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Bildungs- und Erziehungsauftrag der Realschule

1 Ziel und Anspruch der Realschule

Lernen im 21. Jahrhundert heißt für Schülerinnen und Schüler der Realschule, sich den Herausforderungen und Bedürfnissen einer sich rasch verändernden Gesellschaft in einer globalen Welt zu stellen.

Die Kompetenzen, die junge Menschen heute brauchen, um ihre Ziele zu erreichen, erfordern mehr als nur die Beherrschung einiger eng gefasster Fähigkeiten und Fertigkeiten. Vielmehr benötigen sie Strategien zur Bewältigung einer zunehmend komplexer werdenden Gesellschaft und Arbeitswelt, in der eigenverantwortliches und selbständiges Planen und Handeln unabdingbare Schlüsselkompetenzen darstellen.

Unterrichten bedeutet deshalb, den Schülerinnen und Schülern auf der Grundlage eines ganzheitlichen, zeitgemäßen Menschenbildes zu begegnen. Es heißt auch, sich auf die individuellen Bedürfnisse von Kindern und jungen Menschen einzulassen, die in unterschiedlichste soziale und familiäre Beziehungen eingebunden sind.

Die Bildungs- und Erziehungsarbeit der Realschule stellt sich den pädagogischen und didaktischen Herausforderungen sowie den Bedürfnissen einer sich wandelnden Gesellschaft – Erziehungsberechtigte und Schule wirken dabei partnerschaftlich zusammen.


1.1 Gesetzliche Grundlagen

Die Bildungs- und Erziehungsarbeit der Realschule wird bestimmt durch die Prinzipien des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern sowie durch das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen, insbesondere durch den Bildungs- und Erziehungsauftrag, der im Artikel 131 der Verfassung des Freistaates Bayern allen Schulen gegeben ist:

Die Schulen haben den in der Verfassung verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag zu verwirklichen. Sie sollen Wissen und Können vermitteln sowie Geist und Körper, Herz und Charakter bilden. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt. Die Schülerinnen und Schüler sind im Geist der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.
Bei der Erfüllung ihres Auftrags haben die Schulen das verfassungsmäßige Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder zu achten.

(BayEUG Artikel 1)

Die Realschule vermittelt eine breite allgemeine und berufsvorbereitende Bildung. Die Realschule ist gekennzeichnet durch ein in sich geschlossenes Bildungsangebot, das auch berufsorientierte Fächer einschließt. Sie legt damit den Grund für eine Berufsausbildung und eine spätere qualifizierte Tätigkeit in einem weiten Bereich von Berufen mit vielfältigen theoretischen und praktischen Anforderungen. Sie schafft die schulischen Voraussetzungen für den Übertritt in weitere Bildungswege bis zur Hochschulreife.
(BayEUG Art. 8 Abs. 1)


1.2 Profil der Realschule

Die Realschule fördert den Erwerb grundlegender Kompetenzen für die Persönlichkeitsentfaltung der jungen Menschen und deren späteres Berufsleben. Mit ihrem differenzierten Angebot an verschiedenen Wahlpflichtfächergruppen kommt sie den unterschiedlichen Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler in besonderem Maße entgegen. Dabei liegt, je nach Wahlpflichtfächergruppe (WPFG), der Schwerpunkt auf

  • den mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Inhalten (WPFG I)
  • den Wirtschaftswissenschaften (WPFG II)
  • der interkulturellen und sprachlichen Handlungsfähigkeit (WPFG IIIa)
  • den musisch-ästhetischen (WPFG IIIb)
  • den handwerklich-technisch-gestalterischen (WPFG IIIb) oder
  • den hauswirtschaftlichen und sozialpraktischen (WPFG IIIb) Kompetenzen

(Die Stundentafeln der Wahlpflichtfächergruppen sind unter Materialien zu finden.)

Darüber hinaus legt die Realschule besonderen Wert auf die Förderung des Kompetenzerwerbs in den Informations- und Kommunikationstechniken.

Die Realschule baut auf der Jahrgangsstufe 4 der Grundschule auf. Sie umfasst die Jahrgangsstufen 5 mit 10 und führt nach bestandener Abschlussprüfung zum Realschulabschluss.

