen. Insofern sind sie u. a. auch geeignet, die Schülerinnen und Schüler für das Profilfach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder in der Qualifikationsphase zu motivieren.

3.2 Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder

Das Profilfach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder baut auf Themen und Methoden des Faches Sozialpraktische Grundbildung auf, vertieft ausgewählte Inhalte und erweitert sie. Damit eröffnet sich den Schülerinnen und Schülern ein Blick auf die soziale Wirklichkeit, der über persönliche Eindrücke und Alltagswissen hinausgeht und zu einer objektiveren Wahrnehmung hinführt. Das individuelle und zwischenmenschliche Handeln wird dabei in seinen Wechselwirkungen zwischen entwicklungspsychologisch angelegten Grundtatsachen und gesellschaftlichen Strukturen sowie Prozessen in der Bundesrepublik Deutschland und in der Welt gesehen.
Das Fach behandelt in thematischer Progression Aspekte der individuellen Entwicklung, Handlungsmöglichkeiten und Positionen des Einzelnen in der Gesellschaft sowie Ursachen globaler sozialer Entwicklungen und ihre Rückwirkungen auf den Einzelnen. Als Basis für eine sozialwissenschaftliche Betrachtungsweise dienen grundlegende Fakten und Begriffe zur Gesellschaftsanalyse. Ihre Anwendung erlaubt den jungen Menschen eine Differenzierung von Alltags- und Analysewissen, was zu einem reflektierten Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge führt.
Die wissenschaftspropädeutische Anlage des Fachs zeigt sich insbesondere in der Beschäftigung mit ausgewählten Theorien, Modellen und Sozialanalysen. Anhand eines Einblicks in die Forschungspraxis setzen sich die Schülerinnen und Schüler in jedem der vier Halbjahre mit sozialwissenschaftlichen Studien (z. B. Shell-Jugendstudie), ihren Ergebnissen und ihrer Bewertung auseinander. Dabei wird ihnen der Pluralismus der Zugänge, Aussagen und Methoden in den Sozialwissenschaften deutlich. Er zeigt einerseits die Vielfalt wissenschaftlichen Arbeitens, wirkt aber andererseits einer unkritischen Wissenschaftsgläubigkeit entgegen und fördert so die Urteilskompetenz der Heranwachsenden. Der Zugang zum wissenschaftlichen Arbeiten wird unterstützt durch die Gelegenheit, eigentätig an gut zugänglichen Themen und mithilfe geeigneter Methoden kleinere Erhebungen durchzuführen.  
Vermittelt wird dabei ferner die Erkenntnis, dass bei der Komplexität gesellschaftlicher Probleme möglichst objektive Analyse- und Diagnoseinstrumente genutzt werden müssen, um zu zuverlässigen Daten über die Entwicklungen in der Gesellschaft zu kommen. Außerdem erkennen die Schülerinnen und Schüler, wie notwendig sozialwissenschaftliches Forschen für Entscheidungen in Politik und Gesellschaft ist, um nationale und globale Zukunftsprobleme bewältigen zu können.

Die Inhalte des Faches Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder sind folgendermaßen auf die Jahrgangsstufen 11 und 12 verteilt:

Jahrgangsstufe 11
11.1 Die sozialwissenschaftliche Perspektive: Grundthemen und Forschungsmethoden 
11.2 Identitätsentwicklung als Thema der Sozialforschung
11.3 Konzepte sozialer Verantwortung im Wandel
11.4 Engagementpolitik in der Zivilgesellschaft

Jahrgangsstufe 12
12.1 Soziokulturelle Heterogenität als Herausforderung für Staat und Gesellschaft
12.2 Zeitdiagnosen und Trends
12.3 Interkulturalität als zentraler Aspekt einer globalen Gesellschaft
12.4 Soziale Aspekte der Globalisierung 

