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Katholische Religionslehre 3/4 Abschnitt zur PDF-Sammlung hinzufügen

Grundschule: Den Glauben feiern – Jesus Christus begegnen

Erläuterung zum Lernbereich: „Den Glauben feiern – Jesus Christus begegnen“

  • Erläuterung_GS_3-4_LB10

    Religionspädagogisches Zentrum in Bayern
    Jahrgangsstufe 3/4 Theologische Grundlegung zum Lernbereich 10
    Den Glauben feiern – Jesus Christus begegnen
    Die Erläuterungen zum Lernbereich in der 3./4. Jahrgangsstufe bauen auf den Ausführungen zur 1./2. Jahrgangsstufe auf.
    Während sich die Schülerinnen und Schüler der 1./2. Jgst. das Gebet und den Gottesdienst vor allem durch sinnenhafte Annäherung und Aktualisierung erschließen, sollen sie sich in der 3./4. Jgst. ausdrücklich für die dahinter liegenden Glaubensdeutungen und insbesondere für die Gegenwart Christi öffnen. Im Lehrplan werden dazu folgende Kompetenzen genannt: sich austauschen, erklären, in Verbindung bringen, deuten, Auskunft geben, m. a. W. verste-hen, was man tut. Der Weg geht über die Teilnahme und Praxis hin zu Deutung und Erklä-rung. Ausgangspunkt für die Deutung sind die Ursprungsgeschichten des NT. Wenn man den Ursprung des Sonntags kennt, kann sich auch eine Wertschätzung dafür einstellen. Um die Eucharistiefeier als „kleines Osterfest“ verstehen zu können, bedarf es methodisch eines nar-rativen Zugangs. Die Schülerinnen und Schüler sollen wahrnehmen und nachvollziehen kön-nen, was die ersten Christen bewegte.
    (1) Ein Schwerpunkt dieses Lernbereichs ist der Sonntag als Termin für die wöchentliche Eucharistiefeier. In den Auferstehungsberichten heißt er der „dritte Tag“, der Tag, an dem Jesus auferstanden ist. Der Bezugspunkt hierfür kann nur der jüdische Kalender sein, denn im römischen Reich gab es noch keinen wöchentlichen Sonntag, sondern nur staatlich festgeleg-te Feiertage das Jahr über. Jesus stirbt nach den Worten der Schrift am Tag vor dem Sabbat. Der dritte Tag ist demnach der Tag nach dem Sabbat. Der „dritte Tag“ wird bereits im ältes-ten Auferstehungszeugnis in 1 Kor 15,4 genannt. Aber nicht nur in den eigentlichen Auferste-hungstexten ist vom dritten Tag die Rede. Über alle Evangelien verstreut finden sich Aussa-gen dazu. Die drei Synoptiker Matthäus, Markus und Lukas sprechen in den sog. Leidensan-kündigungen Jesu je dreimal davon: vgl. Mk 8,31; 9,31; 10,34 mit den entsprechenden Paral-lelen. Bei Joh 2,20-21 ist vom Wiederaufrichten des Leibes Jesu am dritten Tage die Rede. Interessant ist die Verbindungslinie in Mt 12,40 zu Jona 2,1. Danach hat der Prophet drei Ta-ge und drei Nächte im Bauch des Fisches verbracht, bis er gerettet wurde. An dieser sowie an einer vergleichbaren Stelle bei Hos 6,2 wird deutlich, dass die drei Tage nicht nur eine kalen-darische, sondern vor allem eine theologische Bedeutung haben. Bei Hosea lautet die Stelle: „Nach zwei Tagen gibt der Herr uns das Leben zurück, am dritten Tag richtet er uns wieder auf, und wir leben vor seinem Angesicht.“ Schon im AT haben die drei Tage eine heilsge-schichtliche Bedeutung: Gott lässt die Seinen nie länger als drei Tage im Unheil; Gott selbst führt die Wende herbei. Bei der Auferstehung Jesu ist es die Wende zum Heil für alle, die an
    ihn glauben. Das Drei-Tage-Schema wird in der Liturgie der Kirche im triduum sacrum, der zentralen Feier des Glaubens von Gründonnerstag bis Ostern, fortgesetzt. Neben der Be-zeichnung „am dritten Tag“ hat sich in den Evangelien auch die Rede vom ersten Tag der Woche herausgebildet, vgl. Mk 16,2; Lk 24,1; Mt 28,1. Während die Juden mit dem Sabbat als dem letzten Tag der Woche an die Vollendung der Schöpfung erinnerten, erinnerten die Christen nun mit dem Sonntag als dem ersten Tag der Woche an den Anfang der neuen Schöpfung in Christus. Diese Datierung geschah in neutestamentlicher Zeit nicht in polemi-scher Absicht, denn die ersten Christen nahmen als Juden weiterhin am Sabbat teil. Der erste Tag der Woche wurde von den Christen „Tag des Herrn“ oder „Herrentag“ genannt. Das hat sich in den romanischen Ländern bis heute so gehalten, z. B. Domenica (it.), Domingo (span.).