Bildung und Erziehung an der Realschule orientieren sich an Wertmaßstäben der abendländischen Kulturtradition und sensibilisieren die Schülerinnen und Schüler für andere Kulturkreise und Lebensformen.

Die Realschule gibt den Schülerinnen und Schülern Zeit und die erforderliche Kontinuität für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit auf dem Weg von der Kindheit zum Erwachsenwerden. Sie vermittelt fundierte Grundlagen und gibt individuelle Orientierungshilfen für die Heranbildung einer mündigen, selbständig urteilenden und – im Sinne einer verantworteten Zivilcourage – entschlossen handelnden Persönlichkeit in einer freiheitlich demokratisch verfassten, pluralistischen Gesellschaft.

Die Realschule hat den Anspruch, grundlegende personale, soziale und fachliche Kompetenzen eines jeden Schülers individuell zu fördern. Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Förderbedarf werden gezielt unterstützt, um ihnen ein möglichst hohes Maß an schulischer Eingliederung, gesellschaftlicher Teilhabe und selbständiger Lebensgestaltung zu ermöglichen. Darüber hinaus werden besonders begabte Schülerinnen und Schüler durch Beratung und ergänzende Bildungsangebote in ihrer Entwicklung begleitet.


2 Schülerinnen und Schüler der Realschule

Die Realschule ist eine Schule für Kinder und Jugendliche, die aufgeschlossen sind sowohl für praktisches Tun als auch für theoretische Überlegungen, die geistig beweglich sind, über grundlegende sprachliche Fertigkeiten verfügen und Fantasie und Kreativität zeigen.

Um ein konstruktives Miteinander an der Realschule zu gewährleisten, ist ein respektvoller Umgang in der heterogenen Schülergemeinschaft unabdingbar. Vorurteile müssen benannt, reflektiert und möglichst überwunden werden.

Die Realschule fordert und fördert insbesondere Leistungsbereitschaft, Lern- und Teamfähigkeit, Konzentrationsvermögen sowie selbständiges, sorgfältiges und zuverlässiges Arbeiten.

Die Schülerinnen und Schüler werden im privaten wie im öffentlichen Leben zunehmend als eigenständige Persönlichkeiten gefordert. Deshalb bereitet sie die Realschule, unabhängig von einem Fach, von Anfang an auf ihre Rechte und Pflichten als Staatsbürger vor und befähigt sie, eigene Interessen und Entscheidungen auf ihre Verantwortbarkeit zu überprüfen und dann selbstbewusst zu vertreten. Sie erkennen, dass die Wirklichkeit in einer demokratischen Gesellschaft immer wieder am Ideal zu überprüfen ist und dass alle Mitglieder der Gesellschaft Fehlentwicklungen entgegenwirken und zu einer Verbesserung der Verhältnisse beitragen müssen.

Selbständiges und eigenverantwortliches Handeln im Sinne demokratischen Denkens und Handelns lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur im Unterricht, sondern auch bei der Gestaltung des schulischen Lebens, indem sie Aufgaben übernehmen, die der schulischen Gemeinschaft dienen. Es wird von ihnen erwartet, dass sie nicht auf Anstöße von außen warten, sondern von sich aus die Initiative ergreifen, wenn sie dies für notwendig halten.


3 Unterricht an der Realschule

Zeitgemäßer, nachhaltiger Unterricht befähigt die Schülerinnen und Schüler dazu, Wissen zu erschließen und gezielt zu nutzen, um es in unterschiedlichen Zusammenhängen anwenden und mit anderen Lerninhalten vernetzen zu können. Daraus ergibt sich eine Sichtweise auf den Unterricht, in dem Kompetenzerwerb vor allem als aktiver Prozess verstanden wird, in dem Lerninhalte in ihrer Gesamtheit dauerhaft erfasst werden.


