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Soziallehre

1 Selbstverständnis des Faches Soziallehre und sein Beitrag zur Bildung

Das Fach Soziallehre wird ausschließlich an Abendrealschulen unterrichtet. Somit verfügen die Schülerinnen und Schüler des Faches über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder können eine regelmäßige Berufstätigkeit von insgesamt mindestens zwei Jahren nachweisen. Soziallehre gibt den erwachsenen Schülerinnen und Schülern durch die Auseinandersetzung mit sozialen, politischen und wirtschaftlichen Vorgängen, Problemen und Aufgaben Gelegenheit, Kompetenzen zu entwickeln, die eine Orientierung im privaten Umfeld sowie auch im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich ermöglichen. Dabei wird die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler auf das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft gelenkt und damit sowohl auf die Frage nach Möglichkeiten der politischen Mitgestaltung als auch nach der sozialen Verantwortung für den Mitmenschen. Eine grundsätzliche Kenntnis der gesellschaftlichen Prozesse, die unser Leben prägen, befähigt die Schülerinnen und Schüler, durch Urteilsvermögen und aktives Handeln daran teilzuhaben, also ihre Rolle im sozialen, politischen und ökonomischen Umfeld wahrzunehmen.

2 Kompetenzorientierung im Fach Soziallehre

Die drei Kompetenzbereiche Urteilskompetenz, Wertekompetenz sowie Verantwortungskompetenz sind nicht isoliert zu betrachten. Sie stehen in Wechselwirkungen zueinander und münden in die ihnen übergeordnete gesellschaftswissenschaftliche Kompetenz. Die Schülerinnen und Schüler erwerben diese Kompetenzen anhand der drei Gegenstandsbereiche Politische Handlungsfelder, Ökonomische Handlungsfelder und Soziale Handlungsfelder und bei der Anwendung fachspezifischer Methoden. Somit ist der Erwerb sozialwissenschaftlicher Methodenkompetenz grundlegender Bestandteil für die Ausbildung der anderen im Kompetenzstrukturmodell genannten Fachkompetenzen.
Von den genannten Gegenstandsbereichen leiten sich die Inhalte der einzelnen Lernbereiche des Fachlehrplans in den Jahrgangsstufen ab. Diese Inhalte beinhalten das Fachwissen und beziehen sich auf die schulische und außerschulische Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler.

Gesellschaftswissenschaftliche Kompetenz

Gesellschaftswissenschaftliche Kompetenz bedeutet, die Gesellschaft in ihren sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bezügen zu verstehen sowie bereit und in der Lage dazu zu sein, sie unter Berücksichtigung des eigenen wie des allgemeinen Wohls mitzugestalten. In enger Verbindung dazu und zu den Gegenstandsbereichen des Faches stehen die Teilkompetenzen Urteils-, Werte- und Verantwortungskompetenz.

Urteilskompetenz

Urteilskompetenz bedeutet für die Schülerinnen und Schüler, gesellschaftliche Sachverhalte zu analysieren, in größere Zusammenhänge einzuordnen und zu einem eigenständigen Urteil zu gelangen. Sie setzt somit immer eine Sachkompetenz voraus, die sich im Umgang mit den Gegenstandsbereichen entwickelt und die Basis für reflektiertes Urteilen darstellt. Da es sich bei solchen Urteilen immer um eine Kombination von Sach- und Werturteil handelt, müssen beide Aspekte bei der Analyse berücksichtigt werden.

Wertekompetenz

Wertekompetenz beinhaltet, Mitmenschlichkeit als Grundbedingung des demokratischen Zusammenlebens zu erkennen, wertzuschätzen und umzusetzen. Auf der Basis ihrer Auseinandersetzung mit Wertvorstellungen unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie mit ethischen Begründungen für soziales, politisches und ökonomisches Handeln entwickeln die Schülerinnen und Schüler eigene Wertvorstellungen und Kompetenzen. Dabei reflektieren sie den Wandel gesellschaftlicher und individueller Normen kritisch.

