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Katholische Religionslehre 1/2 Abschnitt zur PDF-Sammlung hinzufügen

Grundschule: Den Glauben feiern – Gottesdienst und Kirchenjahr

Erläuterung zum Lernbereich: „Den Glauben feiern – Gottesdienst und Kirchenjahr“

  • Erläuterung_GS_1-2_LB9

    Religionspädagogisches Zentrum in Bayern
    Jahrgangsstufe 1/2 Theologische Grundlegung zum Lernbereich 9
    Den Glauben feiern – Gottesdienst und Kirchenjahr
    Gottesdienst/Liturgie: Alle religionspädagogischen Initiativen zu Gebet und gottesdienstli-chen Feiern stehen unter dem Vorbehalt, dass der eigentliche Ort für den entsprechenden Kompetenzerwerb die Familie ist. Eltern, die selbst beten und am Gottesdienst teilnehmen, vermitteln ihren Kindern die elementaren Ausdrucksformen des Betens wie von selbst und befähigen sie zur Teilnahme am Gottesdienst, weil Gebet und Gottesdienst an sich schon ein Beziehungsgeschehen sind, zum einen zwischen Gott und Mensch, zum anderen zwischen den Menschen untereinander, und das kann auch nur in Beziehung gelernt werden. Dennoch kann angesichts der zunehmenden Kirchenferne großer Teile der Bevölkerung – nur noch ca. 10% der Katholiken besuchen den Gottesdienst – der Religionsunterricht nicht auf die aktive Befähigung von Kindern zum gottesdienstlichen Handeln verzichten, denn der Gottesdienst gehört zu den Grundfunktionen von Kirche überhaupt. Der Religionsunterricht hat schließlich selbst seinen Ursprung in der liturgischen Erziehung. Glaubensunterricht war in seinen Ur-sprüngen liturgischer Unterricht. Das geht schon aus der frühesten bekannten Gemeindeord-nung, der Didache (um 100 n. Chr.), hervor. Wie damals die erste Berührung mit dem christli-chen Glauben über die Liturgie erfolgte, so finden auch heute Kinder aus religiös distanzier-ten Familien über das gottesdienstliche Tun einen ersten Zugang zu dem, was Religion über-haupt ist. Außerdem kommen die religiös-liturgischen Ausdrucksformen dem kindlichen Be-dürfnis nach Anschaulichkeit und Teilnahme stark entgegen. Religiöses Brauchtum und reli-giöse Feiern erfreuen sich in Kindergärten und Grundschulen anhaltender Beliebtheit. Dassel-be gilt für die Erwachsenen: Es ist ein Faktum, dass sich zu Prozessionen, neuerdings zu Bergmessen, eine immer größere Zahl von zufällig Vorübergehenden hinzugesellt. Bergmes-sen z. B. werden heutzutage sogar in Tourismusprogrammen angezeigt. Auch Menschen, die keinen Bezug zur Kirche haben, werden davon angesprochen. Alle öffentlichen Gottesdienste ziehen beiläufig Fernstehende an. Dieser Effekt darf auch für den Religionsunterricht nicht unterschätzt werden. Selbst Kinder nichtchristlicher Religionen drängen mitunter ihre Eltern dazu, beim christlichen Brauchtum mitmachen zu dürfen.
    Der griechische Begriff „Liturgie“ für die gottesdienstliche Feier kommt im NT selten vor, erstmals in Apg 13,2. Gebräuchlicher sind die Begriffe „Brotbrechen“ und „Herrenmahl“ für die Eucharistiefeier. Das liegt daran, dass damals vor allem die Kulthandlungen der jüdischen Priester im Tempel sowie der römische Götterkult als Liturgie bezeichnet wurden. Davon woll-te sich das junge Christentum absetzen. Unter Gottesdienst versteht man im Allgemeinen den Ort, bzw. die Versammlung, bei der das Heilsgeschehen in den Weisen von Erinnerung und Vergegenwärtigung aktualisiert wird. Die Gläubigen hören auf das Wort Gottes, erinnern sich
    an seine Taten und antworten darauf, indem sie in einem ganzheitlichen Ausdruck mit Leib und Seele Gott loben, ihm danken, Bitten an ihn richten und ihren Glauben bekennen. Das Grundmuster dazu, das sich bis heute kaum verändert hat, findet sich ebenfalls schon in der erwähnten Didache. Gottesdienste für die Menschen von heute sollen so gestaltet sein, dass man erlebt, was man feiert und dann lebt, was man gefeiert hat. Gottesdienst und Leben sol-len zu einer Einheit werden.
    Kirchenjahr: Für Kinder der 1./2. Jgst. ist der Mitvollzug des Kirchenjahres die geeignetste Weise religiösen Lernens. Im Kirchenjahr wird der Glaube im Rhythmus der Zeit entfaltet. Das Jahr mit seinem Werden und Vergehen wird zum Taktgeber für die Dynamik der Offenba-rung, angefangen bei der Schöpfung bis hin zur Vollendung der Welt, die traditionell „jüngs-ter Tag“ genannt wird. Im Mittelpunkt des Kirchenjahres steht das Pascha-Mysterium von Tod und Auferstehung Jesu. Darüber hinaus wird die gesamte Geschichte Gottes mit den Men-schen nach der Vorgabe von AT und NT vergegenwärtigt. Das Miterleben des Kirchenjahres hat für die Kinder, abgesehen von der religiösen Bildung, noch eine weitere, nicht zu unter-schätzende anthropologische Dimension. Es hilft ihnen, ein Gespür für die Zeit zu entwickeln. Wenn die Egalität der täglichen Routine unterbrochen wird durch Höhepunkte, auf die man wartet, auf die man sich freut, auf die man sich vorbereitet, bekommt die Zeiterfahrung eine größere Amplitude: Sie verbindet mit dem Vergangenen und spannt sich in die Zukunft aus. Damit bildet sich gleichzeitig ein kulturelles Gedächtnis aus, jenseits aller kurz gegriffenen Konsumreize und Events. Die Zeit bekommt einen „Eigen-Sinn“. Zeiten der Stille, der Besin-nung und Vorfreude wechseln mit Zeiten des offenen Jubels und der Feier. In der Wiederkehr bestimmter Fest-Punkte erleben Menschen Orientierung und Sicherheit im Zeitgefüge. In allen Kulturen geben die Riten dem Kommen und Vergehen der Zeit einen Sinn. Riten eröff-nen die Möglichkeit, die Fesseln des gegenwärtigen Augenblicks zu sprengen und die Men-schen mit etwas in Beziehung zu bringen, das die Zeit überschreitet; Riten bauen eine Brücke zum Transzendenten. Mit Kindern dieser Altersstufe wird man das freilich noch nicht bewusst reflektieren können, aber im Mitfeiern der Riten und des Gottesdienstes geht der Sinn des Gefeierten unbewusst in das Erleben ein und unterstützt ein Grundvertrauen jenseits aller Unwägbarkeiten des Lebens.
    Aus: Reil, Elisabeth: Theologischer Leitfaden zum Fachlehrplan Katholische Religionslehre Grundschule. In: Katholisches Schulkommissariat in Bayern (Hg.): Handreichung zum LehrplanPLUS, Katholische Religionslehre in der Grundschule, München 2015, S. 33-55.
    www.rpz-bayern.de/handreichung_zum_lehrplan_plus.html

Ergänzende Informationen sind nicht Bestandteil des Lehrplans.