3.1 Breite allgemeine und berufsvorbereitende Bildung

Der umfassende Kompetenzerwerb an der Realschule wird durch das breite Angebot an Unterrichtsfächern ermöglicht, das sich über folgende Bereiche einer breiten allgemeinen und berufsvorbereitenden Bildung erstreckt:

  • sprachlicher Bereich
  • mathematisch-naturwissenschaftlich-technischer Bereich
  • gesellschaftswissenschaftlicher Bereich
  • wirtschaftswissenschaftlicher Bereich
  • hauswirtschaftlich-sozialpraktischer Bereich
  • religiöser Bereich
  • sittlich-ethischer Bereich
  • musisch-gestalterischer Bereich
  • handwerklich-technischer Bereich
  • Sport

Unter dem Aspekt der fachlichen Bildung werden in allen Unterrichtsfächern die wichtigsten fachspezifischen Arbeitsweisen, Fachbegriffe sowie ihre sachgerechte Verwendung vermittelt. Über die fachlichen Ziele und Inhalte reichen die übergeordneten Bildungs- und Erziehungsschwerpunkte hinaus.


3.2 Kompetenzorientierung und nachhaltiges Lernen

In allen Fächern erwerben die Schülerinnen und Schüler einen soliden Bestand an Fachwissen. Nicht die Fülle der Lerninhalte ist entscheidend, sondern der tatsächlich vollzogene Kompetenzerwerb, d. h. die Frage, ob die Schülerinnen und Schüler das, was sie gelernt haben, wirklich verstanden haben und für ihre weitere Entwicklung und ihr weiteres Lernen – auch über die Schulzeit hinaus – dauerhaft anwenden können.

Kompetent sind Schülerinnen und Schüler, wenn sie bereit sind, neue Aufgaben- oder Problemstellungen zu lösen und dieses auch können. Hierbei müssen sie Wissen bzw. Fähigkeiten erfolgreich abrufen, vor dem Hintergrund von Werthaltungen reflektieren sowie verantwortlich einsetzen.

Wissens- und Kompetenzerwerb sind als aktiver Prozess zu verstehen, in dem Lerninhalte eines Fachbereichs in ihrer Gesamtheit erfasst und mit Wissenszuwachs in anderen Fachgebieten verknüpft, weiter vernetzt und so zu nachhaltigen Wissensstrukturen ausgebaut werden.

Um Wissensstrukturen nachhaltig zu festigen und Kompetenzen auszubauen, wird auf konsequente Sicherung des Erlernten geachtet – intensive Phasen des Zusammenfassens, Wiederholens und des Übens in neuen Zusammenhängen sind sowohl im Unterricht als auch in der häuslichen Vor- und Nachbereitung unabdingbar.


3.3 Überfachliche Kompetenzen

Neben den Fachkompetenzen erwerben die Schülerinnen und Schüler in allen Unterrichtsfächern Methoden-, Personal- und Sozialkompetenz und damit grundlegende überfachliche Kompetenzen, die es ermöglichen, sich auf neue Situationen – sei es im privaten, im gesellschaftlichen oder im beruflichen Leben – flexibel und erfolgreich einzustellen. Hierzu gehören insbesondere:

  • Ausdauer
  • Eigeninitiative
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Flexibilität
  • Informationsbeschaffung
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Konzentrationsvermögen
  • Kreativität
  • Lernbereitschaft und Lernstrategien
  • Ordentlichkeit und Pünktlichkeit
  • Präsentationstechniken
  • Selbständigkeit
  • systematisches Vorgehen
  • Teamfähigkeit
  • Toleranz
  • Verantwortungsbewusstsein, -bereitschaft und -fähigkeit
  • Zuverlässigkeit

Die dafür erforderlichen Lernprozesse werden durch einen Unterricht ermöglicht, der ein Höchstmaß an Selbständigkeit und Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler fördert.


3.4 Deutsch als Unterrichtsprinzip

Sprache ist das wichtigste Mittel menschlicher Kommunikation und grundlegende Voraussetzung für die Teilhabe am beruflichen, öffentlichen und privaten Leben. Deshalb lernen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht, sich mündlich und schriftlich sicher und differenziert auszudrücken. Die Pflege der deutschen Sprache muss ein Anliegen aller Lehrer in allen Unterrichtsfächern sein.


3.5 Unterrichtsgestaltung

Anschaulichkeit, Methodenvielfalt und Wechsel in den Aktions- und Sozialformen des Lehrens und Lernens zeichnen guten Unterricht aus. In allen Jahrgangsstufen nehmen handlungsorientierte Unterrichtsverfahren einen wichtigen Platz ein. So sollen z. B. Rollenspiele und Experimente in den Unterricht miteinbezogen werden. Zudem ermöglichen außerschulische Lernaktivitäten, wie z. B. Erkundungsgänge, Schullandheimaufenthalte, Schüleraustausche und Theaterbesuche, den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an lebensnahem Lernen.

