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Katholische Religionslehre 3/4 Abschnitt zur PDF-Sammlung hinzufügen

Grundschule: In der Gemeinde leben – zur katholischen Kirche gehören

Erläuterung zum Lernbereich: „In der Gemeinde leben – zur katholischen Kirche gehören“

  • Erläuterung_GS_3-4_LB9

    Religionspädagogisches Zentrum in Bayern
    Jahrgangsstufe 3/4 Theologische Grundlegung zum Lernbereich 9
    In der Gemeinde leben – zur katholischen Kirche gehören
    Die Erläuterungen zum Lernbereich in der 3./4. Jahrgangsstufe bauen auf den Ausführungen zur 1./2. Jahrgangsstufe auf.
    Die noch ganz an die Anschauung gebundenen Kirchenerfahrungen aus der 1./2. Jgst. wer-den in der 3./4. Jgst. aufgegriffen und weitergeführt zur Frage nach dem Ursprung der Ge-meinde, bzw. der Kirche. Das zentrale biblische Dokument hierfür ist die Pfingsterzählung in Apg 2. Kindern kann Pfingsten als der „Geburtstag“ der Kirche bewusst gemacht werden. Man könnte sagen: geboren aus dem Heiligen Geist. Apg 2 hält dafür starke Bilder bereit: Sturm und Feuer. Dass der Autor der Apg, der Evangelist Lukas, hier keine Naturphänomene schildern will, zeigt sich zum einen daran, dass er sie selbst als Metaphern versteht, indem er schreibt: „ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt“, oder: „wie von Feuer (Apg 2,2.3). Zum andern ist es offensichtlich, dass er für seine Geist-Theologie auf die Theophanien (Gotteserscheinungen) des AT zurückgreift und sich damit als echter Theologe erweist. Das Urbild für das Pfingstereignis ist Ex 13,21, wenn der Herr als Wolken-, bzw. Feuersäule dem wandernden Volk erscheint und vor ihm herzieht. Im AT gibt es noch eine Reihe entspre-chender Texte, die die Anwesenheit Gottes in den Bildern von Feuer und Sturm ausdrücken. In Ex 3,2 erscheint Gott in den Flammen des Dornbuschs und redet zu Mose; er redet in Dtn 5,4 mitten aus dem Feuer zum Volk; bei der Berufung von Jesaja füllt sich der Tempel mit Rauch und die Lippen des Propheten werden mit glühenden Kohlen gereinigt. In Apg 2,17-21 zitiert Petrus bei der Pfingstpredigt ausdrücklich einen Abschnitt aus Joel 3,1-5, der als Proto-typ für das Pfingstereignis gelten kann. Darin kündigt Gott an, dass er seinen Geist ausgießen wird über alles Fleisch und dass er dies mit den Zeichen von Feuer und Rauchsäulen beglau-bigt. Es ist nicht zu übersehen, dass der Autor der Apostelgeschichte keinen Bericht über ein spektakuläres Naturschauspiel liefern wollte, sondern dass er in Apg 2 eine tief reflektierte Theologie entfaltet, die einen Bogen spannt von den Gotteserfahrungen des alten Gottes-volkes hin zum Ursprung des neuen Gottesvolkes, dem eine ähnliche Gotteserfahrung zuteil wird. Der Autor schließt an die Erfahrungen des AT an und führt sie theologisch fort. Wenn man bedenkt, dass die Apostelgeschichte um 90-100 n. Chr. entstanden ist, dann wird klar, dass die Erzählzeit den Zustand der dritten urchristlichen Generation wiedergibt. Andere Schriften des NT erzählen die Geistsendung ganz anders. Sie knüpfen sie nicht an ein be-stimmtes Datum, den 50. Tag nach Pessah/Ostern (Pentekoste) wie Lukas. Nach Joh 20,19-23 wird der Geist den Jüngern unmittelbar vom Auferstandenen übertragen, ohne dass es dazu eines Pfingstfestes bedarf. Er haucht sie an: das erinnert an das Einblasen des Lebensatems bei der Erschaffung des Menschen (Gen 2,7). Nach Joh ist der Geist eine unmittelbare Gabe
