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Katholische Religionslehre 3/4 Abschnitt zur PDF-Sammlung hinzufügen

Grundschule: Christ sein – im Austausch mit anderen

Erläuterung zum Lernbereich: „Christ sein – im Austausch mit anderen “

  • Erläuterung_GS_3-4_LB11

    Religionspädagogisches Zentrum in Bayern
    Jahrgangsstufe 3/4 Theologische Grundlegung zum Lernbereich 11
    Christ sein – im Austausch mit anderen
    Den Blick über die Konfessionsgrenzen hinaus sieht der Lehrplan erst für die 3./4. Jgst. vor und selbst da ist er nur ansatzweise realisierbar. Auf die Tatsache, dass es unterschiedliche christliche Denominationen gibt, werden heutzutage viele Kinder oft erst durch den getrennt organisierten Religionsunterricht aufmerksam. In der Lebenswirklichkeit der Menschen spielt das Unterscheidende der Konfessionen kaum noch eine Rolle, es sei denn, dass sich den El-tern der Kinder in einer konfessions-verschiedenen Ehe – heute bevorzugt man die Bezeich-nung „konfessions-verbindende Ehe“ – die Frage nach der sakramentalen Teilnahme stellt. Aber auch hier haben viele Betroffene längst schon für sich eine Entscheidung getroffen. Auch das Bewusstsein der meisten kirchennahen Christen ist heute mehr von der Gemein-samkeit im Glauben geprägt als von der Unterscheidung. Großen Zuspruchs erfreuen sich u. a. die ökumenischen Kirchentage.
    Das Problem der Zugänglichkeit zu diesem Lernbereich besteht paradoxerweise darin, dass es für die Menschen eigentlich kein Problem mehr darstellt. Man nimmt sich gegenseitig in ver-söhnter Verschiedenheit wahr. Im Allgemeinen kommt bei Kindern dieser Altersstufe das In-teresse an den unterschiedlichen Ausdrucksformen katholischen und evangelischen Glaubens bei der Hinführung zur Erstkommunion erstmals auf: Erstkommunion und Firmung einerseits – Konfirmation andererseits. Da beginnt vielleicht das Fragen. Sollen diese Fragen ehrlich beantwortet werden, kann man es nicht dabei belassen, lediglich die Verschiedenheiten wahrzunehmen als seien sie vorgegeben wie die Artenvielfalt in der Natur. Die sog. Vielfalt der christlichen Konfessionen ist menschengemacht. Ein ehrlicher Unterricht über die Kon-fessionsverschiedenheit muss sich daher den Ursprüngen der Trennung stellen. Es muss ge-sagt werden, dass es da Zustände und Haltungen gab, die die Botschaft Jesu verdunkelt ha-ben und dass sie gerade von Verantwortlichen in der Kirche verursacht oder geduldet worden sind. Es muss gesagt werden, dass die Verschiedenheit aufgrund von Spaltungen zustande kam. Kinder der 3./4. Jgst. haben Erfahrungen mit Streit und Versöhnung. Sie können reflek-tieren, warum es zu Spaltungen kommt: wenn man einander nicht zuhört, wenn man mit Un-terstellungen arbeitet, Eigeninteressen verfolgt und auf seinen Positionen beharrt. Kinder verstehen das und deshalb verstehen sie auch, dass es so etwas in der Kirche gegeben hat und das nicht erst seit der Reformation. Schon Paulus warnt vor Spaltungen: „Ich höre, dass es Spaltungen unter euch gibt …“ (1 Kor 11,18-19). Schon in der Urkirche gab es einen tief-greifenden Dissens, der auf der inhaltlichen Seite nicht gelöst werden konnte: Beschneidung oder nicht? Aber es kam zu keiner Spaltung. Paulus schreibt: „Deshalb gaben Jakobus, Kephas und Johannes […] mir und Barnabas die Hand zum Zeichen der Gemeinschaft“ (Gal 2,9-10).
    Das Ökumenismus-Dekret des II. Vaticanums (Unitatis redintegratio) sagt in seinem Vorwort unmissverständlich, dass eine der Hauptaufgaben des Konzils die Wiederherstellung der Einheit der Christen ist und dass die Spaltung dem Willen Christi widerspricht. Gewiss ist man auf diesem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen. Den Kindern kann man das ggf. bewusst machen, indem man Zeitzeugen zu Wort kommen lässt, die die Situation vor dem Konzil erlebt haben und die berichten können, dass damals evangelische und katholische Kinder in getrennten Schulen unterrichtet wurden und oft nicht einmal miteinander spielen durften. Für Geschichten von früher sind Kinder dieses Alters immer zu haben. Ihr Interesse sollte man nützen, um die Ursachen der Trennung zu erschließen, damit sie die Verschieden-heiten von heute verstehen und sie nicht nur benennen können.
    Auch wenn immer wieder betont wird, dass sich Kirchen in ihrer Verschiedenheit gegenseitig bereichern, sollte man sich nicht damit beruhigen und es bei einer freundlichen unverbindli-chen Nachbarschaft belassen. Das Bewusstsein muss aufrechterhalten werden, dass die Tren-nung ein Skandal ist angesichts der Bitte Jesu an den Vater, „dass alle eins seien“ (Joh 17,11). Deswegen gehört es zu diesem Lernbereich, dass die Kinder ein kritisches Potenzial entwi-ckeln, das sich nicht mit dem Jetztzustand zufrieden gibt. Schließlich sind sie es, die die Öku-mene in die Zukunft tragen sollen.
    Was die Person Martin Luthers betrifft, so sollte man sich hier nicht singulär auf seine per-sönlichen Lebensfragen fixieren, etwa, auf seine Suche nach einem gnädigen Gott. Die aktuel-le Lutherforschung hat deutlich herausgearbeitet, dass er der Exponent einer Zeitströmung war, die sich nicht mehr mit der Verteilung des Gnadenschatzes in autoritativer Geste zufrie-dengeben wollte. Damals fühlten und dachten viele Ordensleute und Laien wie Luther, sonst hätte die Reformation nicht eine so breite Wirkung entfalten können. Das Bedürfnis nach individueller Heilssuche vieler Zeitgenossen traf auf einen z. T. unheiligen Handel mit geistli-chen Gütern in einer Epoche, in der sich bereits eine Umschichtung der alten Herrschaftsver-hältnisse von Papst und Reich am Horizont abzuzeichnen begann. Diese explosive Gemenge-lage führte schließlich zum Ende des Mittelalters.
    Aus: Reil, Elisabeth: Theologischer Leitfaden zum Fachlehrplan Katholische Religionslehre Grundschule. In: Katholisches Schulkommissariat in Bayern (Hg.): Handreichung zum LehrplanPLUS, Katholische Religionslehre in der Grundschule, München 2015, S. 33-55.
    www.rpz-bayern.de/handreichung_zum_lehrplan_plus.html

Ergänzende Informationen sind nicht Bestandteil des Lehrplans.