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Das Fach Sozialpraktische Grundbildung sichert die Kenntnis grundlegender Tatsachen des Zusammenlebens in einer demokratisch gestalteten Gemeinschaft. Soziale Bezüge unserer Existenz werden durch die Verknüpfung mit Inhalten der Fächer Katholische und Evangelische Religionslehre, Ethik, Deutsch, Biologie, Geschichte, Geographie sowie Wirtschaft und Recht hergestellt, z. B. bei den Themen Kindheit und Entwicklung, Gesundheit und Ernährung, Ökologie und Konsumverhalten, Aspekte der Informationsgesellschaft oder politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für ethische Grundfragen.
Alle Themenfelder erlauben es und machen es wünschenswert, Sichtweisen und Erkenntnisse aus verschiedenen Fächern zu vergleichen und zu verknüpfen. Zusätzlich verlangt die praxisbezogene Perspektive den Kontakt zur sozialen Wirklichkeit und lässt fächerübergreifende Projektarbeit zu. Viele Themen fordern multiperspektivische Zugänge heraus und eignen sich deswegen gut, um Impulse für außerunterrichtliche Vorhaben im Rahmen eines lebendigen Schullebens zu geben und  sie zu begleiten.
Die Inhalte im Fach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder verlangen ebenso wie im Fach Sozialpraktische Grundbildung Verknüpfungen zu Themen und Perspektiven, die über die Gesellschaftswissenschaften hinaus interdisziplinäre Zugänge erfordern, so z. B. bei den Themen Zeitdiagnosen oder Interkulturalität.

Die wechselseitige Beziehung zu Englisch, aber auch zu den anderen modernen Fremdsprachen kommt in besonderem Maße im bilingualen Unterricht zur Geltung. Die Verwendung einer Fremdsprache als Arbeitssprache ermöglicht ein vertieftes Verständnis anderer Kulturen und eröffnet neue Perspektiven.

5 Beitrag des Faches Sozialpraktische Grundbildung bzw. Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen

Inhalte, Methoden und die sozialpraktische Orientierung des Fachs sind geeignet, Beiträge für mehrere fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele zu leisten.

Soziales Lernen

Die Schülerinnen und Schüler achten auf ein friedvolles, respektvolles und gemeinschaftsorientiertes Zusammenleben im sozialen Nahraum. Darüber hinaus erwerben sie, insbesondere durch die für das Fach charakteristischen Kontakte mit der sozialen Wirklichkeit, die Fähigkeit zu einer konstruktiven  Zusammenarbeit. Indem sie Situationen kennenlernen, die sich von den eigenen unterscheiden, wächst das Verständnis für die Vielfalt von Lebensbedingungen und Lebenschancen. Sie entwickeln Empathie, üben Selbstbeherrschung, übernehmen Verantwortung und zeigen Hilfsbereitschaft.

Werteerziehung

Die Schülerinnen und Schüler erwerben die Fähigkeit, aus der Vielfalt der in einer offenen Gesellschaft möglichen Vorstellungen über das Zusammenleben diejenigen auszuwählen, die sich auf das im Grundgesetz verankerte Menschenbild gründen. Sie können dadurch zu eigenen, auf dem Boden des Grundgesetzes stehenden Werthaltungen finden und sind in der Lage, sie auch unter geänderten Lebensumständen zu reflektieren. Der Respekt vor unterschiedlichen Überzeugungen ermöglicht ihnen einen toleranten Umgang in einer pluralen Gesellschaft, der als Maßstab für den persönlichen Umgang wie auch für die Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben dienen wird.

Gesundheitsförderung

Dem Ziel einer aktiven Gesundheitsvorsorge dienen insbesondere die Beschäftigung mit den Themen Gesundheit und Ernährung, dem Freizeit- und Konsumverhalten und den Herausforderungen des Erwachsenenlebens. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler, verantwortungsvoll mit der eigenen Gesundheit umzugehen und auch unter sozialem Druck oder in Belastungssituationen die eigene physische und psychische Gesundheit zu schützen.