Fächerverbindende Unterrichtsvorhaben und projektorientiertes Arbeiten sind Möglichkeiten, die Vielschichtigkeit von Problemen und den inneren Zusammenhang der Unterrichtsfächer an bestimmten Themen für die Schülerinnen und Schüler anschaulich werden zu lassen und soziales sowie selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten der Schülerinnen und Schüler zu fördern.

Bei der Unterrichtsgestaltung wird der heterogenen Zusammensetzung der Schülerschaft einer Klasse Rechnung getragen. Dabei fördern kooperative Lernformen und Möglichkeiten zur Mitgestaltung als zentrale Kennzeichen inklusiven Unterrichts nachhaltige individuelle Lernprozesse bei Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Lernausgangslagen.

Charakteristisch für den Unterricht an der Realschule ist, dass bei der Vermittlung theoretischer Kenntnisse der Bezug zur Lebenswirklichkeit hergestellt wird. Dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Realschule dient ein überlegt aufgebauter, methodisch an den Voraussetzungen der jeweiligen Lerngruppe ausgerichteter Unterricht, der Handlungsorientierung und Lebensnähe einbezieht. Hierbei sind Lernaufgaben ein wesentlicher Bestandteil eines kompetenzorientierten Unterrichts. Sie sind häufig in alltagsnahe Situationen eingebettet und geben den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit zu unterschiedlichen Lern- und Lösungswegen, auch unterstützt durch offene Fragestellungen.

Für die Entwicklung und Festigung der Leistungsbereitschaft ist insbesondere die Freude an der Schule und am Unterricht wichtig. Sie wird geweckt und gefördert durch einen wertschätzenden und stärkenorientierten Unterricht.

Guter Unterricht fordert und fördert die Schülerinnen und Schüler, zugleich vermittelt er ihnen die Einsicht in die Notwendigkeit und die Bedeutung ihres Lernens. Schülerinnen und Schüler lernen dann besonders motiviert und effektiv, wenn sie verstehen, wozu und warum sie lernen und ihre Lernfortschritte erkennen.

In diesem Sinn besprechen die Lehrkräfte zu Beginn eines jeden Schuljahrs zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern die Inhalte des Lehrplans.

In einigen Fachlehrplänen sind den einzelnen Lernbereichen Stundenrichtwerte (z. B. ca. 10 Stunden) beigegeben. Es handelt sich hierbei nicht um verbindliche Richtzeiten, sie dienen vielmehr der Orientierung und Hilfestellung bei der Unterrichtsplanung.


3.6 Berufliche Orientierung

Kompetenzorientierter Unterricht an der Realschule schließt auch Orientierungs- und Entscheidungshilfen für die Berufswahl der Schülerinnen und Schüler ein. Die Lehrer beraten Eltern und Schülerinnen und Schüler bei der Entscheidung für eine Wahlpflichtfächergruppe. Auch die unmittelbare Begegnung mit der Arbeits- und Berufswelt gibt den Schülerinnen und Schülern Hilfe und Orientierung beim Berufswahlprozess. Besondere Bedeutung kommt dabei Praxisbegegnungen im Rahmen des Unterrichts verschiedener Fächer und dem Betriebspraktikum zu. Die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und mit Unternehmen der Wirtschaft fördert die Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit der Arbeitswelt.


4.1 Eigenverantwortliche Schule

Die Begabungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten unserer Kinder und Jugendlichen sind ein wertvolles Gut. Sie zu fördern und auszubilden, ist die vorrangige Aufgabe der Schulen. Zur Verbesserung von Qualität und Gerechtigkeit ist es richtig und wichtig, dass die Schulen heute über mehr Selbständigkeit verfügen und zahlreiche Entscheidungen eigenverantwortlich fällen. Die eigenverantwortliche Schule gibt die notwendige Flexibilität und Raum zur Profilbildung, um die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler voranzubringen. Darüber hinaus werden die Schulen noch mehr zu einem Ort der Teilhabe von Eltern, Schülerinnen und Schülern und Kommunen. Damit verankert sich die Schule in der Mitte der Gesellschaft.