Verantwortungskompetenz

Mittels ihrer Verantwortungskompetenz formulieren die erwachsenen Schülerinnen und Schüler gesellschaftsbezogene Meinungen und Interessen und reflektieren sie, sodass sie diese vor sich selbst und anderen vertreten können. Dies qualifiziert sie zu einem verantwortungsvollen und sozialen Handeln in ihrer Rolle als Verbraucher, Arbeitnehmer und Bürger der Gesellschaft. Hierauf aufbauend sollen sie befähigt werden, sich später selbständig an politischen Prozessen zu beteiligen.

Sozialwissenschaftliche Methodenkompetenz

Im Fach Soziallehre wird das Methodenrepertoire der Schülerinnen und Schüler weiter vertieft und um fachspezifische Methoden erweitert (z. B. Umgang mit Verfassungstexten, Karikaturenanalyse). Sozialwissenschaftliche Methoden sind der Schlüssel für das eigenständige Erschließen von Inhalten und Zusammenhängen, insbesondere für das außerschulische Weiterlernen und somit für die eigene Meinungsbildung über gesellschaftliche Themen sowie für eigenes politisches Handeln. Die Methodenkompetenz ermöglicht der mündigen Bürgerin und dem mündigen Bürger die Orientierung bei aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen.

2.3 Gegenstandsbereiche

Die inhaltliche, wissensorientierte Dimension des Faches fächert sich in die Gegenstandsbereiche Politische, Soziale und Ökonomische Handlungsfelder auf.

Politische Handlungsfelder

In diesem Gegenstandsbereich werden politische Lösungsansätze und Zielkonflikte analysiert und beurteilt. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Beschäftigung mit dem politischen System der Bundesrepublik Deutschland, ihrer Gesellschaft sowie ihren Grundwerten. Da die Bundesrepublik Deutschland mit anderen Staaten zusammenwirkt, rücken auch andere politische Systeme ins Blickfeld. Von den Schülerinnen und Schülern wird die Rolle der EU als zentrales Element der europäischen Friedenssicherung sowie die europäische Integration untersucht. Internationale Verflechtungen sind vor dem Hintergrund der europäischen Wertegemeinschaft zu betrachten. Ausgehend von dieser Gemengelage werden die Schülerinnen und Schüler befähigt, sich eine eigene begründete politische Meinung zu bilden, diese zu vertreten und Wege zu beschreiten, um ihren Interessen Geltung zu verschaffen.

Soziale Handlungsfelder

Dieser Gegenstandsbereich beinhaltet die Entwicklung und individuelle Entfaltung des Menschen innerhalb sozialer Gruppen und der Gesellschaft. Alle Phasen der Entwicklung bieten spezifische Herausforderungen und machen einen reflektierten Umgang mit ihnen nötig. Dabei wird sowohl die Situation von Menschen in schwierigen Lebenssituationen als auch der individuelle Umgang mit Konfliktsituationen thematisiert. Eine diskursive Auseinandersetzung mit sowohl dem gesellschaftlichen als auch dem eigenen Kommunikations- und Medienverhalten fördert das soziale und gesellschaftliche Bewusstsein der erwachsenen Schülerinnen und Schüler.

Ökonomische Handlungsfelder

In den ökonomischen Handlungsfeldern werden sowohl Themen der Mikroökonomie als auch Bestandteile der Makroökonomie behandelt. Einerseits reflektieren die erwachsenen Schülerinnen und Schüler ihr eigenes wirtschaftliches Handeln und setzen sich mit Einflussfaktoren auf Konsumentscheidungen auseinander. Andererseits untersuchen sie Ziele und Maßnahmen der Wirtschaftspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft, um ein Grundverständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu erlangen und diese kritisch zu hinterfragen.

Kompetenzerwartungen

Die Kompetenzerwartungen enthalten Aussagen darüber, was die Schülerinnen und Schüler nach Abschluss eines Lernbereichs, also nach dem Durchlaufen einer bestimmten Phase des Kompetenzerwerbs, können sollen.
Die Kompetenzerwartungen decken in wechselnden Kombinationen die verschiedenen Kompetenzbereiche ab und stellen konkrete Bezüge zu Inhalten des Lernbereichs her. In ihrer Reihenfolge spiegeln die Kompetenzerwartungen weder den vorstrukturierten Verlauf einer Unterrichtssequenz noch entsprechen sie Einzelstunden, sondern sie beschreiben unterschiedlich umfangreiche Aspekte des Lernbereichs.

