Lehrplan PLUS

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Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München

Ergänzende Informationen zum Lernbereich „Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen begegnen“

Förderschule: Katholische Religionslehre 1/2

Erläuterung_GS_1-2_LB10

Religionspädagogisches Zentrum in BayernJahrgangsstufe 1/2 Theologische Grundlegung zum Lernbereich 10Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen begegnenAnders als bei den christlichen Konfessionen ist das Ziel im Umgang mit anderen Religionen nicht die Einheit, sondern das Wahrnehmen und Kennenlernen anderer, fremder Glaubensvollzüge. Es geht dabei um ein Vergleichen, nicht um ein Vereinnahmen. Das II. Vatikanum mit seiner „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen“ (Nostra aetate) hat hier eine kopernikanische Wende im Umgang der Kirche mit den nicht-christlichen Religionen eingeleitet, wurde doch der frühere Missionsgedanke gerade dadurch befeuert, dass man die sog. „Heiden“ – als solche galten die Angehörigen aller nicht-christlichen Religionen – der Taufe zuführte. Entsprechendes galt für die Juden, die zwar nicht zu den Heiden gezählt wurden, auf die sich aber das gleiche missionarische Ziel der Bekehrung richtete. Wie die Erfahrungen aus der Neuen Welt zeigen, hat man dabei auch vor Zwangsbekehrungen nicht zurückgeschreckt. In Spanien traf das im 16. Jh. in gleicher Weise auf die Juden zu. Insofern ist es ein klarer Perspektivenwechsel in der Geschichte der Kirche, wenn das Konzil anerkennt, dass in allen Religionen Antworten nach dem letzten Geheimnis unserer Existenz gesucht werden, das wir Gott nennen, ebenso nach dem Guten und nach der Hoffnung über den Tod hinaus. Das Konzil empfiehlt ausdrücklich die Zusammenarbeit der Religionen zum Wohle der Völker, insbesondere zu Frieden und Gerechtigkeit. Die Gesprächsformen und Vereinigungen, die daraus erwachsen sind, fallen unter den Begriff „Konziliarer Prozess“. Dass die Welt immer mehr zusammenwächst, wird Kindern schon im Kindergartenalter bewusst, wenn sich Kinder aus anderen Kulturen und Religionen dort einfinden. Auf der Ebene der 1./2. Jgst. sind es zunächst die äußerlich wahrnehmbaren Gepflogenheiten des Alltags, bei denen sich die unterschiedlichen religiösen Prägungen zeigen, am deutlichsten bei den Festkulturen. Aufgabe des Religionsunterrichts ist es, dahinter die gemeinsame Suche nach Gott zu entdecken. Dies sollte nicht nur explizit in eigens dafür konzipierten Unterrichtseinheiten geschehen, sondern sich als Prinzip durch das gesamte Schulleben ziehen.Aus: Reil, Elisabeth: Theologischer Leitfaden zum Fachlehrplan Katholische Religionslehre Grundschule. In: Katholisches Schulkommissariat in Bayern (Hg.): Handreichung zum LehrplanPLUS, Katholische Religionslehre in der Grundschule, München 2015, S. 33-55.www.rpz-bayern.de/handreichung_zum_lehrplan_plus.html