    Der Name „Sonntag“ leitet sich nicht, wie manchmal vermutet wird, vom Sonnenkult des römischen Kaisers ab, sondern er ist später im germanischen Sprachraum aufgekommen. Konstantin der Große hat 321 den Herrentag (Sonntag) zum öffentlichen Ruhetag erklärt.
    Noch bis 1976 galt auch für den profanen Kalender der Sonntag als der erste Tag der Woche. Weil sich die Lebensgestaltung der Menschen aber immer mehr der Wirtschaft unterordnen musste, wurde der Sonntag dem Wochenende einverleibt. Mit dem Verschwinden des Sonn-tags im Wochenende verschwindet auch weitgehend die Sonntagskultur. Der zunehmende Priestermangel und die damit verbundenen Zusammenlegungen kleinerer Gemeinden zu großen Pfarrverbänden beschleunigen diesen Prozess. Die Kirche verschwindet aus dem All-tag der Menschen und damit auch der Sonntag.
    (2) Der andere Schwerpunkt dieses Lernbereichs ist die Eucharistiefeier. Zur Theologie der Eucharistie sei auf die Ausführungen der Lernbereiche 7 (1./2. Jgst.) und 8 (3./4. Jgst.) verwie-sen. Die dort angeführten Texte vom letzten Abendmahl (Lk 22,14-23) und vom Gang nach Emmaus (Lk 24,13-35) werden hier im Lernbereich 10 (3./4. Jgst.) wiederholt.
    In der 3./4. Jgst. soll die Sicht über das letzte Abendmahl hinaus auf das gesamte Heilshan-deln Jesu geöffnet werden. Dazu werden weitere Stellen der Evangelien herangezogen, in denen auch das Mahl eine Rolle spielt. Im Zöllnermahl wird es gedeutet als besonderes Zei-chen der Zuwendung Gottes zu den Sündern (Mk 2,13-17) und bei der Speisung der Fünftau-send als Zuwendung zu den Hungrigen und Armen (Mk 6,30-44). Dieses Tun Jesu wirft ein Licht auf die Verortung der Eucharistiefeier innerhalb der Gemeinde. Sie ist kein Mysterien-kult, keine Exklusivveranstaltung für Eingeweihte, die im Verborgenen ihre Riten feiern, son-dern zur Eucharistie sind alle eingeladen, die Sünder und die in jeder Hinsicht Bedürftigen. Somit ist mit der Eucharistiefeier immer der Auftrag verbunden, die Außenseiter und die Ar-men zu integrieren. An dieser Stelle sei ausdrücklich an den Streit um das „pro multis“ beim Messkanon erinnert und die damit verbundene Frage, ob es beim Einsetzungsbericht lauten muss „für viele“ oder „für alle“. Das NT selbst hat darauf keine eindeutige Antwort; es gibt beide Formen. Bei Mt 26,28 und Mk 14,24 heißt es „für viele“, bei Lk 22,19 und 1 Kor 11,24 „für euch“, in der eucharistischen Brotrede bei Joh 6,51 steht: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt“, ähnlich bei 1 Tim 2,6: „der sich als Lösegeld hinge-geben hat für alle“. Das NT kann man jedenfalls nicht in Anspruch nehmen für die Exklusiv-version, die wohl auch dem Handeln Jesu widersprechen würde, das im Gesamtduktus des NT universal zu verstehen ist. Was die Gestalten von Brot und Wein betrifft, so hat KARL RAHNER bereits 1960 dargelegt, dass die Gegenwart Christi im Sakrament nicht individualistisch und dinglich verengt werden kann auf die Materie von Brot und Wein. „Die Kommunion ist ein tieferes Eingegliedertwerden in den mystischen Leib Christi“, sagt RAHNER und verweist auf
    Paulus: „Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,16-17). Brot und Wein sind Elemente der Eucharistiefeier als ganzer und in diesem Kontext Zeichen dafür, dass wir mit Christus verbunden sind.
    Aus: Reil, Elisabeth: Theologischer Leitfaden zum Fachlehrplan Katholische Religionslehre Grundschule. In: Katholisches Schulkommissariat in Bayern (Hg.): Handreichung zum LehrplanPLUS, Katholische Religionslehre in der Grundschule, München 2015, S. 33-55.
    www.rpz-bayern.de/handreichung_zum_lehrplan_plus.html

Ergänzende Informationen sind nicht Bestandteil des Lehrplans.