Inhalte

Neben den Kompetenzerwartungen legt der Fachlehrplan Soziallehre die Inhalte als Basis des Kompetenzerwerbs fest. Diese sind in den drei Jahrgangsstufen so allgemein formuliert, dass der Lehrkraft Raum für eine individuelle und flexible Unterrichtsgestaltung bleibt. Die Inhalte begrenzen den Stoff und bieten bewährte Themen. Der Fachlehrplan gibt Raum für die Behandlung aktueller Entwicklungen, knüpft an die Lebenswelt der erwachsenen Schülerinnen und Schüler an und gibt politischen, sozialen und ökonomischen Themen einen entsprechenden Raum zur Umsetzung (z. B. aktuellen politischen Entwicklungen).
Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit werden Inhalte früherer Jahrgangsstufen teilweise in höheren Jahrgangsstufen unter einem anspruchsvolleren Blickwinkel erneut aufgegriffen und gedanklich weitergeführt.

Methoden und Arbeitstechniken

Die im Fach Soziallehre zu erwerbenden methodischen Kompetenzen sind in allen Jahrgangsstufen in die einzelnen Lernbereiche integriert und werden nicht gesondert ausgewiesen. Sie werden im Zusammenhang mit den in den Lernbereichen ausgewiesenen Inhalten erworben und hierzu von der Lehrkraft in eigenem pädagogisch-didaktischen Ermessen in die jeweilige Unterrichtsplanung integriert. Die Schülerinnen und Schüler üben so mit steigendem Anspruch anhand der vorgegebenen Inhalte verschiedene Methoden aus den Sozialwissenschaften ein. Insgesamt gesehen ermöglicht das über die Jahrgangsstufen 1 bis 3 hinweg einen zunehmenden und nachhaltigen Kompetenzerwerb.

Grundlegende Begriffe und rechtliche Bestimmungen

Grundlegende Begriffe und rechtliche Bestimmungen, auf die die Schülerinnen und Schüler über alle Jahrgangsstufen hinweg und im Sinne des nachhaltigen Lernens auch dauerhaft zurückgreifen sollen, sind an finaler Stelle bei den Kompetenzerwartungen verankert. Grundlegende Begriffe sind kursiv gesetzt und können in dieser Form auch in einzelnen Kompetenzerwartungen enthalten sein.

4 Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Das Fach Soziallehre sichert die Kenntnis grundlegender Tatsachen des Zusammenlebens in einer demokratisch gestalteten Gemeinschaft. Die sozialen Bezüge werden durch die Verknüpfung mit Inhalten der Fächer Biologie, Geschichte, Geographie, Deutsch, Englisch, Informationstechnologie sowie Wirtschaft und Recht verdeutlicht.
Als Leitfach der politischen Bildung ist es Aufgabe des Faches, Kenntnisse und Kompetenzen, die in verschiedenen anderen Fächern im Sinne eines aufbauenden Lernens im Bereich der politischen Bildung erworben wurden, nach den Kategorien des Faches zu systematisieren und in einen umfassenden, das Politische akzentuierenden Zusammenhang zu stellen.

5 Beitrag des Faches Soziallehre zu den übergreifenden Bildungs- und Erziehungszielen

Inhalte, Methoden und die sozialpraktische Orientierung des Faches Soziallehre sind geeignet, Beiträge für mehrere fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele zu leisten.

Soziales Lernen

Die Schülerinnen und Schüler achten auf ein friedvolles, respektvolles und gemeinschaftsorientiertes Zusammenleben im sozialen Nahraum. Darüber hinaus erwerben sie, insbesondere durch die für das Fach charakteristischen Kontakte mit der sozialen Wirklichkeit, die Fähigkeit zu einer konstruktiven Zusammenarbeit. Indem sie Situationen kennenlernen, die sich von den eigenen unterscheiden, wächst das Verständnis für die Vielfalt von Lebensbedingungen und Lebenschancen. Sie entwickeln Empathie, üben Selbstbeherrschung, übernehmen Verantwortung – auch für Staat und Gesellschaft – und zeigen Hilfsbereitschaft.