    des erhöhten Christus, die gleichzeitig mit einer Sendung verbunden ist. Es ist im Grunde dasselbe Geschehen, nur mit anderen Worten als in Apg 2. In Eph 4,7-16 wird die Geistsen-dung geradezu enthierarchisiert. Hier sind es nicht nur einzelne Erwählte, die den Geist emp-fangen, sondern „jeder von uns“ zum „Aufbau des Leibes Christi“ (Eph 4,12) und zur „Einheit im Glauben“ (4,13). In den verschiedenen Texten wird auch klar gesagt, was die Wirkungen des Geistes sind. Der Geist stiftet Gemeinschaft im Brotbrechen/Herrenmahl (Apg 2,42.46); es wird zum Kennzeichen der Kirche. Eng verbunden damit ist die Caritas, das Miteinander-Teilen dessen, was man hat (Apg 2,45). Bei Mt 28,16-20 wird die Geistsendung an den Tauf-auftrag für die Völker geknüpft. Was hier nur knapp berichtet wird, gestaltet Apg 2,6-12 dra-matisch zum Sprachenwunder aus. Aber es geht um dasselbe: die Völker mit ihren unter-schiedlichen Sprachen werden im Glauben an den Auferstandenen zur Kirche geeint und ver-stehen einander; sie können nicht mehr durch Sprachen getrennt werden. Aus all diesen Tex-ten zur Geistsendung lassen sich nun die Grundfunktionen der Kirche ableiten:
    1. Koinonia: Gemeinschaft im Glauben,
    2. Leiturgia: Feier des Herrenmahls,
    3. Diakonia: Dienst am Nächsten,
    4. Martyria: Zeugnis geben, Verkündigung an die Völker.
    Für Lehrerinnen und Lehrer stellt sich nun freilich die Frage, wie die lukanische Pfingsterzäh-lung mit dem Auffassungsvermögen der Kinder in Beziehung zu bringen ist. Zweifellos lässt sie sich dramatisch erzählen und sinnenfällig gestalten. Daraus lässt sich methodisches Potenzial schlagen. Aber darin liegt auch die Gefahr, sie letztlich doch als irrationales Spekta-kel zu fixieren. Eine kreative Gestaltung der Pfingsterzählung darf sein und hat seine Berech-tigung, doch sollten die Lehrerinnen und Lehrer im Bewusstsein behalten, dass es sich dabei nicht um einen Tatsachenbericht handelt. Die Pfingsterzählung ist die freudige Erinnerung an die Ursprünge der Gemeinde. Mit dieser Geschichte und mit vielen anderen Texten des NT haben die Christusgläubigen bei verschiedenen Anlässen immer wieder bezeugt, dass mit Jesus ein neuer Geist unter ihnen aufgebrochen ist. Zu verschiedenen Anlässen entstanden verschiedene Texte dazu. Lukas hat anders erzählt als Paulus, Petrus wieder anders als Johan-nes. Allen aber ist gemeinsam: Dieser neue Geist hat sie so überwältigt, dass sie nach aus-drucksstarken Worten und Bildern gesucht haben, um ihn zu beschreiben. Das wollten sie auch den später hinzugekommenen Gläubigen vermitteln. Dazu haben sie in der heiligen Schrift (unserem AT) nach Beispielen gesucht, wie die Alten schon vor vielen Jahrhunderten den Geist Gottes erfahren haben. Feuer und Sturm waren von jeher starke Bilder, um das Wir-ken Gottes auszudrücken. Mit den Zungen, wie von Feuer, findet Lukas obendrein noch ein ganz besonders passendes Bild, wenn er erzählt, dass sich auf jeden einzelnen eine kleine Flamme niedergelassen hat. Damit ist gesagt: Jeder kann ein kleines Flämmchen sein, um den Geist Jesu zu entfachen – auch heute noch. Pfingsten ist eben gerade nicht die Geschichte von einer punktuellen, einmaligen, unwiederholbaren, besonders imposanten Gotteserfah-rung, sondern Pfingsten ist eigentlich immer, wenn Menschen für den Geist Gottes ein offe-nes Ohr und ein offenes Herz haben. Pfingsten ist eigentlich ein Zustand, aber feiern können wir es nur als Ereignis.
    Aus: Reil, Elisabeth: Theologischer Leitfaden zum Fachlehrplan Katholische Religionslehre Grundschule. In: Katholisches Schulkommissariat in Bayern (Hg.): Handreichung zum LehrplanPLUS, Katholische Religionslehre in der Grundschule, München 2015, S. 33-55.
    www.rpz-bayern.de/handreichung_zum_lehrplan_plus.html

Ergänzende Informationen sind nicht Bestandteil des Lehrplans.