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Katholische Religionslehre 7 Abschnitt zur PDF-Sammlung hinzufügen

Gymnasium: Muslimen begegnen – Glaube, Geschichte und Kulturen des Islam

Erläuterung zum Lernbereich: „Muslimen begegnen – Glaube, Geschichte und Kulturen des Islam“

  • Erläuterung_7.5_Islam

    a) Konzeption
    Das Themengebiet der religiösen Überzeugungen wurde bereits im Lernbereich KR 6.5 angesprochen, jedoch allenfalls recht allgemein, und zwar im Rahmen der Wahrnehmung fremder Kulturen und Lebensweisen. In diesem Lernbereich rückt mit dem Islam der Gegenstandsbereich „Religionen und Weltanschauungen“ selbst in den Fokus. So liegt der Schwerpunkt nicht mehr nur auf der Wahrnehmung und Einordnung von als „fremd und andersartig“ wahrgenommenen Phänomenen, son-dern auf einem altersgemäßen Verstehen der Überzeugungen und Denkweisen einer Weltreligion. Gemäß dem Leitmotiv - „Neue Horizonte erforschen“ - soll der Lernbereich keine reine Wiederholung von Grundschulwissen sein, sondern sich zu einem altersgemäßen Verstehen weiten. Der progressive Aufbau des Lehrplans bietet die Chance, das in der Grundschule Gelernte zum Ausgangspunkt einer vertieften Betrachtung zu machen, um Grundzüge des Islam in deren innerer Kohärenz zu verstehen und Ausdifferenzierungen des Islam zu erkennen.
    Die erste Kompetenzerwartung dient mehreren Anliegen. Zum einen wird die Erfah-rung der Schülerinnen und Schüler, die auf sehr unterschiedliche Weise Kontakt mit muslimischen Lebenswelten haben, an den Anfang gestellt, um einen Einblick in die oft unterschiedlichen Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler selbst zu gewinnen und die sich hierbei auftuenden konkreten Fragen als Basis für ein erfolgreiches Vorgehen zu nehmen. Zum anderen soll von Beginn an die Vielfalt der Lebenspraxis von Muslimen in den Blick geraten, so dass ein enges Bild von „dem Islam“ aufgebrochen wird. Die Verschiedenheit offenbart sich auch in den „traditionellen Schulen des Islam“. So ist es sinnvoll, die im Alltag vollzogenen und mit den sog. 5 Säulen verbundenen Handlungen und Riten in ihrer Begründung durch Koran und Hadithe sowie die Ausführungsvarianten als Folge der Deutung dieser Schriften zu erfassen. Die Bedeutung der Interpretation der drei zentralen Schriften - des Koran, der Hadithe und der Sira – steht im Zentrum eines eingehenden Verständnisses, sofern die Unterschiede auf die Auslegungstradition zurückzuführen sind, welche die Schriften als Gesetzestexte auffasst. An dieser Stelle könnten bereits das Gottesbild und die damit verbundene Auffassung des Korans als eines direkten Wortes Allahs angesprochen werden.
    Die zweite Kompetenzerwartung nimmt die Überlieferungen bezüglich Muhammad in den Blick und macht deutlich, dass diese für die Auslegung von Gesetzen und Verhaltensregeln einen ebenso hohen Stellenwert besitzen wie der Koran. Bei allen Lebenslagen wird gefragt, was Muhammad hier getan hätte, und analog zu den überlieferten Texten werden die Gebote erlassen, die als Sammlung Scharia genannt werden. Damit wird auch die zentrale Stellung Muhammads als eines Garanten für die Legitimation der Schriften und  den religiösen wie politischen Führungsanspruch deutlich; Muhammad  hat – gemäß Koran - seinen Anspruch vom  Propheten für Arabien zum „Siegel der Propheten“ für alle Völker ausgeweitet.
    Die von Beginn an den Islam prägende Verquickung von politischer Geschichte und religiöser Neuausrichtung der arabischen Völker ist in der Folge der Inhalt der dritten Kompetenzerwartung, welche an die Ursprungsgeschichten um Muhammad anschließt. Hier ist ein erstes Begreifen der bis heute nachwirkenden starken Differenzierung innerhalb des Islam das Ziel. Machtkämpfe und kulturelle Unterschiede sollen als nicht unwesentlicher Hintergrund auch für religiöse Spaltungen verstanden werden, so dass der Islam nicht als Einheit, sondern als sich verändernde Vielfalt in den Blick gerät.
    Nachdem der Zusammenhang zwischen Allah als strengem Gesetzgeber und der Schrift Thema war, initiiert die vierte Kompetenzerwartung einen Vergleich mit dem christlichen Glauben. Die am Anfang der Geschichte erkennbaren Gemeinsamkeiten von Islam, Judentum und christlichen Überzeugungen, die dann oft zu falschen Vereinfachungen vor allem bezüglich des Gottesbildes führen können, sind ebenso Thema wie die klaren Differenzen, die sich in der theologischen Bewertung Jesu und des damit verbundenen Gottesverständnisses sowie der daraus folgenden Weltbegegnung von Muslimen und Christen ergeben. Konkret können z. B. die unterschiedliche religiöse Bewertung des christlichen Gotteshauses (sakraler Raum /Kirchweih) und des muslimischen Versammlungsraums zu einem besseren Verständnis des Verhältnisses der jeweiligen Gläubigen zu Gott bzw. Allah beitragen.
    Angesichts von religiös motivierter Gewalt, hier vor allem angesichts der Beispiele eines mit dem Dschihad begründeten Terrors, sollen mit der letzten Kompetenzerwartung Überlegungen für Möglichkeiten eines Dialogs angestellt werden. Ansatzpunkte einer Auseinandersetzung sind, neben der Feststellung fundamentaler Voraussetzungen für diesen notwendigen Dialog, die Bemühungen der katholischen Kirche, die ihrem Selbstverständnis entsprechen (Nostra Aetate).
    Als sinnvoller Abschluss der Einheit kann der Besuch einer Moschee mit sehr gut vorbereiteten Fragen stehen.

    b) Kooperationsmöglichkeiten
    Die Kultur und die in einer Gesellschaft praktizierten Verhaltens- und Lebensformen sind nicht nur Bestandteil einer von außen kommenden Betrachtung der meist als fremd empfundenen Religionen, sondern oft die Basis, um den Zusammenhang von Glaubensäußerungen und der „Lehre“ zu verstehen. Insofern ist eine gemeinsame Unternehmung bzw. eine Zusammenarbeit mit dem Fach Geographie von großem Vorteil. So ist der Lernbereich Geo 7.2 mit „Einheit und Vielfalt in Europa“ überschrieben; ausdrücklich sind die Stichworte „Migration“ und „Integration“ hier zu finden. Ebenfalls in der Jahrgangsstufe 7 ist der Glaube von Muslimen Gegenstand einer Reflexion in ER 7.3 sowie in Eth 7.1, so dass hier eine Form der Zusammenarbeit leicht fällt. In Bezug auf die geschichtliche Genese des Islam und der Konfrontationen mit dem Machtbereich christlicher Herrscher ist eine Kooperation mit dem Fach Geschichte sicher von gegenseitigem Vorteil. Zum einen kann auf G 6.6 - Ausbreitung des Islam - zurückgegriffen werden, zum anderen werden in G 7.3 die Kreuzzüge und die Eroberung Konstantinopels behandelt. Ebenso ist im Fach Kunst der Vergleich von Sakralbauten, explizit der von Kirchen und Moscheen, Teil des Lernbereichs Ku 7.2.



Ergänzende Informationen sind nicht Bestandteil des Lehrplans.