Werteerziehung

Die Schülerinnen und Schüler erkennen in der Vielfalt der in einer offenen Gesellschaft möglichen Vorstellungen über das Zusammenleben diejenigen, die sich auf das im Grundgesetz verankerte Menschenbild gründen. Der parallel dazu entwickelte Respekt vor unterschiedlichen Überzeugungen ermöglicht ihnen einen toleranten Umgang in einer pluralen Gesellschaft, der als Maßstab für den persönlichen Umgang wie auch für die Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben dienen wird. Sie finden so zu eigenen positiven Werthaltungen und sind in der Lage, sie auch unter geänderten Lebensumständen zu reflektieren.

Politische Bildung

Das Ziel politischer Bildung im schulischen wie im außerschulischen Bereich ist die Demokratiefähigkeit junger Menschen, also die Kenntnis und Akzeptanz von Demokratie, der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und von Grundrechten. Soziallehre ist ein Leitfach der Politischen Bildung und bietet Schülerinnen und Schülern ein breites Angebot, die für die Demokratiefähigkeit benötigten Kompetenzen systematisch zu erwerben und als mündiger Bürger bzw. mündige Bürgerin verantwortungsbewusst in Staat und Gesellschaft mitzuwirken. Die Jugendlichen werden befähigt, demokratische Politik im nationalen, europäischen und internationalen Kontext als einen Prozess der Problemlösung und als Beitrag für die Weiterentwicklung der Gesellschaft und zum Erhalt des Friedens zu verstehen.

Medienbildung/Digitale Bildung

Im Rahmen des Soziallehreunterrichts an der Abendrealschule reflektieren Schülerinnen und Schüler verschiedene Formen von Informationsgewinnung, -verarbeitung und -präsentation. Sie setzen sich kritisch mit der Funktion der Medien sowie den Einflussmöglichkeiten sozialer Netzwerke im politischen Sektor auseinander, wägen ihren eigenen Umgang mit verschiedenen traditionellen und digitalen Medien ab und erweitern damit ihre Medienkompetenz. Dabei setzen die Schülerinnen und Schüler z. B. bei der Informationsrecherche und dem Präsentieren von Arbeitsergebnissen unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen auch digitale Medien sicher und effizient ein.

Interkulturelle Bildung

Interkulturelle Bildung findet im realschulspezifischen Soziallehreunterricht immer dann statt, wenn die Vielfalt von Lebensformen, Wertvorstellungen, Formen des Zusammenlebens und von Herrschaftssystemen und deren historische sowie kulturelle Bedingtheit in den Blick geraten. Dieser Blick auf andere (z. B. Migranten) und der Vergleich mit den eigenen Erfahrungen tragen zur Entwicklung von Interesse und Offenheit sowie Respekt und Toleranz gegenüber anderen Kulturen bei.

Kulturelle Bildung

In der Auseinandersetzung mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen entwickeln die Schülerinnen und Schüler ein Bewusstsein für künstlerisches, kreatives Wirken und seine Bedeutung für soziale Gruppen. Sie erkennen, dass Kunst und Kultur immer auch Ausdruck bestimmter Werthaltungen sind und zur Entwicklung einer gemeinsamen Identität beitragen.

Sprachliche Bildung

Im Soziallehreunterricht sind die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, mündlich und schriftlich zu aktuellen sozialen und gesellschaftlichen Themen und Fragen Stellung zu beziehen. Aufgrund ihrer kommunikativen Kompetenz können sie an Prozessen der Meinungsbildung im schulischen und außerschulischen Raum teilnehmen. Der Unterricht im Fach Soziallehre unterstützt einen erfolgreichen Kompetenzerwerb für alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig von deren Muttersprache. Dies gelingt vor allem durch einen sprachsensiblen und die Fachsprache entwickelnden Unterricht.

Ökonomische Verbraucherbildung

Der Soziallehreunterricht an der Abendrealschule trägt zur Ökonomischen Verbraucherbildung bei, indem er die Schülerinnen und Schüler dazu auffordert, sich kritisch mit den Fragen des eigenen Konsumverhaltens und dessen politischen und sozialen Auswirkungen zu befassen. Sie erwerben u. a. ökonomische Alltagskompetenzen, die sie zu verantwortungsvollem und nachhaltigem Konsumverhalten befähigen.

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