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Katholische Religionslehre 1/2 Abschnitt zur PDF-Sammlung hinzufügen

Grundschule: Die Größe und Vielfalt der Welt – Schöpfung Gottes

Erläuterung zum Lernbereich: „Die Größe und Vielfalt der Welt – Schöpfung Gottes “

  • Erläuterung_GS_1-2_LB2

    Religionspädagogisches Zentrum in Bayern
    Jahrgangsstufe 1/2 Theologische Grundlegung zum Lernbereich 2
    Größe und Vielfalt der Welt – Schöpfung Gottes
    Dieser Lernbereich lenkt den Blick weg vom persönlichen Umfeld hin zur Welt als Schöpfung Gottes. Der Blick auf die Schöpfung beschränkt sich für den religiösen Menschen nicht auf eine neutrale Naturbeobachtung oder romantische Naturbetrachtung, sondern führt zu einer persönlichen Stellungnahme. Das geschieht auf dreierlei Weise als Freude an der Schöpfung, als Dank für die Schöpfung und als Verantwortung für sie. Ausgewählte Schöpfungstexte der Bibel sollen dies unterstreichen.
    Während man bei Ps 19 u. Ps 104 von echten Schöpfungsliedern sprechen kann, trifft das auf Gen 1 nicht zu, auch wenn der Lehrplan es so bezeichnet. Darin drückt sich die Schwierigkeit aus, diesen Text einer literarischen Gattung zuzuordnen. Er ist jedoch kein echtes Lied, al-lerdings auch keine echte Erzählung. Der Erzählgattung widersprechen die stereotypen For-mulierungen und refrainartigen Wiederholungen, was ihn aber noch nicht zum Lied macht. Gen 1 ist ein sog. Toledot (Genealogie, Aufzählung), d. h. eine Gliederungsformel, wie sie in der Priesterschrift, einer wichtigen Quellenschrift des Pentateuch, des Öfteren vorkommt. Man könnte Gen 1 vielleicht noch als Schöpfungsgedicht bezeichnen, doch auch das ist miss-verständlich, weil das Vorstellungen von Poesie weckt; ggf. könnte man es auch als Lehrge-dicht bezeichnen. Die alttestamentliche Wissenschaft verwendet nach wie vor dafür den Be-griff „Erzählung“. Gen 1 ist ein priesterschriftlicher Text, dessen Entstehungszeit in der spät-exilischen/früh-nachexilischen Zeit anzusetzen ist (ca. Mitte des 6. bis Mitte des 5. Jhs. v. Chr.). Charakteristisch für Gen 1 ist einerseits der Verzicht auf eine dramatische Ausgestal-tung der Szenen und andererseits das Interesse an Aufzählungen. Deswegen könnte man diesen Text eine „Schöpfungsformel“ nennen. Gerade weil heute auch schon jüngere Schüle-rinnen und Schüler Kenntnis von naturwissenschaftlichen Weltentstehungstheorien haben, sollte man vermeiden, ihn als historische Darstellung zu behandeln. Das muss nicht aus-schließen, dass Schülerinnen und Schüler die einzelnen Schöpfungstage auch kreativ gestal-ten dürfen, denn gerade daran lässt sich die Absicht der Reihung gut erkennen und damit die Ordnungsprinzipien, mit der die Menschen damals ihre Welt erklärt haben. Den Schülerinnen und Schülern soll bewusst werden, dass sie den Ablauf einer Erzählung und nicht den Ablauf der Schöpfung gestalterisch nachempfinden.
    Eine unterrichtliche Präsentation, die die wissenschaftlichen Entstehungsprozesse nicht ausklammert, gleichzeitig aber die Schülerinnen und Schüler nicht mit unangemessenem Wissen überfrachtet, könnte sich an folgendem Gedankengang orientieren:
    Die Welt gab es schon, bevor die biblischen Schriftsteller diese Aufzählung niedergeschrieben haben. Deswegen erzählen sie auch keine dramatischen Einzelheiten, sondern beschränken sich auf Aufzählungen von allem, was sie in ihrer Welt vorgefunden haben. Sie haben die Welt angeschaut und überlegt, wie alles der Reihe nach entstanden sein könnte, was wohl zuerst da gewesen sein muss, damit Späteres überhaupt lebensfähig war. Sie haben nach ihrer damaligen Kenntnis der Welt aufgeschrieben, wie es gewesen sein könnte, als Gott die Welt erschaffen hat.
    Aber dass er sie gemacht hat, darüber bestand für sie kein Zweifel, denn sie existierte ja. Sie haben mit ihrer Beschreibung die Entstehung der Welt nicht erklären wollen, sondern sie wollten daran erinnern, dass in ihr alles seine Ordnung hat und wie gut alles zusammenpasst. („Gott sah, dass es gut war.“) Man kann Gott auch danken, indem man seine Taten aufzählt, so wie man z. B. bei einem Jubiläum jemanden lobt, indem man aufzählt, was er oder sie im Leben alles geleistet hat. Das ist für die Geehrten oft der schönste Dank. So ähnlich kann man sich das auch mit der Schöpfungsformel Gen 1 vorstellen. Daneben gibt es noch eine Reihe von echten Liedern, in denen Gott ausdrücklich gelobt oder ihm gedankt wird. Dazu laden die Schöpfungspsalmen ein (z. B. Ps 19; Ps 124 in Auswahl). An diese Texte anknüpfend, kön-nen die Schülerinnen und Schüler nun mit allen Sinnen eigene Formen des Dankes für die Schöpfung entwickeln.
    Aus: Reil, Elisabeth: Theologischer Leitfaden zum Fachlehrplan Katholische Religionslehre Grundschule. In: Katholisches Schulkommissariat in Bayern (Hg.): Handreichung zum LehrplanPLUS, Katholische Religionslehre in der Grundschule, München 2015, S. 33-55.
    www.rpz-bayern.de/handreichung_zum_lehrplan_plus.html

Ergänzende Informationen sind nicht Bestandteil des Lehrplans.