4.2 Lehrplan als Instrument zur Qualitätssicherung

Für die Erziehung und Bildung an Realschulen bildet der Lehrplan einen gemeinsamen qualitätssichernden Rahmen. Der Lehrplan ist deshalb grundsätzlich in seinen Forderungen verbindlich, enthält aber zahlreiche Möglichkeiten einer individuellen Auswahl und Schwerpunktsetzung. Vor Ort sind dazu Abstimmungen und Vereinbarungen zwischen den Lehrkräften erforderlich.

Für das Erreichen der Ziele eines Unterrichtsfachs und die Überprüfung des Lernfortschritts ist nicht die gesamte Unterrichtszeit notwendig. Die verbleibende Zeit schafft einen pädagogischen Gestaltungsraum, der u. a. das Eingehen auf weiterreichende Interessen der Schülerinnen und Schüler, das erzieherische Gespräch und die Gestaltung des Schullebens ermöglicht.

Die Vergleichbarkeit schulischer Arbeit ist durch zentrale Qualitätsmaßstäbe und Bildungsstandards gesichert. Zentrale Prüfungen und Leistungstests stellen dabei einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung dar.


4.3 Schulentwicklung und Evaluation

Die Schulen und die Schulaufsichtsbehörden verfolgen das Ziel, die Qualität schulischer Arbeit langfristig zu sichern und nachhaltig zu verbessern. Dabei werden gesellschaftliche Entwicklungen und Anforderungen sowie neueste wissenschaftliche und pädagogische Erkenntnisse berücksichtigt. Interne und externe Evaluation tragen zur Qualitätsentwicklung bei.


5.1 Lebensraum Schule

Jede Realschule ist Lebens- und Arbeitsraum für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und Schulleitung. Für ein gedeihliches Zusammenleben aller am schulischen Leben beteiligten Gruppen sind gegenseitige Achtung, Respekt und Toleranz, aber auch klar abgesprochene Regeln unabdingbar. In der schulischen Gemeinschaft lernen die Schülerinnen und Schüler, sich mit anderen fair, rücksichtsvoll und sachlich auseinanderzusetzen, aufmerksam zuzuhören, aber auch überzeugend zu argumentieren. Bei aller Erziehungs- und Bildungsarbeit kommt den Lehrerinnen und Lehrern Vorbildfunktion zu.


5.2 Schulklima

Kennzeichnend für eine erfolgreiche Arbeit an der Realschule ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern und Eltern. Im Rahmen der gestärkten Eigenverantwortung der Schule ist die Schulgemeinschaft bestrebt, das Lernklima und das Schulleben positiv und transparent zu gestalten und Meinungsverschiedenheiten im Rahmen der in der Schulgemeinschaft Verantwortlichen zu lösen. Erziehungsfragen und -probleme werden vertrauensvoll mit den Schülerinnen und Schülern und den Erziehungsberechtigten besprochen. Schulpsychologen können diese Erziehungsarbeit unterstützen.


5.3 Ganztagsschulen

Ganztagsschulen bieten Familien nicht nur Betreuung, sondern auch erzieherische Unterstützung; dem Dreiklang Bildung, Erziehung und Betreuung ist jede Ganztagsschule verpflichtet. Das Plus an schulischer Zeit ermöglicht die individuellere Förderung jedes Einzelnen, mehr Anlässe des sozialen Miteinanders und mehr Freiraum für offene Unterrichtsformen, wie z. B. Projektarbeit.


5.4 Gemeinsames Lernen und Arbeiten

Das gemeinsame Lernen und Arbeiten von Schülerinnen und Schülern verschiedener Herkunft mit unterschiedlichen religiösen und kulturellen Wertvorstellungen und Traditionen eröffnet dem Einzelnen die Chance, auf der Basis seiner eigenen kulturellen und religiösen Wurzeln seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln und Toleranz gegenüber anderen Lebens- und Denkweisen zu üben. Dabei lernen die jungen Menschen, den jeweils anderen zu respektieren und sich in seine Situation hineinzuversetzen. Die Schülerinnen und Schüler werden auf ein Leben vorbereitet, in dem Menschen unterschiedlicher Kulturen auf der Basis der Grund- und Menschenrechte miteinander leben, füreinander eintreten und ihre Meinungsverschiedenheiten und Konflikte mit friedlichen Mitteln austragen.