Politische Bildung

Die Rahmenbedingungen, die die Politik für den Einzelnen und alle Akteure in sozialen Zusammenhängen setzt, sind häufig entscheidend für deren Spielräume und Effizienz. Die Schülerinnen und Schüler verstehen diese Zusammenhänge, die auf den im Grundgesetz formulierten Werten gründen, erwerben dabei aber auch Einsichten in politische, wirtschaftliche und soziale Voraussetzungen und Abhängigkeiten und verstehen die Notwendigkeit, die Politik selbst mitzugestalten. Sie achten und schätzen den Wert der Freiheit und der Menschenrechte.

Medienbildung/Digitale Bildung

Eine verantwortungsbewusste Nutzung von traditionellen und neuen Medien wird einerseits in spezifischen Lernbereichen thematisiert, ist aber auch bei anderen Themen Voraussetzung für eine sichere, kriteriengeleitete und kritisch abwägende Mediennutzung, sei es bei der Informationsbeschaffung oder bei schulisch bedingten oder privaten sozialen Kontakten.

Berufliche Orientierung

Vor allem die Beschäftigung in pädagogisch und sozial orientierten Tätigkeitsbereichen erlaubt Einblicke in die dort vorherrschenden beruflichen Möglichkeiten und Arbeitsbedingungen. Zudem ermöglicht das verpflichtend abzuleistende Sozialpraktikum die Auseinandersetzung mit verschiedenen Berufsbildern. Diese Nähe zur Wirklichkeit in Verbindung mit der das Praktikum begleitenden Nachbereitung und Reflexion im Unterricht erlaubt es den Schülerinnen und Schülern, die eigenen Interessen, Fähigkeiten und Grenzen auszuloten.

Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln Kompetenzen, die sie befähigen, die Bedeutung nachhaltigen Verhaltens zu erkennen und sich danach zu richten. In besonderer Weise bilden Themen wie Gesundheit und Ernährung, Ökologie und Konsumverhalten oder die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für ethische Grundfragen die Basis für den Erwerb dieser Kompetenzen. In der Q 12 wird der Blick unter dem Lernbereich Zeitdiagnosen und Trends auf Oberstufenniveau auf die Frage gelenkt, wie sich das Thema Nachhaltigkeit in Gesellschaft und Politik verankern lässt.

Interkulturelle Bildung

Insbesondere im Fach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit der soziokulturellen Heterogenität in unserer Gesellschaft und den damit verbundenen Problemen und Chancen. Ergänzt werden diese Bemühungen im Themenfeld Interkulturalität in einer globalen Gesellschaft. Dabei entwickeln sich kultursensible Verhaltensweisen und ein Bewusstsein von einem tolerantem Zusammenleben sowie den Möglichkeiten einer gegenseitigen Bereicherung.

Familien- und Sexualerziehung

In der Phase der Pubertät unterstützt das Fach vor allem durch die Beschäftigung mit der Familie als Erziehungsinstanz sowie mithilfe einer Erziehung hin zu einem kritischen Umgang mit Medien und verschiedenen Aspekten der Informationsgesellschaft eine wertorientierte Familienerziehung. Dabei erkennen die Schülerinnen und Schüler den Wert zuverlässiger und von gegenseitigem Respekt getragener persönlicher Beziehungen. In diesem Zusammenhang lernen sie, Gefährdungen für die eigene Entwicklung und für die Entstehung stabiler persönlicher Beziehungen einzuschätzen und angemessen zu reagieren.

Ökonomische Verbraucherbildung

Ein bewusstes Verbraucherverhalten wird einerseits in mehreren Lernbereichen eigens thematisiert (z. B. Gesundheit und Ernährung, Ökologie und Konsumverhalten), andererseits wird ein verantwortungsvolles und wertorientiertes Konsumhandeln auch unter den Aspekten des Freizeitverhaltens, der Mediennutzung, des nachhaltigen Handelns oder mit Blick auf Rahmenbedingungen für ethische Grundfragen erworben.  
Bei der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Erwachsenenlebens oder der Beschäftigung mit den Herausforderungen und Chancen sozialer Arbeit beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler u. a. auch mit dem Älterwerden und der Notwendigkeit langfristiger persönlicher Vorsorge.