5.5 Außerunterrichtliche Aktivitäten

Das Schulleben wird über den Unterricht hinaus in besonderem Maß durch die sinnvolle Einbindung außerunterrichtlicher Aktivitäten bereichert. Hierzu zählen z. B. die Wahrnehmung von Aufgaben in der Schülermitverantwortung, bei den Tutoren und bei den Streitschlichtern sowie die Mitwirkung an Sportveranstaltungen, Theateraufführungen oder Schulkonzerten. Des Weiteren kommen der Mitarbeit bei der Schülerzeitung, der Teilnahme an Wettbewerben, der Mitgestaltung von Gottesdiensten, dem Einsatz für den Schutz und die Pflege der Umwelt sowie dem sozialen, kulturellen und politischen Engagement große Bedeutung zu.

Überdies sollen die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass sinnvolle außerschulische Aktivitäten, wie z. B. besonderes ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit, im Sport oder Leistungen im sozialen Bereich, von der Schule nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern auch gefördert und positiv gewürdigt werden.


5.6 Außerschulische Partner

Die Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen, insbesondere mit Betrieben, Sport- und anderen Vereinen, Kunst- und Musikschulen, freien Trägern der Jugendhilfe, kommunalen und kirchlichen Einrichtungen sowie mit Einrichtungen der Weiterbildung, bereichert das Schulleben und erhöht die Lebensnähe der vermittelten Inhalte.


5.7 Inklusive Schule

Spezielle Bedürfnisse realschulgeeigneter Schülerinnen und Schüler mit idividuellem sonderpädagogischem Förderbedarf werden an der Realschule angemessen berücksichtigt. Unterrichtsformen und Schulleben sowie Lernen und Erziehung sind auf die Vielfalt der Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf ausgerichtet.


6.1 Durchlässigkeit

Schülerinnen und Schüler können ihre Potenziale besonders dann ausschöpfen, wenn ihnen ein hohes Maß an Individualität in ihren Lernprozessen ermöglicht wird. Die Realschule als unverzichtbare Säule des differenzierten Bildungssystems in Bayern trägt dieser Erkenntnis Rechnung, indem sie den Wechsel zu anderen Schularten ermöglicht und Übergänge entsprechend begleitet.


6.2 Kooperation zwischen den Schulen und Anschlussfähigkeit

Der intensive Austausch mit der Grundschule erleichtert den Übertritt von der Grund- an die Realschule. In der Gelenkjahrgangsstufe 5 wird die Eignung der Schülerinnen und Schüler für den Bildungsgang Realschule überprüft und individuelle Bildungsangebote, beispielsweise Ergänzungsunterricht, unterbreitet. Gegebenenfalls erhalten die Erziehungsberechtigten Empfehlungen zur Änderung der Schullaufbahnentscheidung.

Das Prinzip der Durchlässigkeit eröffnet den Schülerinnen und Schülern der Realschule zudem eine Vielzahl unterschiedlicher Bildungswege nach dem Realschulabschluss. Realschulen und Fachoberschulen kooperieren, um den Übergang zu erleichtern. Brückenangebote bieten Orientierung, geeignete Realschulabsolventen können an der Fachoberschule eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben. Einführungsklassen am Gymnasium ermöglichen besonders geeigneten Schülerinnen und Schülern der Realschule einen Übertritt in die Oberstufe des Gymnasiums und ebnen damit den Weg zur Allgemeinen Hochschulreife. Schülerinnen und Schüler, die über einen guten Realschulabschluss verfügen, haben durch mehrere doppelt qualifizierende Bildungsangebote die Chance, parallel zu ihrem Berufsabschluss die Fachhochschulreife zu erlangen.

Der Realschulabschluss bietet jungen Menschen entsprechend ihrer unterschiedlichen Begabungen und Interessen vielerlei Chancen. Er gewährleistet die Ausbildungsreife als Voraussetzung für den Eintritt in das Berufsleben und ermöglicht den Erwerb der Fachhochschulreife, der fachgebundenen und Allgemeinen Hochschulreife.